Weltklimakonferenz

Stimmen aus der Wissenschaft

Bild: BMUB / Nils Klinger

Die Weltklimakonferenz in Bonn ist vorbei. Was denken Wissenschaftler über die Ergebnisse des Gipfels?

Mojib Latif ist Leiter des Forschungsbereiches: Ozeanzirkulation und Klimadynamik am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Die Weltklimakonferenz in Bonn (COP23) hat keinen großen Durchbruch gebracht. Das war auch nicht zu erwarten, weil insbesondere technische Fragen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens im Vordergrund standen. Bemerkenswert waren zwei Dinge. Erstens, neben der offiziellen Delegation der USA trat eine inoffizielle Delegation auf, die,  angeführt vom kalifornischen Gouverneur Jerry Brown und dem ehemaligen Bürgermeister von New York Michael Bloomberg, bekräftigte, dass sie zum Pariser Klimaabkommen stehen (We Are Still In). Zweitens, 18 Länder haben den Ausstieg aus der Kohleverstromung angekündigt. Das setzt die künftige Bundesregierung unter Druck, endlich den längst überfälligen Kohleausstieg zu organisieren.

Reimund Schwarze koordiniert die Forschung zu "Klimawandel und Extremereignissen" am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. 

Immerhin sind die Staaten auf dem Weg nach Katowice, wo der Weltklimagipfel 2018 stattfinden wird, inhaltlich ein Stückchen vorangekommen. Auch wenn es keine strenge Messlatte gibt, ab wann man von einem Erfolg sprechen kann, ist der Prozess der ersten Bestandsaufnahme der Minderungsambition im nächsten Jahr eindeutig aufgewertet worden. Bisher wurde immer nur von einem "Ermöglichungsdialog" die Rede, jetzt ist klar: Im nächsten Jahr wird Bilanz gezogen und verglichen, ob die einzelnen Staaten tatsächlich auf dem Wege sind, die in Paris zugesagten Beiträge zur Reduktion der Treibhausgase einzuhalten und ob diese in der Summe reichen, um die Klimaschutzziele von Paris zu erreichen. Das ist ein kleiner politischer Erfolg.

Hans Schipper ist Leiter des Süddeutschen Klimabüros am Karlsruher Institut für Technologie

Mit der Klimakonferenz COP 23 in Bonn ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung der Umsetzung des Pariser Abkommens, das vor zwei Jahren beschlossen wurde, gemacht worden. Aus Sicht der Wissenschaft gehen die politischen Entscheidungsprozesse zwar nur sehr langsam voran. Angesichts der Vielzahl an beteiligten Ländern mit mindestens genauso vielen nationalen und regionalen Zielsetzungen ist es allerdings kaum anders zu erwarten. Diese unterschiedlichen Zielsetzungen trotzdem zu vereinen, war die große Leistung in Paris.

Ein wichtiges Signal aus Bonn ist, dass wir als Weltgemeinschaft auf dem Weg zu einem Regelbuch, das nächstes Jahr in Polen verabschiedet werden soll, nun eher noch zusammen gerückt als auseinander gedriftet sind. Die Aufgabe für die nahe Zukunft wird sein, einen konkreten Fahrplan für eine weitgehende Unabhängigkeit von der Verbrennung fossiler Brennstoffen festzulegen, bis hin zu einer emissionsfreien und nachhaltigen Welt. Meine Hoffnung ist, dass dieser eingeschlagene Weg auch über Bonn hinaus weiter verfolgt wird, um nicht nur auf internationaler, sondern auch auf nationaler, regionaler und persönlicher Ebene eine Bewusstseinsänderung gegenüber dem Thema Klimawandel zu erreichen.

Hans von Storch leitete das Institut für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung. 

Ob COP 23 ein Erfolg war, wird nur die Zukunft zeigen. Die entscheidende Frage ist, ob es künftig weniger Treibhausgasemissionen geben wird als ohne die Verabredungen. Ich halte es für möglich, dass dies der Fall ist, dass das in Aussicht genommene „Regelwerk“ eine tatsächliche Umsetzung der in  Paris geweckten Erwartungen besser ermöglicht. Mehr war eigentlich auch nicht zu erwarten. In dem Sinne war COP 23 für mich ein Erfolg.

In der Öffentlichkeit wurde dieses Regelwerk nicht wirklich beachtet, es ging um andere Dinge. Etwa die deutschen Einzahlungen in ein Versicherungssystem für besonders vom Klimawandel betroffene Gegenden. Grundsätzlich ein guter Ansatz, wenn da nicht der Verdacht wäre, dass dieser Vorgang schlussendlich unter lautem Getöse als deutsche Wohltat zelebriert wird, die den intendierten Zweck am Ende aber nicht unbedingt erfüllt. 

Und dann war da die Kohleallianz – von  Ländern, die bis dato keine oder nur wenig Kohle für die Energiegewinnung einsetzen, und im Falle von Kanada, Großbritannien und Frankreich sich erheblich mit Kernenergie versorgen. Großbritannien etwa will den Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung bis 2030 auf 18 Prozent und bis 2035 auf 30 Prozent steigern.  Für Großbritannien und Kanada bedeutet dies Angebot,  keine Kohle ohne CCS mehr zu verheizen, impliziert aber keinen Verzicht  auf  Kohleförderung samt Kohleexport.

Weitere Einschätzungen zu den Ergebnissen der COP 23 auf der Website des GERIC Climate Service Center Germany

Mehr zum Klimawandel und zur Weltklimakonferenz finden Sie auf unserer Themenseite

20.11.2017, ML, RS, HS, HvS
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