Helmholtz-Gemeinschaft
Der neue WhatsApp-Newsletter!

HomeThemenWissenschaft und GesellschaftAuszeichnung in Berlin

Wissenschaft und Gesellschaft

Doktorandenpreis

Auszeichnung in Berlin

Auszeichnung in Berlin
Preisträger des Helmholtz-Doktorandenpreis 2015 mit Otmar D. Wiestler (Mitte), Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, und Stephanie Dittmer (rechts), Bereichsleiterin Strategie/ Impuls- und Vernetzungsfonds der Helmholtz-Gemeinschaft, auf dem Neujahrsempfang 2016. Foto: Simone M. Neumann (Weitere Impressionen der Veranstaltung finden Sie hier).
Fünf Doktoranden wurden beim Neujahrsempfang der Helmholtz-Gemeinschaft für ihre besonderen wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet. In Kurzinterviews erzählen sie, worum es bei ihrer Forschung geht und was sie in der Zukunft vorhaben.

Clara Hoppe forscht am Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)

Worum geht es bei Ihrer Forschung?

Ich beschäftige mich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf das Phytoplankton in den Polarregionen. Dabei geht es zum einen um die zugrundeliegenden physiologischen Mechanismen der Reaktionen einzelner Arten auf Prozesse wie Ozeanversauerung und Erwärmung, zum anderen um Veränderungen der ökologischen Interaktionen innerhalb der Artengemeinschaften. Zusammengenommen entscheiden diese beiden Aspekte über die Funktionalität des Phytoplanktons, zum Beispiel in Hinblick auf die Primärproduktion und Biogeochemie einer Region. Während meiner Doktorarbeit habe ich mich speziell mit dem Phytoplankton des Südpolarmeeres beschäftigt und untersucht, inwieweit die Reaktionen auf Ozeanversauerung durch andere wichtige Umweltfaktoren wie Eisenverfügbarkeit und Lichtverhältnisse beeinflusst werden.

Was waren die größten Herausforderungen in Ihrer Doktorandenzeit?

Um Effekte der Ozeanversauerung zu untersuchen braucht man bestimmte Messmethoden der Karbonatchemie. Im Rahmen solcher Messungen bin ich auf Inkonsistenzen zwischen verschiedenen Mess- und Berechnungsmethoden gestoßen und habe mich entschieden, meine Arbeit bei einem „Open-Discussion-Journal“ einzureichen. Der Begutachtungsprozess war nicht einfach und sehr langwierig, vermutlich weil meine Ergebnisse der damaligen Meinung wiedersprachen und die Interpretationen einiger älterer Arbeiten in Frage gestellt haben. Auch wenn die von mir beschriebenen Ergebnisse inzwischen allgemein akzeptiert sind, war dies eine schwierige und aufregende Zeit für mich. 

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Nach dem Ende meiner Doktorarbeit habe ich mich auf den Arktischen Ozean fokussiert und die Effekte des Klimawandels auf das dortige Phytoplankton untersucht. Mein Postdoc-Vertrag an der University of British Columbia läuft aus und ich werde wieder ans AWI zurückkehren. Hier werde ich mich weiterhin mit den Auswirkungen multipler Stressoren auf Primärproduzenten beschäftigen. Dabei werde ich auch der Frage nachgehen, ob der Klimawandel zu Artenverschiebungen in der Arktis führen wird. Im Rahmen meines AWI-Strategiefond-Projektes „ProEco“ werden wir Expeditionen an der AWIPEV-Station auf Spitzbergen sowie mit der Polarstern in die Hocharktis durchführen, und im Labor an frisch isolierten Algenstämmen forschen. 

Clara Hoppe wurde am 2. April 1984 in Hamburg geboren. Sie studierte Biologie und Geowissenschaften an der Universität Bremen und der University of Tasmania (Hobart, Australien). Für ihre Diplomarbeit wechselte sie ans AWI, wo sie im Frühjahr 2014 ihre Doktorarbeit abschloss. Zurzeit arbeit sie noch als Postdoc an der University of British Columbia (Vancouver, Kanada), zum 1. Februar kehrt sie ans AWI zurück.  


