Heim der Zukunft

Die smarte Wohnung - dein Freund und Helfer

Bringt das Smart Home Vereinfachungen für die Menschen oder stellt es einen Datenschutz-GAU dar? Bild: macrovector - Fotolia.com

Forscher und Unternehmen tüfteln an der vernetzten Wohnung der Zukunft. Die Zahl der Anwendungen steigt. Doch bis zum vollständig intelligenten Heim – dem so genannten Smart Home – ist der Weg noch weit. Das Hauptproblem: Die Geräte sprechen zu wenig miteinander

Sieben Uhr morgens. Ein LED-Sonnenaufgang taucht das Schlafzimmer in blau-gelbes Licht, dazu leise Musik. Weckprogramm: Polarleuchten. Rechtzeitig zum ersten Geschäftstermin. Fahrzeit dorthin 60 Minuten. Der Weg ist staufrei. Aus der Küche dringt das Röcheln der Kaffeemaschine. Der Wecker der Zukunft ist vernetzt: mit dem Kalender, dem Haushalt und dem Stauservice. An solchen vernetzten Annehmlichkeiten arbeitet Kai von Luck. Der Informatiker hat an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften eine smarte Laborwohnung eingerichtet. Ein 130-Quadratmeter-Loft - ohne Wände - dafür mit 150 Hotspots  und vielen Metern Kabel unter dem Boden.

Ein Couchtisch mit Touchscreen erleichtert das Twittern beim Tatort. Ein Display-Spiegel liefert per Gestensteuerung Wetterberichte und Nachrichten beim Zähneputzen. Noch hängt ein Rechner an dem Prototyp. "Von der Technik soll in der vernetzten Wohnung nichts zu sehen sein. Alles muss drahtlos und nahtlos funktionieren", sagt von Luck. Seine Vision: Einmal angemeldet und jedes neue Gerät integriert sich selbstständig in das smarte Ökosystem. Gesteuert wird mit einer Smartphone-App, vielleicht per Sprache.

Alles noch Zukunftsmusik?

"Angebote für smartes Wohnen gibt es viele. Allerdings ist die Verknüpfung der einzelnen Funktionen noch zu kompliziert", sagt Reiner Wichert von der Fraunhofer Allianz "Ambient Assisted Living". Auf dem deutschen Markt tummeln sich fast 500 Heimvernetzung-Unternehmen. Branchenumsatz: 1,6 Milliarden Euro pro Jahr, Tendenz steigend. Doch die Angebote sind oft sehr speziell, die Auswahl unübersichtlich. Ein weiteres Problem: Die Geräte sprechen nicht miteinander. Die Heizung lässt sich zwar genauso per Smartphone steuern wie Fenster und Licht, doch meist nur mit drei verschiedenen Apps. Das ist noch zu wenig smart. Schuld daran sind auch die Hersteller. Sie halten sich an unterschiedliche Standards oder probieren eigene zu etablieren. Nahtlose Kompatibilität: Fehlanzeige. "Die Verweigerung gegen einheitliche Standards ist auf Dauer sinnlos. Die Anwendungen müssen sich vernetzen", sagt Wichert. Dazu besteht sogar Notwendigkeit. Nicht für die Bedürfnisse von Digital Naitives mit Geltungsbewusstsein sondern für die steigende Zahl von Senioren.

Bis 2050 wird die Zahl der über 80-Jährigen hierzulande auf zehn Millionen steigen. Doch moderne Senioren wollen solange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben. Dabei könnten die eigenen vier Wände helfen. Experten sprechen vom Ambient Assisted Living. Ideen für technisch-betreutes Wohnen gibt es viele. Der vernetzte Kleiderschrank hilft beim wettertauglichen Outfit. Herdplatten erinnern ans Ausschalten oder stellen sich selbst ab. Küchenzeilen lassen sich per Sprachbefehl auf Rollstuhlhöhe absenken. Der Pflegedienst kann per Tablet einfach gerufen werden. Technische Berührungsängste gibt es kaum. "Die Skepsis weicht dem Wunsch nach autonomem Leben", sagt Serge Autexier vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Gerade Sicherheit ist ein wichtiges Vernetzungsargument, nicht nur für Senioren. Vor allem der Boden dient dafür als Informationslieferant. Stürzt der betagte Bewohner, verschickt der intelligente Bodenbelag ein Notsignal. Bewegungssensoren beleuchten den nächtlichen Weg zur Toilette oder alarmieren Eltern bei Nachtwanderungen des Nachwuchses. Sogar der Stromverbrauch könnte so sinken. Beim Verlassen des Zimmers geht automatisch das Licht aus. Eine kleine Einsparung.

