English Version below

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

der in der vergangenen Woche veröffentlichte Artikel auf Spiegel Online hat bei mir einige Verwunderung und bei Ihnen sicher viele Fragen aufgeworfen. Es ist mir ein großes Anliegen, transparent zu arbeiten und Sie regelmäßig über die Zukunftspläne der Helmholtz-Gemeinschaft zu informieren. Ich hoffe sehr, dass dies im Rahmen der momentan stattfindenden Zentrenbesuche, welche mir große Freude bereiten, deutlich wird.

Im Folgenden möchte ich deshalb gern Fragen beantworten, die in den vergangenen Tagen an mich gerichtet worden sind. Bitte zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren, wenn Sie weitere Fragen haben.

Sie empfehlen, dass sich einzelne Helmholtz-Zentren thematisch stärker fokussieren sollten. Was bedeutet dies für andere Forschungsaktivitäten an einzelnen Zentren, die nicht durch die Fokussierung abgedeckt sind?
Eine ausgesprochene Stärke der Helmholtz-Gemeinschaft liegt in meinen Augen darin, einzelne große Forschungsthemen von den Grundlagen über Forschung und Entwicklung bis zur Anwendung umfassend bearbeiten zu können. Dies gelingt uns nur, wenn wir uns auf einige Themenfelder konzentrieren. Hier sehe ich einen wichtigen Auftrag an uns aus der Politik und aus der Öffentlichkeit. Auch bei Zentren mit einem offensichtlichen Hauptthema wie z. B. dem Deutschen Krebsforschungszentrum bedeutet dies jedoch immer, dass wir auf einem breiten wissenschaftlichen Fundus aufbauen. In Zentren mit mehreren Themenschwerpunkten ist dies natürlich anders gelagert. Unter einer klugen Schwerpunktbildung werden herausragende andere Forschungsaktivitäten nicht leiden, sondern im Einzelfall durch Synergieeffekte sogar profitieren. Grundvoraussetzung ist allerdings immer eine hohe Qualität und Originalität der Forschungsarbeiten. Ich denke, darin stimmen wir alle überein.

Welche Gesichtspunkte spielen für die Auswahl von Forschungsthemen eine wichtige Rolle?
Die Helmholtz-Gemeinschaft ist hervorragend positioniert: sowohl auf lokaler, regionaler und nationaler als auch auf internationaler Ebene. Um große gesellschaftlich relevante Themen nachhaltig bearbeiten zu können, müssen wir uns und unsere Mission regelmäßig hinterfragen:

  • Sind wir vor dem Hintergrund einer sich dynamisch entwickelnden Forschungslandschaft optimal aufgestellt?
  • Forschen wir an den wirklich wichtigen Zukunftsthemen auf hohem Niveau und leisten wir einen entscheidenden Beitrag?
  • Wählen wir – die Helmholtz-Gemeinschaft, die Forschungsbereiche und die Helmholtz-Zentren – die richtigen Schwerpunkte?
  • Nutzen wir unser kreatives Potenzial aus und setzen wir innovative Ideen konsequent um?
  • Haben wir die talentiertesten Köpfe?


Planen Sie, einzelne Forschungsaktivitäten abzuschaffen?
Der Präsident hat in der Helmholtz-Gemeinschaft weder die Aufgabe noch die Befugnis, Forschungsaktivitäten abzuschaffen. Es ist deshalb ärgerlich und schlicht unwahr, wenn mir dies von Journalisten z. B. mit Bezug auf die Küstenforschung unterstellt wird. Wie unsinnig diese Behauptung ist, zeigt allein schon die Tatsache, dass ich das Helmholtz-Zentrum Geesthacht, welches in der Presse erwähnt wird, erst Ende November besuchen und bei dieser Gelegenheit kennenlernen werde. Sollten einzelne Forschungsaktivitäten eines Tages nicht mehr international konkurrenzfähig sein, wir uns daraufhin neu justieren oder uns strategisch neu aufstellen müssten, kann dies einen Veränderungsprozess nach sich ziehen, der nur gemeinsam mit den Zentren, den Forschungsbereichen und unseren Gremien vollzogen werden kann. Unser primäres Interesse wird es immer sein, an den Zentren hoch originelle Forschung zur Lösung großer gesellschaftlichen Forschungsthemen durchzuführen.