Volker Hovestadt forscht am Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)

In wenigen Sätzen: Worum geht es bei Ihrer Forschung?

Während meiner Doktorarbeit habe ich die epigenetischen Veränderungen des Medulloblastoms erforscht. Medulloblastome sind der häufigste bösartige Hirntumor bei Kindern. Im Gegensatz zu den meisten anderen Krebsarten weisen sie aber nur wenige Mutationen in Genen auf, die das Zellwachstum fördern. Daher war lange nicht klar, warum sie derart aggressiv wachsen. Wir fanden heraus, dass die Krebsgene häufig nicht in ihrem Code verändert sind, aber viel stärker abgelesen werden. Mitverantwortlich hierfür ist ein epigenetischer Mechanismus: Die Gensteuerung durch chemische Markierungen des Erbguts mit Methylgruppen (DNA-Methylierung). Wir konnten zeigen, dass Methylgruppen innerhalb der Gene selbst große Bedeutung für deren Aktivierung haben. Diese Art der Gensteuerung wurde bisher weder in anderen Tumorarten noch in gesunden Geweben beschrieben, zumindest nicht in derart ausgeprägter Form. 

Was waren die größten Herausforderungen in Ihrer Doktorandenzeit?

Die größte Herausforderung war sicherlich die Interdisziplinarität unseres Forschungsprojekts. Als Bioinformatiker habe ich täglich mit Forschern aus verschiedensten Fachrichtungen zusammengearbeitet. Darunter waren neben Biologen auch Mediziner, Informatiker und Statistiker. Allerdings hatte ich das Glück als Teil eines sehr kompetenten und effektiven Teams zu arbeiten. So konnten wir diese Unterschiede zu unserem Vorteil nutzen. Ich bin der Meinung dass diese Form der Zusammenarbeit in der biologischen Forschung in Zukunft noch wichtiger werden wird. Abseits der Forschung stellte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf die größte Herausforderung dar. Als ich vor zwei Jahren Vater wurde, musste ich lernen meine Zeit effektiver einzuteilen und Prioritäten neu zu setzten. Seitdem gilt mein größter Respekt berufstätigen Eltern, die diese Doppelbelastung über viele Jahre erfolgreich meistern.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ich werde in Kürze eine Forschungsstelle als Postdoktorand am Broad Institute des MIT und der Harvard Universität, und dem Massachusetts General Hospital in den USA antreten. Ich freue mich bereits sehr auf diesen neuen Lebensabschnitt, blicke aber auch etwas wehmütig auf meine Zeit am Deutschen Krebsforschungszentrum zurück. Insgesamt hatte ich fünf ereignisreiche und erfolgreiche Jahre in Heidelberg. Dafür bin ich meinen Kollegen und Mentoren sehr dankbar.

Bild: DKFZ

Volker Hovestadt studierte ab 2005 an der ETH Zürich Biochemie und ab 2008 Systembiologie. Im Jahr 2010 begann er am DKFZ in Heidelberg in der Forschungsgruppe für Molekulare Genetik von Prof. Peter Lichter seine Doktorarbeit.


Michael Kühn forscht am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

In wenigen Sätzen: Worum geht es bei Ihrer Forschung?

In meiner Forschung befasse ich mich mit sogenannten organischen Leuchtdioden (OLEDs), die immer häufiger zur Bilderzeugung in energiesparenden Displays und Flachbildschirmen eingesetzt werden. Ich entwickelte eine quantentheoretische Methode, mit der es möglich ist, die Eignung von neuen OLED-Molekülen abzuschätzen - bereits vor deren Herstellung. So kann die Synthese auf geeignete Verbindungen beschränkt werden. Meine Methode ist im Rahmen eines Computerprogramms verfügbar, das auch in der industriellen OLED-Forschung bereits erfolgreich eingesetzt wurde.

