Helmholtz-Wintergespräche 2017

Auch wenn es auf politischer Ebene schon bessere Zeiten im deutsch-russischen Verhältnis gab, findet in der Wissenschaft nach wie vor ein intensiver Dialog statt. Das Moskauer Büro der Helmholtz-Gemeinschaft veranstaltete am 8. Februar 2017 zum zweiten Mal die "Helmholtz-Wintergespräche". Sie sollen den deutsch-russischen Dialog im Bereich Wissenschaft und Bildung weiter fördern. Jedes Jahr beleuchtet das hochrangig besetzte Treffen mit Experten aus Wissenschaft, Bildung, Politik und Wirtschaft ein anderes Thema. Dieses Jahr ging es um Big Data in der Wissenschaft.

Helmholtz-Präsident Otmar D. Wiestler reiste mit einer große Delegation mit vielen Vertretern aus den Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft zu den "Wintergesprächen" nach Moskau. Seitens der Politik waren die beiden Schirmherren der Helmholtz-Wintergespräche, Edelgard Bulmahn, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, und Andrej Fursenko, der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation mit dabei. Zusammen mit Otmar D. Wiestler und Gregorij Trubnikov, Vizeminister für Wissenschaft und Bildung der Russischen Föderation, diskutierten sie unter dem Motto "Nationale Strategien - gemeinsame Herausforderungen". Frau Bulmahn betonte, dass Wissenschaft heute nur international sein kann. Der wissenschaftliche Dialog zwischen Russland und Deutschland verläuft sehr intensiv: 2016 gab es über 2000 wissenschaftliche Publikationen von deutsch-russischen Forschungsgruppen, über 60 bilaterale und multilaterale Forschungsprojekte. 

Vor der Podiumsdiskussion stellten zwei Wissenschaftler in Kurzvorträgen neuste Trends im Bereich Data Science vor: Thomas Lippert vom Forschungszentrum Jülich berichtete über "Building research data infrastructures in the Helmholtz-Association, Germany and Europe" und Alexei Minin aus dem Institut für angewandte Datenanalyse, ZAO Deloitte und Touche CIS sprach über "Big Data Analytics Industrial Perspective in the Era of Digitalization". Im Vortrag wurde eine sehr kontroverse Frage aufgegriffen: Welche Rolle bleibt den Menschen überlassen, wenn die Computer in der Lage sein werden, aufgrund von schneller Datenanalyse selbst Entscheidungen zu treffen.

Bei der anschließenden Diskussion saßen Wolfgang Marquardt, Vorstandvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, Clas Neumann, Senior Vice President, Global Head of SAP Labs Network, Vsevolod Opanasenko, Generaldirektor der T-Platforms und Dmitriy Peskov, Bereichsleiter "Young Professionals" aus der Agentur für strategische Initiativen auf dem Podium. Die lebhafte Diskussion hat gezeigt, dass es durchaus unterschiedliche Ansätze zum Thema Datenanalyse gibt. in einem Punkt jedoch waren sich alle einig: Die Entwicklung der Technik wird unausweichlich Veränderungen der ganzen Gesellschaft nach sich ziehen. Wir werden die Rolle der Menschen in dieser neuen Gesellschaft neu definieren müssen. 

Über 200 Gäste aus Russland und Deutschland haben am Abend die Veranstaltung besucht. Die Kontakte, die während der Veranstaltung angebahnt werden konnten, werden in einer Fachtagung "Big Data", die im Herbst dieses Jahres in Moskau stattfinden wird, vertieft und ausgebaut. Auf diese Weise können die Potenziale der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern optimal genutzt und neue Kooperationen in diesem wichtigen Bereich initiiert werden.

Moskau, den 09. Februar

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