Haben Sie als Präsident aktiv Einfluss auf die Forschungsaktivitäten an den Helmholtz-Zentren und können Sie allein über die Zukunft der Zentren entscheiden?
Nein, das kann ich nicht. In der Helmholtz-Gemeinschaft greifen drei Ebenen ineinander: 18 große interdisziplinär aufgestellte Helmholtz-Zentren, die mit ihrer kritischen Masse unser wissenschaftlicher Motor sind; unsere Forschungsbereiche, die in sechs großen Zukunftsfeldern agieren und diese strategisch mitgestalten, sowie die Gemeinschaftsebene mit dem Präsidenten als Vertreter der Gemeinschaft nach innen und außen. Die letztere Ebene hat auch die wichtige Aufgabe, unsere Gesamtstrategie kontinuierlich zu hinterfragen und zu justieren. Wenn es uns gelingt, alle drei Ebenen klug aufeinander abzustimmen, so dass sie wie Zahnräder ineinander greifen, wird diese Struktur zu einer ausgesprochenen Stärke. Diese Erläuterung zeigt deutlich, dass es eine echte Gemeinschaftsaufgabe ist, den Kurs festzulegen. Der Präsident kann und sollte dabei Impulse setzen, die in der Gemeinschaft mit unseren Mitgliedern diskutiert werden müssen.

Sind Arbeitsplätze in Gefahr?
Für diese Sorge gibt es keinen Anlass. Bisher habe ich über zehn Helmholtz-Zentren besucht und bin nun mehr denn je davon überzeugt, dass wir sehr gut aufgestellt sind und großes Potenzial haben. Ich möchte dazu beitragen, dass die Helmholtz-Gemeinschaft organisch wächst. Dabei sollten wir die Zahl der Arbeitsplätze eher steigern und nicht abbauen.

Wie arbeiten Sie mit den Zentren konkret zusammen?
Ich setze uneingeschränkt auf Diskurs und Austausch. Wir sollten uns alle darüber einig sein, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können. Dies funktioniert gewiss nicht von oben nach unten.
Bis Ende November dieses Jahres werden wir alle 18 Helmholtz-Zentren besuchen und uns einen möglichst umfassenden Überblick über die Gemeinschaft verschaffen. Neben vielen Gesprächen über die Wissenschaft vor Ort informieren wir uns auch über Interaktionen der Zentren mit verschiedenen Partnern im deutschen Wissenschaftssystem (lokal, regional, national und international) sowie über Themen von Helmholtz-weiter Relevanz wie Informationsverarbeitung (BigData), Nachwuchsförderung oder Wissenstransfer. Am Ende dieser spannenden Phase werden wir gemeinsam mit den Zentren Vorschläge erarbeiten, wie wir alle die Helmholtz-Gemeinschaft weiterentwickeln können. Auch in Zukunft habe ich mir fest vorgenommen, jedes unserer Zentren ein- bis zweimal jährlich zu besuchen, um den Dialog mit Ihnen lebendig zu halten. Auch werden wir Sie in den darauf folgenden Monaten regelmäßig auf dem Laufenden halten.

Wie ist Ihr weiteres Vorgehen und wie werden Ihre Vorschläge umgesetzt?
Die Zentrenbesuche sind die Basis für Vorschläge zur Weiterentwicklung der Helmholtz-Gemeinschaft. Anfang kommenden Jahres können wir ein erstes Konzept vorstellen. In die strategischen Überlegungen fließen die Empfehlungen des Wissenschaftsrats ein, der kürzlich die Helmholtz-Begutachtung abgeschlossen hat. Den Strategievorschlag werden wir mit verschiedenen Akteuren und Gremien der Gemeinschaft erörtern, u.a. mit den Mitgliedern der Helmholtz-Gemeinschaft und mit dem Helmholtz-Senat. Darüber hinaus wird eine regelmäßige Abstimmung mit unseren Zuwendungsgebern stattfinden. Anregungen von Ihrer Seite sind jederzeit willkommen. Die Umsetzung erfolgt schließlich in den Zentren, in den Forschungsbereichen und auf der Gemeinschaftsebene.

Nach vielen Gesprächen in den Zentren habe ich den Eindruck, dass es großes Interesse für einen regen Austausch über unsere künftige Entwicklung gibt. Darüber freue ich mich sehr. Lassen Sie uns diesen spannenden Prozess gemeinsam gestalten.

In diesem Sinne grüße ich Sie alle herzlich
Otmar D. Wiestler

ENGLISH VERSION

Dear employees,

The article published last week by Spiegel Online surprised me somewhat and undoubtedly raised many questions for you as well. It is a key concern of mine to work transparently and keep you informed on a regular basis about the future plans of the Helmholtz Association. I very much hope that this will become clear in the course of my current visits to the individual centres, which I am thoroughly enjoying.
In this memo I would like to answer the questions that have been put to me over the past few days. Please do not hesitate to contact me should you have any further questions.

