Interview

Wie schmutzig ist der Diesel wirklich?

Ein Messschlauch eines Gerätes zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines Autos. Foto: Patrick Pleul/dpa

Dieselmotoren gelten als wesentliche Mitverursacher der Luftverschmutzung. Dabei produzieren die modernen Modelle kaum noch Feinstaub und Stickoxide. Wir sprachen mit Thomas Koch über eine in Verruf geratene Technologie.

Gerade rät der ADAC vom Dieselkauf ab: Man solle erst einmal warten, bis im Herbst Modelle mit dem Standard Euro 6D auf den Markt kommen. Sehen Sie das auch so?

Man muss unterscheiden zwischen der ersten und der zweiten Generation Euro 6. Die zweite Generation Euro 6 genügt der neuen Norm "real driving emission". Sie ist in der Art, wie sie ausgeführt wird, die strengste Norm, die es gibt. Diese Norm - Euro 6Dtemp - wird ab September 2017 für Neuzertifizierungen verpflichtend sein. Gleichzeitig werden jedoch aktuell die Fahrzeuge der ersten Generation softwareseitig überholt und können nach diesem Update mit einem guten Gewissen empfohlen werden.

Und was ist der fundamentale Unterschied zur ersten Generation, den Euro 6-Fahrzeugen, die seit 2014 vertrieben werden?

Sie wurden noch in der alten Gesetzeswelt zertifiziert: Der sogenannte Europäische Fahrzyklus als Testmethode auf dem Prüfstand zur Ermittlung des Kraftstoffverbrauchs und der Abgasemissionen hatte noch relativ lasche Randbedingungen. Das Neue bei Euro 6 war die Adblue-Technologie, bei der Harnstoff in den Abgasstrang eingespritzt wird, um die Stickoxide zu reduzieren. Das ist prinzipiell die entscheidende Technologie, doch viele Fahrzeuge der ersten Generation hatten NOx-Emissionen von 700 bis 800 Milligramm pro Kilometer, bei einem gesetzlichen NEFZ Zertifizierungsgrenzwert von 80 Milligramm.

Woran liegt das?

Ich kann den Harnstoff erst ab 180 bis 200 Grad dosieren, darunter kommt es zu Belagsbildung und Korrosion im Abgastrakt. Aber ein Dieselmotor mit einem hohen Wirkungsgrad hat nun mal eine niedrigere Abgastemperatur. Die Hersteller haben bei der ersten Generation das letzte Promille Verbrauch rausgeholt, aber mit jedem Promille wird das Abgas kälter. Diese Applikationsstrategie war sicherlich kritikwürdig. Man hätte beim Verbrauch etwas nachgeben müssen. Denn erst im Fenster oberhalb von 180 bis 200 Grad werden die Stickoxide gebannt. Die Fahrzeuge dieser ersten Generation werden aktuell so umgerüstet, dass sie geringfügig mehr verbrauchen zugunsten einer höheren Abgastemperatur. Fahrzeuge, die bisher 600 oder 800 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen, liegen dann um 200 bis 250 Milligramm.

Das sind noch immer deutlich mehr als die geforderten 80 Milligramm ...

Mit den 180 Milligramm (Euro 5) und den 80 Milligramm (Euro 6) hat die Politik etwas vorgegeben, was technologisch noch nicht umsetzbar war. Daraufhin wurden Grauzonen eingebaut, in denen sich alle bewegt haben - und mancher hat die Grauzone, die der Gesetzgeber zustehen musste, überstrapaziert. Erst mit der zweiten Generation, der Euro 6D, sitzen Partikelfilter und Katalysator jetzt ganz vorne am Motor, wo es wärmer ist. Diese neuen Fahrzeuge emittieren nicht 80, sondern typischerweise nur noch 20 bis 60 Milligramm pro Kilometer. Die Dieseldiskussion ist also eine reine Altlastendiskussion, über die die unglaublich positive Entwicklung total zerredet wird. Die Gesetzgebung, die in diesem Jahr kommt, legt im Realbetrieb in der ersten Phase den NOx-Grenzwert auf 168 Milligramm pro Kilometer fest. Bei 169 Milligramm sind Sie dran als Hersteller. Eine derartig präzise Messtechnik konnten sich viele vor drei, vier Jahren gar nicht vorstellen - jetzt ist sie da. Ich begrüße diese strengen Messungen außerordentlich - schon damit endlich Ruhe ist.

