Helmholtz-Gemeinschaft

08. Dezember 2006 Helmholtz-Geschäftsstelle

„Du bist Helmholtz!“ lautete der Titel der Festrede am 8. Dezember 2006, die Prof. Dr. Jürgen Mlynek, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, auf der Festveranstaltung der Karl-Heinz-Beckurts-Stiftung gehalten hat. Als Zeichen der Anerkennung überreichte Mlynek Preise an 17 Lehrerinnen und Lehrer, die von der Stiftung Jugend forscht und von ehemaligen Schülern vorgeschlagen wurden.

Festrede zur Verleihung der Lehrerpreise

„Du bist Helmholtz!“ lautete der Titel der Festrede am 8. Dezember 2006, die Prof. Dr. Jürgen Mlynek, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, auf der Festveranstaltung der Karl-Heinz-Beckurts-Stiftung gehalten hat. Als Zeichen der Anerkennung überreichte Mlynek Preise an 17 Lehrerinnen und Lehrer, die von der Stiftung Jugend forscht und von ehemaligen Schülern vorgeschlagen wurden.

 

Sehr geehrter Herr Staatsminister, lieber Herr Goppel, lieber Herr Popp, meine sehr verehrten Damen und Herren,

Sie erinnern sich sicher an die Kampagne: Du bist Deutschland! Ich zitiere "Wie kann man Albert Einstein, Claudia Pechstein oder Günter Jauch sein? Braucht man dafür einen Nobelpreis, eine Goldmedaille oder eine Fernsehshow? Nein! Indem man zu sich selbst steht und an sich glaubt. Indem man sagt, was man denkt und zeigt, was man kann."

Das Gefühl, dass wir alle, und insbesondere aber die jungen Menschen, es irgendwie schaffen können, einfach nur, indem sie "echt" und "authentisch" sind, dieses Gefühl, das sollte vermittelt werden. Wie aber sieht die Realität aus? Wie glaubwürdig sind Behauptungen wie: Heute fotografierst du nur deine Tante, aber morgen kannst du so berühmt wie Helmut Newton sein? Ich meine, Vorbilder aus Medien und Sport taugen nur sehr begrenzt, um Jugendlichen realistische Perspektiven für ihre eigene Zukunft aufzuzeigen.

Was ich vermisst habe an der Kampagne "Du bist Deutschland", waren die Helden der Wirklichkeit. Insbesondere die Naturwissenschaftler und Ingenieure fehlten. Mit einer Ausnahme: Albert Einstein. Doch da lautet der Text auch noch: "Was E= mc² bedeutet, muss man nicht wirklich begreifen!" In der Tat ist Einstein heute ja fast mehr für seine Frisur berühmt als für seine genialen Einsichten in Raum und Zeit.

Dabei ist vermutlich kein Zeitalter so von den Naturwissenschaften geprägt wie das unsere. Doch wenn man den Umfragen glaubt, dann wollen junge Leute heute vor allem im Rampenlicht stehen: Fernsehmoderatorin, Sportler, Superstar oder Model, das sind die beruflichen Ziele. Technik und Naturwissenschaften stehen nicht so hoch im Kurs. Warum eigentlich nicht?

Ich bin davon überzeugt, dass die Aufgaben eines Ingenieurs, einer Technikerin oder einer Chemikerin sogar oft viel interessanter sind als die der meisten Beschäftigten in den Medienberufen: Das 17te Praktikum und eine vage Hoffnung auf einen Job als Moderatorin im Shopping-Kanal, das sind letztlich kaum überzeugende Perspektiven.

Was wäre, wenn eine Anzeige gelautet hätte: "Du bist Helmholtz! Du meinst manchmal, dir kracht der Kopf. Aber du beißt dich fest und lässt nicht locker. Denn du weißt, es kommt wirklich auf dich an. Du kannst dazu beitragen, die großen Probleme zu lösen, die auf uns zukommen! Neue Energiequellen finden, den Klimawandel bremsen und den Krebs besiegen." Glauben Sie nicht  - wie auch ich - dass es eigentlich das ist, was viele junge Menschen suchen? Große Aufgaben, bei denen sie zeigen können, was in ihnen steckt und wo ihr Beitrag zählt.

Und deshalb will ich ihnen in der kommenden Viertelstunde ein wenig über den großen Naturforscher Hermann von Helmholtz erzählen. Und ich möchte Ihnen etwas über die Mission der Helmholtz-Gemeinschaft berichten, eine Mission, von der sich junge Menschen sehr angesprochen fühlen können, weil es dabei um unsere Zukunft geht. Diese jungen Menschen sind unsere einzige Ressource. Und wir fördern sie am besten, indem wir sie ernst nehmen und fordern!

