Helmholtz-Gemeinschaft

25. Januar 2010 Helmholtz-Geschäftsstelle

Auf dem Neujahrsempfang stellte der Präsident, Prof. Dr. Jürgen Mlynek, den Gästen Ziele und Vorhaben für das Jahr 2010 und die neue Gesamtstrategie der Helmholtz-Gemeinschaft vor. Der Empfang fand im Spree-Palais am 25.1.2010 statt.

Rede zum Neujahrsempfang 2010

Es gilt das gesprochene Wort

Meine sehr verehrten Damen und Herren Staatssekretäre,
sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

schön, meine Damen und Herren, dass Sie heute bei uns sind. Ich freue mich auch, dass so viele Gäste gekommen sind und möchte sie herzlich begrüßen hier in Berlin, bei uns im Spree-Palais, auch im Namen der Kolleginnen und Kollegen aus den Vorständen unserer 16 Helmholtz-Zentren. Alles Gute für das Neue Jahr.

Sie sind, denke ich, heute Abend zu uns gekommen, um Kolleginnen und Kollegen zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen, und vielleicht auch gemeinsame Pläne für das neue Jahr zu diskutieren. Das ist der Hauptzweck der Zusammenkunft heute Abend, und von daher will ich mich auch mit meiner Begrüßung kurz fassen.

Sie wissen ja, im Allgemeinen ist die Ankündigung, sich kurz zu fassen, ein schlechtes Omen, weil es dann doch länger wird, was mich an diese kleine Anekdote erinnert von dem Chef und seiner Sekretärin, wo er zu ihr sagt: Also, gestern Abend hat mein Vortrag doppelt so lange gedauert wie geplant. Worauf sie sagt, das tut mir wirklich leid, Chef, ich habe Ihnen das Redemanuskript aus Versehen doppelt mitgegeben.

Ich hoffe also, dass ich Wiederholungen vermeide, obwohl Sie auch diese Weisheit kennen, dass der Vater der Rhetorik das Bildhafte ist und die Mutter der Rhetorik die Wiederholung.

Zur Sache:
2009 war in vielerlei Hinsicht ein Jubiläumsjahr, auch wissenschaftlich gesehen. Insbesondere Darwin und sein vor 150 Jahren veröffentlichtes Buch über den Ursprung der Arten wird in Erinnerung bleiben. Das Darwin-Jahr geht zu Ende, das Jahr der Energie beginnt. Wie hängt das zusammen? Die Zeitschrift Science, die viele von Ihnen lesen oder vielleicht durchblättern, wählt jedes Jahr die 10 wichtigsten wissenschaftlichen Durchbrüche aus. Nummer 1 im Jahre 2009, mit Titelbild, war Ardi. Die Spezies heißt Ardipithecus Ramidus, übrigens eine Dame, ein Hominide, 4,4 Millionen Jahre alt. Zum Vergleich: Die Erde ist 1000 mal älter und  
4 Milliarden Jahre alt. Auch die Zukunft der Erde kennen wir. In rund 400 Millionen Jahren wird die Erde verschwunden sein, verschlungen von der zum roten Riesen ausgedehnten Sonne.

Das erinnert mich an den Witz von den zwei Planeten, die sich treffen und miteinander ins Gespräch kommen. Der eine sagt, wie geht’s dir denn so, und der andere sagt, na ja, nicht so besonders. Und sein Freund fragt, ja, was ist denn los, und da sagt er, ich habe Homo Sapiens. Ach, meint sein Planetenfreund, mach dir nichts draus, die kommen und gehen.

Die Schlussfolgerung: Der Mensch, ein Zufallsprodukt der Evolution durch natürliche Selektion. Der Mensch, im kosmologischen Maßstab nur eine Episode. Beides keine so richtig guten Botschaften zum neuen Jahr, aber beides Ergebnisse wissenschaftlicher Erkenntnisse eben dieses Homo Sapiens.

Mich lehrt das zweierlei: Erstens Demut vor der Natur, wir können nicht alles kontrollieren. Das furchtbare Erdbeben auf Haiti ist ein aktuelles Beispiel dafür. Und zweitens, wir leben hier und heute, und noch viele Generationen. Die Erde ist ein wunderbarer Planet, wir müssen ihn hegen und pflegen, um ihn bewohnbar zu halten für uns und unsere Kinder. Und dazu müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun.

Und hier, meine Damen und Herren, ist ein Wendepunkt erreicht. Wir, als Spezies Mensch, sind dabei, in die natürlichen Prozesse des Lebens und unseres Planeten einzugreifen und sie zu verändern. Für mich ist das die entscheidende intellektuelle Erkenntnis des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts. Und darauf müssen wir reagieren.

Denn das Prinzip der Evolution sagt: , nur die Art wird sich weiterentwickeln, die sich auf veränderte Lebensbedingungen einstellt. Und damit komme ich wieder vom Darwin-Jubiläumsjahr zum Wissenschaftsjahr der Energie und dem Helmholtz-Motto für 2010, „Mit Energie in die Zukunft“. Hier stehen wir vor zwei großen Herausforderungen: den Klimawandel bewältigen und die Energieversorgung sichern. Beides hängt zusammen.

