Serie: Gründerportraits

„Wir lassen die Natur für uns arbeiten“

Bild: Isodetect

Ehemals industriell genutzte Flächen sind häufig mit Schadstoffen belastet. Natürlich vorkommende Mikroben sind in der Lage diese Stoffe abzubauen. Umweltforscher können den Fortgang des natürlichen Abbaus messen und wollen so die kostspielige Bodensanierung vermeiden.

Das erste, was Heinrich Eisenmann zur Unternehmensgründung einfällt, ist ein Zitat von Friedrich Schiller: „Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen“, heißt es in Schillers Drama „Wallenstein“. Einfacher ausgedrückt: Man stellt es sich leichter vor, als es ist. Auch wenn man eine sehr gute Geschäftsidee hat, muss man viel Arbeit investieren und gute Nerven haben, bis daraus ein florierendes Unternehmen wird. Heinrich Eisenmann ist Geschäftsführer von Isodetect, einer gemeinsamen Ausgründung des Helmholtz Zentrums München (HMGU) und des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. 

Isodetect ermittelt mit Isotopenanalysen wie schnell Schadstoffe in verunreinigten Böden oder Gewässern durch Mikroben abgebaut werden. Die Technik beruht auf einem einfachen Phänomen: 99 Prozent der Kohlenstoffatome besitzen 6 Neutronen und 6 Protonen und damit ein Atomgewicht von 12. Ein Prozent der Kohlentoffatome hat jedoch nicht sechs, sondern sieben Neutronen und ein Atomgewicht von 13.

Öl- oder Benzinmoleküle mit einem 13C-Atom sind biologisch etwas schwerer abbaubar. Die Zunahme des Isotopenverhältnisses von 13C zu 12C in einem Schadstoff kann Isodetect bis auf die fünfte Nachkommastelle bestimmen. Durch die Analyse unbehandelter Böden konnte das Unternehmen so den Beweis für eine natürliche mikrobielle Selbstreinigung direkt in der natürlichen Umgebung liefern.

Ähnliches gilt für die chemischen Elemente Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff oder Chlor, die zum Beispiel in Pestiziden, chlorierten Ethenen oder in Nitrat enthalten sind – alles Stoffe, die das Grundwasser verunreinigen. „Der Abbaunachweis ist Gold wert, denn er kann zeigen, dass die Schadstoffe ohne Zutun verschwinden “, sagt Heinrich Eisenmann. „Die Isotopenanalyse kann Grundstücksinvestoren damit erhebliche Sanierungskosten ersparen.“

Die Idee zu dem Unternehmen hatten Rainer Meckenstock und Hans Richnow. Noch als Post-Docs entwickelten sie ein Isotopen-Monitoringkonzept zum Nachweis des Schadstoffabbaus in der Umwelt. 1998 meldeten sie es zum Patent an, doch lange blieb es dabei. Richnow übernahm die Leitung der Abteilung Isotopenbiogeochemie am UFZ in Leipzig, Rainer Meckenstock wurde Professor für Grundwasserökologie an der TU München. Auf einer Weihnachtsfeier am Helmholtzzentrum München traf er 2004 zufällig Heinrich Eisenmann, mit dem er an der ETH Zürich zusammengearbeitet hatte, und der gerade auf der Suche nach einer neuen Stelle außerhalb der Wissenschaft war.

Beide sprachen bald darüber, dass aus der alten Idee ein Unternehmen werden müsste. Ob Eisenmann sich vorstellen könne, es zu leiten? Ein Satz genügte, um das Konzept zu erklären. Heinrich Eisenmann weiß ihn bis heute: „Wir können mit einer einzigen Isotopenanalyse unmittelbar nachweisen, dass Schadstoffe im Grundwasser auf natürliche Weise abgebaut werden.“ „Da habe ich Blut geleckt“, sagt er.

Heinrich Eisenmann hatte Erfahrung mit gentechnischen Methoden in der Pharmazie, hatte diese Aufgabe aber trotz guter Karrierechancen aufgegeben. Das Umweltmonitoring mit Isotopenanalysen ist das genaue Gegenteil einer gentechnischen Erbgutveränderung. Das gefiel ihm: „Wir müssen die Natur nicht unbedingt manipulieren“, sagt er, „Sie arbeitet schon für uns, wenn wir auf sie eingehen.“ Mit dieser Philosophie wurde 2006 das Unternehmen Isodetect gegründet.

