Helmholtz-Gemeinschaft

07. Juni 2006 Helmholtz-Geschäftsstelle

Festrede des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft Prof. Jürgen Mlynek zur Verleihung des Landesforschungspreises Baden-Württemberg am 7. Juni 06

Festrede zur Verleihung des Landesforschungspreises Baden-Württemberg am 7. Juni 06

Festrede des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft Prof. Jürgen Mlynek.

 

Helmholtz: Forschung für die Zukunft ­

Sehr geehrter Herr Minister, lieber Herr Frankenberg,
sehr geehrter Herr Rektor (Professor Dr. Wolfgang Jäger)
liebe Preisträger,
sehr geehrte Damen und Herren.

Es ist mir eine Ehre, heute die Festrede zur Verleihung des Landesforschungspreises Baden-Württemberg zu halten. Ihnen, liebe Preisträger, zunächst herzlichen Glückwunsch! Sie verbinden hervorragende Wissenschaft mit spannenden Perspektiven in der Anwendung. Daran möchte ich anknüpfen.

Ich möchte Ihnen in der nächsten halben Stunde zum einen den Universalgelehrten Hermann von Helmholtz vorstellen, von dem wir auch heute noch viel lernen können. Zum anderen möchte ich Ihnen zeigen, wie wir als Helmholtz-Gemeinschaft heute in der Tradition dieses großen Naturforschers die Herausforderungen der Zukunft angehen. Und schließlich möchte ich auch die Herausforderungen nennen, die wir bewältigen müssen, damit wir die Potenziale unseres Wissenschaftssystems besser ausschöpfen.

Hermann von Helmholtz wurde im Jahr 1821 geboren und starb 1894. In seiner Lebenszeit wurde Deutschland zu einer Hochburg der Wissenschaft. Und Helmholtz legte wesentliche Grundlagen dafür. Er war nicht nur einer der produktivsten Wissenschaftler dieser Zeit, sondern verstand es offenbar auch, mit Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik zusammenzuarbeiten. In der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren führen wir heute fort, was Helmholtz begonnen hatte: Interdisziplinäre Spitzenforschung zur Lösung drängender Probleme von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.

Helmholtz ist heute leider nicht so bekannt wie zum Beispiel Albert Einstein oder Max Planck. Zu Unrecht, meine Damen und Herren. Einstein selbst nannte Helmholtz einmal den klarsten Kopf des 19ten Jahrhunderts. Präzision war für Helmholtz der Schlüssel zur Einsicht in die Natur. Er besaß das, was der letztjährige deutsche Nobelpreisträger Theodor Hänsch als "passion for precision" bezeichnet, eine Leidenschaft für Präzision. Mit seinem Drängen auf immer bessere Messinstrumente hat er die kommenden wissenschaftlichen Revolutionen vorbereitet: Die Quantenmechanik und die Relativitätstheorie, die etwa ein Jahrzehnt nach seinem Tod zum ersten Mal formuliert wurden.

So gut wir den Wissenschaftler Helmholtz kennen, so wenig wissen wir von ihm als Mensch. Seine Zeitgenossen schildern ihn als kunstsinnig, musikalisch und humorvoll. Er hat enorm viel gearbeitet, hat Verbindungen geknüpft, Dinge in Bewegung gesetzt. Er war, wie man heute sagen würde, ein Macher!

           

Teil I

Hermann von Helmholtz  

Hermann von Helmholtz kam am 31. August 1821 in Potsdam zur Welt. Sein Vater war Gymnasiallehrer und schätzte die klassische Bildung. Von der Mutter erbte Helmholtz seine Neigung zu Kunst und Musik. Und doch war für den jungen Hermann eines schnell klar: Er wollte Naturforscher werden. Damit entsprach er nicht ganz der väterlichen Karriereplanung: Sein Vater wollte, dass sein ernsthafter, ältester Sohn etwas "Ordentliches" wird. Die Physik galt jedoch als brotlose Kunst und allzu begütert war die Familie nicht. Einen Ausweg bot der preußische Staat: Begabte junge Männer konnten sich auf Staatskosten zum Militärarzt ausbilden lassen. Der junge Hermann bestand die Aufnahmeprüfung. Begeistert schrieb er seinem Vater: "Wir müssen lernen, bis uns der Kopf kracht."

Ohne Fleiß kein Preis, das war Helmholtz klar. Mit 21 Jahren promoviert er über Nervenfasern! Heute sind die Nachwuchswissenschaftler bei ihrer Promotion im Schnitt 32 Jahre, und damit, wie ich finde, zu alt!

Anschließend arbeitet  der junge Helmholtz als Chirurg an der Berliner Charité. Unablässig setzt er seine Forschungen fort, vor allem die Physiologie fasziniert ihn, aber auch die Mathematik und die Physik ziehen ihn in ihren Bann. Er publiziert große Aufsätze, die Aufmerksamkeit erregen.

