Im Gespräch mit ... Dr. Sabine Helling-Moegen

„Am Ende habe ich das Wissenschaftsumfeld zu stark vermisst“

 

Dr. Sabine Helling-Moegen ist Systemwechslerin und Rückkehrerin in einem. Nachdem sie ein paar Jahre Berufserfahrung im Wissenschaftsmanagement der Helmholtz-Gemeinschaft gesammelt hatte, wagte sie den Schritt in die Wirtschaft, wo sie vier Jahre lang als Personalverantwortliche tätig war. Im Februar 2015 schließlich kehrte sie ins Top-Management der Helmholtz-Gemeinschaft zurück.

| Interview: Angelika Fritsche

Zur Person:
Dr. Sabine Helling-Moegen
Seit Mitte Februar 2015 ist die Juristin Administrativer Vorstand des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) – einer Einrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft in Bonn. Davor leitete die Managerin den Bereich Personal beim Finanz- und Vermögensberater MLP AG, wo sie seit 2011 tätig war und an einer größeren strategischen Neuausrichtung des Konzerns mitwirkte. Damit verbunden waren u.a. eine Restrukturierung größerer Konzernteile sowie eine strategische Neuausrichtung des Personalbereichs.
Mit ihrer neuen Tätigkeit am DZNE kehrt die zweifache Mutter ins Wissenschaftsmanagement zurück. So war sie vor ihrem Wechsel in die Wirtschaft bereits als Bereichsleiterin Administration in der Geschäftsstelle der Helmholtz-Gemeinschaft in Berlin tätig und in dieser Funktion auch für das Thema Personal verantwortlich. So kümmerte sie sich u.a. um das Thema Talentmanagement und baute eine Akademie für Führungskräfte sowie mehrere Mentoring-Programme für die Nachwuchsförderung auf. Zudem etablierte sie ein neues System der Zielvereinbarungen und Mitarbeitergespräche. Ihre berufliche Karriere startete Sabine Helling-Moegen als Vorstandsreferentin am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Frau Dr. Helling-Moegen: Was hat Sie vor nunmehr vier Jahren dazu bewogen, die Seiten zu wechseln vom Wissenschaftsmanagement in die Privatwirtschaft?

Im Grunde genommen war es die Neugier, die mich trieb. Nach knapp zehn Jahren im Wissenschaftsumfeld war ich einfach gespannt zu erfahren, wie sich die Rahmenbedingungen in der Wirtschaft auf das Management auswirken. Zudem wollte ich das Thema Personal, für das ich schon immer besonderes Interesse hatte, weiter vertiefen – und Beides bot sich mir mit der Position bei MLP.

Wie lange hat der entsprechende Entscheidungsprozess bei Ihnen gedauert und was war ausschlaggebend für die berufliche Zäsur?

In dieser Zeit war ich ohnehin gerade offen für neue Herausforderungen, wobei ich mich tatsächlich primär innerhalb des Wissenschaftssystems orientiert hatte. Das Angebot von MLP kam eher zufällig. Doch ich wusste sehr schnell, dass ich diese Chance ergreifen möchte. Glücklicherweise hat auch meine Familie mitgespielt, denn die neue Stelle war mit einem Umzug von Berlin nach Heidelberg verbunden.

Welche Erwartungen hatten Sie, als Sie sich dazu entschlossen haben, den Systemwechsel von der Wissenschaft in die Wirtschaft zu vollziehen und inwieweit wurden diese erfüllt?

Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, ein anderes System kennenzulernen und natürlich auch, in diesem System erfolgreich zu bestehen. Mit drei Unbekannten – nämlich einem neuen System, einem neuen Unternehmen und neu in der operativen Verantwortung für das Thema Personal zu sein – war dieser Wechsel nicht ohne Risiko für mich. Doch ich habe meine beiden Ziele erreicht, insofern haben sich meine Erwartungen erfüllt. 

Worin besteht aus Ihrer Sicht der größte Unterschied darin, als Führungskraft im  Wissenschaftsmanagement oder in der Wirtschaft tätig zu sein?

Das Tempo ist in der Wirtschaft generell höher, ohne das im Einzelnen bewerten zu wollen. Nach meiner Erfahrung herrscht in der Privatwirtschaft außerdem eine stärkere Fokussierung auf Prozessen und Standards. Im Wissenschaftsmanagement hat man insgesamt eine größere Planungssicherheit, um längerfristige Strategien nachhaltig umzusetzen.

Es wird immer wieder gefordert, dass sich doch mehr Wissenschaftler/-innen aus dem geschützten Raum der Wissenschaft (Stichwort „Elfenbeinturm“) in die von „echtem“ Wettbewerb und Praxisnähe geprägte Wirtschaft begeben sollten: Warum sollten sie das tun?

Ich kenne einige Wissenschaftler /-innen, die sehr erfolgreich in der Industrie im Bereich Forschung & Entwicklung gearbeitet haben. Sie haben dann aber für sich entscheiden, dass sie für einen größeren Freiraum, den ihnen das Wissenschaftssystem für ihre Forschung bietet, in den sogenannten geschützten Raum zurückkehren. Wobei es meiner Meinung nach keinen wirklichen Schutz darstellt, wenn man nicht erfolgreich ist, aber eben mehr Möglichkeiten bietet, mit längerem Atem Forschungsvorhaben durchzuführen. Ich denke, dass generell jeder Systemwechsel Vorteile mit sich bringt, da man sich eine andere Sichtweise zu eigen machen kann und natürlich auch zusätzliche Instrumente für die eigene Arbeit aneignen kann.

Wann würden Sie einer Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler raten, den Systemwechsel zu wagen und wann würden Sie davon abraten?

Dies muss wirklich jeder für sich selbst entscheiden, in Abhängigkeiten von den Möglichkeiten und den persönlichen Lebensumständen.

Gibt es z.B. im Karriereverlauf den „richtigen“ Zeitpunkt für einen solchen Wechsel?

Auch das ist schwer zu sagen. Generell ist es vermutlich am Anfang der beruflichen Karriere einfacher.

Wie könnten Wissenschaftsorganisationen den „gewünschten“ Wechsel in die Wirtschaft begleiten und fördern?

Es gibt zum Beispiel bei der Helmholtz-Gemeinschaft eine Reihe von Kooperationen mit Unternehmen und somit Möglichkeiten für den Austausch bis hin zu Hospitationen. Auch die Helmholtz-Akademie für Führungskräfte ist mit dem Ziel gestartet, neben dem Austausch zwischen Wissenschaft und Administration bewährte Management-Instrumente aus der Wirtschaft zu vermitteln. Mir haben diese Kenntnisse aus der Akademie meinen Start in der neuen Position bei MLP enorm erleichtert.

Reizvoll wäre es ja auch, wenn Wissenschaftler/-innen bzw. Wissenschaftsmanager/-innen, nachdem sie die Wirtschaft kennengelernt haben, wieder zurück in die Wissenschaft gingen: Wer sollte was tun, damit dies tatsächlich stattfindet?

In der Tat profitieren der Einzelne und das Umfeld von jeder Art Perspektiv-und Systemwechsel. Insgesamt müssten die Systeme hier noch durchlässiger und flexibler werden.

Was hat Sie persönlich dazu motiviert, Rückkehrerin zu sein?

Meinen ersten Wechsel von der Wissenschaft in die Wirtschaft hatte ich eigentlich von Beginn an eher als „Ausflug“ verstanden. Am Ende habe ich das Wissenschaftsumfeld zu stark vermisst und freue mich sehr, dass ich nun am DZNE starten kann.

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