Helmholtz-Gemeinschaft

27. August 2010 Helmholtz-Geschäftsstelle

Professor Jürgen Mlynek sitzt dem KIT Aufsichtsrat vor. Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft erwartet, dass das KIT den Studierenden eine einmalige Kombination von Forschung und Lehre bietet. Klaus Rümmele hat sich mit ihm unterhalten.

Interview zum Karslruher Institut für Technolgie: "Am Puls der Forschung"

Professor Jürgen Mlynek sitzt dem KIT Aufsichtsrat vor. Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft erwartet, dass das KIT den Studierenden eine einmalige Kombination von Forschung und Lehre bietet.

Wie muss sich das KIT entwickeln, um an die Weltspitze zu kommen?

Ganz entscheidend ist das Personal. KIT muss ein attraktiver Ort sein, über den die besten Köpfe in der Welt sagen, hier möchten wir forschen und lehren. Das wissenschaftliche Umfeld am KIT muss ihnen optimale Bedingungen bieten. Zugleich muss KIT für die Studierenden ein attraktiver Ort sein. In den USA zielt eine der ersten Fragen von Kollegen, die Angebote bekommen, von einer Universität zur anderen zu wechseln, auf die Qualität der Studierenden, weil sie ganz entscheidend nicht nur Lehre, sondern auch Forschung mitbestimmt. Deshalb muss es das Ziel des KIT sein, dass  Studierende, die Karlsruhe verlassen, begeistert sind und dankbar für eine großartige Zeit an einer Bildungsinstitution, die sie fit gemacht hat für ihre berufliche Laufbahn. Ich wünsche mir, dass sich eine Alumni-Kultur entwickelt aus dem Gefühl der Ehemaligen heraus, der Institution KIT etwas zu schulden.

Könnte dabei die sehr enge Verschränkung zwischen einer Großforschungseinrichtung und einer Universität im KIT auch ein Vorreiter sein, weil sie darauf setzt, den Studierenden schnell und früh Zugang zur Forschung im Großforschungsbereich zu eröffnen?

Das ist meine Erwartung. Auch die Studierenden müssen sagen: Das KIT ist für mich der richtige Ort, weil ich hier die Kombination von Lehre und Forschung erlebe wie an keiner anderen Einrichtung in Deutschland oder vielleicht auch nur in wenigen Einrichtungen weltweit. Ziel ist, dass sie nicht nur an
Forschung beteiligt sind im Labormaßstab, sondern auch an größeren oder sogar Großgeräten. Dabei werden die Studierenden auch viel schneller eingebettet in Teamarbeit im größeren Stil, in internationale Kooperationen. Das kann Karlsruhe als Studienort ungemein attraktiv machen.

Profitiert die Helmholtz-Gemeinschaft davon, dass jetzt auch 19.000 Studierende zu einer ihrer Einrichtungen gehören?

Der Großforschungsbereich in Karlsruhe wird durch KIT stärker als in der Vergangenheit  profitieren vom wissenschaftlichen Nachwuchs, von Projektarbeiten während des Studiums, Bachelor-/Masterarbeiten, Doktorarbeiten und auch Post-Doktoranden-Aktivitäten.

Ein Charakteristikum des KIT soll sein, dass junge Forscherinnen und Forscher, die bis jetzt am Forschungszentrum nahezu ausschließlich in der Forschung tätig waren, Zugang zur Lehre haben. Wird das die Perspektiven des Nachwuchses für seine weitere Karriere verbessern?

Das kommt darauf an, was die jüngeren Kolleginnen und Kollegen letztlich wollen. Es müssen ja nicht alle in der Wissenschaft bleiben. Grundsätzlich habe ich immer das Zusammenspiel von Lehre und Forschung als großes Glück empfunden, weil viele gute Ideen, die ich in der Forschung hatte, aus  Lehrveranstaltungen, gerade Anfängervorlesungen, entstanden sind, wo grundlegende Fragen immer  wieder und neu gestellt werden. Andererseits kann Spitzenforschung die Lehre ungemein bereichern, weil es junge Leute begeistert, an aktuellste Forschung herangeführt zu werden. KIT sollte Forschern, die vom Helmholtz-Zentrum kommen, Möglichkeiten eröffnen, in der Lehre zu wirken. Der Reiz für die Universitätskollegen dürfte sein, über Kooperation und direkte Teilhabe stärker auf Aktivitäten in der Helmholtz-Forschung zugreifen zu können. So kann es einen gesunden Interessenausgleich geben, von
dem am Ende, das ist ein entscheidender Punkt, auch die Lernenden, die Studierenden, profitieren können. 

Das Interview führte Klaus Rümmele und ist erschienen in clicKIT Ausgabe 2010.2

12.01.2013