Sieben Jahre später, im Alter von 28 Jahren, erhält er einen Ruf nach Königsberg, übrigens ohne offizielle Habilitation: Er wird zum außerordentlichen Professor für Anatomie und Physiologie ernannt. Der Ruf nach Königsberg hat persönliche Konsequenzen für den jungen Hermann: Er kann nun erstmals ans Heiraten denken. Und er denkt nicht nur daran, sondern er heiratet auch endlich die junge Olga von Velten, mit der er schon seit zwei Jahren verlobt ist.

Heute ist nicht nur die Studiendauer zu lang, die Promotion zu spät, sondern unsere Nachwuchswissenschaftler müssen sich auch bis ins mittlere Alter auf eine ungewisse berufliche Laufbahn einstellen. Nur mit Zeitverträgen ist es aber schwer, eine Familie zu gründen. Das sollten wir bedenken, wenn wir uns in der Debatte um das alternde Deutschland darüber wundern, dass junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen  so häufig ganz auf Kinder verzichten. Ich setze mich persönlich dafür ein, dass junge Leute schon mit Anfang 30 eine klare berufliche Perspektive haben. Und nicht erst mit Anfang 40!  Deshalb unterstütze ich die Juniorprofessuren mit Tenure Track Option, die genau diese Chance bieten.

Die Universitäten, auch hier in Baden-Württemberg, sollten hiervon noch stärker Gebrauch machen.

 

Helmholtz war Grundlagenforscher - Energieerhaltungssatz

Helmholtz ging den Dingen auf den Grund, er war ein Grundlagenforscher im wahrsten Sinn des Wortes.

"Junge Leute greifen am liebsten gleich die tiefsten Probleme an, bei mir war dies die Frage nach dem rätselhaften Wesen der Lebenskraft."  So beschreibt Helmholtz später, wie er den Energieerhaltungssatz gefunden hat. Die Mehrzahl der Physiologen glaubte im 19ten Jahrhundert an eine Vis Vitalis, die in Lebewesen die chemischen und physikalischen Kräfte reguliert. Nach dem Tod sollte diese geheimnisvolle Kraft wegfallen und der Organismus verwesen. Es gab sogar Versuche, bei Sterbenden die Seele zu wiegen, um dieser Lebenskraft auf die Spur zu kommen. Helmholtz aber ist skeptisch und schreibt: "In dieser Erklärung ahnte ich etwas Widernatürliches; aber es hat mir viel Mühe gemacht, meine Ahnung in eine präzise Frage umzugestalten."

Was lernen wir daraus? Es ist eben wichtig, die richtigen Fragen zu stellen! Und es ist nicht wichtig, unwichtige Fragen richtig zu beantworten.

Aus seinen Beobachtungen schließt Helmholtz, dass diese vermeintliche Lebenskraft nicht existiert. Und er formuliert dabei den ersten Hauptsatz der Thermodynamik: "Energie geht nicht verloren." Das ist sozusagen das moderne Glaubensbekenntnis der Physik: Energie kann nicht vernichtet oder aus dem Nichts erzeugt werden, sondern wird allenfalls umgewandelt.

Auf dem Gipfel der Anerkennung setzt sich Helmholtz wieder neue Ziele als Grundlagenforscher: Er versucht, die Physik von der Mechanik bis zur Elektrodynamik aus einem einzigen thermodynamischen Prinzip herzuleiten, dem Prinzip der kleinsten Wirkung. Damit hat er fundamentale Fragen aufgeworfen, die er zu dieser Zeit noch nicht lösen konnte. Er gilt als Vollender der klassischen Physik, hat aber selbst schon einen Blick in das nächste Jahrhundert geworfen.

 

Helmholtz suchte nach Anwendungen

Helmholtz suchte ständig nach möglichen Anwendungen. "Wissen muss in Handeln einfließen", hat er einmal gesagt. Oft regten ihn aber grundsätzliche Fragen dazu an. Zum Beispiel wollte er herausfinden, warum Tieraugen im Dunkeln leuchten. Dadurch beginnt er, die Physiologie des Auges zu begreifen und er setzt dieses Wissen um: 1850 entwickelt er ein Instrument, mit dem Ärzte sich die Netzhaut ihres Patienten ansehen können: Den Augenspiegel. Übrigens ein Gerät, das in verbesserter Form immer noch im Einsatz ist.

Ähnlich produktiv waren seine Forschungen zur musikalischen Tonempfindung. Er erklärte die Klangfarbe der Instrumente durch ihre jeweiligen Obertöne. Der New Yorker Klavierbauer Henry Steinway war davon so beeindruckt, dass er Helmholtz einen Flügel schenkte.

Helmholtz' innovative Ideen hatten ihre Wurzeln in der Grundlagenforschung. Richard von Weizsäcker hat es einmal so ausgedrückt: "Ohne die Lyrik der Grundlagenforschung gibt es keine Prosa der Anwendung."

