Astrophysik

Die Suche nach einer zweiten Erde

Relative Größe von Planeten mit habitabler Zone. Von links nach rechts: Kepler-22b, Kepler-69c, Kepler-62e, Kepler-62f und Erde. Bild: NASA/Ames/JPL-Caltech

DLR-Wissenschaftler haben ein Planetensystem entdeckt, das unserem verblüffend ähnlich ist. Rund 2.500 Lichtjahre entfernt umkreisen sieben Planeten den Stern KOI-351. Die große Übereinstimmung mit unserem Sonnensystems lässt mutmaßen, dass es dort Leben geben könnte. Astrophysikerin Heike Rauer erklärt, wie wahrscheinlich es ist, eine zweite Erde zu entdecken

"Damit Leben - wie wir es kennen - existieren kann, müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen sein", erklärt Heike Rauer, Leiterin der Abteilung Extrasolare Planteten und Atmosphäre am DLR- Institut für Planetenforschung. "Es muss Energie beispielsweise in Form von Sonnenstrahlung, Nahrung und flüssiges Wasser vorhanden sein." Diese Bedingungen in so großen Entfernung nachzuweisen, ist äußert schwierig.

"Ein erster Anhaltspunkt darüber, ob Leben möglich wäre, kann der Abstand von einem Planeten zu seinem Stern geben.", so Rauer. Denn: Ist die Entfernung sehr groß, ist die Planeten-Oberfläche zu kaltum Leben eine Chance zu geben. Kommt der Planet dem Stern zu nah, verglüht alles. Der äußerste Planet des neu entdeckten Systems umkreist KOI-351 mit ungefähr derselben Distanz - 150 Millionen Kilometer - wie die Erde die Sonne. Auch ähnelt der Stern in seiner Leuchtkraft der Sonne. "Es handelt sich allerdings um einen Gasplaneten ähnlich wie Jupiter oder Saturn", erklärt die DLR-Wissenschaftlerin. "Auf dieser Art von Planeten ist aus wissenschaftlicher Sicht kein Leben vorstellbar." Erdähnliche Gesteinsplaneten, wie sie auf den inneren Bahnen den Stern KOI-351 umkreisen, wäre mögliche Kandidaten, haben aber eine zu heiße Oberfläche. Also, kein Leben trotz der Ähnlichkeit? "Wir können spekulieren, ob der äußere Gasplanet einen Mond hat", sagt Rauer. "Auf ihm könnten wir Lebensformen vermuten." Bisher gäbe es aber noch keine Anzeichen für die Existenz eines solchen Mondes, fügt sie hinzu.

Deswegen hoffen Heike Rauer und ihre Kollegen auf die Genehmigung der PLATO-Mission durch die Raumfahrtagentur ESA. Mit den Daten, die dieses Weltraumteleskop liefern könnte, wäre es möglich weitere Objekte, wie etwa Monde zu finden. "Der nächste Schritt wäre dann, die Atmosphäre der gefundenen Objekte zu untersuchen", sagt Rauer. Dadurch könnten sich Hinweise auf die Aktivität von Lebewesen finden lassen. Heike Rauer ist sich sicher, dass in Zukunft mit Weltraumteleskopen und verbesserter Messtechnik, die Chancen sehr groß sind, Objekte mit Lebensformen im Kosmos zu finden. Das lassen auch statistische Auswertungen von Daten des Weltraumteleskops Kepler vermuten. Hochrechnungen haben ergeben, dass jeder fünfte sonnenähnliche Stern in der Milchstraße einen Planeten in seiner bewohnbaren Zone besitzt, der in etwa so groß ist wie unsere Erde. Bei einer geschätzten Zahl von 100 Milliarden sonnenähnlichen Sternen ergäbe das eine zweistellige Milliardenzahl von erdähnlichen Planeten. Dennoch, ob diese Planeten tatsächlich für Leben geeignet sind, werden erste weitere Weltraummissionen klären können.

Hintergrund

Die Bezeichnung KOI steht für 'Kepler Object of Interest' und bedeutet, dass dieser Stern während der NASA-Mission des Weltraumteleskops Kepler zwischen 2008 und 2013 beobachtet und als Kandidat für die Existenz von Exoplaneten eingestuft wurde. Als Exoplaneten bezeichnen Wissenschaftler Planeten, die nicht um die Sonne, sondern um einen anderen Stern kreisen. Die Vermutung konnte nun durch die Entdeckung der insgesamt sieben Exoplaneten bestätigt werden. Drei dieser Planeten wurden bereits in den letzten Jahren entdeckt. Erst die Entwicklung eines speziellen Computer-Algorithmus ermöglichte den Forschern vom DLR die vier anderen aufzuspüren. 771 Sterne mit Planeten sind derzeit bekannt. Lediglich von 170 Sternen weiß man, dass sie von mehr als einem Planeten umkreist werden. Derzeit sind nur eine Handvoll Systeme mit wenigstens fünf Planeten bekannt.

"Kepler"-Website - Die Suche nach Planeten mit habitabler Zone

11.11.2013 , Saskia Blank
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