Editorial

Liebe Teilnehmerinnen und Alumni des Programms "In Führung gehen",

nicht nur in unserem Newsletter ist die Sache der Frau ein Dauerbrenner. Die Einführung einer gesetzlich verbindlichen Frauenquote verteidigt seit Monaten erfolgreich ihren festen Platz in der bundesdeutschen Berichterstattung. Hintergrund ist der katastrophal geringe Frauenanteil in deutschen Chefetagen und die Suche nach geeigneten Gegenmaßnahmen. Nach monatelangem Gezerre hat jedes der Dax-Unternehmen dargelegt, auf welchen Anteil weiblicher Manager man in den nächsten Jahren kommen will. Familienministerin Schröder will Verstöße gegen die skizzierte Selbstverpflichtung mit Bußgeldern von bis zu 25.000 Euro ahnden. Das wirft sofort die Frage auf, ob uns als nächstes Kapitel in den Bemühungen um Chancengleichheit ein Ablasshandel ins Haus steht...

Auch bei Durchsicht der Nobelpreisträger stellt man sehr schnell eine starke Unterrepräsentation von Frauen fest. Allerdings sticht auch die europäische und angloamerikanische Dominanz in Wissenschaft und Gesellschaft ins Auge. Einen wohltuenden Gegenpol bildet dazu die diesjährige Vergabe des Friedensnobelpreises. Das Osloer Komitee ehrt drei Menschenrechtsaktivistinnen aus Jemen und Liberia.

Im  Kampf der Preisträgerinnen um Demokratie spielen Netzwerke eine tragende Rolle: Leymah Gbowee hat als Direktorin des Netzwerks "Women Peace and Security Network" die Arbeit für Frauenrechte und Frieden über die Grenzen Liberias hinausgetragen. Tawakkul Karman spielt als Vorsitzende der Vereinigung "Women Journalists without chains", ein Journalistinnen-Netzwerk, eine wichtige Rolle in Jemens Kampf für Demokratie, während die Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf das liberianische Volk zurück zu einem normalen Leben führt.

Frauen können viel bewegen, wenn sie gemeinsam Ziele verfolgen, das gilt natürlich auch für unser Helmholtz-Frauennetzwerk.

Herzliche Grüße

Birgit Gaiser

Themenspecial: Frauennetzwerke

Frauen wird oft nachgesagt, dass sie sich mit Networking schwer tun. Gleich nach ungenügenden Kinderbetreuungsangeboten in Deutschland wird die schlechte Vernetzung von Frauen als wesentliche Ursache für Unterrepräsentation weiblicher Führungskräfte angeführt. Männer hingegen netzwerken ganz selbstverständlich, ob im Fußfallverein oder in der Studentenverbindung und legen damit oftmals ganz nebenbei den Grundstein zur eigenen Karriere. „Ursprung der Männerfreundschaften sind seit alters her interessensorientierte Gemeinschaften gewesen: Die Jünger Jesu, Freimaurerlogen oder Burschenschaften sind Verbindungen, von denen vor allem der berufstätige – nicht der private Mann profitierte.“ (Katrin Wilkens, 2004).

Vorurteil oder Tatsache? Auch Begrifflichkeiten wie Stammtisch und Kaffeekränzchen zeigen, dass Männer- und Frauennetzwerke unterschiedlich wahrgenommen werden. Haftet auch beiden Ausdrücken eine negative Konnotation an, zeigt die Gegenüberstellung doch, dass dem weiblichen Pendant wenig Schlagkraft zugeschrieben wird. Auch eine Recherche bei Google nach den Begriffen „Männerfreundschaft“ beziehungsweise „Frauenfreundschaft“ bringt ein Ergebnis von knapp 800.000 zu 400.00 Hits und könnte dahingehend interpretiert werden, dass Männerfreundschaften eine tragendere Rolle spielen – häufiger erwähnt und besprochen werden, als Beziehungen unter Frauen.

Ohne ein Netzwerk von Verbündeten wird es jedoch schwer, eine erfolgreiche Karriere in einer männerdominierten Welt zu beschreiten. Die mächtigen „old-boys-networks“ sind in aller Regel für Frauen nicht zugänglich. Formalisierte Mentoring-Programme erlauben zumindest teilweise den Zutritt zu berufsrelevanten Netzwerken für weibliche Mentees. Mittlerweile existiert aber auch schon eine ganze Reihe professioneller Netzwerke nur für Frauen – professionelle Kaffeekränzchen vor denen so mancher Spötter vielleicht noch das Fürchten lernen wird.

