MOSAiC: Die größte Arktisexpedition der Geschichte

Es ist die größte Arktisexpedition aller Zeiten: Ein Jahr lang driftete der Forschungseisbrecher „Polarstern“ durch das Nordpolarmeer. An Bord: 600 Expeditionsteilnehmer aus 20 Nationen. Sie wollen besser verstehen, wie das Zusammenspiel von Eis, Wasser und Atmosphäre in diesem Teil der Welt funktioniert und damit eine entscheidende Wissenslücke in den globalen Klimamodellen schließen. Nach 389 Tagen unterwegs sind die Forscher am 12. Oktober 2020 nach Bremerhaven zurückgekehrt. Doch der zweite Teil der Arbeit geht jetzt erst los: Die Auswertung der unzähligen gesammelten Klimadaten wird die Wissenschaftler viele Jahre lang beschäftigen.

Welche Fragen soll die Expedition beantworten?

Die Arktis erwärmt sich schneller als andere Regionen. Warum das so ist, haben Wissenschaftler noch nicht endgültig verstanden. In den Klimamodellen ist die Arktis so etwas wie ein blinder Fleck. Die Prognosen, wie sich das Klima weiter entwickelt, gehen von Modell zu Modell auseinander. Was fehlt sind Daten über die Zusammenhänge zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre in dieser entlegenen Region. Mit der MOSAiC-Expedition wollen die Forscher diese Lücke schließen. Die gesammelten Daten werden wertvoll für ganze Generationen sein – ein Meilenstein in der Klimaforschung.

Markus Rex leitet die Expedition. In unserem Podcast erklärt er, warum es so wichtig ist, die Vorgänger in der Arktis zu verstehen und wie die Idee zu MOSAiC entstanden ist. 

Historisches Vorbild: Fridtjof Nansens Nordpolexpedition

Das Eis bestimmt den Kurs. Die „Polarstern“ lässt sich im arktischen Wintereis einfrieren. Die Eisdrift trägt das Schiff. Vor 125 Jahren brach Fridtjof Nansen mit seinem Segelschiff „Fram“ zur ersten Drift-Expedition dieser Art auf. Von der sibirischen Küste bis zum Nordpol. Obwohl er und seine 13-köpfige Besatzung ihr Ziel – den Nordpol – nicht erreichten, hat das Prinzip funktioniert. Die Expedition hat den Grundstein für unser Wissen über die Nordpolarregion gelegt. Ein historischer Rückblick

Infografik: Die Expedition in Zahlen

Das MOSAiC-Projekt hat erstmals einen modernen Forschungseisbrecher beladen mit wissenschaftlichen Instrumenten im Winter in die Nähe des Nordpols gebracht. Neben der „Polarstern“ wurden weitere Eisbrecher zur Unterstützung eingesetzt – in einer ausgefeilten Choreografie, sodass es immer zum richtigen Zeitpunkt einen Nachschub an Treibstoff und Lebensmitteln gab. Für den Crew-Austausch, für Versorgungsflüge und Forschungsflugzeuge wurde eigens eine Landebahn eingerichtet. Um das Schiff herum wurde zudem ein ganzes Netzwerk von Stationen auf dem Eis aufgebaut. Hier richteten verschiedene Forscherteams Messstellen ein, um Ozean, Eis und Atmosphäre sowie das arktische Leben im Winter zu erforschen.

Factsheet „Welcome back“

Bildergalerie

 

Die Vermessung einer schwindenden Welt

Fridjof Nansen auf dem Weg zum Nordpol

Interview: "Eine gewissen Gefahr müssen wir in Kauf nehmen"

MOSAIC-Website (Englisch)

Uhrwerk Arktis

Wissenschaftler aus 20 Nationen haben sich im Eis des Arktischen Ozeans einfrieren lassen und sind ein Jahr lang mit den Eismassen über das Meer gedriftet. Auf der MOSAiC-Expedition haben sie die Nordpolregion zu jeder Jahreszeit aus allen denkbaren Perspektiven erforscht – und haben Einblicke mitgebracht, wie sie zuvor noch nie jemand gewinnen konnte.

Über die Berge aufs Meereis

Er war der Expeditionsleiter der Mittwinter-Königsetappe der MOSAiC-Expedition und konnte selbst drei Monaten Dunkelheit etwas abgewinnen: Der Geophysiker Christian Haas liebt es, in den entferntesten Ecken der Welt das Meereis zu studieren – doch genauso liebt er die Berge. Als Bergsteiger hat er fast alle großen Gipfel der Alpen erobert.