 

Helmholtz war mobil

Mobilität gehört heute zu den Schlagworten, die erfolgreiche Karrieren beschreiben, frei nach der Devise: "Nur den bewegten Punkt sieht man." Wer sich wissenschaftlich qualifizieren will, muss zu den besten Laboratorien der Welt gehen, von den Besten seiner Zunft lernen.

Wir reden viel vom "Brain drain", davon, dass die besten Nachwuchswissenschaftler ins Ausland abwandern. Aber wenn sie ein paar Jahre lang Erfahrung sammeln, ist das hervorragend. Sie sollen nur auch wieder zurückkommen und hier attraktive Positionen finden.

Auch Helmholtz war kein Nesthocker, sondern - zumal für damals - ausgesprochen mobil: Wie schon gesagt, lehrte er zunächst in Königsberg. Er nahm dann einen Ruf nach Bonn an, wo er die Medizinerausbildung reformierte. Wenige Jahre später holte ihn der Physiker Gustav Kirchhoff nach Heidelberg: Zusammen mit Kirchhoff und dem Chemiker Robert Bunsen beginnt für Helmholtz eine Glanzzeit: Er wird berühmt, nicht nur als Physiologie, sondern mehr und mehr als Physiker.

1871 wird Helmholtz zum Nachfolger des großen Gustav Magnus in Berlin berufen, diesmal als Physiker. Der inzwischen weltberühmte Gelehrte wird zum bestbezahlten Wissenschaftler seiner Zeit.

Ich hoffe, lieber Herr Frankenberg, Sie hören jetzt aufmerksam zu!

Neben einer luxuriösen Dienstwohnung für die Familie wird Helmholtz auch der Neubau eines physikalischen Instituts zugesichert. Das war eine Paketlösung! Um einen außergewöhnlichen Kopf wie Helmholtz zu gewinnen, haben die damals Verantwortlichen auch zu außergewöhnlichen Mitteln gegriffen. Heute engen viele Regelungen den Spielraum ein. Zu viele, meine ich. Wenn wir Spitzenleute einstellen wollen, müssen wir ihnen auch optimale Arbeitsbedingungen bieten, ein wettbewerbsfähiges Gehalt und möglicherweise auch Lösungen für den Partner oder die Partnerin schaffen. Denn die Zeiten haben sich geändert: Helmholtz hatte damals eine Gattin, die nur an seine Karriere dachte. Heute sind Spitzenleute dagegen meist mit ebenfalls hochqualifizierten Partnern liiert und es ist ein Puzzlespiel, Mobilität und die Karrierewege beider zu vereinbaren. Hier können wir von den USA lernen: Dual-Career-Lösungen sind oft Teil erfolgreicher Berufungsverhandlungen.

 

Helmholtz war in vielen Disziplinen erfolgreich

Helmholtz war aber auch geistig höchst mobil: Vom Physiologen zum Physiker zum Wissenschaftsmanager, so lässt sich ganz knapp der Werdegang von Helmholtz zusammenfassen. Dahinter verbirgt sich eine Produktivität, die erstaunlich ist: Helmholtz hat in mindestens sieben Fachbereichen bedeutende Ergebnisse erzielt und zum Fortschritt beigetragen. Als Physiologie, als Mathematiker, in der Meteorologie, der Gletscherkunde, in der Thermodynamik und Elektrodynamik und nicht zuletzt auch in der Naturphilosophie. Denn er fragt, was Menschen mit ihren eigentümlichen Sinnesorganen eigentlich erkennen können.  

Heute erwarten wir neue Erkenntnisse vor allem an den Grenzen einzelner Disziplinen. "Das Neue liegt am Rande", sagte der Philosoph Georg Christoph Lichtenberg.

 

Helmholtz hat erstmals Strukturen für die moderne Wissenschaft aufgebaut  

Helmholtz war nicht nur einer der größten Forscher des 19ten Jahrhunderts, sondern er hat auch die Strukturen aufgebaut, die die moderne Naturwissenschaft braucht.

Mit seinem verbindlichen aber auch energischem Wesen war Helmholtz die ideale Besetzung, um große Projekte erfolgreich zum Abschluss zu bringen: So betreibt er gleich nach seiner Berufung nach Berlin den Aufbau des damals größten physikalischen Instituts des wilhelminischen Reichs. Wenige Jahre später, 1876, ist es soweit: Das 1,5 Millionen Reichsmark teure Institut wird eingeweiht, im Berliner Volksmund heißt es "der Palast der Physik".

Helmholtz hat mit dem Bau des Instituts erreicht, dass eine kritische Masse an brillanten Köpfen zusammenkommt und dass diese mit den besten Geräten arbeiten können. "Bright people attract bright people"

Aber Helmholtz bleibt nicht stehen. Obwohl er inzwischen zum Rektor der Universität Berlin gewählt wurde und genügend Verpflichtungen hat, findet er es wichtig, eine Großforschungseinrichtung außerhalb der Universität aufzubauen. "Groß denken und groß handeln", war seine Devise. Zusammen mit Werner von Siemens, der dafür einen Teil seines Privatvermögens zur Verfügung stellt, beantragt er beim Kaiser den Bau einer "Physikalisch-Technischen Reichsanstalt".  Die Physikalisch-Technische Reichsanstalt war über mehrere Jahrzehnte lang nicht nur die wichtigste sondern auch die größte Forschungsanlage der Welt. Helmholtz wird zum Präsidenten dieser Großforschungsanlage. Hier wird Präzisionsphysik betrieben, auf die die moderne Industrie zunehmend angewiesen ist. Ihre Mission war eindeutig: Die exakte Bestimmung von Maßen und Gewichten zur Förderung der Industrie.

