Wissenschaftsbild des Monats

Ein neues Fenster ins Universum

Es scheint als hätten überdimensionierte Stecknadeln Folienstücke in die Landschaft gepinnt. Tatsächlich handelt es sich um ein Teleskop, das Radiowellen von fernen Galaxien auffängt.

In scheinbar chaotischer Anordnung deckt ein metallisch glänzendes Material eine Vielzahl quadratischer Flächen auf einer Wiese ab und es sieht so aus, als wären die Folienquadrate mit übergroßen Stecknadeln aufgespießt. Handelt es sich um einen Versuchsaufbau, um den Boden zu untersuchen? Sie ahnen es schon: Nein, denn die hinter dieser Formation steckende Forschung richtet ihr Augenmerk eher in die entgegengesetzte Richtung – gen Himmel. Bei den überdimensionierten Stecknadeln handelt es sich um Dipolantennen, die Teil eines Teleskopes sind, das Radiowellen auffängt. Seit Jahrhunderten beobachten Forscher das sichtbare Licht der Sterne. Doch der optische Bereich ist nur ein kleiner Teil des elektromagnetischen Spektrums. Auch die anderen Frequenzen liefern Informationen über das Universum.

Das Radioteleskop LOFAR ist über sieben Länder in Europa verteilt und besteht aus 51 Empfängerstationen. Die Antennen sind auf einer leitenden Massefläche angebracht und fangen niedere Frequenzen von Radiowellen zwischen 10 und 80 Megahertz auf. Ergänzt werden diese sie durch weitere, im Bild nicht sichtbare, Antennenfelder, die hohe Radiowellen-Frequenzen zwischen 110 und 240 Megahertz messen. Es ist die größte vernetzte Teleskopanlage der Welt und misst in einem noch weitgehend unerforschten Frequenzband im Kurzwellen- und Ultrakurzwellenbereich. Die einzelnen Empfangsstationen sind über ein Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz miteinander verbunden und deren Messsignale werden zu einem einzigen Signal kombiniert. Leistungsstarke Supercomputer verwandeln 100.000 Einzelantennen in eine virtuelle Empfangsschüssel mit einem Durchmesser von 1.900 Kilometern. Das einzigartige Teleskop ermöglicht Astronominnen und Astronomen ganz neue Erkenntnisse zur Aktivität der Sonne oder der Entwicklung des frühen Universums. Kürzlich haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine neue Himmelskarte mit LOFAR erstellen können. Viele der dort abgebildeten Galaxien waren bisher unbekannt, da sie extrem weit entfernt sind und ihre Radiosignale Milliarden von Lichtjahren zurücklegen müssen, um die Erde zu erreichen.

Bild: ASTRON Netherlands Institute for Radio Astronomy

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Bilder der neuen Himmelskarte

Neue Himmelskarte entdeckt (PI FZ Jülich)

Projektwebsite LOFAR

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Franziska Roeder

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