Helmholtz-Gemeinschaft

17. September 2009 Helmholtz-Geschäftsstelle

Rede von Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft anlässlich der Jahrestagung der Helmholtz-Gemeinschaft 2009 unter dem dem Leitspruch "Große Fragen, große Forschung".

Rede zur Jahrestagung 2009 der Helmholtz-Gemeinschaft

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Damen und Herren,

in diesem Jahr steht unser Jahrestreffen unter dem Leitspruch ‚Große Fragen, große Forschung’. Wissenschaft wird aus großen Fragen geboren und stellt unaufhörlich neue Fragen. Auch heute, im beginnenden 21. Jahrhundert, sind noch längst nicht alle großen Fragen beantwortet. Woraus besteht das Universum? Was ist der Ursprung der Masse? Was passiert im Erdkern? Werden Computer eines Tages intelligenter sein als Menschen? Und: Warum sind wir nicht unsterblich?

Hinter unserem Wunsch, diese Fragen zu beantworten, steckt mehr als bloße Neugier. Erkenntnis ist auch der Schlüssel zur Bewältigung vieler großer Herausforderungen, vor denen wir als Gesellschaft stehen. Wie erhalten wir unsere Lebensgrundlagen? Wie können wir Krankheiten besiegen? Wie versorgen wir uns in Zukunft mit Energie?

Für die Menschen sind nicht Technik und Wissenschaft an sich wichtig, sondern ihr Nutzen. Es ist die Aufgabe der Helmholtz-Gemeinschaft, Nutzen und Wissen gleichzeitig zu mehren.

Ich möchte Ihnen heute Abend zeigen, wie wir das tun und wo unsere Stärken liegen. Und ich möchte im zweiten Teil der Rede auf die Partner zu sprechen kommen, die diesen Weg mit uns gehen.

 
Lassen Sie mich daher mit einigen aktuellen Beispielen aus unserer Forschung beginnen, die unsere Stärken unter Beweis stellen:

Im Februar diesen Jahres haben wir die neue Antarktisstation des Alfred-Wegener-Instituts eröffnet. Wir sind sehr stolz auf diese technische Meisterleistung, die über zwei antarktische Sommer hinweg in insgesamt nur sieben Monaten errichtet worden ist und dank ihrer Konstruktion in der Lage ist, sich immer wieder selbst über die wachsenden Eismassen zu erheben. Die Station Neumayer III ist nicht nur ein wichtiger Ausgangspunkt für wissenschaftliche Expeditionen. Sie ist auch ein Observatorium, um Messreihen des Erdmagnetfelds, der Strahlung und einer Reihe von klimawirksamen Gasen fortzuschreiben und um die Veränderungen im sensiblen Ökosystem am Pol zu beobachten. Die Neumayer-Station fühlt den Puls des Planeten da, wo seine Haut am dünnsten ist.

Dieses Wissen über unsere Erde wäre dennoch lückenhaft ohne den Blick aus dem All. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt betreibt eine Satellitenflotte, deren jüngster Erdbeobachtungssatellit TerraSAR-X mit einem schwenkbaren Radarsensor ausgestattet ist. Der Satellit umrundet die Erde in einer Höhe von 514 Kilometern auf einer polaren Umlaufbahn und liefert unabhängig von Wetterbedingungen, Wolkenbedeckung und Tageslicht Radardaten mit einer Auflösung von bis zu einem Meter. Realisiert wurde das Projekt übrigens in einer Public-Private Partnership zwischen dem BMBF, dem DLR und der Astrium GmbH.

Ende 2009 wird mit TanDEM-X ein Zwillingssatellit starten. Sie sehen in dieser Graphik, wie TanDEM X im Formationsflug zusammen mit TerraSAR arbeiten wird, um ein präzises digitales Höhenmodell der Erdoberfläche zu erstellen. Damit beginnt eine neue Vermessung der Welt, die innerhalb von nur drei Jahren die gesamte Landfläche der Erde erfassen wird, und das sind über 150 Millionen Quadratkilometer.

Satellitenbilder zeigen uns die großen Linien. Manche großen Fragen lassen sich aber nur durch Einblicke in die kleinen und kleinsten Strukturen beantworten. Am DESY in Hamburg geht in den nächsten Monaten eine neue Lichtquelle in den regulären Nutzerbetrieb, die hochbrillante Röntgenstrahlung bis über 100 Kiloelektronenvolt erzeugt. Die neue Strahlungsquelle PETRA III erlaubt es, auch extrem kleine Materialproben zu untersuchen und Bilder von der Anordnung ihrer Atome zu erhalten. Diese Einblicke werden es uns beispielsweise erlauben, die Struktur von Proteinen genau zu erkunden und damit Ansatzpunkte für die Wirkung von Medikamenten viel präziser zu bestimmen.

