Helmholtz-Gemeinschaft

31. Dezember 2007 Helmholtz-Geschäftsstelle

Die Innovationskraft einer Gesellschaft ist das maßgebliche Kriterium im globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe und besten Ideen, um Investitionen der Wirtschaft und um marktfähige Produkte. Davon hängen Wirtschaftswachstum, zukunftssichere Arbeitsplätze und Wohlstand ab. Noch befindet sich Deutschland im internationalen Vergleich in einer guten Position. Es besteht aber dringender Handlungsbedarf, um mit der Dynamik unserer Weltmarktkonkurrenten mithalten zu können.

Erklärung zum Pakt für Forschung und Innovation

Die Innovationskraft einer Gesellschaft ist das maßgebliche Kriterium im globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe und besten Ideen, um Investitionen der Wirtschaft und um marktfähige Produkte. Davon hängen Wirtschaftswachstum, zukunftssichere Arbeitsplätze und Wohlstand ab. Noch befindet sich Deutschland im internationalen Vergleich in einer guten Position. Es besteht aber dringender Handlungsbedarf, um mit der Dynamik unserer Weltmarktkonkurrenten mithalten zu können. Investieren in Zukunftschancen heißt, das vorhandene und z.T. noch unerschlossene Potenzial der Forschung besser zu nutzen; dies kann nur gelingen, wenn alle Akteure konzertiert handeln. Bund und Länder halten an dem Ziel der europäischen Regierungschefs fest, die Gesamtaufwendungen für Forschung und Entwicklung bis 2010 auf einen Anteil von 3 % am BIP anzuheben. Wie bisher sollen zwei Drittel dieser Aufwendungen von der Wirtschaft finanziert werden. Dies bedeutet in Staat und Wirtschaft eine Erhöhung der Ausgaben für Wissenschaft und Forschung insgesamt.

Bund und Länder sind trotz der notwendigen Haushaltskonsolidierung bereit, alle Anstrengungen zu unternehmen, den institutionell geförderten Wissenschafts- und Forschungsorganisationen finanzielle Planungssicherheit zu geben und die jährlichen finanziellen Zuwendungen bis 2010 um mindestens 3 % pro Jahr zu steigern.

Auch die DFG soll eine Steigerung ihrer jährlichen Zuwendungen um mindestens 3 % erhalten.

Die Wissenschafts- und Forschungsorganisationen werden auf der Grundlage dieser finanziellen Planungssicherheit ihre erfolgreichen Forschungsaktivitäten weiter fortführen und die Leistungsfähigkeit ihres Instrumentariums der Forschungsförderung und Qualitätssicherung entlang folgender Eckpunkte weiter ausbauen:

  • Den Wettbewerb durch Konzentration auf Exzellenz innerhalb und zwischen den Forschungseinrichtungen verstärken.
  • Kooperation und Vernetzung organisationsübergreifend insbesondere durch Bildung von Forschungsverbünden, Clustern und Kooperationsvorhaben zwischen außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Hochschulen und der Wirtschaft vorantreiben.
  • Hierdurch laufende und geplante Forschungsaktivitäten besser koordinieren, Forschungslücken aufspüren und weniger aussichtsreiche Forschungsgebiete reduzieren, um verstärkt Neues angehen zu können.
  • Maßnahmen für eine strukturierte, qualitativ hochwertige und international konkurrenzfähige Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses weiterentwickeln und verbessern, um exzellente Köpfe für die deutsche Forschung zu sichern bzw. zu gewinnen. Exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler müssen von Beginn ihrer Karriere an die Chance erhalten, eigenständig originelle Ansätze in Angriff nehmen zu können. Die Forschungsorganisationen werden zusätzliche dauerhafte Karrierechancen für den hochqualifizierten Nachwuchs schaffen; Maßnahmen zur Förderung von Frauen in Wissenschaft und Forschung verstärken.
  • Vorausschauend strategisch neue Forschungsbereiche erschließen und dabei auch die Chancen für risikoreiche und unkonventionelle Forschungsansätze erhöhen.
  • verstärkt auf die Wirtschaft zugehen, um durch gemeinsame Planungsprozesse und Forschungsanstrengungen sowie durch sachspezielle Innovationspartnerschaften und problemorientierten Technologietransfer die Innovationsbilanz zu verbessern.
  • Hierfür auch die Instrumente zur Förderung von Ausgründungen aus Forschungseinrichtungen und zur Nutzung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen in Netzwerken weiter ausbauen.

