Bild: ESA (CC BY-SA 3.0 IGO)

Interview

Roter Planet – toter Planet?

Kein Planet außer der Erde ist so gut untersucht wie der Mars. Trotzdem gibt er Rätsel auf. Daniela Tirsch, Planetengeologin am DLR in Berlin, spricht über die lebensfeindlichen Bedingungen auf dem Mars – und Dienstreisen nach Hawaii.

Um das Leben auf dem Mars ranken sich viele Mythen. Gab es nun welches – oder nicht?

Ich zweifle eher daran. Bedenken Sie, welche Zufälle auf der Erde nötig waren, damit sich Leben entwickeln konnte. Es wäre schon ein Riesenzufall, wenn das ausgerechnet auf dem Nachbarplaneten auch passiert wäre. Und ich glaube, das hätte man schon entdeckt. Das ist aber nur mein Bauchgefühl. Ich glaube aber schon, dass es irgendwo noch Leben gibt. Das wäre sonst eine Anmaßung von uns Menschen, wenn man das ausschließen würde.

Aber auf der Erde gibt es ja auch Organismen, die unter extremen Bedingungen leben – die Extremophilen. Warum nicht auch auf dem Mars?

Wenn es mal auf dem Mars Leben gegeben hat, dann könnte es nur unterhalb der Marsfläche, geschützt vor der Strahlung, überlebt haben. Man müsste also im Boden bohren oder in einer tiefen Höhle suchen. Je näher man dem Marsmittelpunkt kommt, desto höher ist auch der Luftdruck; vielleicht gibt es dadurch irgendwo da unten flüssiges Wasser. Ausschließen lässt es sich nicht, dass dort unten dann noch so eine kleine Mikrobe als Extremophile lebt.

Was fasziniert Sie eigentlich am Mars?

Ich schaue in seine Vergangenheit, Milliarden Jahre zurück. Vielleicht ist das auch ein Blick auf die Zukunft der Erde, die ein ähnliches Schicksal erwarten könnte. Mich fasziniert, was man alles an einer so unglaublich alten Oberfläche ablesen kann. Wir können über hochauflösende Aufnahmen von Kameras, digitale Geländemodelle und Spektrometerdaten von Satelliten herausfinden, wie viel Wasser es mal gab, ob es basisch oder sauer war und wie warm oder kalt es dort zu bestimmten Zeiten gewesen ist. Das sagt uns etwas darüber, ob der Mars tatsächlich mal habitabel gewesen sein könnte. Und wir sehen, wie sich das Klima auf dem Mars über Milliarden von Jahren verändert hat.

Wie sind denn die Bedingungen heute?

Ursprünglich war die Atmosphäre viel dichter als heute. Dadurch gab es auch relativ viel flüssiges Wasser: Flüsse, Seen und eventuell sogar einen globalen Ozean. Vor ungefähr 3,7 Milliarden Jahren kam es dann zu einem Klimaumschwung. Seitdem ist es dort sehr kalt und trocken und Wasser kommt nur noch in Form von Bodeneis oder als Eiskappe an den Polen vor. Es gibt so gut wie kein Magnetfeld mehr und nur eine dünne Atmosphäre, sodass die Strahlung enorm ist und lebensfeindliche Bedingungen herrschen. Geologisch gesehen ist der Mars heute tot. Deswegen ist es so spannend, welche Veränderungen es heute noch auf dem Mars gibt. Mein Lieblingsthema sind die Dünen auf dem Mars.

Es gibt Dünen auf dem Mars?

Ja, aber die sehen anders aus als die Sanddünen auf der Erde: Sie bestehen nämlich aus schwarzen Sanden, die deshalb auffallen, weil der Mars selbst rot ist. Er ist quasi verrostet. Da die Dünen aber schwärzlich sind, wurden sie nicht oxidiert, sonst wären sie ebenfalls rötlich. Somit ist vor allem die Frage spannend, wie alt diese Dünen schon sind. Sie müssen somit erst entstanden sein, als keine oxidativen Bedingungen mehr herrschten. Sicher ist jedenfalls, dass diese Dünen vulkanischen Ursprungs sind. Der Vulkanismus auf dem Mars und die Zusammensetzung der entstandenen Asche ähnelt an manchen Stellen auf der Erde – zum Beispiel auf Hawaii.

Sie sind also nach Hawaii gereist, um mehr über den Mars zu erfahren?

Ja, das kann man so sagen. Ich habe dort frappierende Gemeinsamkeiten entdeckt. Über die Beobachtungen anhand von Sandproben aus Hawaii habe ich auch viele Hinweise darauf gefunden, dass die Mars-Dünen tatsächlich aus vulkanischer Asche entstanden sind. Dort konnte man den Entstehungsprozess vom Vulkansusbruch bis zur Ablagerung der Aschesande als Dünen direkt nachverfolgen.

Gibt es Aussichten, dass der Mars wieder lebensfreundlich wird?

Der einzige Prozess, der auf natürlichem Wege dazu führen könnte, wären vielleicht enorm viele Meteoriteneinschläge. Das könnte dem Mars wieder die nötige innere Hitze liefern. Es müssten wieder Vulkanausbrüche stattfinden, die durch den Ausstoß von Gasen wieder eine dichtere Atmosphäre schaffen würden. Und es müsste wieder ein Magnetfeld geben. Aber das ist hochspekulativ. Ich glaube auch nicht, dass wir Menschen den Mars bewohnbar machen könnten, sodass wir außerhalb von Wohnkuppeln leben könnten.

Gibt es Leben auf dem Mars?

18.10.2017 , Annette Doerfel

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