Gründerportrait

„Das Geschäft kam von Anfang an auf uns zu“

Bild: CSPS

Vor zehn Jahren gründeten Eckard Lüpfert und seine Kollegen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt eine Firma. Ihr Produkt: eine ausgeklügelte Technik, mit deren Hilfe die Stromausbeute bei Solaranlagen deutlich steigt. Heute kommen die Kunden aus aller Welt – auch ohne großes Marketing.

Ob in Kalifornien, Nordindien oder rings ums Mittelmeer: In aller Welt entstehen derzeit riesige Solarkraftwerke. Gute Aussichten also für die Solarindustrie, sollte man meinen. Doch in Europa geht ein ehemaliger Branchenprimus nach dem anderen pleite. Es ist ein hart umkämpfter Markt, in dem nur überlebt, wer etwas Besonderes zu bieten hat.

Die Spezialität der Kölner Firma CSP Services (CSPS) ist eine ausgeklügelte Messtechnik für Solarkraftwerke. Damit lassen sich die typischen parabolisch gekrümmten Spiegel so präzise ausrichten, dass sie die Kraft der Sonne bestmöglich einfangen. Die Stromausbeute kann auf diese Weise um bis zu acht Prozent gesteigert werden.

Rund dreißig Mitarbeiter hat die CSP Services heute, fast zehn Jahre nach der Ausgründung aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Mit Kundschaft auf fünf Kontinenten und vollen Auftragsbüchern hat es die Firma zum Weltmarktführer in ihrem Bereich gebracht. Ein Bilderbuchstart, wie er nur ausgebufften, hochmotivierten Businessprofis gelingt?

„Nein, nein“, wehrt Eckhard Lüpfert ab, „meine Kollegen und ich wollten anfangs gar keine Firma gründen.“ Es war im Jahr 2006, Lüpfert war noch nicht lange wieder aus Almeria zurück, wo er für das DLR als Maschinenbauingenieur im europäischen Solartestzentrum Plataforma Solar gearbeitet hatte. Nun fuhr er wieder jeden Tag ins DLR-Institut für Solarforschung in Köln-Porz und tüftelte mit seinem Team weiter an der in Spanien entwickelten Messtechnik. Die Idee der Ausgründung entstand zusammen mit Lüpferts Chef, Robert Pitz-Paal. Auch zwei Kollegen aus dem Institut, der Physiker Klaus Pottler und der Maschinenbauingenieur Steffen Ulmer, ließen sich dafür begeistern. Als Familienväter schätzten sie alle ihr sicheres Einkommen als Angestellte. Doch angesichts des damaligen Booms der Solarbranche und nach dem Besuch einiger Gründerseminare siegte der Unternehmergeist: „Aus unserem Nein wurde ein Vielleicht und schließlich ein Ja“, sagt Eckhard Lüpfert.

Ende des Jahres 2007 gründeten die drei Pioniere ihr Unternehmen als gleichberechtigte Geschäftsführer. Auch die beiden DLR-Manager Robert Pitz-Paal und Marc Röger stiegen mit ein. Von Anfang an gab es zwei Standorte: In Köln entwickeln heute zehn Angestellte Technik und Geschäftsfelder weiter, in Almeria sind rund 20 Mitarbeiter mit Tests, Produktion und Kundenbetreuung beschäftigt. Zusammen erwirtschaftet man durchschnittlich fast 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz, eine stolze Summe für ein Unternehmen dieses Kalibers.

Aufwändige Werbung sei nicht erforderlich, berichtet Lüpfert: „Das Geschäft kam von Anfang an auf uns zu.“ Zu den Kunden zählen Hersteller von Anlagen und Komponenten, aber auch Betreiber von Solarkraftwerken, Investoren, Banken und internationale Organisationen. Viele von ihnen sind CSPS seit Langem treu, trotz des gehobenen Preisniveaus. Liegt das etwa an geringer Konkurrenz? „Das ist auch ein Grund“, sagt Lüpfert. Ausschlaggebend sei jedoch die Reputation seiner Firma als zuverlässiger und kompetenter Partner, der hochwertige, maßgeschneiderte Lösungen bietet.

