Helmholtz-Gemeinschaft

31. Januar 2007 Helmholtz-Geschäftsstelle

Am 31. Januar 2007 fand der Neujahrsempfang der Helmholtz-Gemeinschaft in Berlin statt. Auf dem Empfang stellte der Präsident, Prof. Dr. Jürgen Mlynek, den Gästen Ziele und Vorhaben für das Jahr 2007 und die neue Gesamtstrategie der Helmholtz-Gemeinschaft vor.

Rede zum Neujahrsempfang 2007

Auf dem Neujahrsempfang 2007 stellte der Präsident, Prof. Dr. Jürgen Mlynek, den Gästen Ziele und Vorhaben für das Jahr 2007 und die neue Gesamtstrategie der Helmholtz-Gemeinschaft vor.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste,

ich freue mich sehr, dass Sie heute zum Neujahrsempfang der Helmholtz-Gemeinschaft gekommen sind. Im Januar reiht sich ein wichtiger Empfang an den anderen. Und heute, am letzten Tag des Januars nutzen auch wir die Gelegenheit, einen Ausblick auf das kommende Jahr zu werfen. Die Helmholtz-Gemeinschaft hat ein gutes Jahr hinter sich: Wir haben uns in der Exzellenzinitiative als Partner der Universitäten bewährt, unsere Vernetzung mit Hochschulen und der Wirtschaft ausgebaut und konkrete Fortschritte bei den Helmholtz-Allianzen und beim Aufbau der biomedizinischen Translationszentren gemacht, um nur einige Stichworte zu nennen.

Auch das Jahr 2007 hat mit viel Schwung begonnen: Mit der zweiten Runde der Exzellenzinitiative und der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Diesen Schwung müssen wir nutzen, und deshalb will ich heute über drei Themen sprechen, die mir besonders am Herzen liegen: Über neue Formen der Kooperation, über unsere Rolle in Europa und über eine Nationale Energie-Initiative in Deutschland.

Meine Damen und Herren, das Wissenschaftssystem Deutschlands ist stark und leistungsfähig. Aber um die Potenziale noch besser auszuschöpfen, brauchen wir neue Formen der Kooperation - zwischen den Forschungseinrichtungen und Hochschulen untereinander und zwischen Forschung und Wirtschaft. "Der wahre Egoist kooperiert", sage ich immer. Wir brauchen "strategische Partnerschaften neuer Qualität". Hiermit meine ich eine langfristig angelegte Zusammenarbeit auf ausgewählten Forschungsgebieten. Solch eine Partnerschaft muss verlässlich und belastbar sein, mit aufeinander abgestimmten Struktur- und Entwicklungsplänen, mit klarer Governance-Struktur und größtmöglichen unternehmerischen Freiheiten. Vielleicht in einer neuen gemeinsam getragenen Organisationsform, aber nicht als Fusion von Einrichtungen oder durch institutionelle Neuordnungen. Was ich meine ist eine Fusion von Expertise.

Beispiele, wie solche Partnerschaften aussehen können, finden Sie in unserer Broschüre "Strategie der Helmholz-Gemeinschaft". Diese Strategie haben wir in einem gemeinsamen Prozess mit vielen Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Gemeinschaft entwickelt. Sie sind heute die ersten, die diese Broschüre in der Hand haben. Vielleicht können Sie später auch die Gelegenheit nutzen und mit den Vorständen der Zentren ins Gespräch kommen, die heute fast alle hier anwesend sind. Denn in den Zentren findet die eigentliche Arbeit statt: Spitzenforschung zu großen und drängenden Fragen von Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft.