Hermann von Helmholtz

Hermann von Helmholtz wurde im Jahr 1821 geboren und starb 1894. In seiner Lebenszeit wurde Deutschland zu einer Hochburg der Wissenschaft. Und Helmholtz legte wesentliche Grundlagen dafür. Er war nicht nur einer der produktivsten Wissenschaftler dieser Zeit, sondern verstand es auch, mit Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik zusammenzuarbeiten. Er war, wie man heute sagen würde, ein Macher!

Sein Vater war Griechischlehrer und schätzte die klassische Bildung hoch. Doch Hermann wollte Naturforscher werden. Aber die Physik galt als brotlose Kunst, und die Eltern waren nicht so begütert, dass sie ihren Sohn unterstützen konnten. Einen Ausweg bot der preußische Staat: Begabte junge Männer konnten sich auf Staatskosten zum Militärarzt ausbilden lassen. Der junge Hermann bestand die Aufnahmeprüfung. Begeistert schrieb er seinem Vater: "Wir müssen lernen, bis uns der Kopf kracht."

Ohne Fleiß kein Preis, das war dem jungen Hermann klar. Mit 21 Jahren promoviert er über Nervenfasern! Anschließend arbeitet der junge Helmholtz als Chirurg an der Berliner Charité. Unablässig setzt er seine Forschungen fort, vor allem die Physiologie fasziniert ihn, aber auch die Mathematik und die Physik ziehen ihn in ihren Bann. Er publiziert fleißig Aufsätze, die schließlich den großen Alexander von Humboldt, einen seiner Hochschullehrer, dazu bewegen, ihn für eine Professur in Königsberg vorzuschlagen.

Bereits mit 28 Jahren wird er dort zum außerordentlichen Professor für Anatomie und Physiologie ernannt. Nun kann er auch endlich die junge Olga von Velten heiraten, mit der er schon seit zwei Jahren verlobt ist. Er steht auf eigenen Füßen, und schon gründet er eine Familie. Beneidenswert, dieses Tempo, aus heutiger Sicht.

Helmholtz ging den Dingen auf den Grund. Später schreibt er in seinen Erinnerungen: "Junge Leute greifen am liebsten gleich die tiefsten Probleme an, bei mir war dies die Frage nach dem rätselhaften Wesen der Lebenskraft." Damals glaubten die meisten Wissenschaftler an eine Vis Vitalis, um den Unterschied zwischen lebendiger und toter Materie zu erklären. Nach dem Tod sollte diese geheimnisvolle Lebenskraft wegfallen, so dass der Organismus verwesen konnte. Es gab sogar Versuche, bei Sterbenden die Seele zu wiegen, um dieser Lebenskraft auf die Spur zu kommen. Helmholtz aber ist skeptisch und schreibt: "In dieser Erklärung ahnte ich etwas Widernatürliches; aber es hat mir viel Mühe gemacht, meine Ahnung in eine präzise Frage umzugestalten."

Was lernen wir daraus? Es ist eben wichtig, die richtigen Fragen zu stellen! Und es ist nicht so besonders wichtig, unwichtige Fragen richtig zu beantworten. Hier liegt eine unendliche Chance, ein reiches Betätigungsfeld auch für neugierige Schülerinnen und Schüler: Die richtigen Fragen zu stellen, das lässt sich üben und daraus wächst ein selbständiger Forscherdrang.

Aus seinen Beobachtungen schließt Helmholtz, dass diese Lebenskraft ein Mythos ist, sie existiert nicht. Und er formuliert dabei den ersten Hauptsatz der Thermodynamik: "Energie geht nicht verloren." Das ist sozusagen das moderne Glaubensbekenntnis der Physik: Energie kann nicht vernichtet oder aus dem Nichts erzeugt werden, sondern wird allenfalls umgewandelt.

Auf dem Gipfel der Anerkennung setzt sich Helmholtz neue Ziele: Er versucht, die Physik von der Mechanik bis zur Elektrodynamik aus einem einzigen thermodynamischen Prinzip herzuleiten, dem Prinzip der kleinsten Wirkung. Damit hat er fundamentale Fragen aufgeworfen, die er zu dieser Zeit noch nicht lösen konnte. Er gilt als Vollender der klassischen Physik, hat aber selbst schon einen Blick in das nächste Jahrhundert geworfen.