Was waren die größten Herausforderungen in Ihrer Doktorandenzeit?

Die größte Herausforderung war für mich, sich nicht in zu vielen Details zu verlieren. Man kann leider nicht allen zusätzlichen Fragestellungen nachgehen, die sich während des eigentlichen Promotionsprojektes ergeben. Auch war es oft nicht einfach, meiner Familie und meinen Freunden die Faszination näherzubringen, die ich für mein Forschungsthema empfinde.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Momentan arbeite ich als PostDoc in der chemischen Industrie bei BASF, um einen anderen Blick auf die Forschung zu gewinnen. Anschließend wird sich entscheiden, ob ich in der industriellen Forschung bleibe oder wieder zurück an die Hochschule gehe.

Bild: KIT

Michael Kühn hat am Karlsruher Institut für Technologie Physik studiert und anschließend am dortigen Institut für Physikalische Chemie promoviert. Während seiner Promotion, die von der Carl-Zeiss-Stiftung gefördert wurde, verbrachte er mehrere Forschungsaufenthalte an der University of California, Irvine und an der University of Helsinki. Seit Oktober 2015 ist er PostDoc bei BASF in Ludwigshafen.


Matthias May forscht am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB)

In wenigen Sätzen: Worum geht es bei Ihrer Forschung?

In meiner Forschung geht es darum, mit Sonnenlicht Wasser zu spalten, und die Energie so in Form von Wasserstoff zu speichern. Dazu braucht man wasserspaltende Solarzellen, in denen die Grenzfläche zwischen dem lichtabsorbierenden Halbleiter und dem wässrigen Elektrolyten von entscheidender Bedeutung ist. In meiner Doktorarbeit habe ich diese Grenzflächen untersucht und manipuliert, um sie effizienter zu machen.

Was waren die größten Herausforderungen in Ihrer Doktorandenzeit?

Mein Forschungsgebiet ist sehr interdisziplinär. Es verbindet die Halbleiterphysik mit der Photoelektrochemie. Viele fundamentale Fragestellungen sind noch unbeantwortet. Gleichzeitig arbeiten international viele Gruppen mit Hochdruck an der Realisierung von Anwendungen. Dieses Spannungsfeld - einerseits zeitnah Anwendungen zu entwickeln, aber andererseits die grundlegenden Fragen, die mich interessierten, zu bearbeiten - war auch für mich eine Herausforderung.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

In den nächsten zwei Jahren werde ich mich an der Universität Cambridge damit beschäftigen, die Grenzflächen, die ich bisher experimentell untersucht habe, theoretisch zu modellieren.

Bild: HZB

Matthias May begann sein Physik-Studium in Stuttgart und wechselte später an die Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Doktorarbeit begann er 2011 am Helmholtz-Zentrum Berlin, gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes. 2014 promovierte ich an der Humboldt-Universität zu Berlin in der Experimentalphysik und hatte bis Ende 2015 eine Postdoc-Position an der TU Ilmenau inne. Seit Januar 2016 forscht May mit einem Postdoc-Stipendium der Leopoldina an der Universität Cambridge.


Benjamin Schmidt forscht an Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

In wenigen Sätzen: Worum geht es bei Ihrer Forschung?

