Die Mercedes-E-Klasse „BerthaOne“ kann selbstständig fahren. Bild: KIT

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Das selbstständigste Auto

Auf den ersten Blick sieht „BerthaOne“ aus wie eine ganz normale Mercedes-S-Klasse, für Christoph Stiller aber ist sie etwas ganz Besonderes.

Ganz ohne menschliche Steuerung überquert das Auto Kreuzungen, bleibt an Ampeln stehen und weicht Fußgängern aus. „Das Fahrzeug ist mit speziellen Sensoren ausgestattet und erschließt sich so seine Umgebung“, sagt Stiller. Er ist Leiter des Instituts für Mess- und Regelungstechnik des Karlsruher Instituts für Technologie, dessen Team das Fahrzeug gemeinsam mit Partnern der Daimler AG und des FZI Forschungszentrums Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt hat. Während der Fahrt wird aus den gesammelten Daten eine digitale Karte erstellt, an der sich das Auto orientiert. Diese ist nicht nur genauer als normale Straßenkarten, sie enthält auch Informationen über die Strecke, die für die Fahrzeugführung relevant sind, beispielsweise Ampeln oder Vorfahrtsregelungen.

Basierend auf der Karte wählt „BerthaOne“ – benannt nach der deutschen Automobilpionierin Bertha Benz – ihre Fahrmanöver aus. Anders als normale Autofahrer wählt sie dabei immer die taktisch-klügste und sicherste Lösung aus.

Waghalsigen Überholmanövern würde das vollautomatische Auto also ein Ende setzen: „Wenn nur noch automatische Autos unterwegs wären, würde der Verkehr einem Fischschwarm ähneln und deutlich geordneter, sicherer und flüssiger sein. Außerdem erhöhen sie die Mobilität der Menschen, da sie auch von Menschen genutzt werden können, die aktuell nicht in der Lage sind Auto zu fahren“, sagt Stiller. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg.

„Noch sind die Autos nicht sicher genug für die Serienproduktion“, sagt Stiller. So müssen beispielsweise noch Lösungen für kurzfristige und seltene Ereignisse, wie ausfallende Ampeln oder von Polizisten gelenkter Verkehr, gefunden werden. Bis das gelingt, fährt „BerthaOne“ vorerst nur auf Teststrecken und immer mit einem Sicherheitsfahrer an Bord, der jederzeit eingreifen kann.

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18.11.2016 , Rebecca Winkels

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Johann Kauf 26-11-2016 17:11

Auf dem Bild zu sehen ist eine Mercedes E-Klasse.

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