Helmholtz Extrem

Der Gigant im Sonnensystem

Was wie der Fußabdruck eines Elefanten im Sand aussieht, ist in Wirklichkeit der Krater eines gigantischen Vulkanberges. Er befindet sich, umgeben von karger, trockener Landschaft, rotem Sand und eisiger Kälte auf unserem Nachbarplaneten Mars.

Einen Eindruck von seinen Dimensionen erhält man durch einen Vergleich. Der Olympus Mons – benannt nach dem griechischen Berg „Olymp“, dem Sitz der Götter - entspricht mit 600 Kilometern der Wegstrecke von Berlin nach München. Der Gigant ragt 27 Kilometer in die Höhe und ist somit der höchste, alleinstehende Berg unseres Sonnensystems. Er ist damit dreimal so hoch wie der Mount Everest im Himalaya. Dank der Messdaten aus den vielen Marsmissionen wissen die Wissenschaftler inzwischen einiges über die die geologischen Verhältnisse des roten Planeten. Sie gehen davon aus, dass der Vulkan vier Millarden Jahren alt ist und bis vor 100 Millionen Jahren noch aktiv war und Gesteinsmaterial an die Oberfläche spuckte. 

Vermutlich sind es zwei Eigenschaften, die es dem Vulkan auf dem Mars erlaubten, so groß zu werden: Anders als die Erde gibt es auf dem Mars keine langanhaltende Plattentektonik. Wenn überhaupt, dann ist Plattentektonik nur ganz am Anfang der Mars-Geschichte aktiv gewesen. Die fehlende oder weit geringere Dynamik in der Gesteinskruste des Planeten führte dazu, dass die Eruption immer an den gleiche Stellen von statten gehen konnte. Zum anderen hat der Mars eine viel geringere Schwerkraft als die Erde, der Eruptionskraft also weniger entgegenzusetzen. So gewann der Berg mehr und mehr an Höhe. 

Die kesselartige Senke in der Gipfelregion, Caldera genannt, gleicht den Vulkanen auf der Erde. Olympus Mons ist nicht mehr aktiv, das wissen die Forscher. Unklar ist dagegen, ob es andere Vulkanaktivitäten auf dem Mars gibt. Hinweise auf das in der Marsatmosphäre gemessene Gas Methan werfen die Fragen über Aktivitäten immer wieder auf. Eine sehr wichtige Frage für die Wissenschaft, denn wenn Methan nicht vulkanischen Ursprungs ist, könnte es auch das Stoffwechselprodukt primitiver Lebensformen sein. 

Der Mars ist mit einem Durchmesser von 6.792 km, um etwas mehr als die Hälfte kleiner als die Erde. Seine rostrote Farbe verdankt der Planet dem oxidierten Eisen des verwitterten Gesteins, ähnliche der irdischen Wüsten. Extreme Winde verbreiten den Eisenoxid-Staub über den gesamten Planeten. Die Oberflächenstruktur ist sehr vielfältig und unterscheidet sich auf der Nord- und Südhalbkugel. Die nördliche Hälfte des Mars weist kaum Höhenunterschiede auf, ist flach und geprägt von abgelagerten Sedimenten auf ausgedehnten Ebenen. Der höher gelegene Süden dagegen gebirgig und von Aufwölbungen verschieden großer Vulkane übersäht. Einschläge von Asteroiden, Meteoriten und Kometen hinterließen überdimensionierte Krater in der südlichen Hemisphäre. Die Gründe für die Zweitteilung des Mars, Dichotomie genannt, sind noch ungeklärt.

Die spektakulären Aufnahmen des Mars zeigen erstmalig ein detailliertes Bild der Landschaft und Oberflächenbeschaffenheit. Möglich wurden diese einzigartigen Impressionen durch die hoch auflösende Stereokamera HRSC (High Resolution Stereo Camera) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die auf der ESA-Raumsonde Mars Express den Planeten umkreist. Seit 2004 werden neben Messdaten, auch die dreidimensionalen, farbigen Bilder geliefert und täglich gibt es ein Bildstreifen vom Mars. Durch ein verbessertes Abbild des Reliefs der Oberflächenstruktur werden geologische Besonderheiten deutlich. Bis 2018 wird es weiterhin jeden Tag mindestens ein Foto vom Mars geben, da der rote Planet dreimal täglich von der Mars Express-Sonde umrundet wird. Die Planetenforschung nutzt diese Kartierung, um auch Rückschlüsse über die geologischen Veränderungen und die Entwicklung des Mars mit seinen Vulkanen zu ziehen und so auch mehr über den höchsten Vulkan, den Gigant in unserem Sonnensystem, dem Olympus Mons zu erfahren.

Erdrutsche und Lavaströme am Olympus Mons

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04.04.2017, Christin Liedtke
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