Zahlen, Beispiele, Erfolge

Forscher der Helmholtz-Gemeinschaft kooperieren mit Partnern aus der Industrie, gründen Unternehmen, lizensieren ihre Erfindungen oder stellen Forschungsinfrastrukturen zur Verfügung.

Diese Aktivitäten spiegeln sich in folgenden Zahlen wieder:

  • Jährlich ca. 2.000 Kooperationsprojekte mit Unternehmen
  • 150 Mio. Euro Erträge aus Kooperationen
  • Jährlich ca. 400 beantragte Schutzrechte und Patente
  • Insgesamt 13.000 Schutzrechte
  • Jährlich ca. 1.400 Lizenz-, Options-, und Übertragungsverträge
  • Jährlich ca. 20 neue High-Tech Spin-Offs

Ein weiterer Weg des Transfers und der Verwertung von Technologien ist der Abschluss von Lizenzvereinbarungen oder Optionen für Schutzrechte wie Patente oder Gebrauchsmuster. Halter sind die Helmholtz-Zentren, da Erfindungen der Wissenschaftler nach dem Arbeitnehmererfindergesetz in der Regel den Forschungszentren gehören. Wenn die Zentren nach Eingang einer Erfindungsmeldung entscheiden, die Invention zum Patent o.ä. anzumelden, können auf die erteilten Schutzrechte verkauft oder auslizenziert werden. Dabei sind die Erfinder am Erlös der Verwertung beteiligt.


Heilen mit schnellen Teilchen

Eine am GSI entwickelte Bestrahlungsmethode hilft Tumorpatienten

Für gewöhnlich dienen die Teilchenbeschleuniger am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung der physikalischen Grundlagenforschung. Doch eines der Projekte aus Darmstadt kommt der Medizin zugute: In Zusammenarbeit mit Medizinern der Radiologischen Klinik Heidelbergs und vom DKFZ haben die GSI-Physiker eine neue Methode der Krebsbehandlung entwickelt, die Ionenstrahltherapie. Dabei schießt ein Beschleuniger schnelle Kohlenstoff-Ionen gezielt auf den Tumor. Erst dort entfalten die Teilchen ihre Wirkung; das umliegende gesunde Gewebe wird weitgehend geschont. Damit lassen sich Tumoren etwa im Kopf effizient behandeln. Die Therapie ist als Heilverfahren anerkannt und wird seit 2009 am Heidelberg Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) angewandt. Auf der Basis der GSI-Patente hat die Siemens AG eine schlüsselfertige Ionentherapie-Anlage entworfen. Die erste entsteht am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, weitere sind in Kiel und Schanghai geplant. Vor kurzem hat Siemens einen weiteren, ergänzenden Lizenzvertrag mit GSI abgeschlossen. Er bezieht sich auf ein in Darmstadt entwickeltes biophysikalisches Modell, mit dem sich eine anstehende Bestrahlung detailliert planen und vorbereiten lässt.


Raketenbrenner im Reihenhaus

Eine Technologie des DLR wird seit 30 Jahren in Heizungen eingebaut

Manch ein Hausbesitzer wird nicht wissen, dass er Raketentechnik aus der Raumfahrt in seinem Keller hat. Doch sie ist inzwischen weit verbreitet: Mehr als eine halbe Million Ölheizungen arbeiten mit dem „Blaubrenner“, der am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurde. Seit 1977 sind an mehrere Firmen in Europa Lizenzen für diese umweltfreundliche Technologie vergeben worden, wie etwa an MAN und Buderus (heute Bosch). Der Blaubrenner ist damit ein Paradebeispiel für einen langfristig wirksamen Technologie-Transfer. Das Verfahren basiert auf der großen Erfahrung des DLR bei der Entwicklung von Raketentriebwerken; in Zusammenarbeit mit den Lizenznehmern wurde es inzwischen weiter verbessert. Das Prinzip: In einem Mischrohr wird das Heizöl vor der Verbrennung verdampft. Dazu werden aus dem Flammenbereich im Brennrohr heiße Gase abgesaugt und dem Nebel aus Öl und Außenluft im Mischrohr zugeführt. Durch das Verdampfen ist das Heizöl besonders gleichmäßig verteilt und verbrennt anschließend fast vollständig – mit blauer statt der üblichen gelben Flamme und praktisch rußfrei. Dadurch ist der Kohlenmonoxid- und Stickoxid-Gehalt in den Abgasen sehr gering und es wird weniger Öl verbraucht.


Pionierarbeit für neuen Impfstoff

Das DKFZ schuf die Grundlagen für eine Krebsimpfung

Gebärmutterhalskrebs ist die zweithäufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Hervorgerufen wird er durch eine Infektion mit Warzenviren, Humane Papillomviren (HPV) genannt. Dass es heute einen Wirkstoff namens Gardasil® gibt, mit dem sich Mädchen gegen die Krankheit impfen lassen können, ist unter anderem Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zu verdanken. Insbesondere der spätere Nobelpreisträger Prof. Dr. Harald zur Hausen hatte in den 1970er Jahren als erster überhaupt postuliert, dass HPV eine Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs spielt. Seit der Markteinführung von Gardasil® im Jahr 2006 erzielt das DKFZ Lizenzerlöse in Millionenhöhe. Erfolg verspricht auch eine weitere Entwicklung aus Heidelberg: DKFZ-Wissenschaftler haben eine Methode gefunden, mit der Frauen sicherer als bislang diagnostiziert werden können, die ein erhöhtes Risiko haben, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Beim bisherigen Routineverfahren, dem Pap-Test, kommt es immer wieder zu falschen Befunden. Der neue Test verspricht deutlich genauere Ergebnisse und damit entfallen aufwändige und für die Frauen belastende Nachuntersuchungen. Der Pharmakonzern Roche hat das Verfahren bereits lizenziert, um es weiterzuentwickeln und auf den Markt zu bringen.