Eine Auswahl berufsrelevanter Netzwerke für Frauen

Der Deutsche Juristinnenbund ist ein Zusammenschluss von Juristinnen, Volks- und Betriebswirtinnen zur Fortentwicklung des Rechts. Er ist unabhängig, überparteilich und überkonfessionell. 
http://www.djb.de

Die Initiative für mehr Frauen in den Aufsichtsräten ist eine überparteiliche und überregionale Initiative, ins Leben gerufen von Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die es sich zum Ziel gesetzt hat, auf eine nachhaltige Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsräten deutscher Kapitalgesellschaften hin zu wirken.
http://www.fidar.de/

Das Center of Excellence Women and Science CEWS ist der nationale Knotenpunkt zur Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung in Deutschland.
http://www.gesis.org/cews

Bericht aus dem Programm

Zum zweiten Durchlauf des Mentoring-Programms für weibliche Nachwuchskräfte „In Führung gehen“ haben wir eine Fragebogenerhebung durchgeführt. Die Konzeption und Umsetzung des Programms wird von den Teilnehmerinnen und Mentor/inn/en bestätigt. Die bereits sehr guten Bewertungen der Evaluation des ersten Jahrgangs konnten im zweiten Durchlauf noch verbessert werden. Die deutliche Steigerung der Rücklaufquote kann dahingehend interpretiert werden, dass  nun auch die begleitenden Maßnahmen zur Qualitätssicherung angenommen werden.

Ein Workshop-Angebot zur individuellen Schulung der Mentor/innen wird gewünscht. Entsprechend bieten wir im Dezember einen Schulungsworkshop für Mentor/inn/en in der Geschäftsstelle an.

Zur Bekanntmachung des Programms hat sich die enge Zusammenarbeit mit dem akfifz und dem Arbeitskreis der Personalentwickler bewährt. Das Netzwerk der Teilnehmerinnen gewinnt im Zusammenhang mit der Bekanntmachung des Programms an Bedeutung.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Höhere Rücklaufquote als im letzten Jahr: Steigerung von 45 % auf 70 % à Akzeptanz der Maßnahmen zur Qualitätssicherung
  • Sehr positive Bewertung unserer Arbeit an der Geschäftsstelle mit 1,7 (Mentor/inn/en) und 1,2 (Mentees) auf einer Schulnotenskala von 1 bis 5
  • 72 % der Befragten (statt 54 % im Vorjahr) geben an, von den zentralen Veranstaltungen (sehr) profitiert zu haben à insbesondere das Format der Netzwerktagung mit Ganztagestrainings hat sich bewährt und wird angenommen
  • Bewerberinnen werden zunehmend von Teilnehmerinnen/Alumni auf Ausschreibung hingewiesen à Community-Building ist erfolgreich
  • 39 von 42 Befragten (93 %) sind zufrieden mit dem Matching
  • 39 von 42 Befragten (93%) sind zufrieden mit Teilnahme insgesamt

Den detaillierten Bericht können Sie gerne in der Geschäftsstelle anfordern.

Termine

Save the date!

Am Netzwerktreffen findet am 2./3.April 2012 wie bereits die vorherigen Male in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) am Gendarmenmarkt statt. Neben ganztägigen Trainings am Montag wird am Dienstag unter anderem eine Podiumsdiskussion zum Thema Frauennetzwerke stattfinden.

Bitte merken Sie sich jetzt schon den Termin vor. Wir werden informieren, sobald eine Anmeldung zur Veranstaltung möglich ist.

 

Personlia

Juniorprofessur für Bernadett Weinzierl
Bernadett Weinzierl ist seit dem 1.10.11 Juniorprofessorin für Experimentelle Aerosolphysik an der Ludwig-Maximillians-Universität München. Außerdem wurde sie in die Stiftung Neue Verantwortung (http://www.stiftung-nv.de/) als Associate zum Thema "Geoengineering" aufgenommen.

Kontaktdaten an der LMU:
Prof. Bernadett Weinzierl
Ludwig-Maximilians-Universität
Fakultät für Physik
Theresienstr. 37
80333 München
Tel: +49 89 2180-4581

 

Neue Position für Susanne Thiele
Susanne Thiele übernimmt ab 1. September 2011 die Leitung der Kommunikation für die DSMZ, Leibniz-Institut Deutsche Sammlung für Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, in Braunschweig. Die 40-jährige Diplombiologin war bisher stellvertretende Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI). Zuvor arbeitete sie als Pressesprecherin und Marketingmanagerin, unter anderem für das inernationale Life-Science-Unternehmen BIOBASE GmbH.

Neue Kontaktdaten:
Dipl.-Biol. Susanne Thiele
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung für Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Inhoffenstraße 7b
38124 Braunschweig
Tel. +49 531 2616 300
Fax. +49 531 2616 418
http://www.dsmz.de/

 

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