Aber sind 168 Milligramm statt 80 nicht ein Zugeständnis an die Industrie?

Keineswegs, denn die Testanforderungen sind andere: Dieser neue Grenzwert muss auch in einer Kombination ungünstiger Randbedingungen eingehalten werden. Also beispielsweise bei voll ausgelastetem Fahrzeug, sportlicher Fahrweise, Bergfahrt oder Kälte. Das Auto muss im Normalbetrieb deutlich weniger emittieren, denn vielleicht ist im nächsten Moment eine ungünstige Randbedingung zu kompensieren. Oder mehrere. So eine Testrunde dauert ungefähr eine Stunde.

"Haben die Ingenieure versagt?", haben Sie gerade in Ihrem Vortrag am KIT gefragt. Wenn ich Sie bislang richtig verstanden habe: Die Ingenieure haben das technisch Mögliche gemacht, können aber auch nicht zaubern.

Richtig. Und sie haben Fehler gemacht, indem sie insbesondere bei EURO5 bei einer Unerfüllbarkeit niedrigster NOx-Emissionen im Realbetrieb mit dieser Emissionskomponente insgesamt zu lax umgegangen sind. Wenn hierbei - wie bei VW geschehen - illegale Algorithmen verbaut wurden, um Prüfstandmessungen zu erkennen, ist das nicht akzeptabel. Aber im Wesentlichen kämpfen alle Ingenieure seit 20 Jahren dafür, die Emissionen zu senken und haben es hinbekommen. Das Thema ist technisch gelöst.

Sofern man ein Fahrzeug nach Euro 6D besitzt. Bei einem Euro 6 der ersten Generation kann ich nachrüsten - nur bei einem Euro 5-Fahrzeug habe ich eben Pech und darf nicht mehr in die Innenstadt?

Euro 5 hat noch keine Stickoxid-Nachbehandlung. Bei der Einführung dieser Norm forderte der Gesetzgeber zu Recht einen Partikelfilter für alle Dieselfahrzeuge. Die ganz große Herausforderung war: Wie bekomme ich den Ruß wieder aus dem Filter heraus? Möglichkeit eins: Ein Additiv auf der Basis von Cerin, das mit dem Kraftstoff vermischt wird. Der Ruß war besonders reaktiv und ist leicht verbrannt. Leider ist Cerin leicht giftig. Möglichkeit zwei: Wir erhitzen den Partikelfilter auf 600 Grad und halten ihn eine halbe Stunde auf diese Temperatur, dann ist der Ruß weg. Das kostet aber Kraftstoff und verursacht viele andere technische Schwierigkeiten. Möglichkeit drei: Den Ruß durch Stickoxide reduzieren. Euro 5-Fahrzeuge benötigen so viele Stickoxide - ganz konkret NO2 -, um den Partikelfilter vor dem Aufrußen zu schützen. Das war mehr ein Zwischenschritt als eine Dauerlösung. Man hätte lieber zwei, drei Jahre weiter entwickeln sollen und dann sagen: Wir machen das jetzt richtig. Der Druck des Gesetzgebers nach einer frühen Einführung der EURO5 Norm war jedoch immens und hier war in der Tat die Anforderung der Politik nicht mit den Möglichkeiten der Technik synchron unterwegs. Niedrigemissionskonzepte, die in den USA für wenige ausgewählte Fahrzeuganwendungen überhaupt angeboten wurde, hatten Demonstratorcharakter und waren mit vielen Herausforderungen behaftet. Heute profitieren wir von vielen Erkenntnissen und Erfahrungen, die mit diesen Systemen gewonnen wurde.

Und was mache ich jetzt mit einem Euro 5-Auto?