An zwei bis drei Tagen in der Woche arbeitet der inzwischen 51-Jährige weiterhin am DLR-Institut für Solarforschung. Dort sucht er zusammen mit jungen Forschern nach Antworten auf aktuelle technische Fragen. „Zur Freude meines Institutsleiters bringe ich immer wieder praxisrelevante Promotionsthemen für den Nachwuchs mit“, sagt Lüpfert.

Am DLR beschäftigt sich Lüpfert auch mit der Weiterentwicklung technischer Standards und Normen auf dem Gebiet der konzentrierenden Solarenergie. Er ist Mitglied der maßgeblichen nationalen und internationalen Gremien und Verbände, hält Vorträge auf Kongressen und veröffentlicht Aufsätze in Fachzeitschriften. „Das trägt sehr zum Renommee unserer Firma bei“, sagt der Firmengründer, „und es verschafft uns immer wieder neue Kunden aus aller Welt.“

Die Turbulenzen des Solarmarktes gingen nicht spurlos an der Hightech-Firma aus dem Rheinland vorbei. Schwierig war das Jahr 2010, als Aufträge lange auf sich warten ließen und der Umsatz um ein Drittel einbrach. Aber schon zwei Jahre später erreichten Umsatz und Gewinn ein neues Rekordniveau, hinzu kam die ehrenvolle Finalteilnahme beim Deutschen Gründerpreis. 2012 war auch das Jahr, in dem CSP Services sich auf den unbekannten chinesischen Markt wagte. „Das erforderte viel Mut, aber es hat sich gelohnt“, sagt Eckhard Lüpfert. Aktuell engagiert sich die Firma bei Projekten in Saudi Arabien und Namibia – Regionen, in denen ebenso wie in Indien und Süd- und Nordamerika die Solarmärkte der Zukunft entstehen.  

Mit ihren Projekten in vielen Ländern könnten die CSPS-Chefs ständig auf Reisen sein. Doch vieles erledigen sie vom Schreibtisch aus – per E-Mail, Telefon und Videokonferenz. Vor allem in den ersten Jahren sei das Arbeitspensum enorm gewesen, sagt Lüpfert: Für ihn waren mindestens 60 Wochenstunden normal. Heute tritt er kürzer und kümmert sich wieder mehr um die Familie. Seine Frau arbeitet ebenfalls in der Firma. Drei der vier gemeinsamen Kinder sind bereits aus dem Haus und auch der jüngste Sohn wird bald flügge sein. CSP Services ist es jetzt schon.

Das Sonnenlicht optimal nutzen

In nur einer Stunde schickt die Sonne genug Energie auf die Erde, um den Jahresbedarf der Weltbevölkerung zu decken. Um dieses Potenzial zu nutzen, setzt man unter anderem auf eine Technologie namens Concentrating Solar Power (konzentrierende Solarthermie, CSP). Dabei wird das Sonnenlicht mit großen parabolisch gekrümmten Spiegeln gebündelt, in Wärme umgewandelt und schließlich in einem zentralen Kraftwerksblock in Strom umgewandelt.

Die Spiegelreihen in Parabolrinnenkraftwerken sind viele Kilometer lang und müssen präzise technische Vorgaben erfüllen, um einen möglichst hohen Wirkungsgrad zu erzielen. Das Gründerteam des Unternehmens CSP Services (CSPS) hat hierfür spezielle Messverfahren entwickelt. Sie basieren auf der computergestützten Auswertung digitaler Fotos. Dabei wird die Form einzelner Spiegel und kompletter Solarthermiekollektoren dreidimensional erfasst und mit den Anforderungen verglichen, um daraufhin genaue Qualitätskennzahlen abzuleiten. 

Mit dem Instrument Helmholtz Enterprise unterstützt die Helmholtz-Gemeinschaft seit nunmehr zehn Jahren gezielt Ausgründungen aus den Zentren. In dieser Serie stellen wir Unternehmen vor, die in dieser Zeit von dem Instrument profitieren konnten.

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06.07.2016, Lilo Berg
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