Um die Jahrhundertwende entstehen hier aber auch die Arbeiten, die Max Planck zu seiner Quantenhypothese anregen. Willi Wien, einer der brillanten Schüler von Helmholtz,  untersuchte an diesem Institut 1892 das emittierte Energiespektrum eines Schwarzen Körpers. Acht Jahre später veranlassten diese Ergebnisse Max Planck zu seiner berühmten Hypothese: Licht kann seine Energie nur in bestimmten Portionen abgeben, den Quanten.

Dieses Forschungszentrum besteht bis heute als Physikalisch-Technische Bundesanstalt weiter. Helmholtz sorgte damit für die ersten Schritte hin zu einer leistungsfähigen, außeruniversitären Forschung.

 

Teil II

Die Helmholtz-Gemeinschaft heute -  Forschung für die Zukunft  

Was lernen wir heute von Helmholtz?  Drei Dinge, meine ich: Erstens: Grundlagenforschung ist zentral!

Zweitens: Groß denken und groß handeln! 

Und drittens: Wissen muss in die Anwendung!

Doch was haben diese drei Sätze mit der Helmholtz-Gemeinschaft von heute zu tun?  Ich meine, dass wir diese drei Forderungen recht genau umsetzen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist 1995 aus der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Großforschungszentren hervorgegangen.  Unter diesem Dach sind nun 15 große Forschungszentren vereinigt, mit insgesamt fast 25.000 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von 2,3 Milliarden Euro. Davon sind 1,6 Milliarden Euro Grundfinanzierung und 0,7 Milliarden werden eingeworben. Wir werden zu 90 Prozent vom Bund finanziert und zu 10 Prozent von den Ländern.

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist sogar - und das wissen viele gar nicht - die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Hier arbeiten mehr Wissenschaftler als bei der Fraunhofer und der Max-Planck-Gesellschaft zusammen, wir melden die meisten Patente an.  Und wir verfügen über einzigartige Großgeräte und Campusstrukturen, die für kurze Wege zwischen den einzelnen Forschergruppen sorgen.

In der Helmholtz-Gemeinschaft machen wir Forschung mit einem klaren Ziel: Wir wollen damit zur Lösung drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft beitragen.  Wir machen nicht Alles, aber was wir machen, das wollen wir richtig machen:

Deshalb bündeln wir unsere Kräfte in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Verkehr und Weltraum. Die meisten Zentren sind auf drei oder sogar mehr Forschungsbereichen tätig. Die Arbeiten von Professor Martin Wegener am Helmholtz-Forschungszentrum Karlsruhe fallen zum Beispiel in den Bereich Schlüsseltechnologie, denn die Strukturierung dieser photonischen Kristalle ist ein Teilbereich der Nanotechnik. Aber das Zentrum ist auch im Bereich der Energieforschung und der Umweltforschung sehr produktiv.

Der Forschungsbereich Verkehr und Weltraum widmet sich nicht nur der Raumfahrt und der Satellitentechnologie wie dem europäischen Ortungssystem Galileo, sondern sucht auch nach Lösungen für das wachsende Verkehrsaufkommen.

Im Forschungsbereich Erde und Umwelt versuchen wir, den Klimawandel zu verstehen und die Vorsorge gegen Erdbeben oder Sturmfluten zu verbessern: Wissenschaftler am Helmholtz-Geoforschungszentrum Potsdam haben zum Beispiel das Tsunami-Frühwarnsystem entwickelt, das nun im indischen Ozean aufgebaut wird.

Diese Forschungsbereiche spiegeln unsere Mission. Besonders deutlich wird das am Bereich Energie.

Meine Damen und Herren, die Versorgung der Bevölkerung mit Energie ist die zentrale Frage der nächsten Jahrzehnte: Die Abhängigkeit von Energieimporten, steigende Energiepreise und der globale Klimawandel stellen Politik, Wirtschaft und Forschung heute vor große Herausforderungen. Etwa die Hälfte der öffentlich geförderten Energieforschung findet in der Helmholtz-Gemeinschaft statt.

Wir verfolgen hier einen doppelten Ansatz: Einerseits arbeiten wir daran, bestehende Lösungen weiter zu verbessern, andererseits untersuchen wir aber auch verstärkt wieder die grundlegenden physikalischen Fragen. Denn ohne die wesentlichen Prozesse wirklich zu verstehen, können wir weder bei Solarzellen noch bei anderen neuen Technologien zu echten Durchbrüchen kommen.