Der Pakt für Forschung und Innovation hat uns dafür neue Freiräume ermöglicht. Wir nutzen sie, um zum Beispiel Helmholtz-Allianzen aufzubauen, die Zukunftsthemen mit kritischer Masse aufgreifen und zu international sichtbaren Leuchttürmen werden. In solchen Allianzen werden wir gemeinsam mit Partnern aus anderen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft, mit Partnern aus dem In- und Ausland, schnell Fortschritte erreichen. Der Pakt für Forschung und Innovation hilft auch, uns noch besser mit Hochschulen zu vernetzen und den Nachwuchs stärker zu fördern. So gibt es inzwischen 75 Virtuelle Institute mit über 52 verschiedenen Hochschulen und einer Reihe ausländischer Partner. Auch fördern wir jetzt 70 Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppen. Für viele Nachwuchsgruppenleiter wird damit der Weg in eine wissenschaftliche Karriere etwas verlässlicher.

Wir sind aber nicht nur national gut aufgestellt, sondern auch in Europa als verlässlicher und leistungsstarker Partner anerkannt: Unsere Erfahrung im Aufbau und im Management von großen Instrumenten wird in Europa anerkannt. Zu diesem Schluss ist auch das "European Strategy Forum on Research Infrastructures" - kurz ESFRI - gekommen. Von den insgesamt 35 Großforschungs­projekten, die ESFRI auf die Roadmap zum Ausbau der europäischen Forschungs­landschaft gesetzt hat, wird fast die Hälfte ganz oder wesentlich durch Helmholtz-Zentren getragen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist bei der Einwerbung von EU-Geldern die erfolgreichste deutsche Forschungsorganisation. Aktuell sind unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an rund 570 Projekten beteiligt; die Erfolgsquote bei EU-Anträgen beträgt 35 % und sogar 70 % bei Infrastrukturanträgen. Wir beteiligen uns am Bau des ersten Experimentalreaktors für die Kernfusion, den ITER im französischen Cadarache. Hier ist die deutsche Seite ihren Verpflichtungen nachgekommen und hat sich für den französischen Standort eingesetzt. Das gleiche verlässliche Engagement erwarten wir jetzt von den internationalen Partnern bei der Finanzierung zweier anderer wichtiger Zukunftsprojekte: dem Röntgenlaser XFEL in Hamburg und dem Ionenbeschleuniger FAIR in Darmstadt. Mit dem XFEL werden sich zum Beispiel Reaktionen mit extrem hoher Orts- und Zeitauflösung 'filmen' lassen und mit FAIR können gezielt Antiprotonen und exotische Ionen für kernphysikalische Untersuchungen hergestellt werden. Die Wissenschaft wartet auf diese beiden Instrumente. Bei beiden Projekten muss jedoch ein Teil der Kosten auch von der internationalen Forschergemeinde getragen werden. Und immer wenn es um Geld geht, wird mit harten Bandagen gespielt. Klar, dass es die deutsche Regierung in den Verhandlungen mit EU-Ländern sowie China und Russland nicht einfach hat. Dennoch: Jetzt müssen aus Lippenbekenntnissen konkrete Zusagen werden.

Wenn wir von Europa sprechen, dann kommen immer wieder auch Fragen zum European Research Council und zu einem European Institute of Technology. Das European Research Council wird unabhängig von Proporz und Länderinteressen Entscheidungen rein nach wissenschaftlicher Exzellenz treffen und so eine wichtige europäische Förderorganisation werden. Die Rolle eines European Institute of Technology ist zurzeit noch unscharf, aber es wird kommen. Wir müssen daher den Schwung aus der europäischen Ratspräsidentschaft nutzen, um ein Konzept zu entwickeln, das einen echten Mehrwert für Europa bringt. Klar ist aber auch, dass die EU dafür Geld in die Hand nehmen muss. Und zwar Geld, das nicht woanders aus der Forschungsförderung abgezogen wird, sondern Geld, das frisch in das System fließt. In diese Diskussion werde ich mich einbringen. Wie könnte so ein European Institute of Technology aussehen? Auf jeden Fall wird es eine virtuelle Einrichtung sein, mit dem Ziel, Innovationen zu beschleunigen und damit den Standort Europa in einer globalen Welt zu sichern. Als Säulen einer solchen Einrichtung könnten sich Forschungseinrichtungen, Universitäten und die FuE-Abteilungen von Unternehmen zu Knowledge and Innovation Communities zusammenschließen. Das sind spannende europäische Perspektiven, wir können uns auf ein bewegtes Jahr freuen.