Der Lösungsansatz bei der Nachrüstung heißt Euro 5+ und zielt darauf, wo immer möglich zu optimieren. Das Ziel ist, bei 50 Prozent der Fahrzeuge die Emissionen um etwa 50 Prozent zu reduzieren. Das ist anspruchsvoll, weil es bei vielen Fahrzeugen nicht gelingen wird. Aber weil die Kommunen so großen Druck machen, muss man es auch dort probieren, wo man normalerweise die Finger von lassen sollte.

Die Kommunen wollen nun mal die Feinstaubbelastung senken...

Achtung, wir reden nur von den Stickoxiden! Feinstaub ist ein ganz anderes Thema. Beim modernen Diesel gibt es kein Feinstaubproblem mehr. Das Thema ist durch. Ein Fahrrad hat typischerweise einen Felgenverschleiß von 0,1 Millimeter auf 1000 Kilometer: Beim Bremsen entweichen Metalloxide in die Umgebung. Das sind auf einen Kilometer umgerechnet drei bis vier Milligramm. Der Partikelausstoß aus dem Auspuff eines Diesels liegt bei 0,2 bis 0,5 Milligramm. Auch wenn die öffentliche Wahrnehmung eine andere ist: Wir haben bei vielen Betriebszuständen eine niedrigere Partikelkonzentration im Abgas als in der Umgebungsluft einer Stadt.

Institut für Kolbenmaschinen am KIT

Gastkommentar von Thomas Koch bei n-tv.de 

02.08.2017 , Interview: Thomas Röbke
Leserkommentare, diskutieren Sie mit (29)
Albert Wolfgruber 02-08-2017 22:08

Endlich mal ein Interview, bei dem jemand mit technischem Know-how antwortet und nicht nur polemische Antworten der einen oder anderen Seite parat hat.
SUPER Info, danke!

Wolfgang Mexner 03-08-2017 09:08

Ein Vergleich der Feinstaubemission von Fahrrad-Bremsen mit dem Diesel Motor hinkt etwas. Es zeigt natürlich, dass die Emission des Motors niedrig sind, erweckt aber den Eindruck, ein Auto mit modernen Dieselmotor erzeugt weniger Feinstaub als ein Fahrrad. Hier sollte man korrekterweise noch erwähnen, dass der Gesamt-Feinstaub eines Autos mit Bremsen und Reifen ein Vielfaches des Fahrrades ist.

Sabine Müller 03-08-2017 15:08

Ich beziehe mich in meinem Kommentar vor allem auf den Schlussatz:

"Beim Bremsen entweichen Metalloxide in die Umgebung. Das sind auf einen Kilometer umgerechnet drei bis vier Milligramm. Der Partikelausstoß aus dem Auspuff eines Diesels liegt bei 0,2 bis 0,5 Milligramm."

Ist sich Herr Koch aber schon im Klaren, dass er hier Wölfe mit Schafen vergleicht? Wenn, dann bitte den Abrieb der Scheibenbremse des PKW mit der Felgenbremse des Fahrrades und den Auspuff des PKW mit dem (nicht vorhandenen) Auspuff des Fahrrades vergleichen.

In der jetzigen Form deutet leider alles an der Abhandlung von Herrn Koch auf das Aufbauen von Strohmann-Argumenten hin.
Und diese Aussage:

"Wir haben bei vielen Betriebszuständen eine niedrigere Partikelkonzentration im Abgas als in der Umgebungsluft einer Stadt."

Könnte direkt aus der Werbung eines Waschmittelhersteller stammen. Die Formuleirung "viele Betriebszustände" vermeidet geschickt eine Aussage zum Verhalten im Normalfall. Ansonsten könnte hier problemlos "in den allermeisten Betriebszuständen", oder "bis auf wenige Ausnahmen in allen Betriebszuständen" stehen.