Die erneuerbaren Energiequellen aus Sonne und Biomasse sind ein wichtiges Forschungsfeld. Gleichzeitig arbeiten wir aber auch daran, die Energie effizienter als bisher zu nutzen: Zum Beispiel durch Verbesserungen bei der Energieumwandlung. Aber auch, indem wir neuartige Materialien für Fahrzeuge und Motoren entwickeln, die bei gleicher Stabilität deutlich leichter sind. Damit sinkt der Treibstoffverbrauch.

Wir wissen, dass manche Vorhaben einen langen Atem und einen weiten Horizont erfordern. Deshalb arbeiten wir auch federführend an einem weltweit einzigartigen Forschungsprojekt: Der Kernfusion. Dabei wollen wir den Prozess, der im Inneren der Sonne abläuft, hier auf der Erde zur Energieerzeugung nutzen.

Bei der Kernfusion verschmelzen Wasserstoffatome zu Helium, dieser Prozess setzt gewaltige Energiemengen frei. Diese Kernverschmelzung wollen wir mit dem International Thermonuclear Experimental Reactor, dem Projekt ITER, zusammen mit europäischen und japanischen Partnern unter Kontrolle bringen. ITER wird nun im französischen Cadarache gebaut. Strom werden wir vielleicht erst um das Jahr 2035 gewinnen. Es gibt keine Erfolgs-Garantie, denn dies ist Forschung in das Unbekannte hinein. Nur: Wenn wir heute nicht daran forschen, können wir morgen ganz gewiss nicht ernten.

Neben der Energieforschung ist die Gesundheit ein wichtiger Forschungsbereich in der Helmholtz-Gemeinschaft. Ein Helmholtz-Zentrum aus Baden-Württemberg, das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, ist führend auf diesem Gebiet.  

Aus der Grundlagenforschung mit Schwerionen haben Helmholtz-Wissenschaftler eine neuartige Bestrahlungstherapie entwickelt, die manchen Patienten wieder Hoffnung gibt: Besonders wenn die Tumore tief im Gewebe liegen und schwer erreichbar sind. Solche Tumore können nun mit Kohlenstoffionen bestrahlt werden, die das gesunde Gewebe kaum beschädigen und sich präzise auf den Tumor fokussieren lassen. Eine Therapieeinrichtung für 1000 Patienten jährlich wird gerade an der Universitätsklinik in Heidelberg in Kooperation mit weiteren Helmholtz-Zentren und in Zusammenarbeit mit Siemens Medical Solutions aufgebaut.

Was sieht man an diesen Beispielen? Grundlagenforschung und Anwendung sind keine Gegensätze, sondern ein Paar. Nur die Grundlagenforschung kann wirklich neue Methoden und Erkenntnisse hervorbringen. Aber auch Grundlagenforscher müssen mit offenen Augen durch die Welt gehen und sich fragen: Kann man diese Erkenntnis umsetzen?

 

Wo steht die Helmholtz-Gemeinschaft im Wissenschaftssystem von Deutschland?

Wo steht die Helmholtz-Gemeinschaft heute im Wissenschaftssystem von Deutschland?

Häufig wird die Wissenschaftslandschaft von Deutschland als ein Gebäude beschrieben, das auf vielen Säulen steht. In der Tat gibt es heute neben den Universitäten als Stätten der Forschung nicht nur eine, sondern gleich mehrere außeruniversitäre Organisationen, die Forschung betreiben. Und auch in der Industrie wird natürlich geforscht.

Rund 60 Milliarden Euro fließen jährlich in Deutschland in Forschung und Entwicklung, das entspricht etwa 2,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Zwei Drittel davon bringt die Industrie auf, ein Drittel die öffentliche Hand. Die aus Steuergeldern finanzierte Forschung findet zu etwa gleichen Teilen in den Universitäten und in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen statt, ein bemerkenswertes Verhältnis!

Und da hat jede große Organisation ein charakteristisches Profil: Die Max-Planck-Gesellschaft widmet sich ausdrücklich der Grundlagenforschung.

Die Fraunhofer-Gesellschaft betreibt dagegen bewusst industrienahe Forschung.

Und die Helmholtz-Gemeinschaft hat sich zur Aufgabe gemacht, Zukunftsforschung und Vorsorgeforschung zu betreiben, um einen Beitrag zur Lösung von drängenden und komplexen Problemen der modernen Gesellschaft zu leisten.

Diese unterschiedlichen Profile führen zu einer Arbeitsteilung, die unser Forschungssystem effizient macht. Unser Wissenschaftssystem steht also auf vielen Pfeilern, aber diese Pfeiler tragen es auch zuverlässig. Und die Helmholtz-Gemeinschaft ist dabei unverzichtbar!

Eines unserer Alleinstellungsmerkmale sind Großgeräte und komplexe Infrastrukturen, die in Deutschland, in Europa und teilweise sogar weltweit einmalig sind.

