Helmholtz bringt drei weitere Unternehmensgründungen auf den Weg

Mit ihren Ideen bekämpfen sie komplizierte Harnwegsinfekte, ermöglichen eine nachhaltige Erkundung und Gewinnung von Rohstoffen oder beantworten bisher ungelöste Fragestellungen in der Nephrologie und Gynäkologie – drei Projekte aus der Helmholtz-Forschung sind kurz davor, ihre Erkenntnisse auf den Markt zu bringen. Um sie dabei zu unterstützen, erhalten sie von der größten deutschen Forschungsorganisation wertvolle Förderung aus dem Programm „Helmholtz Enterprise“.

„Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Helmholtz forschen an vielen Fragen, die für das Wohl unserer Gesellschaft wichtig sind. Um diese Ideen möglichst schnell in eine Anwendung beziehungsweise auf den Markt zu bringen, ist Rückenwind hilfreich“, sagt Otmar D. Wiestler, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. „Deshalb wollen wir unsere klugen Entrepreneure mit dem Programm Helmholtz-Enterprise unterstützen.“ Das bietet ihnen die Möglichkeit, jahrelange, exzellente Forschung in die Anwendung zu bringen. „Zudem schaffen sie oft auch hochqualifizierte Arbeitsplätze“, sagt Wiestler weiter. „Deshalb freue ich mich, dass wir nun erneut drei vielversprechende Ausgründungsideen fördern. Ich wünsche den Gründerinnen und Gründern viel Erfolg bei ihrem Schritt auf den Markt.“

Seit 2005 hat es insgesamt 199 Ausgründungen aus den Helmholtz-Zentren gegeben. Rund die Hälfte davon ist aus „Helmholtz Enterprise“ hervorgegangen. Nun stehen folgende drei Spin-Offs in den Startlöchern: Myxobiotics vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), Metaron Diagnostics vom Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU) sowie TheiaX vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR). Die Gesamtförderung von rund einer halben Million Euro für ein Jahr setzt sich aus rund 330.000 Euro aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds des Helmholtz-Präsidenten sowie einer weiteren Förderung durch die Zentren, Management-Kenntnisse, Mentoringmaßnahmen und die Teilnahme an einem Accelerator-Programm zusammen.

Die drei geförderten Projekte im Überblick:

Myxobiotics: Ein neuer Wirkstoffkandidat für komplizierte Harnwegsinfekte

Das Forscherteam um Rolf Müller und Mark Brönstrup vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) erforscht in enger Zusammenarbeit mit dem Industriepartner Evotec neue Wirkstoffkandidaten der Cystobactamid-Familie. Cystobactamide haben das Potenzial zur empirischen Antibiotika-Therapie komplizierter Harnwegs- und Bauchrauminfekte und sollen für diese Anwendung weiter optimiert werden. Die Wirkstofffamilie der Cystobactamide hemmt ein bekanntes bakterielles Enzym (die Gyrase), allerdings durch einen Mechanismus, der resistenzbrechend gegenüber den klinisch breit eingesetzten Fluoroquinolonen ist. Die Kooperation verbindet das Know-how des HZI im Bereich der Naturstoffe mit der weltweit führenden translationalen Wirkstoffforschungsplattform im Bereich Antibiotika von Evotec. Das Projekt befindet sich am Übergang in die Leitstrukturoptimierung und hat Förderung unter anderem vom BMBF eingeworben.

Das Helmholtz Enterprise-Projekt Myxobiotics unter Leitung von Thomas Hesterkamp verfolgt die Ausgründung und Risikokapitalfinanzierung mit dem mittelfristigen Ziel, ein fortgeschrittenes Cystobactamid als Entwicklungskandidaten nominieren zu können. Für die Entwicklung der Wirkstofffamilie soll auch weitere öffentliche Förderung eingeworben werden. Mit dem Helmholtz Enterprise Plus-Modul wird ein erfahrener Industrieberater finanziert.
 

Helmholtz-Förderung gesamt: 170.000 Euro. Ansprechpartner: Thomas.Hesterkamp(at)helmholtz-hzi.de

 

Metaron Diagnostics: Biomarker für bisher ungelöste Fragestellungen in der Nephrologie und Gynäkologie

Der menschliche Stoffwechsel spiegelt Prozesse von Gesundheit und Krankheit wider. Es gibt spezifische sogenannte Biomarker, die den Ausbruch und verschiedene Stadien einer Erkrankung abbilden – so auch bei der chronischen Nierenerkrankung (CKD) und bei der Endometriose: CKD ist eine der häufigsten und schwersten Komplikationen des Diabetes und des Bluthochdrucks. CKD erhöht das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt. Das Endstadium des Nierenversagens ist tödlich, wenn es nicht durch aufwendige und teure Interventionen wie Dialyse oder Nierentransplantation behandelt wird. Die Endometriose, eine chronische Erkrankung mit unklarer Ursache, die durch Wucherung des Endometriums außerhalb des Uterus charakterisiert ist, betrifft fast jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter. Sie äußert sich durch teilweise schwere Menstruationsschmerzen, Unfruchtbarkeit und weitere Komplikationen wie Entzündungen oder sogar Krebs.