Helmholtz beschränkte sich aber nicht auf das Verstehen allein, sondern suchte auch ständig nach möglichen Anwendungen. "Wissen muss in Handeln einfließen", hat er einmal gesagt. Oft regten ihn jedoch grundsätzliche Fragen dazu an, zum Beispiel, die einfache Frage: "Warum leuchten Tieraugen im Dunkeln?" - Diese Frage ist leicht zu verstehen, aber sie führt tief in die Physiologie des Auges hinein. Helmholtz begreift dadurch den Aufbau des Auges und entwickelt ein Instrument, mit dem Ärzte sich die Netzhaut ihres Patienten ansehen können: Den Augenspiegel. Übrigens ein Gerät, das in verbesserter Form immer noch im Einsatz ist.

Ähnlich produktiv waren seine Forschungen zur musikalischen Tonempfindung. Was macht den Klang eines Musikinstruments aus? fragte er. Der New Yorker Klavierbauer Henry Steinway war von seinen Ergebnissen so beeindruckt, dass er Helmholtz einen Flügel schenkte. Helmholtz untersuchte auch, wie schnell Reize durch Nervenzellen geleitet werden, er arbeitete zur Elektrodynamik und zur Geophysik, wir würden heute sagen: Er war die personifizierte Interdisziplinarität.

Helmholtz war nicht nur einer der größten Forscher des 19ten Jahrhunderts, sondern er hat auch die Strukturen aufgebaut, die die moderne Naturwissenschaft braucht. "Groß denken und groß handeln", war seine Devise. Zusammen mit Werner von Siemens, der dafür einen Teil seines Privatvermögens zur Verfügung stellte, beantragte er beim Kaiser den Bau einer "Physikalisch-Technischen Reichsanstalt". Die Physikalisch-Technische Reichsanstalt war über mehrere Jahrzehnte lang nicht nur die wichtigste sondern auch die größte Forschungsanlage der Welt. Ihre Mission war: Die exakte Bestimmung von Maßen und Gewichten zur Förderung der Industrie.

Um die Jahrhundertwende entstehen hier aber auch die Arbeiten, die Max Planck zu seiner Quantenhypothese anregen. Willi Wien, einer der brillanten Schüler von Helmholtz, untersuchte an diesem Institut 1892 das Energiespektrum eines Schwarzen Körpers. Acht Jahre später veranlassten diese Ergebnisse Max Planck zu seiner berühmten Hypothese: Licht kann seine Energie nur in bestimmten Portionen abgeben, den Quanten.

Dieses Forschungszentrum besteht bis heute als Physikalisch-Technische Bundesanstalt weiter. Helmholtz sorgte damit für die ersten Schritte hin zu einer leistungsfähigen, außeruniversitären Forschung.

Forschung für die Zukunft

Was lernen wir heute von Helmholtz? Drei Dinge, meine ich: Erstens: Die richtigen Fragen zu stellen, oder abstrakter gesagt: Grundlagenforschung ist zentral!

Zweitens: Mutig zu sein: Groß denken und groß handeln! 

Und drittens: Verantwortung für das Ganze: Wissen muss in die Anwendung!

Das ist auch die Mission der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Ganz bewusst haben wir Hermann von Helmholtz zu unserem Namenspatron gemacht.

Mit 15 großen Forschungszentren und insgesamt fast 25.000 Mitarbeitern sind wir die größte Forschungsorganisation von Deutschland. Wir betreiben Großgeräte wie Teilchenbeschleuniger oder Forschungsschiffe, erforschen Grundlagen und Zusammenhänge, wollen aber unsere Erkenntnisse auch in die Gesellschaft einbringen.

Wir wollen damit zur Lösung drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft beitragen. Dabei konzentrieren wir uns auf sechs Forschungsbereiche: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Verkehr und Weltraum.

Wir verstehen uns als die nationalen Forschungszentren Deutschlands mit klarer nationaler Mission:

Im Forschungsbereich Erde und Umwelt beobachten wir den Klimawandel, eine ganz große Herausforderung, vor der wir nicht kapitulieren dürfen. Mit dem Earth Observation System haben wir ein weltumspannendes Netz aus Satelliten, Forschungsflugzeugen und anderen Messinstrumenten aufgebaut. Damit messen wir die Bewegung der Kontinentalplatten, die Zusammensetzung der Atmosphäre, die Meeres- und Landoberflächen und können so Erdbebengefahren ermitteln, aber auch das Wettergeschehen, die Entwaldung und Wüstenbildung sowie die Grundwasserbestände global verfolgen.

Unsere Forschung nützt dabei auch unmittelbar den Menschen in gefährdeten Regionen: Wissenschaftler am Helmholtz-Geoforschungszentrum Potsdam haben zum Beispiel das Tsunami-Frühwarnsystem entwickelt, das nun im indischen Ozean aufgebaut wird.