Heinrich Eisenmann hatte an der ETH Zürich ein Seminar zur Unternehmensgründung absolviert, er wusste, dass ihm eine harte Zeit bevorstand. Er besuchte Messen, Fachtagungen, hörte Vorträge, lernte in kurzer Zeit die betriebswirtschaftliche Praxis. Wieder und wieder erklärte er potenziellen Kunden das Isotopenkonzept, sprach mit Behörden und mit Ingenieuren. Der Zeitpunkt war günstig. „Die Isotopenmethode war im Aufwind“, sagt Eisenmann. In Forschungsprojekten zur Altlastenerkundung wurde sie schon erfolgreich eingesetzt.

Die Helmholtz-Gemeinschaft gewährte dem Gründungsvorhaben 2005 eine Förderung über Helmholtz Enterprise. „Das war die entscheidende Finanzierungsbasis“, sagt Eisenmann. Dank der Finanzierung in der Startphase hatte er genug Geschäftskontakte und Umsatz aufgebaut, dass sich das Unternehmen selbst tragen und Eisenmann weitere Mitarbeiter einstellen konnte.

„Um ein Unternehmen erfolgreich zu machen, muss man selbstbewusst sein“, sagt Heinrich Eisenmann. Also rechnete er aus, wie viel Geld jedes Jahr in der Altlastensanierung investiert wird, bei wie vielen Sanierungen man die Isodetect-Methode anwenden und was man pro Einsatz damit verdienen könnte. Ergebnis: „In Europa gibt es hunderttausende Altlasten, die mit unserer Methode billiger saniert werden können. Wir haben das Potential für Milliardenumsätze.“

Noch sind die sieben Mitarbeiter allerdings erst am Anfang. Das Geschäftsmodell beruht auf komplexen wissenschaftlichen Zusammenhängen, die nicht leicht zu verstehen sind. Vielen Sanierern erscheint es praktischer das kontaminierte Grundwasser einfach nach oben zu pumpen und mit Aktivkohle zu reinigen, auch wenn das viel kostspieliger und oft ineffizient ist. Wie kann man die Kunden von den Vorzügen der Isotopenmethoden überzeugen? „Das Entscheidende ist, dass die Kunden Mund zu Mund Propaganda machen“, sagt Eisenmann. Die Aufträge kommen mittlerweile aus dreizehn europäischen Ländern, aber auch aus Chile, Brasilien oder Benin. Trotzdem verlässt ihn die Sorge nie ganz, dass das Unternehmen nicht mehr erfolgreich sein könnte. „Fruchtbarer Stress“, sei es manchmal, aber: „Riesen Spaß macht es auch“. Am besten gefällt ihm die Freiheit, die das Unternehmen bietet. Die Arbeitszeiten sind flexibel, die Mitarbeiter arbeiten eigenverantwortlich, das fördere die Kreativität: „Wir sind wie Wiesel, wir können flexibel reagieren und flink arbeiten “, sagt er. „Durch die Nähe zur Forschung lässt sich neues Know-How schnell umsetzen."

Von München aus koordiniert und bearbeitet Eisenmann Aufträge und Forschungsprojekte. Regelmäßig fährt er zum Isodetect-Labor nach Leipzig, das vor zwei Jahren aufgebaut wurde. Inzwischen führt Isodetect auch Analysen in Biogas-Anlagen oder Erdgasspeichern durch, um den Betrieb der Anlagen ökonomischer zu machen. „Grundsätzlich geht es immer darum, ökologische Prozesse noch besser zu verstehen, um sie geschickt und nachhaltig zu nutzen“, bringt er das Ziel von Isodetect auf den Punkt. 

Mit dem Instrument Helmholtz Enterprise unterstützt die Helmholtz-Gemeinschaft seit nunmehr zehn Jahren gezielt Ausgründungen aus den Zentren. In dieser Serie stellen wir Unternehmen vor, die in dieser Zeit von dem Instrument profitieren konnten. 

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Isodetect-Website

29.04.2016 , Friederike Lübke
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