Aus dem Labor in den Computer

Der GMR-Effekt brachte dem Forschungszentrum Jülich nicht nur Nobelpreis-Ehren sondern auch hohe Lizenzeinnahmen

Was Peter Grünberg Ende der 1980er Jahre in seinem Labor am heutigen Forschungszentrum Jülich entdeckte, war nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht eine Sensation, es revolutionierte die Computertechnologie: der GMR- oder Riesen Magnetwiderstands-Effekt. Ein Schichtsystem aus dünnen, abwechselnd magnetischen und nicht-magnetischen Schichten reagiert bereits auf sehr kleine Änderungen eines äußeren Magnetfeldes mit einer sprunghaften Änderung ihres elektrischen Widerstands. Dass dies eine bedeutende Entdeckung war, davon waren die beteiligten Forscher damals schon überzeugt – und meldeten am 16. August 1988 ein Patent an, 14 Tage vor ihren französischen Konkurrenten. Das sollte sich auszahlen, denn was sie noch nicht ahnten: Bereits neun Jahre später brachte IBM mit Jülicher Lizenz ein erstes GMR-Produkt auf den Markt. Der Clou: Leseköpfe mit solchen magnetischen Schichten als Sensor können extrem dicht gespeicherte Daten auslesen, die als winzige, sehr dicht nebeneinander liegende magnetische Bereiche auf die Festplatte geschrieben sind. Das ermöglichte enorme Steigerungen der Speicherdichten von Festplatten. IBM war 1995 der erste Lizenznehmer. Dank der Strategie des Forschungszentrums Jülich, keine Exklusivlizenzen zu vergeben, gelang es, die Lizenz an weitere 13 Unternehmen zu verkaufen, darunter Siemens, Hitachi und Seagate. Sie bescherten dem Forschungszentrum bemerkenswert hohe Lizenzeinnahmen von mehr als 10 Mio. Euro. Heute nutzt nahezu jeder Computer dieses Prinzip in seiner Festplatte. 2007 wurde Peter Grünberg – übrigens gemeinsam mit seinem französischen Konkurrenten Albert Fert – für den GMR-Effekt mit dem Physik- Nobelpreis ausgezeichnet.


Ein Sonar für den Tunnelbau

Das GFZ entwickelt ein System zur Gesteinsanalyse beim Bohren von Tunnelröhren

Der Bau von Tunnelanlagen ist nicht nur ein kostspieliges, sondern auch ein kompliziertes Geschäft. Damit der riesige Bohrer zügig und sicher durch wechselnde Gesteinsschichten getrieben werden kann, muss das zu bohrende Gestein bereits im Vorfeld zuverlässig analysiert werden. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ haben dafür in enger Kooperation mit Industriepartnern das Integrierte Seismische Imaging System ISIS entwickelt, das ähnlich wie ein medizinischer Ultaschall funktioniert. Die Herrenknecht AG, Marktführer auf dem Gebiet der maschinellen Tunnelvortriebstechnik, hat das Marktpotenzial von ISIS erkannt und Ende 2007 und 2009 Lizenzen für ISIS erworben. Nun wird das System zur Serienreife entwickelt. Für das Gesamtsystem sowie einzelne Komponenten hat das GFZ insgesamt 10 Patente angemeldet, unter anderem für die Quelle, die Schallwellen in das Gestein schickt, und für das Empfangssystem aus speziellen Mikrofonen. Auch die Software zur Datenauswertung ist urheberrechtlich geschützt. Der Vorteil von ISIS: Der Sender kann in den Bohrkopf eingebaut werden und die Empfänger in die Felsanker, die das Gewölbe stabilisieren. So ist eine zerstörungsfreie Analyse der Materialbeschaffenheit während des Bohrens möglich. Das erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern spart den Unternehmen auch Zeit und Kosten, wie ISIS bereits beim Bau des Gotthard-Tunnels beweisen konnte.

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Kontakt

    • N. N.
    • Leiter Bereich Transfer und Innovation
      Helmholtz-Gemeinschaft
    • Dr. Martin Kamprath
    • Referent Bereich Transfer und Innovation
      Helmholtz-Gemeinschaft

Pakt-Monitoring-Bericht

Aktuelle Zahlen zu Ausgründungen und Lizensierungen finden Sie im Pakt-Monitoring-Bericht.

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Wie kam es zu dem Entschluss ein Unternehmen zu gründen? Welche Idee steckte dahinter? Und was erleben Wissenschaftler, wenn sie Unternehmer werden? Hinter einer Unternehmensgründung stecken oft spannende Geschichten. Einige finden Sie auf dieser Seite.