Helmholtz-Gemeinschaft

26. Januar 2011 Helmholtz-Geschäftsstelle

Auf dem Neujahrsempfang 2011 stellte der Präsident, Prof. Dr. Jürgen Mlynek, den Gästen Ziele und Vorhaben für das neue Jahr vor. Das Motto "Die Besten gewinnen und halten".

Rede zum Neujahrsempfang 2011 "Die Besten gewinnen und halten"

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie zu unserem Neujahrsempfang begrüßen zu dürfen, auch im Namen der zahlreich versammelten Vorstände unserer Helmholtz-Zentren. Wie immer haben wir diese Veranstaltung im Wesentlichen so geplant, dass nicht ich rede, sondern Sie, und zwar mit uns und miteinander. Als Auftakt möchte ich ‚in einem akademischen Viertel‘, nicht länger, die für Helmholtz wichtigsten Themen und Ziele des Jahres benennen.

Dies sind in Kurzform:

  • Die Mission Helmholtz leben
  • Strategische Partnerschaften von Helmholtz ausbauen
  • Talente für Helmholtz gewinnen, halten und fördern.

Zu Punkt 1:

Die Mission leben: Dazu gehört auch, dass wir uns immer wieder fragen, ob Anspruch und Realität eins sind; ob wir unsere Forschung konsequent auf die wichtigsten Ziele von Wissenschaft und Gesellschaft ausgerichtet haben. Der Portfolioprozess, ein Themenfindungsprozess, in dem wir unsere Forschungsstrategie reflektieren, wird deshalb weiterhin einen Schwerpunkt unserer Arbeit bilden: Stellen wir die richtigen Fragen? Machen wir die richtigen Dinge? Und machen wir das, was wir machen, richtig?

Weil Grundlagenforschung und Anwendung ein Paar sind, verstärken wir als Ergänzung dazu den Technologietransfer. Denn auch das ist unsere Mission: unsere Erkenntnisse so weiterzugeben und weiter zu entwickeln, dass sie praktisch nutzbar werden. Diesem Ziel dient unser neuer Validierungsfonds für mögliche Transferprojekte, der in diesem Jahr seine operative Arbeit aufnimmt.

Das zweite wichtige Thema, das uns weiter begleitet, sind die strategischen Partnerschaften mit Universitäten. Wir haben vor wenigen Tagen ein neues Helmholtz-Institut mit dem Schwerpunkt Elektrochemie und Batterieforschung auf dem Campus der Universität Ulm gegründet, das an das Karlsruher Institut für Technologie KIT angebunden ist. Wir werden weitere dauerhafte Strukturen für die Zusammenarbeit zwischen Helmholtz-Zentren und Universitäten schaffen, in fairer Partnerschaft und auf Augenhöhe. Unser großes Kooperationsprojekt in 2011 sind, passend zum Wissenschaftsjahr der Gesundheitsforschung, die in Gründung befindlichen Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung.

Das dritte Thema, das ich für wesentlich halte und das ich im Folgenden etwas ausführen will, ist das Thema Talentmanagement. Es ist die Frage, wie wir die geeignetsten und besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen gewinnen und halten können und wie wir die Menschen, die für Helmholtz arbeiten, am besten fördern. Es sind mittlerweile rund 30.000, die hervorragende Arbeit leisten – dafür möchte ich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an dieser Stelle danken, auch im Namen meiner Vorstandskollegen!

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in jeder Art von Organisation ein wichtiger Erfolgsfaktor. Für eine Forschungsorganisation sind „kreative Köpfe“ entscheidend. In der Helmholtz-Gemeinschaft sind sie außerdem die Voraussetzung für die Erfüllung unserer besonderen strategischen Mission. Das ist der Grund, weshalb wir Menschen brauchen, die sich nicht nur mit den Besten ihrer Zunft messen wollen und können, sondern außerdem bereit sind, sich in den Dienst der Forschungsziele der Gesellschaft zu stellen, die Probleme zu lösen, die für unsere Zukunft entscheidend sind; und dafür Teil von großen, interdisziplinären Teams zu werden.

Was können wir diesen Menschen bieten? Um gute Leute zu gewinnen und zu halten, braucht man für gewöhnlich drei Dinge:

Die richtigen Anreize – das betrifft sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Arbeitsinhalte,

  • Verlässliche Karriereperspektiven,
  • und gute Leute (die schon da sind!).