Grüße
Biene

Wolfgang Kummer 03-08-2017 15:08

Vielen Dank !
Endlich mal jemand, der mit Sachverstand erklärt was tatsächlich passiert. Nach wie vor entwickeln die deutschen OEM die saubersten und natürlich sichersten Fahrzeuge. Die Vorgaben der Politik - und dazu gehört u.a. auch die Subvention des Dieselkraftstoff gegenüber dem Benzin um rund 25 ct/L bezogen auf den realen Energieinhalt haben die Industrie zu unsinnigen Entwicklungen genötigt.
Was mich noch massiv stört ist, dass man nur über die deutschen OEM spricht, der ADAC hat ja schon einige Realtests gefahren und besonders eklatante Abweichungen bei Renault, Dacia, Nissan oder Hyundai festgestellt. Viele Kleinwägen die in der öffentlichen Meinung als sparsam (und sauber) wahrgenommen werden, sind wahre Dreckschleudern und eine Mercedes E-Klasse erzeugt 1/10 tel. NOx.
Abgesehen davon habe ich gelesen, dass ein Euro 6 LKW umgerechnet 500 mg/Km als Grenzwert vorgegeben hat im Vergleich zu 80 mg beim Diesel PKW wäre es ein viel größeres Potential wenn man den Güterverkehr anteilig reduziert - z.B. auf die Schiene bringt. Es wäre wünschenswert, wenn diejenigen gehört würden, die wissen von was sie reden.
Mit freundlichem Gruß
Wolfgang Kummer

Frank Geyer 04-08-2017 14:08

Alleine durch das Mehrgewicht beim Dieselfahrzeug gegenüber einem gleichen Fahrzeug mit Verbrennungsmotor(ca. 100 kg) wird beim Bremsen mehr als zig mal soviel Feinstaub produziert als bei einem Fahrrad. Bitte unterlassen Sie solche Vergleiche, Ich zitiere: "Der Partikelausstoß aus dem Auspuff eines Diesels liegt bei 0,2 bis 0,5 Milligramm." Beim Fahrrad werden 0,0000 Milligramm Partikel aus dem Auspuff emitiert.

Stephan Tiersch 07-08-2017 17:08

Für alle, die sich über den Fahrrad-Vergleich aufregen: Ich bezweifle, dass Prof. Koch ernsthaft das Fahrrad gegen den Diesel ausspielen will. Dass wäre wirklich zu dämlich. Ich verstehe das eher als einen bildhaften Vergleich, um eine Vorstellung von der tatsächlichen Staubmenge zu haben.

Timo Schäfer 07-08-2017 20:08

Da die Kommentarfunktion mittlerweile anscheinend wieder funktioniert, mein Kommentar vom 03.08. jedoch noch nicht erschienen ist, hier ein zweiter Versuch:

Ich hoffe stark, dass Prof. Koch mit seinem Vergleich im letzten Absatz nicht ernsthaft suggerieren will, dass das Fahrradfahren ähnlich viel zur gesundheitsgefährdenden Feinst(!)staubbelastung beiträgt wie ein Dieselmotor.

Die Feinstaubproblematik wird hier sehr undifferenziert relativiert, indem einfach nur die bloße Masse der ausgestoßenen Partikel betrachtet wird. Art und Anzahl der Partikel werden offenbar vernachlässigt.

Der Abrieb beim Fahrrad enthält größere Feinstaubpartikel. Solche gelangen "nur" bis in die oberen Atemwege (vgl. http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/18796/). Der Dieselmotor stößt jedoch auch Partikel aus, die um einige Größenordnungen kleiner sind (PM2.5 bzw. PM0.1). Diese gehen direkt in Lunge oder Blut über. Kritisch wird diese Tatsache dann v.a. dadurch, dass diesen Partikeln zusätzlich noch Schwermetalle und Kohlenwasserstoffe aus dem Motor anhaften.

Dies macht in der Gesundheitsgefährdung einen deutlichen Unterschied aus.

Ein Lob auf Prof. Kochs "technisches Know-How" oder seinen "Sachverstand", wie es andere hier ausdrücken, kann ich daher nicht teilen.

Mario Kalusniok 09-08-2017 07:08

Ich denke über die sachlichen Aussagen von Herrn Prof. Koch genau wie Herr Stephan Tiersch, die Leute die sich tatsächlich damit beschäftigen und Kommentare zu diesen problematischen Themen lesen. Denen sollte man nicht unterstellen "nicht zu verstehen" wie dieser Vergleich gemeint ist.

