Bericht zur Erderwärmung

"Es ist Zeit, die Welt zu retten"

Durch die steigende Temperatur ist mehr Energie und Wasser in der Atmosphäre. Die entlädt sich häufiger in heftigen Wetter-Ereignissen mit starken Niederschlägen. Foto: Lucy Chian / Unsplash

Unwetter, Starkregen, Dürren – durch die Erderwärmung entstehen fatale Folgen für uns alle. Der Bericht des Weltklimarates verdeutlicht: Wir müssen sofort handeln.

Vor knapp drei Jahren einigten sich 196 Staaten beim Weltklimagipfel in Paris auf das Ziel, die Erderwärmung auf höchstens 2 Grad zu begrenzen. Das ursprünglich anvisierte 1,5-Grad-Ziel wollte man aber nicht aus den Augen verlieren. Insbesondere die kleineren Inselstaaten hatten auf die Einhaltung gedrängt. Der Weltklimarat der Vereinten Nationen IPCC hat nun die Frage untersucht, ob sich das 1,5-Grad-Ziel überhaupt noch halten lässt. Und welche Folgen schon dieser Anstieg der durchschnittlichen Temperatur für Mensch und Umwelt hätte. Ein Kernteam von etwa 90 Autoren und 250 weitere Forscher haben dazu rund 6.000 wissenschaftliche Publikationen analysiert.

Die Ergebnisse des Berichts sind vielfältig, aber eindeutig: Inzwischen sei ein Anstieg von extremen Wetterverhältnissen wie Hitze, Dürre und starken Niederschlägen weltweit zu bemerken. Bei einer Erwärmung von 1,5°C werde sich das Risiko dieser Klimafolgen weiter vergrößern. Den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei rechnerisch jedoch noch möglich.

"Eine historische Woche: der Bericht zeigt, dass eine 1,5 Grad-Begrenzung der globalen Erwärmung machbar ist und damit die Risiken für Mensch und Natur deutlich verringert werden können", sagt Daniela Jacob, eine der Leitautorinnen des Sonderberichtes und Direktorin des Climate Service Center Deutschland (GERICS), einer Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht. Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, ergänzt: "Wir wissen schon länger, dass wir handeln müssen, aber jetzt sind klare Ziele und harte Zahlen da. Der Bericht sagt: Es ist Zeit, die Welt zu retten!"

Der Bericht zeigt, welche immensen Auswirkungen der Unterschied zwischen 1,5 und 2 Grad hat. Schon heute ist es im Schnitt etwa 1 Grad wärmer auf der Erde im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Allein in den vergangenen 20 Jahren sind die 18 wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen 1850 registriert worden. Die Zahl der Dürren ist gestiegen und die Wasserverfügbarkeit vielerorts gesunken. Die meisten Forscher sind sich einig, dass die Welt ohne zusätzliche Anstrengungen auf 3 bis 4 Grad Erwärmung zusteuern würde. Eine weitere Folge des Klimawandels ist die Zunahme von heftigen Unwettern. Durch die steigende Temperatur ist mehr Energie und Wasser in der Atmosphäre. Die entlädt sich dann häufiger in heftigen Wetter-Ereignissen mit starken Niederschlägen. Das Einhalten der 1,5 Grad-Marke könnte die Anzahl von Dürren und Starkregen laut Bericht deutlich reduzieren.

Der Sonderbericht ist von hoher politischer Relevanz: Die UN-Klimarahmenkonvention bat den IPCC den Sonderbericht zu erstellen, dieser entsteht also erstmals auf Wunsch der Vertragspartner des Pariser-Klimavertrages. Die Ergebnisse werden beim nächsten Weltklimagipfel in Katowice im Dezember 2018 eine wichtige Rolle spielen.

IPCC-Sonderbericht über 1,5 Grad globale Erwärmung

Etwa 90 internationale Autorinnen und Autoren arbeiteten an dem neuen IPCC-Sonderbericht. Daniela Jacob ist eine von drei Klimaforschern einer deutschen Einrichtung und leitet ein Kapitel über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit. Als Koordinierende Leitautorin (CLA) verantwortet sie 60 des insgesamt 200 Seiten umfassenden Reportes. Gemeinsam mit zwei weiteren CLAs leitet sie das 18-köpfige Autorenteam ihres Kapitels.

Die Leitautoren überprüfen und bewerten systematisch sämtliche relevanten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die zur Auswirkung der globalen Erwärmung um 1,5 Grad auf Mensch und Natur existieren. Daniela Jacob: "Wir haben rund 1.000 wissenschaftliche Artikel ausgewertet. Anschließend wurde unsere Arbeit in mehreren Runden zunächst durch Experten und dann durch die Regierungen überprüft. Da kamen auf den 60 Seiten mehr als 10.000 Kommentare zusammen."

Die im mehrstufigen Review-Prozess aufgekommenen Rezensionskommentare müssen alle beantwortet und dokumentiert werden. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, die alle Autoren ehrenamtlich einsetzen. Daniela Jacob: "Da ich bereits 2014 Leitautorin eines Weltklimaberichtes war, kannte ich den Arbeitsumfang und wusste worauf ich mich einlasse. Und natürlich ist die fächerübergreifende Zusammenarbeit mit Autoren aus der ganzen Welt extrem wertvoll. Außerdem beflügelt uns alle die Aussicht, mit diesem Report etwas bewegen zu können."

Astrid Kindler Scharr, Institutsleiterin am Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung, die ebenfalls als Gutachterin am Bericht mitgearbeitet hat, sieht jetzt die Politik in der Pflicht: "Die Wissenschaft hat die Fakten vorgelegt und die Konsequenzen aufgezeigt – die Politik muss nun entscheiden, wie entsprechende Lösungen herbeigeführt werden können – sei es durch Förderung von erneuerbaren Energiequellen und deren Speicherung oder auch die aktive Reduktion von Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre."

08.10.2018 , HZG & Helmholtz-Redaktion
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