Aber auch auf nationaler Ebene stehen uns große Herausforderungen bevor. Mit der Hightech-Strategie hat die Bundesregierung 17 Themenfelder genannt, die stärker gefördert werden sollen. Darunter ragt für mich das Thema "Energie" hervor, aus Helmholtz-Sicht gerade auch durch die enge Verbindung mit anderen Forschungsbereichen wie "Erde und Umwelt" oder "Schlüsseltechnologien". In der Helmholtz-Gemeinschaft hat sich die deutsche Kompetenz in der Energieforschung versammelt, wir treiben langfristige Vorhaben wie die Fusionsforschung voran, arbeiten aber auch an Forschungsprojekten, die unsere Energieprobleme kurz- und mittelfristig entschärfen können.

Dabei liegt es auf der Hand, wo wir ansetzen müssen: Einsparung, Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien, wie Solarenergie und Biomasse. In diesen drei Forschungs­feldern gibt es hervorragende Ansätze mit riesigem Potenzial. Hier müssen wir unsere Anstrengungen vergrößern, die Forschung beschleunigen und Entwicklungen schneller in die Anwendung umsetzen. Wir brauchen dafür eine Nationale Initiative zur Erforschung von Energie-Technologien. Konkret stelle ich mir eine Public Private Partnership vor, eine strategische Partnerschaft mit den führenden Energieunternehmen und Forschungs­einrichtungen Deutschlands. Zur Hälfte finanziert von der öffentlichen Hand, zur Hälfte von der Industrie - mit insgesamt zwei Milliarden Euro in 10 Jahren. Die Helmholtz-Gemeinschaft wird dabei eine federführende Rolle spielen, so wie es ihrer Mission entspricht: Drängende gesellschaftliche und wirtschaftliche Problemen mit Spitzen­forschung zu lösen.

Zum Schluss will ich Sie auch mit dem Motto für unsere nächste Jahrestagung am 12. September 2007 bekannt machen: Helle Köpfe für die Forschung! Wissenschaft wird von Menschen gemacht, von begabten Frauen und Männern, die die Welt verändern können. Das Talentmanagement ist eine unserer wichtigsten Aufgaben. Auch deswegen bauen wir nun eine Helmholtz-Akademie für Führungskräfte auf. Aber wir wollen noch viel früher anfangen und schon Kinder spielerisch mit Natur und Technik bekannt machen. Mit dem Haus der kleinen Forscher haben wir zusammen mit McKinsey, Siemens und der Dietmar Hopp Stiftung eine Initiative gegründet, die das schaffen wird … und zwar in großem Stil, wie es Tradition bei Helmholtz ist. Sie können uns dabei unterstützen, indem Sie als Pate beim Haus der kleinen Forscher mitmachen.

Ich will ganz zum Schluss kurz meine Botschaften zusammenfassen. Erstens: Wir bauen neue Formen von strategischen Partnerschaften mit Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen auf, um große Zukunftsthemen voranzubringen, national wie international. Zweitens: Die Helmholtz-Gemeinschaft ist in der europäischen Forschungslandschaft von zentraler Bedeutung, gerade auch durch die Erfahrung im Aufbau und Management von Großgeräten. Wir sind federführend am ITER beteiligt, und optimistisch, dass wir zum Sommer den Grundstein für den XFEL legen können. Und drittens: Mit einer Nationalen Energieforschungsinitiative müssen wir den Fortschritt im Bereich Effizienzsteigerung und Erneuerbare Energien beschleunigen, das bringt Wohlstand, Sicherheit und eine lebenswerte Umwelt und muss ein "Apollo-Projekt", eine "Mann auf den Mond"-Initiative werden.

12.06.2013