Wissenschaftsbild des Monats

Siamesische Zwillinge bei Fischen

Enger kann man wohl kaum zusammenwachsen. Entdeckt wurden dieses und ein weiteres siamesisches Seenadel Zwillingspaar von Forschern des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Ein Fund mit Seltenheitswert. Siamesische Zwillinge, also eineiige Zwillinge, bei denen sich das befruchtete Ei nicht vollständig teilt, kommen beim Menschen bei etwa einer von 200.000 Schwangerschaften vor. Auch bei Tieren sind sie äußerst selten: „Obwohl ich schon seit sieben Jahren Experimente mit Seenadeln durchführe, ist mir so etwas noch nie passiert “, sagt Olivia Roth, Leiterin einer Nachwuchsgruppe im Forschungsbereich Marine Ökologie des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. Eigentlich wollten die Wissenschaftler herausfinden, wie sich Seenadeln an die natürlichen Veränderungen des Salzgehalts der Ostsee anpassen und wie sie diese Informationen an ihren Nachwuchs weitergeben. Das dabei gleich zwei siamesische Zwillingspaare zur Welt kamen, war reiner Zufall.

Künstliche Laborbedingungen können die Fehlbildung nicht befördert haben, schließlich fanden die Untersuchungen unter Bedingungen statt, die auch in der Kieler Förde herrschen. Ein natürlicher Lebensraum für die Seenadeln (Syngnathus typhle). Wie bei den engen Verwandten der Seenadeln, den Seepferdchen, schlüpft der Nachwuchs aus der Bruttasche des Männchens, nachdem es die Eier vom Weibchen übernommen hat. Die Seenadelzwillingspaare hatten also bereits eine Entwicklung in der Bruttasche des Männchens hinter sich, bevor sie als siamesische Zwillinge schlüpften, was den Fund noch seltener macht, da die meisten siamesischen Zwillinge wie auch beim Menschen bereits vor der Geburt sterben.

Foto: M. Grimm, GEOMAR

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