PETRA wurde ursprünglich für die Teilchenphysik errichtet. Unsere Bilder zeigen die Experimentierhalle nach dem Umbau und den 2,3km langen Speicherring zusammen mit FLASH, einem bereits laufenden kleinen Freien Elektronen Laser und dem im Bau befindlichen Europäischen Röntgenlaser XFEL, über den wir im „Science Talk“ noch mehr hören werden.

Diese neue Anlage wird einzigartige experimentelle Möglichkeiten am Standort Hamburg bieten.

Das DESY, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, vollzieht mit diesen neuen Infrastrukturen eine gelungene Neuausrichtung von der Teilchenphysik auf die Forschung mit Photonen, genauer Röntgenlicht. DESY erfindet sich damit in gewisser Weise neu – ein eindrucksvolles Beispiel für die Dynamik in unseren Helmholtz-Zentren!

Dass Messungen aus dem Forschungsbereich Struktur der Materie nicht ohne große Rechnerkapazitäten auswertbar sind, liegt auf der Hand. Die Leistung des Hochleistungsrechnens oder Supercomputings für die Wissenschaft geht aber weit über die Unterstützung der empirischen Forschung hinaus. Die Empirie macht erfahrbar, was ist; Simulation und Modellierung geben uns darüber hinaus eine Vorstellung davon, wie sich Systeme in Abhängigkeit von ihren wesentlichen Größen verändern. Das Forschungszentrum Jülich hat sich als europäisches Zentrum dieser neuen Schlüsseltechnologie positioniert. Im Mai fiel der Startschuss für JUGENE, den ersten europäischen Petaflop-Rechner. JUGENE vollzieht damit etwa eine Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde - das entspricht der Rechenleistung von rund 25 000 PCs.

Die rund 72 000 Prozessoren des neuen Supercomputers finden in 72 wassergekühlten Schränken Platz, die Sie hier im Bild sehen. Ich freue mich, dass Prof. Lippert und Prof. Wolf uns später im Gespräch Einblicke in ihre Arbeit am Jülicher Supercomputing Zentrum geben werden.

Einer der Anwendungsbereiche der Jülicher Simulationswissenschaft ist auch die Fusionsforschung, deren wichtigste deutsche Experimentieranlage Asdex upgrade in Garching bei München mit ihrem torusförmigen Inneren hier zu sehen ist. Die Kernfusion ist die natürliche Energiequelle der Sterne und damit auch unserer Sonne. Diese Kraft auf der Erde nutzbar zu machen ist ein Menschheitstraum, denn die Kernfusion wäre eine saubere Energiequelle mit nahezu unbegrenzten Brennstoffressourcen. Als man vor rund 50 Jahren mit der Fusionsforschung begann dachte man, dass diese Art der Stromerzeugung um die Jahrtausendwende längst Realität sein würde. Die Geschichte der Fusionsforschung hat uns Respekt vor der Größe der damit verbundenen Herausforderungen gelehrt. Aber die sie hat uns eben auch bewiesen, dass die technologischen Hürden nicht unüberwindlich sind.

Spätestens seit der Mondlandung vor 40 Jahren wissen wir, dass wir große technologische Herausforderungen nur mit entsprechend großem Ressourceneinsatz meistern können. Deshalb meine ich: Wenn es auch heute noch so etwas wie ‚Man on the moon’ Projekte gibt, dann gehört die Kernfusion dazu, auch wenn der Weg zum Ziel noch lang sein mag. Der internationale Testreaktor ITER, der sich in Cadarache in Südfrankreich im Bau befindet, und das zu Helmholtz gehörende Stellarator-Experiment Wendelstein 7 X  in Greifswald, dessen Plasmagefäß Sie hier im Bild sehen, sind auf diesem Weg sicher nicht die letzten Schritte.