Beginnen wir mit den Anreizen, die wir als Arbeitgeber bieten können. Hier bleibt die öffentliche Diskussion oft bei den Rahmenbedingungen wie etwa Gehaltsfragen stecken – ein in öffentlichen Einrichtungen schwieriges Thema. Darüber dürfen wir aber die Inhalte nicht vergessen: Wer in der Wissenschaft arbeitet, hat oft ein großes intrinsisches Interesse an seiner Aufgabe. Was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter treibt, ist die wissenschaftliche Neugier; was sie reizt, sind ungelöste Herausforderungen. Kurzum: „Das Neue ist bei uns Programm“. So wird es uns auch gelingen, weiterhin hervorragende Forscherpersönlichkeiten an uns zu binden, aber auch einfallsreiche und tatkräftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im technisch-administrativen Bereich zu beschäftigen, die unsere wissenschaftlichen Abteilungen zu leistungsstarken Teams ergänzen.

Wir erhalten außerdem zunehmend die Rückmeldung, dass gerade viele junge Menschen es wichtig finden, mit dem was sie beruflich tun einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Sie entscheiden sich deshalb bewusst dafür, an den großen Zukunftsfragen zu arbeiten. Wir sollten nicht unterschätzen, welche Bedeutung Werte und Wertvorstellungen für die Motivation von Menschen haben.

Wichtig ist auch, dass wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Perspektiven bieten. Damit sind wir beim zweiten Punkt. Das beginnt bei unseren fast 5000 Doktorandinnen und Doktoranden, die das Rückgrat unserer Forschung bilden. Diese jungen Leute müssen wir hegen und pflegen, auch vor dem Hintergrund des zunehmenden internationalen Wettbewerbs um Nachwuchskräfte. Dazu gehört eine angemessene Bezahlung und ein klarer Zeithorizont für die Promotionsarbeit selbst, der aus meiner Sicht bei drei Jahren liegen sollte.

Was mir mit Blick auf unsere Nachwuchskräfte auch sehr wichtig ist, sind die Qualifizierungsangebote, die wir in den Zentren und auf der Ebene der Gemeinschaft etabliert haben. Hierzu zählt z.B. die strukturierte Doktorandenausbildung. In unseren Graduiertenschulen und Kollegs erhalten unsere Promovierenden nicht nur einen verlässlichen Rahmen für ihre Arbeit, sondern auch Weiterbildungsangebote, die sie auf die Fortsetzung ihrer Karriere innerhalb und außerhalb der Wissenschaft gut vorbereiten.

Für diejenigen, die in Wissenschaft oder Administration in ihrer weiteren Laufbahn Führungsverantwortung übernehmen, haben wir die Helmholtz-Akademie für Führungskräfte geschaffen. In diesem Jahr werden rund 170 Teilnehmer die Akademie durchlaufen und ich freue mich auf die neuen Ideen und Anregungen, die diese Menschen zurück an ihre Arbeitsplätze bringen. Parallel zur Akademie haben wir außerdem Mentoring- und Coachingangebote etabliert, die unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in wichtigen Karrierephasen begleiten.

Eine ernstgemeinte Personalentwicklung beinhaltet, dass man den Menschen die Verantwortung auch tatsächlich anvertraut, für die man sie qualifiziert. Ich bin deshalb sehr dafür, auch den jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern klare Karrierepfade und berufliche Perspektiven in der Forschung aufzuzeigen. Die tenure option für unsere besten Nachwuchswissenschaftlerinnen und –Wissenschaftler ist ein solches Angebot, das sehr gut ankommt!

Wenn wir als Arbeitgeber Talentmanagement ernst nehmen, ist die dritte Voraussetzung für erfolgreiche Rekrutierung automatisch erfüllt: nämlich ‚Zugpferde‘ zu gewinnen, die weitere hervorragende Talente anziehen. Auf neudeutsch: ‚Smart people hire smart people‘, das ist Gemeingut.


Mir sind dabei noch zwei Aspekte wichtig:
Erstens: Wir müssen beim Rekrutieren von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stärker über den nationalen Tellerrand blicken. Das gilt für Helmholtz, aber das gilt auch für die deutsche Wissenschaftslandschaft insgesamt, in der im Mittel der Anteil ausländischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 10-15% beträgt. Da gibt es im Ausland noch viel ungehobenes Potential. Jetzt ist der Moment, hier zu handeln. Es ist eine beklagenswerte Tatsache, dass die Forschungsbudgets in wichtigen ausländischen Partnerländern sinken. Deutschland dagegen steht gut da: Bildung und Forschung genießen Priorität. Mit dem „Paket der Pakte“ aus Exzellenzinitiative, Hochschulpakt und dem Pakt für Forschung und Innovation haben wir Kontinuität, Stabilität und Aufwuchs. Dafür gebührt unser Dank unseren Zuwendungsgebern, allen voran natürlich dem Bund und Frau Bundesministerin Schavan sowie den Abgeordneten des Deutschen Bundestags, aber auch den Ländern und ihren Vertretern. Durch diese politische Prioritätensetzung hat das deutsche Wissenschaftssystem auch für Ausländer beträchtlich an Attraktivität gewonnen – für uns eine große Chance, noch internationaler bezüglich unserer Mitarbeiterschaft zu werden.

