Der unbekannte Feind

T-Zellen sind Immunzellen, die in der Abwehr von Viren eine zentrale Rolle spielen. Im Bild sind zwei T-Zellen (rot) in Wechselwirkung mit einer dendritischen Zelle, einem anderen Typ von Immunzellen. Bild: M. Rohde/HZI

In Deutschland ist etwa die Hälfte aller Erwachsenen mit dem Cytomegalie-Virus (CMV) infiziert, ohne dass dies sofort Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat. Im Alter allerdings kann die CMV-Infektion einen negativen Einfluss auf die Abwehrkräfte des Immunsystems haben

In Deutschland ist etwa die Hälfte aller Erwachsenen mit dem Cytomegalie-Virus (CMV) infiziert, ohne dass dies sofort Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat. Im Alter allerdings kann die CMV-Infektion einen negativen Einfluss auf die Abwehrkräfte des Immunsystems haben, wie die Studien von Prof. Dr. Luka Cicin-Sain am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) zeigen. Beispielsweise kann dadurch die Immunabwehr gegen Grippe-Infektionen geschwächt werden. In einer alternden Gesellschaft wie der unseren ist diese Spätfolge besonders brisant.

Die Ansteckung mit CMV während der Schwangerschaft stellt die häufigste Ursache infektiös bedingter Geburtsfehler dar. Insgesamt ist nur das genetisch bedingte Down-Syndrom häufiger. Dennoch ist diese Gefahr in der Gesellschaft kaum bekannt. Zum Vergleich: Die früher während der Schwangerschaft sehr gefürchteten Röteln spielen heute bei uns keine Rolle mehr, da gegen sie wirksam durch Impfung vorgebeugt werden kann. Eine Impfung gegen CMV gibt es jedoch trotz intensiver Forschung bisher nicht.

Für die Impfstoffforschung ist CMV nicht nur als Ziel, sondern auch als Werkzeug interessant. Wissenschaftler versuchen, gentechnisch veränderte Cytomegalie-Viren als sogenannte Vektoren zu nutzen. Dabei werden die Viren ihrer gefährlichen Eigenschaften beraubt und stattdessen mit Genen anderer Erreger beladen. Da CMV sehr starke Reaktionen der Immunzellen hervorrufen kann, hofft die Forschung, so Impfungen gegen den AIDS-Erreger HIV oder das Hepatitis C-Virus möglich zu machen. Auch Immunisierungen gegen Krebs oder eine verbesserte Tuberkulose-Impfung mit Hilfe der CM-Viren sind denkbar.

Weitere Informationen:

Zur Presseinformation des HZI

12.12.2012 , Jan Grabowski
Leserkommentare, diskutieren Sie mit (0)
Keine Kommentare gefunden!
Kommentar hinzufügen

Ihr Kommentar wird nach dem Absenden durch unsere Redaktion geprüft und dann freigegeben, wir bitten um etwas Geduld. Bitte beachten Sie auch unsere Kommentarregeln.

Your comment will be checked by our editors after sending and then released, we ask you for a little patience.

Druck-Version