Im Forschungsbereich Gesundheit haben wir vor allem die großen Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs im Visier. Wir untersuchen die Ursachen und entwickeln neue Ansätze für die Therapie. Auch hier sind Grundlagenforschung und Anwendung eng miteinander verbunden. Aus der Grundlagenforschung mit Viren ist beispielsweise nun ein wirksamer Impfstoff gegen den Gebärmutterhalskrebs entstanden, eine der häufigsten Krebsformen bei Frauen. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Physik haben die Biowissenschaftler sogar einen Teilchenbeschleuniger umgebaut, um mit beschleunigten Kohlenstoff-Ionen gezielt und schonend Tumore im Kopf zu entfernen.

Eine ganz besonders wichtige Rolle spielt für uns das Thema Energie. Meine Damen und Herren, die Versorgung der Bevölkerung mit Energie ist die zentrale Frage der nächsten Jahrzehnte! Und etwa die Hälfte der öffentlich geförderten Energieforschung findet in der Helmholtz-Gemeinschaft statt. Wir entwickeln Lösungen, um uns aus der Abhängigkeit vom Erdöl zu verabschieden und um den Klimawandel zu bremsen.

Wir verfolgen hier einen doppelten Ansatz: Einerseits arbeiten wir daran, bestehende Lösungen zu verbessern, andererseits untersuchen wir aber auch die grundlegenden Fragen. Denn ohne die wesentlichen Prozesse, die Physik dahinter, wirklich zu verstehen, können wir weder bei Solarzellen noch bei anderen neuen Technologien zu echten Durchbrüchen kommen.

Die erneuerbaren Energiequellen aus Sonne und Biomasse sind ein wichtiges Forschungsfeld. Gleichzeitig arbeiten wir aber auch daran, die Effizienz zu steigern, zum Beispiel bei der Energieumwandlung. Aber auch, indem wir neuartige Materialien für Fahrzeuge und Motoren entwickeln, die bei gleicher Stabilität deutlich leichter sind. Damit sinkt der Treibstoffverbrauch. Hier liegen enorme Potenziale.

Manche Vorhaben sind wie ein Marathonlauf, sie brauchen einen langen Atem, großes Durchhaltevermögen, systematisches Training bis zum Erfolg. So sehe ich die Kernfusion. Dabei wollen wir den Prozess, der im Inneren der Sonne abläuft, hier auf der Erde zur Energieerzeugung nutzen. Eine junge Physikerin, die einen wichtigen Beitrag zu diesem Projekt geleistet hat, sagte mir neulich: "Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als bei der Entwicklung einer völlig neuen Energiequelle dabei zu sein!"

Bei der Kernfusion verschmelzen Wasserstoffatome zu Helium, dieser Prozess setzt gewaltige Energiemengen frei. Diese Kernverschmelzung wollen wir zusammen mit Partnern aus den wichtigsten Ländern der Erde unter Kontrolle bringen. Der Internationale Testreaktor ITER wird jetzt im französischen Cadarache gebaut. Strom werden wir vielleicht erst um das Jahr 2035 gewinnen. Strom aus der Steckdose für Jedermann vielleicht sogar erst 2050. Wir alle wissen: Eine Erfolgs-Garantie gibt es nicht, denn dies ist Forschung in das Unbekannte hinein. Aber wir wissen auch: Die Kernfusion könnte unsere Energieprobleme lösen.

Du bist Helmholtz!

Warum erzähle ich Ihnen das heute? Um Sie für die Forschung im großen Stil zu begeistern, die nationalen Interessen dient und internationalen Verpflichtungen gerecht wird. Und um Sie von Helmholtz zu überzeugen, auch als Person. Ich meine, Hermann von Helmholtz hat einfache und klare Fragen gestellt, die auch heute junge Menschen interessieren und zu einer Beschäftigung mit der Natur hinführen können, zum Beispiel im Wettbewerb Jugend forscht. Ich nenne hier noch einmal ein paar der Helmholtzschen Fragen:

Warum leuchten Tieraugen?

Warum klingen Musikinstrumente ganz verschieden, je nachdem, aus welchem Holz sie gebaut sind?

Gibt es eine Lebenskraft?

Helmholtz hat den Elfenbeinturm verlassen, er war weitsichtig, hat mit Wirtschaft und Politik gemeinsam dafür gesorgt, dass Wissen in die Anwendung kommt, und dass sich durch Forschung etwas zum Besseren verändert.