Die Wissenschafts- und Forschungsorganisationen werden hierzu die in den beigefügten Erklärungen dargelegten Maßnahmen ergreifen. Die Bewertung der jährlichen Berichte wird für die jeweilige finanzielle Ausstattung, insbesondere für die Höhe des jährlichen Aufwuchses und der denkbaren Differenzierung zwischen den Organisationen, von Bedeutung sein.

Erklärung  der Helmholtz-Gemeinschaft zum Pakt für Forschung und Innovation

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat sich in ihrer Reform (Einführung der Programmorientierten Förderung) und in Entscheidungen über ihre strategische Weiterentwicklung den im Pakt für Forschung und Innovation dargelegten Zielen verpflichtet. Durch Konzentration auf Exzellenz, neue Formen der Kooperation und Vernetzung, Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und Entwicklung neuer Ansätze zur Innovationsförderung will sie als Partner in der Innovationsinitiative ihren Beitrag zu Wachstum und Wohlstand leisten.

Auf der Grundlage der im Pakt beschriebenen Planungssicherheit und der dort vorgesehenen Steigerung der jährlichen Zuwendung um mindestens 3 v. H. bis zum Jahr 2010 wird die Helmholtz-Gemeinschaft die Qualität, Effizienz und Leistungsfähigkeit ihrer Forschungstätigkeit steigern, indem sie insbesondere

  • in Kooperation mit Hochschulen und unter Einbringen eigener Ressourcen sich am Exzellenzwettbewerb beteiligt,
  • durch Entwicklung und Bau weltweit herausragender, großer Forschungsanlagen die Attraktivität Deutschlands als Forschungsstandort erhöht, gleichzeitig den Betrieb von Anlagen fortlaufend auf höchste Qualität überprüft und auch Anlagen stilllegt,
  • Kooperation und Vernetzung mit Hochschulen, anderen Forschungsorganisationen und der Wirtschaft weiter ausbaut - auch in neuen Formen,
  • strukturierte Promotions- und Nachwuchsförderung sowie die Strukturen zur verstärkten Förderung von Frauen in Wissenschaft und Forschung ausbaut und weiterentwickelt,
  • vorausschauend strategisch neue Forschungsbereiche erschließt und dabei auch risikoreichen und unkonventionellen Forschungsansätzen angemessenen Raum gibt und
  • ihre strategischen Überlegungen zu zentralen Forschungs- und Innovationsbereichen mit den anderen Forschungsorganisationen abstimmt.

Hierzu wird die Helmholtz-Gemeinschaft folgende Maßnahmen ergreifen:

I. Mehr Wettbewerb - Konzentration auf Exzellenz

Die Stärkung des Wettbewerbs innerhalb der Forschungseinrichtungen einerseits und zwischen den wissenschaftlichen Einrichtungen andererseits sichert die Konzentration auf Spitzenleistungen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft wird diesen Prozess auf drei Wegen vorantreiben:

Strategische Begutachtungen in der programmorientierten Förderung

Wettbewerb und Kooperation werden zu leitenden Motiven in der Helmholtz-Gemeinschaft bei Auswahl und Finanzierung ihrer Forschungsprogramme. Wichtigstes Instrument ist die zentrenübergreifende Erstellung der z. Z. 30 Forschungsprogramme und ihre regelmäßige strategische Begutachtung in den sechs Forschungsbereichen durch internationale Experten. Auf dieser Basis werden vom Senat Finanzierungsempfehlungen für die Programme erstellt, aus denen sich die Budgets für die Zentren ableiten.

Kompetitive Projekte im Impuls- und Vernetzungsfonds des Präsidenten

Der Impuls- und Vernetzungsfonds des Präsidenten richtet sich in seinen Schwerpunkten auf die strategischen Ziele der Helmholtz-Reform aus und fördert in allen Maßnahmen die Konzentration auf Exzellenz. Inhaltliche Schwerpunkte sind die Vernetzung mit herausragenden Arbeitsgruppen insbesondere aus Hochschulen sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Jede Förderung erfolgt dabei in kompetitiven Verfahren unter Beteiligung internationaler Gutachter, um somit die besten Vorhaben zu identifizieren und vorantreiben zu können.

Förderung von Exzellenz durch flexible Vergütungssysteme

Die Helmholtz-Gemeinschaft wird die von den Zuwendungsgebern gewährten flexibilisierten Vergütungsinstrumente gezielt und konsequent einsetzen, um hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen und halten zu können. Im Rahmen gemeinsamer Berufungen wird die HGF die Belange der kooperierenden Hochschulen in geeigneter Weise berücksichtigen.

