Portrait

Angekommen zwischen Büchern

Mild: Momona Id / MDC

Ende 2014 entschloss sich die Syrerin Souriana Almeer Mahmoud, ihre Heimatstadt Damaskus zu verlassen. Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern kam sie nach Berlin. Sie brauchte einige Monate und viele Deutschstunden, bis sie Fuß fassen konnte.

Als Bomben zum zweiten Mal das Gebäude treffen, in dem sie gemeinsam mit ihrer Familie lebt, und die Nachbarwohnung zerstören, fasst Souriana Almeer Mahmoud einen Entschluss. Sie will nicht länger in Damaskus ausharren. Seit 17 Jahren lebt Souriana zu diesem Zeitpunkt in der syrischen Hauptstadt, arbeitet als Sekretärin in der syrischen Rechtsanwaltskammer. Ihre zwei Töchter, die heute 13 und neun Jahre alt sind, gehen jeden Tag zur Schule. "Das war sehr gefährlich, und die Angst um meine Kinder wurde einfach zu groß", erzählt Souriana. Heute besuchen ihre Töchter Berliner Schulen, und Souriana hat einen hellen und ruhigen Arbeitsplatz in der Bibliothek des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), wo sie sich als Praktikantin unter anderem um Literaturanfragen der Forschenden kümmert.

Die Entscheidung, Syrien zu verlassen und nach Deutschland zu gehen, fällt Ende 2014. Souriana hat zwei Brüder, die schon lange in Berlin leben, hier studiert haben. Sie laden sie offiziell ein, im Februar 2015 bricht sie zunächst alleine nach Deutschland auf. Die Aufenthaltsbewilligung ist schnell da. Über die Musik findet sie bereits nach einigen Wochen eine Freundin. Sie treten gemeinsam auf; Souriana spielt Oud, ein orientalisches Lauteninstrument, und Akkordeon. Die Freundin hilft ihr, eine Wohnung zu finden. Ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft kann die Familie nachkommen.

"Anfangs war es wegen der neuen Sprache schwierig"

Nur arbeiten kann die quirlige Frau erst einmal nicht -es ergeht ihr wie vielen anderen Flüchtlingen. Es fehlen die nötigen Unterlagen für die Anerkennung der beruflichen Abschlüsse und vor allem Deutschkenntnisse. Ein halbes Jahr nachdem Souriana in Deutschland angekommen ist, startet sie mit einem Integrationskurs. Nach bestandener Prüfung wendet sie sich an das Jobcenter, das ihr zunächst einen weiteren Sprachkurs vermittelt. Dann bieten die Mitarbeiter ihr an, ein Praktikum am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin zu machen.

"Anfangs war es für mich wegen der neuen Sprache schwierig, hier zurechtzukommen", sagt Souriana über ihr Praktikum, das am 1. Februar 2017 startete. Ziemlich genau zwei Jahre, nachdem sie in Berlin landete. Inzwischen hat sie sich gut am MDC und in der Bibliothek eingelebt. Vor allem in den Pausen, wenn sie sich mit den Kolleginnen austauscht, kann sie ihr Deutsch verbessern: "Viel sprechen ist wichtig für mich", sagt Souriana.

Ihr Praktikum läuft bis Ende April. Am MDC könnte sie eine Ausbildung zur Bibliothekarin beginnen, wenn sie zuvor ihr Deutsch weiter verbessert. Das Team um Bibliotheksleiterin Dorothea Busjahn möchte die Syrerin nicht mehr missen. Trotz ihrer 44 Jahre kann sich Souriana eine Ausbildung gut vorstellen, sie würde aber auch gern finanziell auf eigenen Füßen stehen. "Drei Jahre Ausbildung - das ist schon sehr lang", sagt sie. Priorität haben auf jeden Fall weitere Sprachkurse: Ihre Töchter sprechen untereinander meist Deutsch. Beide sind bestens integriert. Ihre ältere Tochter Julia geht aufs Gymnasium, Mira, die jüngere, besucht die Grundschule - und die Mädchen verständigen sich fließend in der Sprache ihres Gastlandes. Da will Souriana nicht den Anschluss verlieren.

Flüchtlingsinitiative der Helmholtz-Gemeinschaft

Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit hat die Helmholtz-Gemeinschaft eine Initiative gestartet: Sie bietet Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, einen Einstieg in eine wissenschaftliche oder wissenschaftsnahe Beschäftigung. Die Helmholtz-Gemeinschaft kommt damit ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung nach und eröffnet talentierten Menschen eine berufliche Perspektive. In dieser Serie wollen wir Ihnen eine kleine Auswahl der Menschen vorstellen, die auf diesem Weg zu einem Helmholtz-Zentrum gekommen sind.

Informationen zur Flüchtlingsinitiative

Zum Weiterlesen:

"Wir studierten bei Kerzenlicht" - Khaled Alomari, syrischer Flüchtling am Helmholtz-Zentrum Berlin HZB

31.03.2017, Wiebke Peters
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