Auszeichnung

Zukunftspreis für Roboter-Forscher

Bild: Franka Emika

Die Firma Franka Emika entwickelt flexible und kostengünstige Roboter, die neue Tätigkeiten durch Imitation erlernen können. Diese kleinen Helfer könnten unseren Alltag revolutionieren. Nun wurden die Gründer mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet.

Bislang sind Industrieroboter unsensible Kraftprotze, die eine einmal programmierte Tätigkeit immer wieder und mit hoher Präzision ausführen. Sie interagieren kaum mit ihrer Umwelt und arbeiten in abgeschlossenen Bereichen. Die Zukunft wird wohl anders aussehen: Eine neue Generation von maschinellen Assistenten soll die Menschen direkt unterstützen und Hand in Hand mit ihnen arbeiten können.

Die drei Forscher Sami und Simon Haddadin und Sven Parusel, die jahrelang am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) geforscht haben, verfolgen mit ihrer Ausgründung das Ziel, eine neue Robotergeneration zu bauen. Von der Helmholtz-Gemeinschaft wurden die Gründer früh durch das Ausgründungsprogramm Helmholtz Enterprise gefördert. Die Vision war es stets, Roboter auf den Markt zu bringen, die dem Menschen unangenehme Arbeiten abnehmen und die nicht mehr neben den Menschen her, sondern mit ihnen zusammenarbeiten können. Es sollten sensible, sichere und leicht bedienbare Roboter sein, die viele neue Anwendungen in der Industrie und im privaten Umfeld ermöglichen.

Damit diese Vision Wirklichkeit werden kann, müssen die Roboter nicht nur flexibler, sondern auch deutlich kostengünstiger sein. Bei Franka Emika werden sie deshalb nicht aufwändig mit Codes für ein ganz begrenztes Aufgabengebiet programmiert, sondern mittels so genannter Roboter-Apps gesteuert, die mit einer einfachen Benutzerebene ausgestattet sind und von Laien bedient werden können. Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich. Der Clou dabei: Die Tätigkeiten, die der Roboter ausführen soll, muss ihm der Mitarbeiter lediglich vormachen. Daraus lernt die Maschine und kann das erworbene Wissen selbstständig auch für andere Herausforderungen nutzen - eine Fähigkeit, die herkömmliche Industrieroboter nicht haben. Durch die kurze Zeit des "Einlernens" steht der Roboter binnen kürzester Zeit auch für andere Aufgaben zur Verfügung.

Damit es nicht zu Verletzungen kommt, wenn der Mensch so eng mit den Robotern zusammenarbeitet, verfügen die aus ultraleichten Komponenten bestehenden Maschinen in allen Gelenken über empfindliche Sensoren und führen Bewegungen so aus, wie sie auch bei einem Menschen verlaufen würden. Sie reagieren bereits auf einen leichten Kontakt und verhindern dadurch Verletzungen durch eine Kollision mit der Maschine. Die Roboter werden von einem Unternehmen im Allgäu hergestellt und seit August an Anwender aus Forschung und Industrie ausgeliefert. Insgesamt 300 Stück sollen es nach den Plänen der Gründer in diesem Jahr werden. Ab Sommer 2018 dann schon 300 Stück pro Woche.

An dem Standort im Allgäu sind derzeit rund 40 Mitarbeiter beschäftigt. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in München bietet etwa 80 Arbeitsplätze. Die Anwendungsmöglichkeiten des neuen Systems reichen weit über die industrielle Produktion hinaus. Künftig könnte es auch in Servicerobotern zur Unterstützung von Pflegekräften für alte, behinderte oder kranke Menschen zum Einsatz kommen. Unter anderem in einem Projekt in der Berliner Charité wird dies derzeit erprobt.

Sami Haddadin ist Direktor am Institut für Regelungstechnik der Leibniz Universität Hannover und Professor für Robotik und Systemintelligenz an der Technischen Universität München. Sein Bruder Simon Haddadin ist Geschäftsführer der FRANKA EMIKA GmbH, Sven Parusel hat die Position des Chefingenieurs.

Deutscher Zukunftspreis geht an DLR Ausgründer

Weitere Informationen auf der Website Deutscher Zukunftspreis

Mit dem Deutschen Zukunftspreis für Technik und Innovation zeichnet der Bundespräsident seit rund jedes Jahr excellente wissenschaftliche Innovationen aus, die zugleich wirtschaftliches Potenzial entfalten Die Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 2017 fand am 29. November 2017 in Berlin statt.

Deutscher Zukunftspreis - Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation

28.11.2017, Harald Olkus
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