Was Wissenschaft eigentlich soll und kann, hat Hermann von Helmholtz einmal so ausgedrückt: "Wissenschaftler suchen zum Besten der ganzen Nation die Kenntnisse zu vermehren, welche zur Steigerung der Industrie, des Reichtums, der Schönheit des Lebens, zur Verbesserung der politischen Organisation und der moralischen Entwicklung der Individuen dienen können."

Das ist eine sehr ganzheitliche und weitsichtige Auffassung, die heute aktueller als je zuvor ist. Und die Helmholtz-Gemeinschaft greift diese Tradition auf: Wir packen die Probleme der Zukunft an! Wir brauchen dafür junge Menschen, die keine Angst vor Schwierigkeiten haben, die bereit sind, sich in komplexe Themen zu vertiefen. Und wir bieten ihnen große Aufgaben und Chancen: Gemeinsam mit 500 Menschen aus allen Ländern der Erde an einem neuen Teilchenbeschleuniger arbeiten! Mit einer eingeschworenen Mannschaft in der Antarktis überwintern, um herauszufinden, wie sich die Artenvielfalt verändert. Im Labor neue Mikroskopietechniken zu entwickeln, die uns die atomare Welt mit neuen Augen sehen lassen, wie es dem Team um Knut Urban vom Forschungszentrum in Jülich gelungen ist, die heute dafür den Karl Heinz Beckurts-Preis erhalten. Das sind Herausforderungen, die wirklich faszinierend sind, für die es sich zu lernen und zu leben lohnt.

Ganz von selbst, ohne gezielte Unterstützung, entfalten sich jedoch nur absolute Ausnahmemenschen. Viele Talente gehen verloren, wenn sie nicht erkannt und gefördert werden. Und hier wende ich mich an Sie, die Lehrerinnen und Lehrer, mit ausdrücklichem Dank: Sie können Mentoren sein, wohl gesonnene Lernbegleiter, die verborgene Talente entdecken und erkannte Talente zum Blühen bringen. Wie viele Schülerinnen und Schüler wissen gar nicht, was in ihnen steckt? Dass sie das Zeug dafür hätten, Metamaterialien mit neuen Eigenschaften zu entwerfen oder Wirkstoffe gegen bösartige Viren.

Die jungen Menschen sind einfach wichtig, sie sind die einzige Ressource, auf die ein Land wie Deutschland zählen kann. Deshalb müssen wir zusammen arbeiten, damit wir der nächsten Generation optimale Entwicklungsmöglichkeiten geben können.

Vermutlich kennen Sie als engagierte Lehrerinnen und Lehrer die 18 Schülerlabore der Helmholtz-Zentren, wo jährlich über 40.000 Jugendliche experimentieren. Sie sind herzlich eingeladen, mit Ihren Schülerinnen und Schülern zu uns zu kommen.

Wir wollen sogar noch früher ansetzen. Unsere jüngste Initiative nennt sich "Haus der kleinen Forscher" und wir wollen damit die Erzieherinnen und Erzieher erreichen, die in Kindergärten arbeiten. Denn wie Sie natürlich wissen, gibt es eine Menge schöner Experimente, mit denen auch kleine Kinder die Natur begreifen lernen.

Talentmanagement heißt aber auch, dass wir die Studierenden und den wissenschaftlichen Nachwuchs wirklich fördern und ihnen Freiräume einräumen, damit sie sich entfalten können. Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssen daher mehr als schöne Sonntagsreden sein, weil wir weder auf das Potenzial von Frauen noch auf die nächste Generation von Kindern verzichten können. In der Helmholtz-Gemeinschaft haben wir deshalb eigene Programme eingeführt, damit auch junge Eltern ihre Pflichten in der Familie mit den anspruchsvollen Aufgaben im Labor vereinbaren können.

Vielleicht fragen Sie einmal die Jugendlichen in Ihrem Umfeld, was ihre Ziele und Vorbilder sind. Vielleicht können Sie ihnen zeigen: "Du bist Helmholtz! Du meinst manchmal, dir kracht der Kopf. Aber du beißt dich fest und lässt nicht locker. Denn du weißt, es kommt wirklich auf dich an. Du kannst mit Forschung dazu beitragen, die großen Probleme zu lösen, die auf uns zukommen! Neue Energiequellen finden, den Klimawandel bremsen und den Krebs besiegen."

Ich glaube schon, dass es eigentlich das ist, was viele Jugendliche suchen: Große Aufgaben, bei denen sie zeigen können, was in ihnen steckt und wo ihr Beitrag zählt. Und ich glaube, unsere Zukunft hängt auch davon ab, ob es uns gelingt, die nächste Generation für diese Aufgaben zu begeistern.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

zur Laudatio

12.01.2013