Auf anderen Gebieten der Energieerzeugung ist es uns schon gelungen, die Kraft der Sonne in Strom zu verwandeln. Am ersten Juli wurde das solarthermische Kraftwerk Andasol 1 in der spanischen Provinz Granada offiziell eingeweiht. Andasol ist keine Forschungsanlage, sondern ein kommerzielles Kraftwerk, an dem sich zeigt, wie vielfältig die Beiträge sein können, die die Wissenschaft zur Wertschöpfung leistet: Forscher des DLR haben nicht nur im Vorfeld die Entwicklung der Kollektortechnologie unterstützt, sondern auch mit Hilfe von Satellitendaten die Eignung des Standorts überprüft.

Ich bin gespannt auf die nächsten Schritte des von Wirtschaftsunternehmen initiierten Desertec-Konsortiums, das diese Technologie für den Import von Strom aus Nordafrika nutzen will. Das Kraftwerk Andasol 1 jedenfalls liefert mit seinen 600 Parabolrinnen-Kollektoren Strom für annähernd 200.000 Menschen.

200.000 Menschen – das entspricht der Einwohnerzahl einer Großstadt wie Mainz oder Rostock. Und es entspricht der Menge an Probanden, die wir im Rahmen der Helmholtz-Kohorten-Studie regelmäßig untersuchen wollen. Denn unser heutiges Wissen über die Ursachen von Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder Demenz ist Stückwerk. Es nützt uns nichts zu wissen, welche Anzahl der heute hier versammelten 700 Menschen rein statistisch gesehen ein erhöhtes Risiko hat, an Alzheimer zu erkranken. Wenn wir etwas dagegen unternehmen wollen, müssen wir wissen, wen es treffen kann und warum.
In der Kohortenstudie werden wir deshalb gesunde Probanden über mindestens ein Jahrzehnt in ihrer gesundheitlichen Entwicklung begleiten und immer wieder gründlich durch Befragung, Blutproben und mittels bildgebender Verfahren untersuchen. Erst dann können wir herausfinden, welchen Einfluss genetische Veranlagung, Lebensstil und Umwelteinflüsse tatsächlich auf unsere Gesundheit haben und wie sie zusammenwirken.

Auch über die Helmholtz-Kohorte werden wir im Anschluss von den Kollegen noch Genaueres erfahren. Für mich ist sie ein gutes Beispiel dafür, welche Gewichtsklasse von Forschungsthemen wir uns vornehmen.

Helmholtz-Themen sind Themen, für deren Erforschung man einen langen Atem haben muss. Es sind Fragen, die so grundsätzlich sind, dass wir viele Menschen und Mittel auf der Suche nach Antworten in Bewegung setzen. Und es sind Vorhaben jenseits des Labormaßstabs, für die wir die  forschungsnotwendige Infrastruktur nicht selten völlig neu erschaffen müssen.

Wir in der Helmholtz-Gemeinschaft sind durch diesen Forschungsansatz zu Spezialisten für große wissenschaftliche Infrastrukturen geworden. Als Planer, Erbauer und Betreiber international attraktiver Großgeräte wie Beschleuniger, Synchrotrons, Laser, Forschungsschiffe, Flugzeuge oder Satelliten schaffen wir einen Mehrwert für das deutsche Forschungssystem, von dem jährlich tausende Nutzer unserer Anlagen sehr direkt profitieren. Konkret betreibt die Helmholtz-Gemeinschaft insgesamt 25 große Forschungsinfrastrukturen, die für mehr als die Hälfte ihrer Betriebszeit tausenden von externen Forschern aus dem In- und Ausland zur Verfügung stehen.

Dennoch sind unsere Leistungen im Forschungsmanagement und im Bau und Betrieb von Großgeräten kein Selbstzweck. Wir betreiben damit Forschung, die unser Wissen über fundamentale Naturphänomene vergrößert und Zukunftsvorsorge für Deutschland leistet. Das ist unsere Aufgabe.

Im Zusammenhang mit dieser Mission sind der Helmholtz-Gemeinschaft zusätzliche Aufgaben seitens der Politik anvertraut worden, worüber ich mich sehr freue. Jüngstes Beispiel ist die Gründung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder allgemein gesprochen Demenz. Dieses neue Zentrum stellt seine Arbeit in den Dienst der geistigen Gesundheit im Alter.

Außerdem haben wir durch die Fusion des Synchrotrons Bessy in Berlin-Adlershof mit dem Helmholtz-Zentrum Berlin und durch das neue Helmholtz-Institut für Laser und Beschleuniger in Jena unsere Präsenz in den neuen Bundesländern verstärkt, was mich im 20. Jahr nach dem Mauerfall besonders freut. 2011 werden wir durch die Aufnahme des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf  in die Helmholtz-Gemeinschaft diese Entwicklung fortsetzen.