Das heißt: Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können auf ein einzigartiges Inventar von wissenschaftlich-technischen Instrumenten zugreifen, die ihnen Spitzenleistungen erst ermöglichen. Ganz nach der Helmholtz-Devise: "Groß denken und groß handeln!"

Dazu gehören Teilchen-Beschleuniger wie am Deutschen Elektronen-Synchrotron, dem DESY in Hamburg, mit denen wir die kleinsten Bestandteile der Materie und die Entstehung des Universums untersuchen. In den nächsten Jahren entsteht dort mit Kosten von rund einer Milliarde Euro der XFEL, ein Freier Elektronen-Laser, der Licht von bislang unerreichbarer Qualität im Röntgenbereich abgibt. Am Helmholtz-Zentrum in Darmstadt, der Gesellschaft für Schwerionenforschung, wird gerade FAIR geplant, eine Anlage zur Antiproton- und Ionenbeschleunigung, ebenfalls mit Kosten um eine Milliarden Euro.  Beide Geräte sind sozusagen neue Fenster für die Forschung: Mit dem XFEL lassen sich die extrem schnellen Reaktionen zwischen Molekülen auf der Femtosekundenskala mit einer Auflösung im Angström-Bereich "filmen" und damit besser verstehen, mit FAIR können exotische Ionen und Antiprotonen produziert werden, was die Kernphysik voranbringen wird.

Und wir betreiben auch Forschungsschiffe wie die berühmte Polarstern und Forschungsflugzeuge wie HALO zur Untersuchung der Erdatmosphäre.

Solche Großgeräte treiben die technologische Entwicklung voran und führen Wissenschaftler sogar zu völlig neuen Fragen. Als wissenschaftliche Leuchttürme ziehen sie weltweit die besten Forscher an, denn diese Einrichtungen sind per se international orientiert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft sucht auch intensiv nach Anwendungsmöglichkeiten der Forschung. In unseren Forschungszentren haben wir eigene Patentabteilungen und Strukturen für den Technologietransfer eingerichtet. Der Schutz geistigen Eigentums ist die Voraussetzung für eine spätere wirtschaftliche Nutzung. Hier gibt es eine Reihe erfolgreicher Beispiele, aber, meine Damen und Herren: In der wirtschaftlichen Umsetzung unserer Erkenntnisse können, ja müssen wir in Deutschland noch besser werden. Das ist für mich eine der großen Herausforderungen für die kommenden Jahre, denn Anwendungen lohnen sich:

Dazu ein Beispiel: Ihre Computerfestplatte kann heute sehr viel mehr Gigabyte speichern als noch vor wenigen Jahren. Und zwar deshalb, weil Peter Grünberg, ein Festkörperphysiker aus dem Helmholtz-Forschungszentrum Jülich, eine interessante Beobachtung gemacht hat: Bestimmte Schicht-Strukturen besitzen einen enorm hohen Magnetowiderstand. Dabei fiel ihm aber auch auf, dass man daraus deutlich bessere Leseköpfe für Festplatten herstellen könnte, um dichter gepackte Information abzulesen. Die Erfindung von Peter Grünberg wird heute in fast allen Leseköpfen genutzt und das Forschungszentrum Jülich hat damit beträchtliche Lizenzeinnahmen erwirtschaftet.

 

Teil III:

Meine Damen und Herren, ich komme zum letzten Teil: Was sind die Herausforderungen für das Wissenschaftssystem in Deutschland?

Natürlich könnte ich jetzt sagen: Wir brauchen mehr Geld, um noch besser zu werden. Aber mein Vorgänger im Amt des Helmholtz-Präsidenten, Walter Kröll, sagte einmal: "Wir wollen nicht nur mehr Geld für die Forschung, sondern auch mehr Forschung für das Geld".

Geld ist nämlich nur ein Aspekt - wenn auch ein wichtiger: Baden-Württemberg hat nicht nur bei PISA recht gut abgeschnitten, es ist auch als Land der Bastler und Tüftler bekannt. Der Mittelstand blüht, es gibt viele innovative Unternehmen. Das kommt nicht von ungefähr. Baden-Württemberg investiert stolze 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung - ein Spitzenwert.

Wenigstens drei Prozent des BIP, das wollen wir in den nächsten Jahren auch auf nationaler Ebene erreichen.  Dafür haben Bund und Länder zusammen mit den Forschungsorganisationen den Pakt für Forschung und Innovation geschlossen. Dieser gibt den großen Forschungsorganisationen und der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG die Sicherheit, in den kommenden Jahren einen stetigen, wenn auch begrenzten Zuwachs zu erhalten. Das ist die Zusicherung der Politik - wir haben uns dafür verpflichtet, unsere Leistungen zu steigern.

Wir sind hier in der Universität Freiburg, einer Alma Mater oder geistigen Mutter, deren "Produkte" nicht nur Forschungsergebnisse sondern auch die Absolventen sind. Universitäten fordern und fördern junge Leute und bilden sie zu den zukünftigen Leistungsträgern aus, die das Kapital unserer Gesellschaft sind. Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen stehen vor gemeinsamen Herausforderungen, die wir auch gemeinsam lösen können. Ich nenne drei dieser Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen.