Problematisch: der Datenschutz

Energieeffizienz ist ein großes Thema. Intelligente Stromzähler, so genannte Smartmeter, sollen den Energieverbrauch steuern. Waschmaschine und Geschirrspüler werden erst eingeschaltet, wenn Wind weht und die Sonne kräftig scheint - der Strom also günstig ist. Versprochene Ersparnis bis zu 15 Prozent. Positiver Nebeneffekt: Verbrauchsspitzen müssten nicht mit Kohle ausgeglichen werden, auch das Anhalten von Windrädern wäre hinfällig. Doch ist ihr Einsatz noch nicht alltagstauglich. Die Hürden sind immer dieselben: Es braucht nicht nur Smartmeter, sondern auch smarte Waschmaschinen mit Internetzugang. Telekommunikation und Stromnetz sollen dafür verschmelzen.

Genau das bereitet Datenschützern jedoch Bauchschmerzen. Wie in der Überwachung der Bewegung stecken auch im Stromverbrauch vertrauliche Informationen. "Der Datenschutz muss von den Herstellern gewährleistet werden", sagt Autexier. Gleichzeitig sollte jeder für sich entscheiden, wie viel Daten er preisgibt und wie viel Technik er in der Wohnung braucht. Es geht nicht darum so viel Technik wie möglich zu verbauen, sondern so viel wie nötig. Manchmal reichen einfache Anwendungen. Ein Beispiel: Manche Almbauern wollen auch im hohen Alter ihre Bergidylle nicht verlassen. Salzburger Forscher statteten ihre Häuser deshalb mit Lichtschranken an der Treppe aus. Sie registrieren, ob der Bauer frühmorgens aufsteht und nach unten in die Küche geht. Kam bis Mittag niemand die Treppe hinunter, schlägt das System Alarm. Kostenpunkt: Weniger als 100 Euro, Technik aus dem Baumarkt.

Sieben Uhr morgens. Ein LED-Sonnenaufgang taucht das Schlafzimmer in blau-gelbes Licht, dazu leise Musik. Weckprogramm: Polarleuchten. Rechtzeitig zum ersten Geschäftstermin. Fahrzeit dorthin 60 Minuten. Der Weg ist staufrei. Aus der Küche dringt das Röcheln der Kaffeemaschine. Der Wecker der Zukunft ist vernetzt: mit dem Kalender, dem Haushalt und dem Stauservice. An solchen vernetzten Annehmlichkeiten arbeitet Kai von Luck. Der Informatiker hat an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften eine smarte Laborwohnung eingerichtet. Ein 130-Quadratmeter-Loft - ohne Wände - dafür mit 150 Hotspots  und vielen Metern Kabel unter dem Boden.

Ein Couchtisch mit Touchscreen erleichtert das Twittern beim Tatort. Ein Display-Spiegel liefert per Gestensteuerung Wetterberichte und Nachrichten beim Zähneputzen. Noch hängt ein Rechner an dem Prototyp. "Von der Technik soll in der vernetzten Wohnung nichts zu sehen sein. Alles muss drahtlos und nahtlos funktionieren", sagt von Luck. Seine Vision: Einmal angemeldet und jedes neue Gerät integriert sich selbstständig in das smarte Ökosystem. Gesteuert wird mit einer Smartphone-App, vielleicht per Sprache.

Alles noch Zukunftsmusik?

"Angebote für smartes Wohnen gibt es viele. Allerdings ist die Verknüpfung der einzelnen Funktionen noch zu kompliziert", sagt Reiner Wichert von der Fraunhofer Allianz "Ambient Assisted Living". Auf dem deutschen Markt tummeln sich fast 500 Heimvernetzung-Unternehmen. Branchenumsatz: 1,6 Milliarden Euro pro Jahr, Tendenz steigend. Doch die Angebote sind oft sehr speziell, die Auswahl unübersichtlich. Ein weiteres Problem: Die Geräte sprechen nicht miteinander. Die Heizung lässt sich zwar genauso per Smartphone steuern wie Fenster und Licht, doch meist nur mit drei verschiedenen Apps. Das ist noch zu wenig smart. Schuld daran sind auch die Hersteller. Sie halten sich an unterschiedliche Standards oder probieren eigene zu etablieren. Nahtlose Kompatibilität: Fehlanzeige. "Die Verweigerung gegen einheitliche Standards ist auf Dauer sinnlos. Die Anwendungen müssen sich vernetzen", sagt Wichert. Dazu besteht sogar Notwendigkeit. Nicht für die Bedürfnisse von Digital Naitives mit Geltungsbewusstsein sondern für die steigende Zahl von Senioren.