Während meiner Promotion arbeitete ich im Rahmen einer internationalen Kollaboration am sogenannten EDELWEISS Experiment mit. Ziel des Experiments ist die Suche nach Dunkler Materie, die durch die großen Fragen der Kosmologie und Astronomie motiviert ist: Wie entstanden Galaxien, Galaxienhaufen, oder auch allgemein unsere Strukturen am Nachthimmel? Was für ein Teilchen verbirgt sich hinter dieser Dunklen Materie, das die Bildung dieser Strukturen in einem Big Bang Szenario erklären kann und heute für die Stabilität dieser Objekte sorgt? Weiter leisten die Experimente einen wichtigen Beitrag als Prüfstein für verschiedene Erweiterungen des Standardmodells der Teilchenphysik, die dunkle Materie Kandidaten bereitstellen. In der Praxis werden dazu im EDELWEISS Experiment hochspezialisierte Detektoren nahe des absoluten Temperaturnullpunkts betrieben. Damit versucht man die Streuung dieser bisher unbekannten Teilchen nachzuweisen. Die Herausforderung hierbei ist, die extrem seltenen und bisher noch nicht beobachteten Signale der Streuung von Dunkle Materie Teilchen aus den riesigen Datenmengen zu isolieren und zweifelsfrei zu identifizieren. Hierzu arbeitete ich während meiner Promotion am Karlsruher Institut für Technologie an Verbesserungen der Analysealgorithmen und an speziellen Analysen zur Diskriminierung von Oberflächenereignissen

Was waren die größten Herausforderungen in Ihrer Doktorandenzeit?

Neben anspruchsvollen technischen Schwierigkeiten war vor allem die Zielsetzung und Abstimmung meiner Arbeit in einem sich rasch verändernden Forschungsumfeld herausfordernd. Zu Beginn meiner Arbeit hatte ich mit einem Postdoktoranden das ambitionierte Ziel, die Analysesoftware so zu verändern beziehungsweise neu zu schreiben, dass sie für ein deutlich größeres Experiment nutzbar wäre. Im Laufe meiner Promotion verschob sich der Fokus des EDELWEISS Experiments aber von der Erhöhung der Sensitivität durch das Nutzen von deutlich mehr Detektoren hin zur Nutzung der intrinsisch guten Energieauflösung der Detektoren. Entsprechend setzte ich dann auch den weiteren Schwerpunkt meiner Arbeit auf die Verbesserung der Analyse, um auch schwache Signale der Streuung leichter Dunkle Materie Teilchen nachweisen zu können. Dass ich trotz dieser Umwälzungen für den Helmholtz-Doktorandenpreis nominiert und ausgewählt wurde, freut mich umso mehr.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Nach meiner Promotion habe ich mir eine kurze Erholungspause gegönnt, die ich mit dem Zerlegen und Wiederherrichten einer 20 jährigen Kawasaki Zephyr gefüllt habe. Mittlerweile bin ich aber wieder voll zurück in der Forschung. Die nächsten beiden Jahre werde ich mich intensiv mit der Suche nach dem neutrinolosen Doppelbetazerfall beschäftigen. Ich bin gespannt darauf, mich zusätzlich zur Datenanalyse auch an der Detektorentwicklung an meinem neuen Arbeitsplatz am Lawrence Berkeley National Laboratory zu beteiligen. Dort werde ich sicher vieles für meine weitere Laufbahn mitnehmen können. Und auf längere Sicht bin ich dann sehr gespannt, welche neuen Herausforderungen der Astroteilchenphysik mir begegnen und werde hoffentlich auch in der akademischen Forschung in Deutschland Akzente setzen können.

Bild: KIT

Benjamin Schmidt studierte Physik am KIT und an der Univerity of Edinburgh. Die nächsten zwei Jahre wird er am Lawrence Berkeley National Laboratory forschen.

27.01.2016, Fragen: Martin Trinkaus

Leserkommentare, diskutieren Sie mit

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen *


CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.

*

Ihr Kommentar wird nach dem Absenden durch unsere Redaktion geprüft und dann freigegeben, wir bitten um etwas Geduld. Bitte beachten Sie auch unsere Kommentarregeln.
*
28.05.2016

Fenster schließen

Mit den monatlichen Ausgaben des Newsletters "Helmholtz Update" erhalten Sie aktuelle Nachrichten, Reportagen und Hintergrundinformationen aus Wissenschaft und Politik.

Deutsch
HTML (grafisch)