Erstens: Wie schaffen wir verlässliche Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs?

Zweitens: Wie können wir das Potenzial unseres Wissenschaftssystems besser ausschöpfen?

Und drittens: Wie kommt das Wissen in die Anwendung?

Zum ersten Punkt:  Wir brauchen verlässliche und attraktive Karriereperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Denn unser Wissenschaftssystem hat ein Problem: Wir verlieren viele der besten Köpfe, weil sie entweder im Ausland oder sogar außerhalb des Wissenschaftssystems bessere Perspektiven sehen. Wer in Deutschland forschen will, hangelt sich Jahre lang von Zeitvertrag zu Zeitvertrag, das macht die Lebensplanung schwierig, die Gründung einer Familie zu einem Wagnis.

Gut gemeint aber schlecht geraten sind dabei bestimmte Regelungen, die eigentlich Nachwuchswissenschaftler schützen sollen, in Wirklichkeit jedoch oft das Gegenteil bewirken. Zum Beispiel  ist es recht kompliziert, einen Wissenschaftler, der schon 12 Jahre in befristeten Projekten arbeitet, in einer öffentlichen Forschungseinrichtung weiter zu beschäftigen. Warum? Es gibt Fälle, wo sogar Projektleiter, die die Gelder für ihre eigene Stelle als Drittmittel einwerben, entlassen werden müssen.

Wissenschaft ist wie Hochleistungssport, sie fordert Menschen, die gerne an die Grenzen gehen. "Gras müssen sie fressen!", sagt Sepp Herberger über Profifußballer. Er meint damit: Sie müssen den richtigen Biss haben. Das gilt auch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die oft durch die Sache enorm motiviert sind und bereit sind, viel zu leisten. Solche Menschen brauchen keine beamtengleichen Arbeitsverträge, aber eben eine Perspektive, die Leistung belohnt.  

Wir brauchen daher einen speziellen Wissenschaftstarifvertrag: Der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst, der TvÖD, ist für Wissenschaftler nicht geeignet: Hier wird Mobilität bestraft, weil Erfahrungen in einer Stelle bei einem Wechsel in eine andere Einrichtung nicht angerechnet werden. In der Wissenschaft brauchen wir aber Mobilität! Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen zu den jeweils besten Einrichtungen gehen.

Befristete Einstellungen sollten erleichtert werden, Gehälter verhandelbar sein und besondere Leistungen sich auch finanziell niederschlagen können. Wir wollen die besten Köpfe holen und ihnen die besten Arbeitsbedingungen bieten.

Im zweiten Punkt will ich auf die Vernetzung zwischen den Pfeilern des Wissenschaftssystems eingehen. Denn wir müssen uns besser als bisher vernetzen, um die Potenziale des Wissenschaftssystems von Deutschland wirklich auszuschöpfen.

Deshalb muss die Vernetzung zwischen den Pfeilern ausgebaut werden.

Besonders wichtig ist die Vernetzung der außeruniversitären Forschung mit den Hochschulen, die wir in den letzten Jahren deutlich vorangetrieben haben. Beispielhaft dafür stehen rund 240 gemeinsame Berufungen, zahlreiche Sonderforschungsbereiche und über 3000 Doktoranden an unseren Zentren. Mit gemeinsam aufgebauten Graduiertenkollegs wollen wir Doktorandinnen und Doktoranden die besten Bedingungen für ihre wissenschaftliche aber auch persönliche Entwicklung geben

Ein anderes Beispiel sind die so genannten virtuellen Institute, an denen Partner aus den Hochschulen gemeinsam mit Helmholtz-Forschern an neuen Fragen arbeiten. Zurzeit gibt es davon 65 Institute, in die wir insgesamt 46 Millionen Euro investieren. Das Geld kommt dabei zu einem beachtlichen Teil auch den Partnern aus der Hochschule zu Gute.

Am bundesweiten Wettbewerb der Exzellenzinitiative sind Helmholtz-Forschungsgruppen mit rund 50 Anträgen beteiligt. Und mit einem neuen Instrument, den Helmholtz-Allianzen, wollen wir rasch neue Themen im großen Stil mit einem finanziellen Umfang von bis zu 50 Millionen Euro über fünf Jahre aufgreifen, und zwar ebenfalls mit Partnern aus Universitäten und anderen Forschungsorganisationen zusammen. Solche Allianzen ergänzen die Exzellenzinitiative und sollen sich zu international sichtbaren Leuchttürmen entwickeln.

