Kunstausstellung

„Not invented by nature“

Joanna Hoffmann-Dietrich, "Philosopher’s Stone", die Video-Animation ist inspiriert vom Bakterium Delftia acidovorans, Bild: Joanna Hoffmann-Dietrich

Der Mensch spielt Gott und schafft Mikroorganismen im Labor, die es so in der Natur nicht geben würde. Die gesellschaftliche Debatte über dieses Forschungsgebiet findet auf vielen verschiedenen Ebenen statt. Auch in der Kunst. In Heidelberg ist jetzt eine Ausstellung zur synthetischen Biologie zu sehen

Im Labor erschaffene Mikroorganismen, die nicht-fossile Energieträger, neue Impfstoffe und kostengünstige, umweltfreundliche Medikamente liefern: "Synthetische Biologie" heißt das Fachgebiet, in dem Biologen, Chemiker und Ingenieure gemeinsam biologische Systeme entwickeln, die so nicht in der Natur vorkommen. Diese Art der Biologie birgt ein großes Potenzial, ist aber in ihrer Methode der Öffentlichkeit bisher kaum zugänglich. Seit den 80er Jahren gibt es Künstler, die sich diesem Thema widmen und versuchen, Möglichkeiten und potenzielle Risiken in Kunstwerke zu übersetzen.

Eine Ausstellung mit dem Titel "not invented by nature" - zu Deutsch "nicht von der Natur erfunden" - ist nun am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg zu sehen. Bis zum 31. Januar präsentieren vier Kunstschaffende ihre Werke, die das Thema "Synthetische Biologie" aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. "Das Thema trifft den Nerv der Zeit", kommentiert Roland Eils, Professor am DKFZ und an der Universität Heidelberg sowie Koordinator der von der Helmholtz-Gemeinschaft geförderten Helmholtz-Initiative zur Synthetischen Biologie. Im Life Science Lab des DKFZ nahmen sie dafür, unterstützt vom BioQuant der Universität Heidelberg, an einer zweiwöchigen Einführung teil und experimentierten unter professioneller Anleitung zwei weitere Wochen.

Der Portugiese Miguel Santos wählte den Garten des BioQuant als Ort für seine Arbeit aus Nylonschnüren, um Widersprüche zwischen Labor und Natur zu hinterfragen. "Synthetische Biologie bietet faszinierende, überraschende Möglichkeiten für die ganze Menschheit", findet Santos. "Sie sollte bekannter gemacht werden, etwa über den Weg der Kunst." Howard Boland aus Großbritannien möchte die Arbeit im Labor transparenter für den Laien machen, nutzt darum biotechnologisches Material und geht mit "A Cellular Propeller" direkt darauf ein, dass sich biologisches Material in einem ungewöhnlichen Umfeld auch ungewöhnlich verhalten kann.

Die Koreanerin Ji Hyun Park macht ihre eigene DNA auf elektronischem Wege erfahrbar, komponiert Tonfolgen aus DNA-Sequenzen und fragt: "Was ist der Code unseres Lebens?" Und die polnische Künstlerin Joanna Hoffmann-Dietrich setzt sich vor allem mit den philosophischen Aspekten des Themas auseinander. Ihre Videoarbeit "Philosopher's Stone" ist inspiriert vom Bakterium Delftia acidovorans, das das Gold-Recycling aus Elektroschrott revolutionieren soll. Hoffmann-Dietrich kreierte ein 3D-Kunstwerk, das die Frage visualisiert: Sieht so der Stein der Weisen aus? Ihre holografische Video-Installation "Proteo" wiederum ist von der Schönheit eines Protein-Moleküls inspiriert.

Ursula Damm, Professorin an der Bauhaus-Universität Weimar sowie Kuratorin der Ausstellung, und Roland Eils luden die Künstler gemeinsam ein, begleitend zum internationalen Symposium zur Synthetischen Biologie, das vom 9. bis 11. Dezember am DKFZ stattfand: "Roland Eils und ich waren uns im Klaren, dass die Rahmenbedingungen für den Arbeitsaufenthalt und die darauffolgende Arbeitsphase der Künstler zeitlich sehr knapp bemessen waren", erzählt Damm. "Dennoch war es ein dringendes Anliegen, Künstler in die Labore der Biotechnologie zu bringen und über die Exponate eine Gesprächsebene zwischen den Disziplinen zu etablieren." Am meisten habe sie die Soundperformance von Ji Hyun Park überrascht: "Es war eine recht radikale Haltung, den alltäglichen Gegenständen der Biolabore Geräusche zu entlocken und über diese eine ästhetische Aussage zu machen." Und was sagen die Ausstellungsbesucher? Die Reaktionen seien sehr breit gefächert gewesen: "Einige hatten große Gemälde erwartet und mussten sich nun mit eher einfachen Arbeiten anfreunden. Andere waren sehr berührt oder beeindruckt von den Klangobjekten und Performances." Eines sei auf jeden Fall deutlich geworden: "Diese Ausstellung hat ein neues Terrain eröffnet."

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 19 Uhr, Samstag 12 bis 18 Uhr. Sonntags und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen.

19.12.2013 , Thomas Röbke
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