You recommend that the individual Helmholtz Centres should sharpen the thematic focus of their research. What will that mean for other research activities conducted at the individual centres that do not lie within this thematic field?
I believe that one of the great strengths of the Helmholtz Association is its capacity to conduct comprehensive research on major research topics all the way from basic research through research and development to application. We can only succeed in doing this if we focus on a few areas of research. This is a central aspect of our duty to the government and to the public. However, even centres with a clear main focus such as the German Cancer Research Centre, for example, always work from a broad scientific basis. Of course the situation is different in centres that have several core topics. If these topics are astutely chosen, other outstanding research activities will not lose out, but could in some cases even benefit from the resulting synergies. Here too, of course, high quality and originality will always be the fundamental prerequisites for all our research activities. I think we all agree on this point.

What factors are important in the selection of research topics?
The Helmholtz Association is extremely well positioned on all levels – local, regional, national and international. To continue our mission of sustainably tackling the major challenges facing society today, we must critically examine our work on a regular basis:

  • Considering the dynamically developing research landscape, are we structured in the best possible way?
  • Are we conducting top quality research on the most important topics of tomorrow and are we making a decisive contribution here?
  • Are we – the Helmholtz Association, the research fields and the Helmholtz Centres – focusing on the right research topics?
  • Are we making the most of our creative potential and are we consistently implementing innovative ideas?
  • Do we have the best and brightest scientists working for Helmholtz?

Are you planning to abolish certain research activities?
The President of the Helmholtz Association does not have the duty or the authority to abolish any research activities. It is therefore extremely annoying that journalists have been making allegations that are simply not true, such as those relating to coastal research. The fact that I am only going to visit and get to know the Helmholtz-Zentrum Geesthacht mentioned by the press at the end of November already shows how unfounded these allegations are. If we need to make adjustments or strategic realignments because individual research activities are at some point no longer internationally competitive, then we will do so in a process that is implemented in coordination with the centres, the research fields and our committees. Our primary concern will always be to conduct highly original research at our centres to tackle the major challenges facing society today and tomorrow.

In your position as President, do you have an active influence on the research activities of the Helmholtz Centres and can you decide on the future of the centres by yourself?

No, I cannot. The Helmholtz Association consists of three interconnected levels: 18 large interdisciplinary Helmholtz Centres that make up the critical mass of our association and drive our scientific work; the research fields, which are divided into six major future-oriented areas of work and help to strategically structure these; and the Association level with the President acting as the internal and external representative of the Association. An important task of this third level is to continuously scrutinise and adjust our overall strategy. When we succeed in coordinating these three levels so that they interlock like cogs in a machine, this structure becomes a huge strength. As this explanation makes clear, setting the future course of our research activities is a truly communal process. And as part of this process, the President can and should provide ideas that are then discussed within our Association, with our members.

Are jobs at risk?
There is no reason to be concerned about job losses. I have so far visited more than ten Helmholtz Centres and this has confirmed my belief that we are extremely well positioned and have enormous potential. I would like to support the organic growth of the Helmholtz Association. This will mean more rather than less jobs.

How do you work with the centres in concrete terms?
I am firmly committed to active discourse and exchange. We should all agree that we can only succeed if we all work together. And we will definitely not succeed by working top to bottom. By the end of November this year we will have visited all 18 Helmholtz Centres to gain as comprehensive an overview of the Association as possible. Alongside many discussions on the work being carried out at the individual centres, we will also be finding out more about the centres’' collaboration with various partners in the German scientific community (local, regional, national and international) and about topics that are relevant for the Helmholtz Association as a whole, such as information processing (big data), promoting young talent and knowledge transfer. At the end of this exciting stage, we will develop proposals together with the centres on how we can all best bring the Helmholtz Association forward. I am also firmly resolved to keep visiting each of our centres once or twice a year in the future to maintain active contact with them. We will also be providing you with regular updates in the following months.

What are your next steps and how will your proposals be implemented?
The visits to the individual centres will provide the basis for the proposals for the further development of the Helmholtz Association. Early next year we will present a draft concept. The recommendations of the German Council of Science and Humanities, which recently completed a review of the Helmholtz Association, will also feed into our strategic considerations. We will then discuss the strategic proposal with various Helmholtz Association stakeholders and committees, including the members of the Helmholtz Association and the Helmholtz Senate. We will also be consulting regularly with our funding bodies. Any suggestions from you are also welcome at any time. The implementation will then take place in the centres, the research fields and at the Association level.

In my numerous discussions at the centres, many of you conveyed great interest in being actively involved in the discourse on our future development. I am delighted about this and invite you all to take part in shaping this exciting process together.

Warm regards,
Otmar D. Wiestler


21. Oktober 2015

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