Oliver 09-08-2017 07:08

Der Vergleich mit dem Fahrrad ist in meinen Augen kein Vergleich. Mir zeigt es nur, dass selbst ein Fortbewegungsmittel, dass eigentlich keinerlei Schadstoffe erzeugt, doch Feinstaub produziert ... Wenn man den Gedanken weiter spinnt, würde man auch zur Erkenntnis gelangen, dass Fußgänger auch Feinstaub erzeugen - die Schuhsolen haben beim Gehen ja auch Abrieb ;)

Vielleicht sollte man das Thema Feinstaub objektiver betrachten und nicht dem Auto per se die Schuld dafür geben! Es gibt kaum etwas, dass keinen Feinstaub erzeugt.

Kurt Dawidowski 09-08-2017 08:08

Hallo ,
ein Lob an alle selbsternannten Saubermänner !
Kürzlich lag mir einer in den Ohren , der nur noch mit dem Fahrrad mobil war und somit , alle die sich anderst Verhalten , als Umweltsünder an den Pranger stellen wollte .
Aber , wie sich später herausstellte - dreimal im Jahr zum Fahrradfahren nach Malle fliegen !
Natürlich hatte das in seinen Augen nichts mit Umweltverschmutzung zu tun , da er ja dort nur Fahrrad fahren wolle .
Es sei hierbei nur angemerkt , daß ein einfacher Flug von Stuttgart nach Mallorca mehr Schadstoffe erzeugt als 10 000 km mit dem Auto .
Ganz zu Schweigen , was diese in 10 000 Meter Höhe anrichten und wie lange sie dort verweilen !
Ganz abgesehen vom Schiffsverkehr der - wenn er den Hafen verlassen hat , den Mist erst mal auf 100 Grad erwärmen muß - um ihn zu Verbrennen .
Im Gegensatz zu Euch geht mir das Messer in der Tasche auf , wenn ich nach dem Mähen unsere Straßenränder betrachte .
Ich kaufe mir jetzt einen Stromer und der Hamster mit Hamsterrad´l erzeugt auf dem Beifahrersitz den Strom dazu .
Ein Lob an unsere gleichgeschalteten Medien , die mit dem Diesel meinen - den alleinigen Bösewicht gefunden zu haben .
Was ist eigendlich mit den Benzinern mit desolaten Kolbenringen (VW , Audi..)
die beim Gasgeben die Ölschwaden rausblasen ?
Die Hexenjagt auf den Diesel geht mir langsam auf den Geist - aber was soll´s Ihr habt ja euren alleinigen Sünder !
Gruß Kurt

Martin B. 09-08-2017 08:08

Klar, wer bremst, verliert. Das gilt besonders für großhubraumige SUV beim Rechtsabbiegen. Diese elenden Fahrrad-Dreckschleudern! ;)

Chris Aston 09-08-2017 10:08

Die Diskussion zum PKW ist teilweise so lächerlich. Da hilft auch ein guter Artikel aus der Wissenschaft nicht mehr weiter.

Der Anteil des PKW-Verkehrs an der Gesamtverunreinigung der Luft liegt bei 7-10%. Hier wird eine ganze Industrie geschröpft an denen Millionen von Arbeitsplätzen hängen.

Giftige Landwirtschaft mit etlichen Lebensmittelskandalen, die einen 3x so hohen Anteil an der Luftverschmutzung nimmt, wird überhaupt nicht in Regress genommen bei solchen Diskussionen. Wo bleiben denn Initiativen zur gesünderen, Fleisch-ärmeren Ernährung, die eine Reduzierung der Emissionen in der Landwirtschaft aktiv angehen?

Walter Schmidt 09-08-2017 11:08

An Martin B.:
Sachliche Kommentare wären hier sinnvoller.

Erwin Schrödinger 09-08-2017 12:08

Diese Informationen waren doch sehr überraschend für mich. Die Umweltbelastung und Auswirkung meines Fahrradfahrens waren mir dann so noch nicht bewusst. Ich werde wohl zukünftige besser wieder mit dem Auto zur Abreit fahren

Tanja Steinke 09-08-2017 12:08

Whow! "Ein niedrigere Partikelkonzentration im Abgas als in der Umgebungsluft einer Stadt". Mein Diesel ist dann so etwas wie ein Luftreinigungsmaschine für das Stuttgarter Neckartor? Na dann.

