07. Dezember 2005 Externe Partner
Ansprache von Dr. Klaus Rauscher anlässlich der Verleihung des Wissenschaftspreises des Stifterverbandes - Erwin Schrödinger Preis 2005
Dr. Klaus Rauscher, Vorsitzender des Landeskuratoriums Berlin/Brandenburg des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Herr Professor Mlynek,
sehr geehrter Herr Senator Dräger,
meine Damen und Herren,
wir hatten soeben Gelegenheit, die heutigen Preisträger und ihre wissenschaftlichen Arbeiten kennen zu lernen. Ich möchte Ihnen daher keine weitere Laudatio zumuten. Da ich hier heute in Vertretung von Herrn Dr. Oetker als Repräsentant des Stifterverbandes stehe, möchte ich Ihnen aber deutlich machen, welche Absicht wir mit der Stiftung eines Preisgeldes von immerhin 50.000 Euro für den Schrödinger-Preis verbinden. Denn es ist zwar auch, aber nicht ausschließlich wissenschaftliche Exzellenz, die wir mit unseren Wissenschaftspreisen auszeichnen.
Lassen Sie mich zunächst einige allgemeine Worte zum Stifterverband sagen. Als Gemeinschaftsinitiative der deutschen Wirtschaft sind wir der festen Überzeugung, dass die Zukunftsfähigkeit unseres Landes ganz entscheidend von der Leistungskraft unseres Wissenschafts- und Bildungssystems abhängig ist. Um diese Leistungskraft zu erhalten und zu verbessern, ist zum einen eine auch im internationalen Maßstab hinreichende finanzielle Ausstattung des Wissenschaftssystems erforderlich. Wir dürfen das von den EU-Regierungschefs in Lissabon formulierte Ziel, europaweit bis 2010 mindestens 3% des BIP für Forschung und Entwicklung auszugeben, nicht aus den Augen verlieren. Dazu muss der jährliche Aufwuchs der öffentlichen Mittel für die Wissenschaftsorganisationen, wie er im Pakt für Forschung festgelegt wurde, bis 2010 fortgesetzt werden. Gleiches gilt für die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern, die dringend benötigte Mittel für die Universitäten bereit stellt. Auch die deutsche Wirtschaft wird durch eine Intensivierung ihrer FuE-Anstrengungen dazu beitragen, das Lissabon-Ziel zu erreichen.
Aber ebenso wichtig wie die finanzielle Ausstattung ist die Effizienz der Strukturen. Hier ist der Stifterverband angetreten, gemeinsam mit seinen Partnern in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Defizite zu markieren und durch Auszeichnung und Förderung von Modellvorhaben Anstöße zur Verbesserung zu geben. Dem Ziel von Strukturreformen dienen auch die fünf Wissenschaftspreise, die wir in Kooperation mit den deutschen Wissenschaftsorganisationen vergeben. Denn immer noch gibt es zu viele Barrieren im deutschen Wissenschaftssystem, die sich hinderlich auf Forschung und Innovation auswirken. Mit den Wissenschaftspreisen zeichnen wir Forscher aus, die durch Überwindung solcher Schranken herausragende Forschungsleistungen erzielt haben. Indem wir diese Leistungen prämieren, wollen wir die Preisträger als Vorbilder sichtbar machen und damit in das Wissenschaftssystem zurückwirken.
Der Erwin-Schrödinger-Preis wird verliehen für wissenschaftliche Arbeiten, die Disziplinen übergreifen. Dies ist bei unseren Preisträgern zweifellos der Fall, die Forschungen in Mathematik, Physik und Medizin auf innovative Weise verbunden haben. Diese Kooperation hat aber nicht nur disziplinäre Grenzen gesprengt, sondern auch institutionelle Schranken zwischen einer Universität und einem Helmholtz-Zentrum. Professor Sturm und Professor Tass haben gezeigt, dass es trotz der oft beklagten Trennung zwischen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen möglich ist, gemeinsame Projekte ins Leben zu rufen, von denen beide Institutionen profitieren. Dies ist ein schöner Erfolg der generellen Politik der Helmholtz-Gemeinschaft, die Kooperation mit Universitäten zu suchen und zu institutionalisieren, sei es durch gemeinsame Berufungen, durch Gründung "virtueller Institute", durch gemeinsame Nachwuchsgruppen oder die Vorbereitung gemeinsamer Sonderforschungsbereiche. Die Helmholtz-Gemeinschaft kann hier Vorbild für manche andere Wissenschaftsorganisation sein.
Schließlich haben unsere Preisträger auch die Grenze zwischen Grundlagenforschung und Anwendung überschritten, denn sie werden ein Unternehmen gründen, das den neuen Hirnschrittmacher für die klinische Anwendung einsatzbereit machen und produzieren soll. Als Wirtschaftsvertreter möchte ich ihnen dazu meine besondere Anerkennung aussprechen und - im Interesse der Patienten - viel Erfolg bei der weiteren Umsetzung wünschen. Austauschprozesse zwischen Wissenschaft und Wirtschaft werden übrigens das Schwerpunktthema des Stifterverbandes im kommenden Jahr sein. Wir bereiten gerade einen Wettbewerb vor, in dem wir besonders gelungene Beispiele für Austauschprozesse aller Art prämieren werden.
Nach dem eben gesagten haben sich Professor Sturm und Professor Tass ihren Preis durch eine mindestens dreifache Grenzverletzung redlich verdient. Ich darf sie nun zur Übergabe der Preisurkunde auf die Bühne bitten.