Bis 2050 wird die Zahl der über 80-Jährigen hierzulande auf zehn Millionen steigen. Doch moderne Senioren wollen solange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben. Dabei könnten die eigenen vier Wände helfen. Experten sprechen vom Ambient Assisted Living. Ideen für technisch-betreutes Wohnen gibt es viele. Der vernetzte Kleiderschrank hilft beim wettertauglichen Outfit. Herdplatten erinnern ans Ausschalten oder stellen sich selbst ab. Küchenzeilen lassen sich per Sprachbefehl auf Rollstuhlhöhe absenken. Der Pflegedienst kann per Tablet einfach gerufen werden. Technische Berührungsängste gibt es kaum. "Die Skepsis weicht dem Wunsch nach autonomem Leben", sagt Serge Autexier vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Gerade Sicherheit ist ein wichtiges Vernetzungsargument, nicht nur für Senioren. Vor allem der Boden dient dafür als Informationslieferant. Stürzt der betagte Bewohner, verschickt der intelligente Bodenbelag ein Notsignal. Bewegungssensoren beleuchten den nächtlichen Weg zur Toilette oder alarmieren Eltern bei Nachtwanderungen des Nachwuchses. Sogar der Stromverbrauch könnte so sinken. Beim Verlassen des Zimmers geht automatisch das Licht aus. Eine kleine Einsparung.

Problematisch: der Datenschutz

Energieeffizienz ist ein großes Thema. Intelligente Stromzähler, so genannte Smartmeter, sollen den Energieverbrauch steuern. Waschmaschine und Geschirrspüler werden erst eingeschaltet, wenn Wind weht und die Sonne kräftig scheint - der Strom also günstig ist. Versprochene Ersparnis bis zu 15 Prozent. Positiver Nebeneffekt: Verbrauchsspitzen müssten nicht mit Kohle ausgeglichen werden, auch das Anhalten von Windrädern wäre hinfällig. Doch ist ihr Einsatz noch nicht alltagstauglich. Die Hürden sind immer dieselben: Es braucht nicht nur Smartmeter, sondern auch smarte Waschmaschinen mit Internetzugang. Telekommunikation und Stromnetz sollen dafür verschmelzen.

Genau das bereitet Datenschützern jedoch Bauchschmerzen. Wie in der Überwachung der Bewegung stecken auch im Stromverbrauch vertrauliche Informationen. "Der Datenschutz muss von den Herstellern gewährleistet werden", sagt Autexier. Gleichzeitig sollte jeder für sich entscheiden, wie viel Daten er preisgibt und wie viel Technik er in der Wohnung braucht. Es geht nicht darum so viel Technik wie möglich zu verbauen, sondern so viel wie nötig. Manchmal reichen einfache Anwendungen. Ein Beispiel: Manche Almbauern wollen auch im hohen Alter ihre Bergidylle nicht verlassen. Salzburger Forscher statteten ihre Häuser deshalb mit Lichtschranken an der Treppe aus. Sie registrieren, ob der Bauer frühmorgens aufsteht und nach unten in die Küche geht. Kam bis Mittag niemand die Treppe hinunter, schlägt das System Alarm. Kostenpunkt: Weniger als 100 Euro, Technik aus dem Baumarkt.

Artikelserie zur Digitalisierung

Wie beeinflusst die zunehmende Digitalisierung unser Leben? Erledigen vernetzte Kühlschränke bald unsere Einkäufe? Werden wir gesünder durch digitale Pulsmesser und elektronische Kalorienzähler? Oder bequemer und kränker durch selbstfahrende Autos? Und wohin führen die offensichtlichen Sicherheitslücken im weltweiten Netz?


Diese und andere Fragen beantworten wir in unserer Online-Serie zum Thema „Big Data und der Einfluss der Digitalisierung auf unser Leben“. Einmal im Monat veröffentlichen wir an dieser Stelle begleitend zum diesjährigen Wissenschaftsjahr „Die digitale Gesellschaft“ einen Beitrag zu Themen, die uns alle angehen. Was denken Sie über das Thema? Diskutieren Sie mit.

17.07.2014 , Birk Grüling
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