Uwe Wieland 09-08-2017 12:08

Hallo,
vielleicht hinkt der Vergleich mit dem Fahrrad und dem Auto auf den ersten Blick ein wenig, genauer betrachtet passt er aber sehr genau. Wir reden hier ja von motorischen Emissionen und nicht über komplette Fahrzeuge. Denn es seien ja die Motoren mit 7% am Z.B. Feinstaub beteiligt, Reifen und Bremsenabrieb zu 45% (aus einer anderen Studie). Elektroautos sind aber vom Feinstaubalarm z.B. in Stuttgart ausgenommen. Also der Reifen- und Bremsenabrieb zu vernachlässigen, wenn man das mal so in Raum stellt. Oder gesteht sich die Politik damit ihr Versagen in der Förderung alternativer Antriebsenergien ein, weil die Emissionen der paar Elektroautos zu vernachlässigen sind?

Fritz Schmid 09-08-2017 14:08

Ein Artikel, der die Probleme beim SCR-Kat endlich verständlich erklärt.
Unverständlich bleibt, warum diese Stimme erst jetzt spricht und Gehör bekommt!
Unakzeptabel ist der Umgang mit den EUx-Vorschriften auf Prüfständen, gerade hier wurde durch die Hersteller, Experten und auch Journalisten jahrelang der Eindruck erweckt, das der Prüfstand zwar etwas realitätsferne, aber dennoch für die Umwelt sinnvolle Ergebnisse liefert...
Was ist eigentlich mit den vielen Fahrzeugen mit NOx Speicherkat??
Wie sieht dort die ungeschminkte technische Wahrheit bezüglich der Einhaltung der Grenzwerte im realen Fahrbetrieb aus Herr Professor?! Hier würde mich als Besitzer eines solchen Fahrzeugs ihre Antwort besonders interessieren!

Thomas Schütze 10-08-2017 08:08

...sehr interessanter und wohl auch objektiver Text.
Gerade im Hinblick auf Euro 5 und Euro 6-Normen.
Wir Menschen sparen nur ,wenn es an das eigene Portemonnaie geht.Bisherige Einsparmöglichkeiten des Kraftstoffes wurden bisher ja nie genutzt.Es wurden lediglich stärkere Motoren produziert.Wer braucht denn wirklich mehr als 150PS,wenn er nicht gerade oft nen schweren Anhänger ziehen muss.Die heutigen Straßen sind ohnehin übervoll,und gegenseitige Rücksichtnahme scheint eine Sicht aus vergangenen Zeiten zu sein.
Der 3-Liter-Lupo wurde rasch wieder eingestellt,ebenso der kleine Audi A2 mit kleinem Diesel und geringen Verbrauch.
Schade drum.Solche Autos mit sauberem Abgas fehlen heute.
Im übrigen hat kaum ein Fahrrad heute noch Felgenbremsen eben aufgrund des Felgenverschleißes,der zudem sehr stark von den äußeren Bedingungen abhängig ist.Auch dort sind Scheibenbremsen der Stand der Technik.

Frank Scheer 10-08-2017 10:08

Endlich einmal Aufklärung mit Sachverstand. Vielen dank.

Timo Schäfer 10-08-2017 13:08

An Uwe Wieland (und andere):

Auch, wenn ich mich nach meinem ersten Kommentar wiederholen mag: Feinstaub ist nicht gleich Feinstaub, auch wenn Prof. Koch dies hier implizit so darstellt.

Reifen- und Bremsabrieb unterscheiden sich stark in Größe und chemischer Zusammensetzung von den Partikeln, die bei der Verbrennung von Diesel (und natürlich auch in einem Direkteinspritzer-Benziner) bei einem Fahrzeug entstehen. Was aus dem Motor herauskommt (Größenordnungen PM2.5 und kleiner), ist zu klein, als dass es von den oberen Atemwegen aufgehalten werden könnte, und gelangt damit direkt in Lunge oder Blut. Und es ist eben mit Substanzen belastet, die im Körper nichts zu suchen haben (z.B. Schwermetalle, Kohlenwasserstoffe). Der Vergleich passt also alles andere als "ganz genau", und schon gar nicht beim näheren Hinsehen.

