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Wissenschaftspolitik

Open Access

Globale Initiative gestartet

Globale Initiative gestartet
Bild: Patrick Göthe/Unsplash
Noch immer ist der freie Zugang zu wissenschaftlichen Originalarbeiten eher die Ausnahme. Eine neue, globale Initiative will das nun ändern.

Ein Kommentar von Heinz Pampel, Open-Science-Koordinationsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft

Wie wichtig der offene Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen und Daten ist, wird aktuell an dem Zika-Virus deutlich. Viele wichtige Publikationen über das Virus und die Infektion waren hinter Paywalls wissenschaftlicher Verlage versteckt. Auf Drängen der Wissenschaft haben jetzt mehrere Verlage Artikel zu diesem Forschungsgebiet für jedermann frei zugänglich gemacht. Der Druck war in diesem Fall groß, denn für die dringend notwendige Bekämpfung des Virus ist der Zugang zu den neuesten Erkenntnissen der Forschung dringend notwendig.

Ein begrüßenswerter Schritt! Doch leider ist der freie Zugang zu wissenschaftlichen Original-Publikationen noch immer die Ausnahme. Bibliotheken zahlen horrende Summen, um wissenschaftliche Fachzeitschriften anbieten zu können. Aktuell ist es selbst für die reichste Bildungseinrichtung der Welt, die Harvard University, nicht mehr möglich die Kosten für die völlig überteuerten Zeitschriften aufzubringen. Ein Ranking der Bibliothek des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) verdeutlicht das Problem. Momentan auf Platz eins der teuersten Zeitschriften am KIT: die Jahreslizenz für die digitale Ausgabe des Journals "Biochimica et Biophysica Acta". Verlag: Elsevier. Kosten: 20.526,33 Euro.

Dabei sind diese Unsummen nur ein Kritikpunkt an dem tradierten Publikationssystem. Ein weiteres Problem ist die Rechtesituation: Autorinnen und Autoren müssen für gewöhnlich den Verlagen zentrale Urheberrechte abtreten. Darüber hinaus bremsen die Verlage die Anwendung digitaler Arbeitsmethoden wie Text- und Datamining systematisch aus. So steht der Verlagsgigant Elsevier weiterhin in der Kritik die Maschinenlesbarkeit seiner Inhalte zu behindern.

Seit Jahren arbeiten wissenschaftliche Einrichtungen an der Förderung von Open Access. Die gesamte "Scientific Community" soll danach unabhängig von der finanziellen Ausstattung einer einzelnen Hochschule oder außeruniversitären Einrichtung auf die Ergebnisse der aktuellen Forschung zugreifen können. Weiterer Vorteil: dank freier Lizenzen können die Open-Access-Artikel auch in virtuellen Forschungsumgebungen weiter bearbeitet werden. Nicht zuletzt fördert Open Access den Wissenstransfer in die Wirtschaft. Die Subskriptionskosten für Startups und Ausgründungen sind noch höher als für öffentliche Forschungseinrichtungen.

Aufgrund der Vielfalt der Akteure im Publikationssystem - es gibt schätzungsweise rund 28.000 wissenschaftliche Zeitschriften die etwa 2.5 Millionen Artikel pro Jahr veröffentlichen - und der unzureichenden Abstimmung der wissenschaftlichen Einrichtungen untereinander wurden bisher nur kleine Erfolge erreicht.

Die Initiative "Open Access 2020" führender Wissenschaftsorganisationen aus der ganzen Welt will nun eine großflächige Umstellung der wissenschaftlichen Zeitschriften vom Subskriptionssystem hin zu Open Access vorantreiben. Das Ziel ist dabei alle relevanten Zeitschriften in den kommenden Jahren auf Open Access umzustellen . Auch die Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt das Vorhaben als Erstunterzeichnerin einer jetzt veröffentlichten Erklärung.

Der angestrebte Transformationsprozess soll in einem transparenten Verfahren unter Beteiligung der relevanten Akteure vorangetrieben werden. Dabei verfolgen die Wissenschaftlichen Einrichtungen auch das wichtige Ziel der Kostensenkung. Die Botschaft "Christmas is over. Research funding should go to research, not to publishers!", die einige Hochschulen Ende letzten Jahres den Verlagen zuriefen, trifft auch auf dem politischen Parkett auf Unterstützung.

Einen möglichen Rahmen für den Transformationsprozess hin zu Open Access hat jüngst eine Arbeitsgruppe der deutschen Wissenschaftsorganisationen im Rahmen der Schwerpunktinitiative "Digitale Information" abgesteckt. Ein Positionspapier und zugehörige Empfehlungen skizzieren zentrale Anforderungen an den Umstellungsprozess. Die Expertinnen und Experten regen u. a. eine Mittelumschichtung an: So sollen Publikationsgebühren für Open-Access-Zeitschriften (APCs) zukünftig aus den Erwerbungsetats der Bibliotheken finanziert werden. Weiter soll Kostentransparenz geschaffen werden. Empfohlen wird die Offenlegung aller Ausgaben an Verlage durch öffentliche Einrichtungen. Darüber hinaus werden rechtliche Parameter beleuchtet. Anregt wird dabei z. B. die Nutzung der liberalen Creative-Commons-Lizenz "Namensnennung".

Die neue Initiative zeigt: die Diskussion um Open Access geht in die entscheidende Runde. Sie ist Teil einer umfassenden Diskussion über den offenen Zugang und die Nachnutzung von wissenschaftlichen Ergebnissen, die unter dem Begriff Open Science geführt wird. So hat z. B. der EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation Carlos Moedas im letzten Jahr angekündigt, Open Science als strategischen Schwerpunkt im Europäischen Forschungsraum (ERA) zu verankern und auch die niederländische Regierung hat das Thema zu einem Schwerpunkt ihrer aktuellen Präsidentschaft des Europäischen Rates gemacht.

Weitere Informationen zum Thema Open Science in der Helmholtz-Gemeinschaft finden sich auf der Website des Helmholtz Open Science Koordinationsbüros.

Open Accesss 2020 - Die Initiative

21.03.2016, Heinz Pampel

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28.05.2016

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