Was aus dem gelungenen Austausch zwischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und der Wirtschaft wachsen kann, zeigt ein regionaler Cluster in der Region Dresden:  Dort ist in den letzten Jahren ein europäisches Silicon Valley entstanden - deutlich kleiner als sein kalifornisches Vorbild, aber doch sehr schlagkräftig auf dem Gebiet der Halbleiterindustrie. Damit ist Deutschland heute einer der modernsten IT-Standorte der Welt. Jeder fünfte Mikrochip, der weltweit verkauft wird, stammt aus Dresden. Durch die Förderung vorhandener Stärken in der Wissenschaft, dem Ausbau der Universität und der Fachhochschulen in Dresden und durch eine gezielte Ansiedlungspolitik konnten in Dresden im IT-Bereich 11.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Und um den wachsenden Bedarf an Fachkräften zu decken, sind nun zahlreiche neue Studiengänge an den umliegenden Universitäten entstanden. Nun will AMD für rund 2,5 Milliarden Euro eine weitere Waferfabrik an diesem Standort errichten. Das ist auch deshalb ein gutes Beispiel, weil es zeigt, dass auch in den neuen Bundesländern durch gute Zusammenarbeit ein zumindest regionaler Aufschwung erreicht werden kann.

Doch wie kommen unsere geistigen PS auf die Straße der Anwendung?  Wir tun einiges dafür, das können Sie mir glauben. Und etwas ist wirklich in Bewegung geraten: Die Stimmung hat sich verändert: Anstatt auf lebenslange Festanstellung in einer Firma oder öffentlichen Einrichtung zu setzen, trauen sich inzwischen mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu, sich selbstständig zu machen, ein Unternehmen mit ihren Ideen zu gründen. Diese Menschen sollten wir unterstützen, ihnen Brücken bauen, ihren Mut anerkennen.

Schließlich müssen wir uns aber auch fragen, ob wir die richtigen Strukturen haben, um Ausgründungen zu unterstützen: Zum Beispiel besitzt jedes unserer 15 Helmholtz-Zentren eine Transferstelle und auch die Länder betreiben Einrichtungen für junge Gründer. Sind diese aber wirklich effizient? Oder könnte es sinnvoll sein, den Technologietransfer stärker zu spezialisieren? Die Vermarktung von Patenten aus der Nanotechnik braucht möglicherweise ein ganz anderes Know-how als ein Startup im Bereich der Biotechnologie.

Damit komme ich zum Schluss und zum eigentlichen Anlass dieser Veranstaltung: Herr Professor Stürner, mich hat ihre Forschungsarbeit sofort überzeugt. Denn gerade kleine und mittlere innovative Unternehmen, die international agieren wollen, sind darauf angewiesen, dass es verbindliche Rechtsvorschriften gibt. Und ihre Arbeit, Herr Professor Wegener, ist ein Schritt hin zu einer neuen Technologie, die absolut faszinierend ist.

Dem Land Baden-Württemberg und Minister Frankenberg danke ich für die Initiative, die mit dem Forschungspreis verbunden ist. Preise machen Mut, sie öffnen Türen und erregen Aufmerksamkeit: In diesem Fall für die Forschung.

Als Helmholtz 1882 geadelt wurde, hat er sinngemäß an seinen Freund geschrieben: "Mich freut es, weil es endlich, seit vielen Jahren einmal, nicht für eine militärische Leistung ist, sondern für eine wissenschaftliche."

Herr Minister Frankenberg, wenn Sie in Zukunft Geld sparen wollen, sollten Sie das vielleicht in Erwägung ziehen: Eine Erhebung in den Adelsstand anstelle eines Preisgelds könnte eine kostensparende Alternative sein.

Was Wissenschaft eigentlich soll und kann, hat Hermann von Helmholtz einmal so ausgedrückt: "Wissenschaftler suchen zum Besten der ganzen Nation die Kenntnisse zu vermehren, welche zur Steigerung der Industrie, des Reichtums, der Schönheit des Lebens, zur Verbesserung der politischen Organisation und der moralischen Entwicklung der Individuen dienen können."     

Heute klingt das vielleicht ein bisschen pathetisch, zumindest steif. Aber es ist richtig. Ich will das mit einem andern Bild noch untermalen: Große Aufgaben liegen nun vor Deutschland, und eine insbesondere in den nächsten vier Wochen: Deutschland muss jetzt Fußballweltmeister werden! Und wie das geht, erklärt Sepp Herberger: "Der Ball ist rund!  Das Runde muss ins Eckige. Und das Spiel dauert 90 Minuten."

Diese drei Sätze sind wahr. Und sie genügen trotzdem nicht, um uns die Weltmeisterschaft zu sichern… Denn das Spiel findet auf dem Platz statt: Beinarbeit, Kopfarbeit und Zusammenarbeit, das macht Fußball aus und so fallen Tore. Das ist in der Wissenschaft nicht anders. Wie wir in der Wissenschaft international dastehen, hängt von den Menschen ab, die Wissenschaft betreiben: Von ihrem Einfallsreichtum und ihrem Einsatz.  Und ausruhen geht nicht, aber aufgeben auch nicht.

Denn wie unser Volksphilosoph Sepp Herberger so richtig sagt: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!"

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

12.01.2013