Zum Bremsabrieb noch ein Wort: Hybridautos oder reine Elektroautos (BEVs) bremsen deutlich weniger häufig mechanisch, da die Geschwindigkeit durch Rekuperation reduziert werden kann. Bei einer Umstellung auf BEVs würde also ebenfalls der Bremsabrieb verringert werden, weil einfach seltener mit Bremsscheiben gebremst würde.

Andreas Kämpfe 10-08-2017 17:08

+Statistiken sind da um die Menschen irre zu führen..
ich arbeite in einem Zementwerk.. bei uns wird vom Tüv
gemessen,dass unsere Abluft sauberer ist als die Umwelt.
-fliegt ein Vogel durch die Abluft,stirbt er..hab ich schon
zig mal gesehen...Bremsen von Fahrrädern..lachhaft!!ver-
arschung.. Recycling so gut wie möglich nutzen ist die
einzige Chance!!

Thomas Koch 11-08-2017 22:08

Nachdem ich mich über teilweise merkwürdige und offensichtlich auch nicht besonders sachkundige Kommentare gewundert habe, erlaube ich mir einenKommentar.
Ich fahre selber gerne Fahrrad und halte dies für eine hervorragende Fortbewegung.
Ich bin immer wieder über das Ausmaß an Unterstellungen, die trotz eindeutiger. Formulierung, zu lesen sind, überrascht. Dass reflektierende Wissenschaftler nicht einmal die Sinnlosigkeit der Dieselfeinstaubdiskusdion bereit sind, überhaupt als gegeben zu erachten, irritiert!
An der Analyse, dass in den Partikeln/Russ auch Schwermetalle zu finden sind, bin ich
hochinteressiert! Auch wäre ich hochinteressiert zu erfahren, warum Bremsstaub nicht im submokronen Beteich liegt. Messungen zeigen etwas ganz anderes.
Auch, dass die Partokelgrössenverzeilumg bis in den Bereiich um 20nm unterhalb der Umgebungskonzenzration liegt. In diesem Bereich startet gerade ein AIF Vorhaben, dass v.a. den Messtechnikeinfluss, Probenahme etc zum Inhalt hat.
Der merkwürdige Kommentar mit dem Vergleich mit Waschmittelwerbung ist von einer Person, die leider nicht an Fakten interessiert ist. Im Masterstudium lernen die Studenten Potentiale und Grenzen! Schade, dass Wissenschaft mit Vorurteilen ohne Neugierde an Fakten einhergeht.
Gerne erläutere ich Grenzen und Potentiale des NSK(Speicherkat). Meine Bitte: eine kurze Email an meine Dienstadresse. Ich antworte nach dem Urlaub. Dies Ist per iPhone mühsam.
Für konstruktive und kritisch reflektierende Kommentare danke ich!

Michael Schneider 17-08-2017 15:08

Immerhin wird hier einmal unumwunden zugegeben, dass dieser Softwareupdate für die Steuergeräte den Spritverbrauch erhöht. Punkt!
Sowohl Autohersteller als auch Behörden verschleiern das konsequent.
Eine andere Möglichkeit wäre lediglich die Senkung der Leistung des Motors.
Aber auch in diesem Interview wird etwas schöngemalt:
Kein Wort davon, dass die Motoren danach quasi permanent im "Testmodus" laufen, was Schäden in der Abgasreinigungsanlage verursachen kann. Auf den Kosten bleibt man dann wohl sitzen.
Ich würde mir derzeit keinesfalls einen Diesel kaufen. Wenn überhaupt, dann ein Wagen nach Euro 6D Temp oder 6D, aber die lassen noch auf sich warten.

Elmar undefined 27-08-2017 09:08

Und dann sollte man noch berücksichtigen, das im Aufsichtsrat des KIT Herr Zetsche (Daimler) und Herr Quandt (BMW) sitzen...

