Nachgefragt

Wie lange dauert die Geburt eines Sterns?

Bild: NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)

Ein Himmelskörper gilt dann als Stern, wenn er beginnt, in seinem Inneren Wasserstoff in Helium umzuwandeln. Wie lange dauert aber seine Entstehung? Alois Himmes, Projektleiter beim Flugzeug-Observatorium SOFIA und Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), antwortet.

„Am Anfang stehen dünne Gas- und Staubwolken, die sich unter ihrer eigenen Schwerkraft und durch Stöße von außen langsam verdichten, etwa durch Stoßwellen explodierender Sterne. Dabei bildet sich eine rotierende Scheibe, in deren Zentrum Teilchen zusammenklumpen – es entsteht ein Stern. Hinter all dem Gas und Staub ist er schwer zu entdecken; optisch sichtbar wird er erst, wenn er bei hoher Dichte und sehr intensiver Strahlung die äußere Hülle wegbläst. Vorher können wir ihn nur durch seine Wärmestrahlung ausfindig machen.

Über die Entstehungsprozesse wissen wir noch zu wenig. Um herauszufinden, welches errechnete Modell der Realität am nächsten kommt, haben SOFIA-Wissenschaftler die Sternentstehungsregion IRAS 16293-2422 im Sternbild Schlangenträger untersucht. Da sie ‚nur‘ rund 400 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, erreicht genügend Strahlung dieser dunklen Wolke unsere Messinstrumente. Wissenschaftler haben die Strahlung von ionisierten Wasserstoff-Deuterium-Verbindungen gemessen. Diese H2D+-Moleküle treten in zwei Zuständen auf, ortho und para genannt – am Anfang der Sternentstehung in gleicher Anzahl. Der Clou: Im Laufe der Zeit und abhängig von Temperatur und Dichte ändert sich das Verhältnis; dadurch lässt sich das Alter der Dunkelwolke bestimmen. Weil jedoch die para-Strahlung von der Erdatmosphäre verschluckt wird, wurden erstmals die Messergebnisse eines Bodenteleskops in den chilenischen Anden und eines Flugzeug-Observatoriums kombiniert. Die Sternwarte SOFIA fliegt in bis zu 14 Kilometern Höhe, wo kaum noch Wasserdampf die Messung trübt. Das Ergebnis: Mindestens eine Million Jahre dauert eine Sternengeburt. Frühere Berechnungen gingen teils von nur 100.000 Jahren aus. Wir wollen nun herausfinden, ob dieses Ergebnis auch für andere Sternentstehungsgebiete zutrifft.

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13.08.2015 , Kristine August
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