II. Innovation durch Kooperation und Clusterbildung

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat den Leitgedanken des vernetzten Forschens in den Mittelpunkt ihres strategischen Handelns gestellt und wird verstärkt Finanzmittel für Organisationen und/oder Disziplinen übergreifende Vorhaben einsetzen. Kooperationsbeziehungen innerhalb der Gemeinschaft werden im Rahmen der zentrenübergreifenden Helmholtz-Forschungsprogramme ausgebaut. Die Kooperation über ihre Grenzen hinaus soll in den kommenden Jahren entscheidend vorangebracht werden. Hierzu gehören vor allem:

Kooperation mit Hochschulen

Die Helmholtz-Gemeinschaft wird die bereits sehr hohe Zahl von gemeinsamen Berufungen, insbesondere auch von Juniorprofessuren, weiter erhöhen und in regionalen Clustern die gemeinsame Profilbildung mit den Hochschulen in international sichtbaren Schwerpunkten ausbauen. Vor allem für diese gemeinsame Schwerpunktbildung wird der Präsident den Impuls-und Vernetzungsfonds gezielt einsetzen. Wichtigste Förderinstrumente des Fonds hierfür sind die Virtuellen Institute und die Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppen. Virtuelle Institute sollen Kapazitäten von Hochschulen und Zentren zusammen führen, um Kompetenzzentren von internationaler Attraktivität zu schaffen.

Kooperationen mit anderen Wissenschaftsorganisationen

Die Helmholtz-Gemeinschaft will strategische Allianzen organisationsübergreifend fördern. Nach dem Beispiel der erfolgreichen Gründung des "Konsortium Deutsche Meeresforschung" (KDM) werden auf anderen Gebieten ähnliche Verbünde, z.B. in der Planeten-, der Klima-, und der Materialforschung sowie in der Strukturbiologie, angestrebt. Die HGF ist bereit, ihre mittel- bis langfristige Forschungsstrategie in die Diskussion und Abstimmung mit anderen Forschungsorganisationen, z.B. im Forum Forschungsförderung einzubringen.

Kooperationen mit der Wirtschaft

Die Helmholtz-Gemeinschaft strebt aufbauend auf den Erfahrungen im Transfer von Forschungsergebnissen durch koordinierte Ansätze und Übertragung von Best-Practice-Modellen qualitative Fortschritte auf diesem Gebiet an. Insbesondere soll das Modell der auf die Lebenswissenschaften in der Helmholtz-Gemeinschaft bezogenen Verwertungsagentur "Ascenion" auf weitere Forschungsbereiche übertragen und für andere Organisationen geöffnet werden. Die Zentren der Gemeinschaft werden Transferfonds einrichten, die im Rahmen von Innovationspartnerschaften mit der Wirtschaft Projekte finanzieren, in denen die Technologien der Forschungseinrichtungen weiterentwickelt werden. Mit dem Ziel, die Zahl und die Qualität der Ausgründungen zu steigern, wird eine Strategie zum weiteren Ausbau der Gründerförderung aus den Helmholtz-Zentren entwickelt. Zudem werden die Möglichkeiten geprüft, einen Helmholtz-weiten Beteiligungsfonds mit extern zur Verfügung gestelltem Risikokapital ins Leben zu rufen.

Neue Kooperationsformen

Die Helmholtz-Gemeinschaft verfolgt in ihrer Strategie die Vision von Innovationspartnerschaften, in denen sich Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft über die traditionellen Kooperationsmuster hinaus zusammenschließen. Diese Partnerschaften zeichnen sich durch Verbindlichkeit der Kooperationsverabredungen, geregelten Ressourcenfluss zwischen Kooperationseinrichtungen, Festlegung von Verantwortlichkeiten und einen gewissen Grad an Eigenständigkeit gegenüber den Mutterorganisationen, ggf. als eigene Rechtsform, aus. Neben rein wissenschaftlichen Zielen wird auf Früherkennung und Realisierung der Möglichkeiten der Anwendung gesetzt. Die Helmholtz-Gemeinschaft wird noch vorhandene Barrieren abbauen, um mit Partnern aus der Wirtschaft geeignete Keime in diesem Sinne weiterzuentwickeln, und die hierfür notwendigen neuen Strukturen ausbauen.

