Pilotprojekt: Integration von Flüchtlingen in der Wissenschaft

Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit haben wir heute eine neue Initiative gestartet: Ab sofort werden wir Flüchtlingen einen Einstieg in eine wissenschaftliche oder wissenschaftsnahe Beschäftigung ermöglichen.

„Wir wollen unserer gesellschaftlichen Verpflichtung nachkommen und talentierten Flüchtlingen eine Perspektive eröffnen“, sagte Helmholtz-Präsident Otmar D. Wiestler auf der heutigen Pressekonferenz. „Deshalb bieten wir wissenschaftlich oder technisch ausgebildeten Menschen verschiedene Möglichkeiten für einen Job-Einstieg in einem wissenschaftsnahen oder wissenschaftlichen Umfeld. Das können Hospitationen oder Anstellungen für Wissenschaftler sein oder Ausbildungsplätze für Jugendliche.“ Die Prozesse und Abläufe, die das ermöglichen, sind in den vergangenen Wochen in einer Pilotphase umfassend geprüft worden.

Die Bundesagentur für Arbeit erfasst dazu die Qualifikationen von Bewerbern, sobald sie einen Aufenthaltsstatus haben. Anschließend leitet die Agentur die Bewerbungsunterlagen geeigneter Kandidaten an die Helmholtz-Zentren weiter. „Wir freuen uns sehr, mit den Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft engagierte und qualifizierte Partner für die Vermittlung junger Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt gewonnen zu haben“, sagte Frank-J. Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit und Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.Schon im Vorfeld einer Vermittlung müssen viele Fragen geklärt werden: Wie können wir Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, als Wissenschaftseinrichtung eine Chance geben? Wie wählt man geeignete Kandidaten oder Kandidatinnen aus und gibt es rechtliche Rahmenbedingungen? Die Bundesagentur für Arbeit und die Helmholtz-Gemeinschaft haben in diesen Bereichen hervorragendes Know-how, um das Pilotprojekt auf die Beine zu stellen.

Die häufig genannte Sprachbarriere sieht Otmar Wiestler nicht als Problem: „Das Schöne an der Wissenschaft ist, dass wir ein internationales Geschäft sind“, sagte er. „Wir sind als große Forschungsorganisation international aufgestellt und haben demnach viel Erfahrung mit der Integration internationaler Kolleginnen und Kollegen.“ Sollten die Sprachkenntnisse nicht ausreichen, wird die Bundesagentur unterstützen. Sie übernimmt neben der Vermittlung der Bewerber zusätzlich die Kosten für sechswöchige Probekurse an den Helmholtz-Zentren sowie für eventuell nötige Qualifizierungsmaßnahmen oder Einstiegsqualifizierungen wie z.B. Sprachkurse.

Auch Thomas Naumann, stellvertretender Standortleiter am DESY in Zeuthen, sieht in der Sprachkompetenz der Kandidaten keine ernsten Probleme. „In der Wissenschaft ist Internationalität eine völlig normale Sache. Wir haben unsere Wissenschaftssprache, in der wir uns immer miteinander verständigen, und wir machen das, was wir immer machen, nämlich forschen. “

In Naumanns Team startet am Montag Fuad Abu Sameer. Er stammt aus Syrien und hat dort Computer Information Systems studiert. Anfang 2015 ist er aus seinem Heimatland geflohen und lebt seit August in Deutschland. Am DESY in Zeuthen hat er nun einen Praktikumsplatz und sieht seine Teilnahme an der Initiative als Chance: „Ich möchte gern sehen, wie in der Praxis geforscht wird und dann noch weiterführend studieren.“ Wenn sein Heimatland wieder sicherer ist, möchte er zurückkehren.

Mittelfristig sollen mit der Initiative 10 bis 20 Menschen pro Helmholtz-Zentrum integriert werden. Die Helmholtz-Gemeinschaft stellt für diese Aufgabe insgesamt 1 Million Euro aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds des Präsidenten bereit. Zusätzlich beteiligen sich die jeweiligen Zentren insgesamt mit einer Summe in ähnlicher Höhe. Die restlichen Kosten übernimmt die Bundesagentur für Arbeit. Bundesweit wird die Initiative von Jutta Cordt, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit in den Arbeitsagenturen, bekannt gemacht.

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir vielen Menschen damit eine Tür in eine bessere Zukunft öffnen“, sagte Otmar D. Wiestler. „Angesichts des aktuellen Ausmaßes der Flüchtlingszahlen, ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, nach besten Kräften zu helfen.“ Man müsse darüber hinaus aber auch sehen, dass die vielen gut ausgebildeten Fachkräfte, die derzeit nach Deutschland kommen, hier dringend gebraucht würden. Deutschland sollte also durchaus auch ein eigenes Interesse daran haben, qualifizierte Flüchtlinge schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren.


11.12.2015 Bianca Berlin

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