Einige Bemerkungen zum Thema Energie. Die Energieforschung, meine Damen und Herren, ist ein zentrales Helmholtz-Thema. Einige der grundsätzlichsten Aussagen zu Energie überhaupt sind von unserem Namensgeber, Hermann von Helmholtz, schon vor rund 150 Jahren getroffen worden. Und er hatte schon damals zwei wichtige Botschaften für uns. Erstens, Energie geht nicht verloren, und zweitens, Zitat: „Alles Leben und alle Bewegung auf unserer Erde wird, mit wenigen Ausnahmen, unterhalten durch eine einzige Triebkraft, die der Sonnenstrahlen, welche uns Licht und Wärme bringt.“ Aktueller, wenn man über Energie spricht, geht es eigentlich nicht. Helmholtz nannte dies den immensen Kraftvorrat der Natur.

Energieforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft nimmt die Herausforderung an, diesen Kraftvorrat der Natur möglichst umfassend für uns nutzbar zu machen. Allerdings glauben wir nicht, dass es eine einzelne Technologie sein wird, die alle Probleme für uns auf einen Schlag löst. Deshalb verfolgen wir einen breiten Forschungsansatz, der von den erneuerbaren Energien bis zur Kernfusion reicht. Wir beschränken uns nicht auf bestimmte Technologien, sondern denken von den Aufgaben her. Und das sind Stromversorgung, Mobilität, Wärme- und Kälteversorgung. Wobei die Kälteversorgung die letzten Tage, und auch heute, in Berlin nicht wirklich ein Problem ist.

Dazu haben wir ein Papier mit Empfehlungen erstellt, „Eckpunkte und Leitlinien zur Weiterentwicklung der Energieforschungspolitik der Bundesregierung“. Ich halte das mal hoch, nach dem Motto, tu was Gutes und sprich darüber. Sie dürfen sich dieses Positionspapier, wenn Sie nachher nach Hause gehen, gerne mitnehmen. Und wir haben noch etwas getan. Wir haben zusammen mit der Wilhelm und Else-Heraeus-Stiftung ein Büchlein aufgelegt zum Klimathema mit dem Untertitel, die Erde und ihre Atmosphäre im Wandel der Zeiten, allgemeinverständlich geschrieben. Auch das dürfen Sie sich nachher mit nach Hause nehmen.

Zurück zur Energieforschung  bei Helmholtz und in Deutschland. Drei Punkte sind mir wichtig. Erstens: Energieforschung ist eine strategische Aufgabe im nationalen Interesse. Zweitens: Wir brauchen eine Energieforschungspolitik aus einem Guss, über die Ressortgrenzen hinweg. Und drittens: Wissenschaft, Wirtschaft und Politik müssen ihre Stärken bündeln nach dem Motto, gemeinsam sind wir stärker.

Und, meine Damen und Herren, die Bereitstellung sauberer und günstiger Energie ist das Mann-auf-dem-Mond-Projekt der nächsten Jahrzehnte. Nur groß denken und groß handeln bringt uns hier weiter. Und, ich meine, Deutschland sollte den Ehrgeiz haben, hierbei die Führerschaft in Forschung und Technologie anzustreben. Wir können das, wenn wir wollen. Und noch etwas: Wir brauchen in der Energieforschung auch neuartige Ansätze  nach dem Motto, hohes Risiko, hoher Ertrag. Und das heißt, verstärkte Grundlagenforschung. Denn eines muss klar sein, die sogenannte große Transformation in ein neues Energiezeitalter werden wir mit inkrementellen Verbesserungen an bestehenden Lösungen, so wichtig diese auch sind, nicht bewältigen. Die notwendigen Effizienzsteigerungen von einem Faktor 5 bis 10 schaffen wir nur durch neue Durchbrüche in der Forschung. Diese Herausforderung nehmen wir in der Helmholtz-Gemeinschaft an.

Wenn es um das Thema Energie geht, meine Damen und Herren, folgen wir der Devise: Der sicherste Weg, die Zukunft vorauszusagen ist, sie selbst zu erfinden! Und indem wir das tun, legen wir nicht nur die Grundlage für zukünftiges Wachstum, sondern bieten auch Tausenden Menschen Qualifikation und Beschäftigung.

Damit bin ich am Schluss und möchte mich bedanken bei Ihnen, liebe Gäste, dass Sie so zahlreich gekommen sind heute Abend. Bedanken möchte ich mich aber auch bei all denjenigen, die Helmholtz in vielerlei Hinsicht unterstützen, ob als Zuwendungsgeber aus der Politik, aus Bund und den Ländern und als Abgeordnete des Deutschen Bundestages, ob als Kooperationspartner in Wissenschaft und Wirtschaft oder als Gesprächspartner und Ratgeber.

Nutzen Sie also die nächsten Stunden für interessante Gespräche unter dem Motto, „Mit Energie in das neue Jahr, mit Energie in die Zukunft“.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

11.06.2013