Jürgen Meudt 28-08-2017 18:08

Hallo

Die Aussagen von Herrn Prof. Koch kann ich nur voll unterstützen. Leider ist es nur so, dass in der öffentlichen Diskussion mit sachlichen Argumenten kaum mehr etwas zu bewegen ist. Wenn viele "ahnungslose" Politiker im Wahlkampf jetzt mit Dieselmotoremissionen punkten wollen, zeugt das von mangelnder Information oder besser vom Ignorieren der tatsächlichen Gegebenheiten. Die Palette von Lösungen reicht ja bekanntlich vom Verbot der Verbrennungsmotoren bis zum radikalen Einsatz von E-Autos. Wo der Strom für E-Autos herkommt interessiert ja anscheinend niemanden. Des weiteren wäre es auch mal interessant zu wissen, wie sich die Vertreter der einfachen Lösungen denn den Güterverkehr in Zukunft vorstellen.
Es wäre aus meiner Sicht dringend geboten wieder auf einer sachlichen Ebene zu diskutieren, das technisch Machbare konsequent umzusetzen und die Polemik aus dem Spiel zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Meudt

Ralf 08-09-2017 07:09

Bei allen Kommentaren habe ich das Gefühl, dass Millionen Menschen gegen den Diesel sind und sich über die Autoindustrie in Deutschland aufregen, dass sie keine E-Autos sondern weiter Dieselfahrzeuge verkauft.
Da frage ich mich doch, warum kaufen diese Leute nicht massenhaft E-Autos?
Zeigt mir den Hersteller, der massenhaft Produkte produziert, die keiner kauft!

Entweder, die "Umweltschützer" verlangen nur von den anderen, daß sie die Umwelt schützen, oder die wenigen kommentieren überall, so daß man denkt es gäbe viele von ihnen. ...

Wer kann mir das erklären?

Detlef Degner 22-09-2017 12:09

Ich glaube doch das der Fokus auf Diesel PKW´s mit der Schadstoffklasse 5 und 6 etwas daneben ist. Wie soll sich denn der Besitzer eines Diesel PKW´s der Schadstoffklasse kleiner 5, z.B. 4, verhalten. Die Anzahl derartiger PKW´s snd wesentlich größer. Ich habe einen Mercedes E 270 CDI und 140 000 Kilometer auf dem Tacho. Super in Schuß und 0 Probleme, den soll ich jetzt wohl stillegen und ein neues Fahrzeug kaufen, das fällt aus. Senkt erst einmal den Schadstoffausstoß der Fahrzeuge, Flugtzeuge und Schiffe die vorn in Größenordnungen angeführt sind.

Hans Albrecht 25-07-2018 15:07

In Dieselfahrzeugen wurden Abschalteinrichtungen eingebaut, die bei Tests dafür sorgen, daß die Stickoxid-Grenzwerte während der Abgasprüfungen eingehalten werden.
Das heißt, während der Prüfungen werden die Grenzwerte eingehalten.

Damit könnte man an kritischen Stellen, z. B. in Innenstädten, für die betreffenden Fahrzeuge diese Abschalteinrichtungen aktivieren, damit die Stickoxidbelastung senken, an weniger kritischen Orten, z. B. Landstraßen, Autobahnen diese deaktivieren, ohne Grenzwerte zu überschreiten.
Hans Albrecht

Werner Labuhn 26-09-2018 13:09

Hallo,
da ist doch vor kurzem eine Forschergruppe in Berlin ausgezeichnet worden, denen nach 10-jaehriger Forschungsarbeit gelungen ist, Kraftstoff fuer Diesel (und Benzin) zu entwickeln, wo ohne Verwendung von Harnstoff kein NOx freigesetzt wird. Diese Gruppe hatte den Ursprung an der TU Kaiserslautern bzw. arbeitet mit dieser zusammen. Der Kraftstoff koennte sogar dezentral hergestellt werden, im Gespraech war da Containergroesse.
Ich wundere mich nun, das in diesem Artikel und auf dieser Seite nichts zu finden ist.
Werner Labuhn

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