Aus der Forschung

Die Schwarzmündige Bänderschnecke (Cepaea nemoralis) und die Weißmündige Bänderschnecke (Cepaea hortensis) kommen in verschiedensten Lebensräumen in Europa vor und weisen eine hohe Vielfalt an verschiedenen Gehäusen auf. Bild: André Künzelmann/UFZ
Evolution vor der Haustür
Gärtner lieben sie weniger, aber Kinder sammeln sie mit Leidenschaft: die bunten Bänderschnecken, deren gelbe, rote oder braune Gehäuse mit bis zu fünf Bändern verziert sind. Diese schöne Fassade ist mehr als eine Zierde, sie hilft beim Überleben, denn die Streifen tarnen die Weichtiere vor Singdrosseln und die Farbe regelt die Innentemperatur - je dunkler das Gehäuse ist, desto schneller heizt es sich im Sonnenlicht auf.
Dies betrachten Wissenschaftler als Chance, die Evolution direkt vor der Haustür zu beobachten: Denn mit dem Klimawandel sollten im Lauf der Jahre hellere Bänderschnecken bessere Chancen haben. Und da Singdrosseln vielerorts seltener werden, dürften die Bändermuster an Bedeutung verlieren. Zusammen mit dem Museum für Naturkunde Berlin und dem NABU hat das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ daher die deutsche Version des europaweiten Mitmachprojektes „„Evolution MegaLab“ gestartet, koordiniert von Dr. Christian Anton (UFZ) und unterstützt von der Volkswagenstiftung.
Das Mitmachen ist kinderleicht: Beim Spazierengehen einfach auf Schnecken achten und ihre Farbe, Anzahl der Bänder, den Fundort notieren und auf der Internetseite www.evolutionmegalab.org eintragen. Dort werden die Daten dann auf der Karte angezeigt. An inzwischen rund 1.200 Fundstellen in Deutschland kann man die aktuelle Lage mit Sammeldaten aus den 1950er Jahren vergleichen und die Wirkung der Evolution sehen.

