Wissenschaftsbild des Monats

Wo die Welt taut

Wäre im Hintergrund nicht der schneebedeckte Berg zu erkennen, könnte man annehmen, die Aufnahme stammte von einem entfernten Planeten. Das Foto wurde jedoch auf der norwegischen Insel Spitzbergen aufgenommen; die ringförmigen Muster sind besonders für Klimaforscher hoch interessant.

Zu sehen sind Permafrost-Strukturen auf der Norwegischen Insel Spitzbergen. Die Ringmuster entstehen durch die Jahreszeiten: Wo die Winterkälte Risse im Permafrostboden hinterlässt, lagern Schmelzwasserbäche im Frühjahr Steinchen ab. Gefriert das Wasser in den Rissen dann erneut und dehnt sich aus, werden die Steinchen ausgespuckt und es bilden sich die ringförmigen Strukturen.

Permafrostböden sind ein wichtiges Puzzleteil im Klimasystem der Erde. Da die Messdaten zur Temperatur und Auftautiefe des Bodeneises bisher nicht umfassend genug und in modelltauglichen Standardformaten zur Verfügung standen, konnten sie bisher nicht in die Klimamodelle einfließen. Wissenschaftler aus 25 Ländern - darunter auch Forscher des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) – wollen diese Lücke mit dem Online-Datenportal Global Terrestrial Network for Permafrost (GTN-P) nun schließen. Messdaten aus weltweiten Permafrost-Vorkommen werden gebündelt und stehen frei zum Download zur Verfügung.
Wissenschaftler bohren Löcher in den vereisten Boden und installieren Sensoren. Auf der Online-Plattform lässt sich dann für jeden verfolgen, wie kalt das Eis im Untergrund an diesen Stellen ist und, wie tief der Boden im Sommer aufgetaut ist.

Die internationale Klimaforschung profitiert von der Datenbank gleich doppelt: „Wir stellen zum einen die weltweiten Permafrost-Daten in einem einheitlichen Format zur Verfügung, sodass sie auf einfachem Wege in Klimamodelle einfließen können. Zum anderen haben wir die Verteilung der Messstationen mit statistischen Methoden ausgewertet und können nun sagen, in welchen Permafrost-Regionen neue Stationen zur Messung der Permafrost-Temperaturen und -Auftautiefen am dringendsten benötigt werden, um globale Modelle zuverlässiger zu machen“, erläutert Vladimir Romanovsky, Vorsitzender des GTN-P Executive Commitees, Permafrostforscher an der Universität Alaska Fairbanks.

Foto: Alfred-Wegener-Institut/Jaroslav Obu

Zur Pressemeldung des AWI: Wo auf der Welt taut der Permafrost?

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