Tausche Labor gegen Start-up: Helmholtz fördert sechs innovative Spin-Offs

Neuartige Antikörper zur Diagnostik und Therapie von Krankheiten, molekulare Drucker für biomedizinische Anwendungen und innovative Software, mit der komplexe Zukunftsszenarien für den Fahrzeugmarkt oder zuverlässig Georisiken abgeschätzt werden können - dies sind nur vier der insgesamt sechs Geschäftsideen, die in der aktuellen 26. Ausschreibungsrunde des Förderprogramms "Helmholtz Enterprise" ausgewählt wurden. Die sechs Gründungsprojekte erhalten über einen Zeitraum von zwölf Monaten je eine Förderung von bis zu 260.000 Euro. Die Hälfte des Geldes stammt aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds der Helmholtz-Gemeinschaft, die andere Hälfte steuert das jeweils beteiligte Helmholtz-Zentrum bei, an dem die Technologie entwickelt wurde

"Es ist unser erklärtes Ziel, unsere Forschung noch stärker in die Anwendung zu bringen. Ausgründungen sind dazu eine hervorragende Möglichkeit. Mit dem Helmholtz Enterprise-Programm geben wir den Unternehmensgründern deshalb einen kräftigen Rückenwind", sagt Otmar D. Wiestler, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. "Die Förderung ist dafür gedacht, die erste Phase zu überbrücken und den Gründern den notwendigen Freiraum zu verschaffen, ihre Geschäftsideen in der Realität zu testen und weiterzuentwickeln. Hierbei wünsche ich allen Unternehmensgründern viel Erfolg!" In den letzten zwölf Jahren hat das Förderprogramm insgesamt mehr als 100 Projekte gefördert, aus denen knapp 70 Unternehmen entstanden sind.

Die sechs aktuell geförderten Projekte sind:

1. Innovative Nano-Materialien mit CEN-Mat

Nano-Materialien haben einzigartige Eigenschaften, die viele Industriezweige bei der Herstellung ihrer Produkte nutzen. Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, müssen die Eigenschaften der Nano-Materialien individuell an die jeweiligen Ziele der Anwendung angepasst werden. So ergibt sich ein Bedarf an ständig wechselnden Zusammensetzungen und Materialkompositionen der Nano-Materialien. Das Projekt Cutting Edge Nano Material (CEN-Mat) einer Forschergruppe des Instituts für Technische Thermodynamik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart nimmt sich diesem Bedarf diverser Industriebranchen an. Die Kunden kommen u.a. aus der Energie-, Automobil- oder Pharmaindustrie. CEN-Mat kann mittels einer neuen wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Syntheseroute verschiedene metallische Nano-Materialien herstellen. Dabei besticht die Syntheseroute durch ihre Einfachheit und breite Anwendbarkeit zur Herstellung einer Vielzahl metallischer Nano-Materialien. Darüber hinaus ermöglicht die Synthese die gezielte Kontrolle der Eigenschaften der Materialien, sodass diese auf die jeweiligen Endprodukte der Anwender maßgeschneidert werden können. CEN-Mat stellt hoch spezielle Nanomaterialien her und berät dazu Unternehmen mit Bedarf an hoch spezifischen Nanomaterialien zur Wertsteigerung ihrer Produkte.

Ansprechpartner:
Seyed Schwan Hosseiny
Tel: +49 711 6862 8141
E-Mail: seyed.hosseiny@dlr.de
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart, Institut für Technische Thermodynamik

2. Interaktive Marktsimulationen mit VECTOR21

Wann erreicht die Elektromobilität den Massenmarkt? Welchen Einfluss hat dabei die Ladeinfrastruktur? Wie wirken sich Low- und Zero-Emission-Zones auf Fahrzeugmärkte aus? Wird Elektromobilität auch bei Nutzfahrzeugen zur dominierenden Technologie? Bei der Beantwortung dieser und zahlreicher weiterer Fragestellungen unterstützt die Simulationssoftware VECTOR21 - entwickelt am Institut für Fahrzeugkonzepte am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart - strategische und planerische Unternehmensabteilungen, Organisationen und Unternehmensberatungen. Grundlage hierfür ist eine agentenbasierte Marktsimulation, mit der sich interaktiv Szenarien für die Diffusion alternativer Technologien in Fahrzeugmärkte entwickeln lassen. Das Gründerteam plant im Rahmen von Helmholtz Enterprise, die Software für andere Industriemärkte weiterzuentwickeln. Das Besondere an VECTOR21 ist eine interaktive Live-Simulation. Der Anwender greift einfach auf Inputdatencharts zu, verändert sie - und die Simulationssoftware VECTOR21 berechnet auch bei komplexen Analysen in Sekundenschnelle das Ergebnis. Der ansonsten übliche Zeitaufwand der iterativen Abstimmung innerhalb eines Unternehmens oder zwischen einer Unternehmensberatung und ihrem Kunden entfällt. Zwischen den Partnern entsteht stattdessen eine kreative Atmosphäre, in der Annahmen und Wirkung spielerisch erprobt werden können.