Jerzy Adamski (Helmholtz Zentrum München), Klaus Weinberger (sAnalytiCo, Belfast, und UMIT, Hall) und ihre Mitarbeiter entwickelten neue diagnostische und prognostische Biomarker für bisher ungelöste Fragestellungen in der Nephrologie und Gynäkologie. Die neu entwickelten diagnostischen Verfahren für diese beiden Indikationen verwenden die gleiche Technologieplattform, die Tandem-Massenspektrometrie, um erkrankungsspezifische Metabolitenmuster nachzuweisen. Die neuen Verfahren werden die klinische Entscheidungsfindung in definierten Indikationen unterstützen. In der Nephrologie werden die Biomarker eine praktikablere und zuverlässigere Auswahl von Lebendnierenspendern, eine Stratifikation von CKD-Patienten in die optimalen Therapieschemata und letztlich auch eine frühe Risikoeinschätzung für alle Diabetiker und Hochdruckpatienten ermöglichen. Bei der Endometriose wird der neue Test die Zeit bis zu einer definitiven Diagnose verkürzen, unnötige Eingriffe vermeiden, die Behandlung von Unfruchtbarkeit unterstützen und die Lebensqualität von Patientinnen verbessern.
Helmholtz Enterprise unterstützt das Projekt Metaron bei den ersten Schritten zur geplanten Ausgründung mit dem Ziel, die Biomarker-Assays klinisch zu validieren und als in vitro-Diagnostikprodukte auf den Markt zu bringen.
 

Helmholtz-Förderung gesamt: 134.000 Euro. Ansprechpartner: adamski(at)helmholtz-muenchen.de

TheiaX: Effiziente und exakte Kartierung für nachhaltige Rohstofferkundung und -gewinnung

Mit der steigenden Nachfrage nach Hochtechnologiemetallen für die Wirtschaft steht der Bergbau vor komplexen Herausforderungen. Die nachhaltige Rohstoffversorgung erfordert energieeffiziente und sozialverträgliche Verfahren mit geringer Umweltbelastung. Mit mehr als sechs Jahren Erfahrung aus internationalen Projekten hat die Abteilung Explorationstechnologie des Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) erfolgreich neuartige, digitale Kartierungsverfahren entwickelt. Durch die Integraftion von Multi-Sensor- und Multi-Skalen-Ansätzen konnten diese Verfahren erfolgreich in zahlreichen Anwendungen demonstriert werden. Die entwickelten Technologien minimieren die Auswirkungen auf die Umwelt, stärken die Akzeptanz in der Bevölkerung und verbessern gleichzeitig bestehende Erkundungstechnologien. Dank zahlreicher Machbarkeitsstudien sind diese Fähigkeiten im Team um Richard Gloaguen heute voll einsatzfähig und marktreif.

Das Ziel des Helmholtz Enterprise-Projekts "TheiaX" ist es, die Bedürfnisse der Industrie nach schneller und genauer Charakterisierung von Rohstoffen mittels innovativer abbildender Sensoren zu erfüllen. Diese Sensoren können auf verschiedenen Plattformen, zum Beispiel auf Drohnen installiert werden. Weiterhin nutzt TheiaX das Potenzial der künstlichen Intelligenz und der virtuellen Realität, um ein wirtschaftliches, schnelles, nicht invasives Entscheidungsinstrument für die Rohstofferkundung und -gewinnung bereitzustellen. TheiaX bietet digitale Abbilder, die als zuverlässige Grundlage sowohl für die strukturelle und lithologische Kartierung als auch für ein Umwelt-Monitoring dienen können. So lassen sich menschliche Eingriffe in den Untersuchungsgebieten minimieren. „Wir stellen geeignete Produkte bereit, die die Sicherheit der Arbeitnehmer verbessern, die Umweltbelastung verringern und den Geologen und Ingenieuren vor Ort die wichtigsten Informationen rechtzeitig zur Verfügung stellen, um entsprechende Entscheidungen zu treffen“, sagt Robert Zimmermann, Mitglied des Gründungsteams.
 

Helmholtz-Förderung gesamt: 170.000 Euro. Ansprechpartner: r.gloaguen(at)hzdr.de

Helmholtz leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Helmholtz ist mit mehr als 42.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 19 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 5 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

26.11.2019

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