Ungenutzte Potentiale gibt es auch, was hoch qualifizierte Frauen anbelangt. Nach wie vor sind viel zu wenige von ihnen in Führungspositionen, auch in unserer  Organisation. Hier gilt es eine gesellschaftliche Aufgabe zu meistern, die außerdem unserer Forschungskultur gut tun wird: Denn Wissenschaft lebt davon, dass sich vielfältige Blickwinkel gegenseitig ergänzen. Wenn die Partizipation von Frauen hier hinter den Möglichkeiten zurückbliebe, wäre das nicht gut. Wir in der Helmholtz-Gemeinschaft haben deshalb Möglichkeiten mittels unseres Strategiefonds geschaffen, die aktive Rekrutierung von exzellenten Wissenschaftlerinnen auf Leitungsniveau mit zusätzlichen Ausstattungsmitteln in erheblichem Umfang zu belohnen. Ich bin zuversichtlich, dass die Helmholtz-Zentren hiervon intensiv Gebrauch machen werden.

Insgesamt lassen sie mich festhalten:
Die aktive und gezielte Suche nach geeigneten und besonders qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchten wir als Organisationskultur leben, und zwar auf allen Ebenen – vom Auszubildenden bis zum Vorstand, vom Doktoranden bis zur Spitzenwissenschaftlerin. Aufgrund unserer guten Ausgangslage ist jetzt der Moment, Helmholtz jünger, weiblicher und internationaler zu machen, und diese Chance wollen wir nutzen – unter dem Motto „People count“, auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommt es an.

2011 steht deshalb für Helmholtz im Zeichen einer Rekrutierungs- und Qualifizierungsoffensive, die ich als Präsident mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln nach Kräften unterstützen werde und für die ich auch bei unseren Partnern in der Politik nachdrücklich werben will.

Dank einer klaren politischen Prioritätensetzung wurde in den letzten Jahren viel bewegt, um Deutschland zu einem attraktiven Wissenschaftsstandort mit modernen Strukturen und gesicherten finanziellen Rahmenbedingungen zu machen. Jetzt in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren, krönt diese Anstrengungen. Denn die Stärke unseres Landes sind die „Köpfe“ – qualifizierte Menschen für qualifizierte Tätigkeiten. Unsere Talente sind unsere Zukunft!

Eines ist mir bei dieser Offensive noch sehr wichtig: Wir agieren nicht in Konkurrenz, sondern gemeinsam mit unseren Partnern im Wissenschaftssystem, vor allem an den Universitäten. Helmholtz ist nur stark, wenn die Universitäten stark sind! Von der Promotion bis zur Berufung von Spitzenwissenschaftlern gehen wir diesen Weg deshalb zusammen. Die neuen Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung und die Exzellenzinitiative II werden in diesem Jahr weitere Impulse für die Zusammenarbeit zwischen Helmholtz und den Universitäten geben, und diesen Schwung werden wir nutzen – zum Besten beider Seiten und zum Besten des deutschen Wissenschaftssystems.

Die Themen Kooperation und Talente werden uns also ganz sicher das Jahr über begleiten. Vielleicht werden Sie ja schon heute Abend in diesem Sinne weitere Gespräche führen. Davon will ich Sie nun nicht länger abhalten. Das Signal für den kommunikativen Teil des Abends wird gleich unser neuer Helmholtz-Klingelton geben. Den können Sie sich auf unserer Webseite auch für Ihr Telefon besorgen und damit eine akustische Erkennungsmarke setzen, mit der Sie Teil der Gemeinschaft werden.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend und alles Gute für das Jahr, das vor uns liegt – schön, dass Sie heute Abend bei uns sind!

Kontakt

Korinna Strobel neu 100x100

Dr. Korinna Strobel

Referentin Strategie und Chancengleichheit

Helmholtz-Gemeinschaft

Geschäftsstelle Berlin
Anna-Louisa-Karsch-Straße 2
10178 Berlin

Telefon: +49 30 206 329-19
Fax: +49 30 206329-65
korinna.strobel (at) helmholtz.de


11.06.2013