Ansprechpartner:
Danny Calliari
Tel: +49 711 6862 8267
E-Mail: danny.calliari@dlr.de
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart, Institut für Fahrzeugkonzepte

3. Leistungsstarke Antikörper mit Eximmium

Im Fokus der Ausgründung Eximmium steht eine eigens entwickelte Plattformtechnologie der Abteilung Genvektoren des Helmholtz Zentrums München, die nach einem neuen Verfahren Antikörper zur Diagnostik und zur Therapie herstellt. Dabei wird mit extrazellulären Vesikeln - kleinen Bläschen - gearbeitet, die sich von Zellen automatisch abschnüren. Die Methode hat gegenüber der klassischen Herstellung mit löslichen Proteinen mehrere Vorteile: Vesikel enthalten fast alle zellulären Proteine - und zwar in normaler Umgebung und mit der richtigen Raumstruktur. Mit der Technologie lassen sich bislang nicht bekannte Tumorantigene identifizieren und gleichzeitig Antikörper dagegen generieren. Dies ist mit gängigen Immunisierungsverfahren bislang nicht möglich. Eximmium wird neue Antikörper zukünftig an Hersteller von Biopharmazeutika vertreiben.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Reinhard Zeidler
Tel: +49 89 3187 1239
E-mail: zeidler@helmholtz-muenchen.de
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

4. Molekular Drucken mit µyPrint

Viele Anwendungen in der biomedizinischen Forschung und klinischen Diagnostik benötigen exakt definierte und hochaufgelöste Oberflächenmuster aus bioaktiven Stoffen wie Proteine, DNA oder zu testende medizinische Wirkstoffe. Die funktionalisierten Oberflächen werden dann zum Beispiel zur Präsentation der gewünschten Stoffe an Zellen genutzt, um deren Interaktion zu testen. Existierende Lösungen zur Herstellung dieser Oberflächenmuster können oft nur Kompromisse in Hinblick auf Auflösung, verwendbare Materialien, Musterflexibilität und Geschwindigkeit anbieten. Um dieses Problem zu adressieren, hat ein Forschungsteam vom Institut für Nanotechnologie (INT) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) einen neuartigen molekularen Drucker mit dem Schwerpunkt auf biomedizinische Anwendungen entwickelt. Dieser ermöglicht eine bisher unerreichte Flexibilität in der Herstellung von besonders großflächigen Proteinarrays mit Auflösungen bis in den Nanometerbereich. Zielkunden für die Ausgründung µyPrint sind im ersten Schritt Einrichtungen auf dem Gebiet der biomedizinischen oder nanotechnologischen Forschung. Perspektivisch stehen durch die zunehmende Verbreitung mikro-/nanolithographischer Fertigungsmethoden auch Industriekunden im Fokus.

Ansprechpartner:
Dr. Uwe Bog
Tel: +49 721 608 28897
E-Mail: uwe.bog@kit.edu
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Nanotechnologie (INT)

5. Zuverlässige Geo-Risikoanalysen mit DcubeRoc

Die Energiewende stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Einige Aspekte dieser großen Transformation betreffen den geologischen Untergrund, der beispielsweise für die Endlagerung radioaktiver Stoffe vorgesehen ist und neben unkonventionellen Kohlenwasserstoffen auch riesige Mengen regenerativer Energie in Form von Geothermie enthält. Die Nutzung des Untergrundes birgt jedoch auch Gefahren wie Leckagen und Seismizität. Gesteinsformationen sind meist keine homogene Masse, sondern durchzogen von komplexen Rissnetzwerken, die einen Einfluss auf mögliche Naturgefahren haben. Das Gründungsprojekt DcubeRoc, welches am Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) entstand, entwickelt und vertreibt Softwaremodule, welche die komplexen Vorgänge in diesen Rissnetzwerken für unterschiedlichste geologische Anwendungen möglichst realistisch simulieren können. Darauf aufbauend können Ministerien, Energie- oder Bergbauunternehmen Georisiken besser als zuvor abschätzen. Durch diese Art von fundierten Risikoanalysen kann ein Teil des riesigen Potenzials des geologischen Untergrundes sicherer genutzt werden.

Ansprechpartner:
Dr. Jeoung Seok Yoon
Tel: +49 331 288 1716
E-Mail: jsyoon@gfz-potsdam.de
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ)

6. Präzises Aufspüren von Bodenressourcen mit ReSens+

Bodenschätze, wie seltene Erden oder Metalle, sind die Grundlage unseres modernen Lebens. Ohne sie gibt es keine Smartphones, Computer oder Autos. Um diese Lagerstätten zu finden, setzt die traditionelle Bergbau- und Ressourcenindustrie kostspielige Expeditionen und Probebohrungen ein. Neue Methoden analysieren zum Aufspüren von Bodenressourcen abbildende Satelliten- oder Flugzeugaufnahmen. Wenn sie mit Multi- oder sogar Hyperspektraltechnologien aufgenommen wurden, beinhalten deren Farbspektren und Intensitäten Informationen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Auf diese Weise lassen sich Zusammensetzung und Eigenschaften von Oberflächen und Materialien nahezu in Echtzeit exakt bestimmen. Das Projekt ReSens+ vom Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) kann dank dieser Technologien und mithilfe eigens entwickelter Algorithmen die Verortung, Qualität und Quantität von Bodenressourcen flächenhaft, sehr schnell und aus nahezu jeder Entfernung genau bestimmen. Dafür werden Satellitendaten sowie Messungen von bemannten oder unbemannten Flugzeugen und unterschiedliche Arten von Hand- und Laborscannern verwendet. Die künftige Ausgründung nutzt das Verfahren, um die Exploration und Erkundung von Bodenschätzen ebenso wie Umweltmonitoring großflächig, schneller aber auch minimalinvasiv, d.h. mit weniger Auswirkung auf die Umwelt vorzunehmen. Entsprechend der Anforderungen potenzieller Kunden wurde die Produktentwicklung zielgerichtet fortgeführt und auch das Marketing ausgebaut, um ReSens+ erfolgreich am Markt zu positionieren.

Ansprechpartner:
Martin Otto
Tel: +49 331 288 1023
E-Mail: martin.otto@gfz-potsdam.de
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ)

17.01.2018

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    • Annette Doerfel
    • Pressereferentin/ Wissenschaftsredakteurin
      Helmholtz-Gemeinschaft

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