Grenzüberschreitende Kooperationen

Die Helmholtz-Gemeinschaft wird ihre guten Beziehungen zu internationalen Partnern zu strategischen Allianzen ausbauen, auch um ihre im Begutachtungsverfahren priorisierten Forschungsziele noch besser zu erreichen. Auch durch verstärkte Übernahme von Koordinationsaufgaben in EU-Projekten will sie zum weiteren Ausbau des Europäischen Forschungsraums beitragen.

III. Spitzenforschung braucht exzellenten Nachwuchs

Wegen der zentralen Bedeutung des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands muss der Anteil von Hochqualifizierten gezielt gesteigert werden. Deshalb will die Helmholtz-Gemeinschaft über das bestehende Angebot der einzelnen Zentren hinaus ihre Nachwuchsförderung quantitativ und qualitativ in folgenden Schwerpunkten erweitern:

  • Durch eine Verdoppelung der Anzahl von Nachwuchsgruppen (derzeit 68) wird eine frühe wissenschaftliche Selbständigkeit ermöglicht und die Perspektive einer langfristigen Beschäftigung bei hervorragender Leistung ("Tenure Track") für junge Wissenschaftler geschaffen.
  • Von den im Rahmen der Nachwuchsstrategie der Helmholtz-Gemeinschaft eingerichteten Nachwuchsgruppen sollen über 60 Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppen sein, d.h. gemeinsam mit Hochschulen auf einem für beide Partner wichtigen Themengebiet eingerichtet werden. Die Leiter sollen mit akademischen Rechten und Pflichten in die Hochschule eingebunden sein und im Erfolgsfall die Perspektive einer unbefristeten Beschäftigung erhalten.
  • Die Ausbildung und wissenschaftliche Betreuung von Doktoranden soll in Kooperation mit den Hochschulen strukturiert und in der Gemeinschaft nach vergleichbaren Standards gestaltet werden.
  • Gemeinsam mit Hochschulen werden Helmholtz-Kollegs als neues Exzellenzprogramm für hochbegabte Doktoranden eingerichtet, die strukturiert und auf hohem Niveau fachliche und berufliche Qualifikationen vermitteln.
  • Insbesondere mit ihren Schülerlaboren will die Helmholtz-Gemeinschaft frühzeitig Interesse an Naturwissenschaft und Technik wecken, einem drohenden Nachwuchsmangel in den Natur- und Ingenieurwissenschaften entgegenwirken und zu einer verbesserten Qualität der Ausbildung beitragen.

IV. Förderung der Chancengleichheit

Defizite sieht die Helmholtz-Gemeinschaft nach wie vor im Erfolg ihrer Bemühungen, aus dem exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs deutlich mehr Frauen für Führungspositionen zu gewinnen. Sie plant daher,

  • ihre Bemühungen, die Zahl von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen/für Spitzenpositionen zu gewinnen, zu dokumentieren;
  • die Einführung eines speziellen Trainingsprogramms "Zukünftiges Führungspersonal" für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich bereits durch herausragende Leistungen als Führungsnachwuchs qualifiziert haben;
  • die Einführung eines Helmholtz-weiten Netzwerk-Mentoring-Programms für 30-50 besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen, die das Potenzial zum Aufstieg erkennen lassen;
  • ein spezielles Stellenangebot in den sechs Forschungsbereichen zur Erleichterung des wissenschaftlichen Wiedereinstiegs nach familienbedingter Unterbrechung.

V. Unkonventionellen Ansätzen eine Chance geben

Die Regularien der programmorientierten Förderung sehen vor, den Zentren 20% der Mittel für Forschung und Entwicklung basierend auf ihrem Erfolg in den Begutachtungen ohne programmatische Bindung zuzuweisen. Die Zentren werden diese Mittel stärker als bisher für explorative Arbeiten einsetzen, die sich außerhalb der Helmholtz-Forschungsprogramme bewegen. Daneben soll in einem offenen Ideenwettbewerb, der durch eine Zusammenschau von "Foresight"-Ergebnissen unterstützt wird, gezielt nach unkonventionellen Ansätzen gesucht und diese durch eine Prämierung unterstützt werden.

VI. Bericht der Helmholtz-Gemeinschaft

Die Helmholtz Gemeinschaft wird ab 2007 jährlich ihren Zuwendungsgebern über den Erfolg der eingeleiteten Maßnahmen in quantitativer und qualitativer Hinsicht berichten.

Weitere Informationen

Die Hightech-Strategie der Bundesregierung

Forschungsunion Wirtschaft - Wissenschaft (BMBF)

Pakt für Forschung und Innovation (BMBF)

Pakt für Forschung und Innovation

12.06.2013