 

Was wir brauchen, um all diese Aufgaben auch in Zukunft zu erfüllen, ist eine Entwicklung unserer Ressourcen, die damit Schritt hält. Wir brauchen eine kontinuierliche Unterstützung, wie sie im Laufe der letzten vier Jahre durch den Budgetaufwuchs im Rahmen des Pakts für Forschung und Innovation geleistet worden ist. Für diese Unterstützung gilt Bund und Ländern unser Dank.

 

Wir alle waren sehr erleichtert über die politische Entscheidung im Juni zur Fortsetzung des Pakts für Forschung und Innovation ab 2011 im „Paket der Pakte“.

Ein jährlicher Budgetzuwachs von 5% für die deutschen Forschungsorganisationen für weitere 5 Jahre ist ein großes Versprechen. Meine eindringliche Bitte an unsere Partner in der Politik ist nun, an dieser Selbstverpflichtung des Pakts festzuhalten, auch wenn die gesamtwirtschaftlichen Umstände in der nächsten Legislaturperiode widrig sein mögen. Sie tätigen damit Investitionen in die Zukunft mit hoher Rendite.

 

Wir nehmen unsererseits unsere Pflicht als Partner des Paktes sehr ernst. Uns werden bedeutende Ressourcen anvertraut, und wir müssen dieses Vertrauen mit überzeugenden Leistungen rechtfertigen. Dabei kommen wir immer wieder auf die alte Frage zurück: Machen wir überhaupt die richtigen Dinge, und wenn ja, machen wir sie richtig?

Wir stellen deshalb alle fünf Jahre unsere Leistungsfähigkeit im Rahmen einer Evaluation aller unserer Forschungsaktivitäten auf den Prüfstand. Dass unsere Grundfinanzierung in Abhängigkeit von den Begutachtungsergebnissen zugeschnitten wird beweist, dass es uns mit dieser Evaluierung ernst ist und zwingt uns, schon im Vorfeld Prioritäten und Posterioritäten zu setzen. Dieses Verfahren ist die Programmorientierte Förderung. Wir haben in den Jahren 2008 und 2009 die zweite derartige Evaluierungsrunde aller sechs Forschungsbereiche absolviert und über 380 internationale Fachgutachter um eine Einschätzung unserer Leistungen und Pläne im Hinblick auf wissenschaftliche Qualität und strategische Relevanz gebeten. Ihnen und allen, die an diesen Begutachtungen mitgewirkt haben, gilt an dieser Stelle mein besonderer Dank.

 

Vor allem aber freue ich mich über die hervorragenden Ergebnisse dieser Evaluation. Es ist gut, von unabhängiger Seite darin bestätigt zu werden, dass wir offenbar die richtigen Dinge richtig machen. Die Begutachtung hat uns außerdem Impulse gegeben, wo wir unsere Stärken strategisch ausbauen können. Sowohl die Bündelung unserer klimarelevanten Forschung in der Helmholtz-Klima-Initiative als auch die Helmholtz-Kohorte sind Initiativen, die auf die Begutachtungsergebnisse zurückgehen.

 

Es ist eine Besonderheit unseres Evaluationsverfahrens, dass es nicht nur die Qualität unserer Leistungen, sondern auch die unserer Planungen in den Blick nimmt. Der Planungshorizont, den wir dabei betrachten, sind jeweils die nächsten fünf Jahre. Unsere Mission zwingt uns aber, über diesen mittelfristigen Zeithorizont hinauszudenken. Wir wollen sicher gehen, dass wir auch in zehn, fünfzehn und 20 Jahren ‚die richtigen Dinge tun’, und das heißt: einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten werden. Die Helmholtz-Gemeinschaft stößt deshalb einen Portfolio- und Foresight-Prozess an, der unsere gegenwärtigen Stärken abgleicht mit möglichen zukünftigen Anforderungen an unsere Forschung und uns so hilft, unsere Organisation weiter zu entwickeln. Welche Forschungsinfrastrukturen wir dafür in Zukunft planen und bauen müssen, werden wir dabei bewusst in unsere Überlegungen einbeziehen. Denn gerade in diesem Bereich gilt: Der sicherste Weg, die Zukunft vorauszusagen ist, sie selbst zu erfinden!



Dieses Nachdenken über die Zukunft unserer Organisation ist kein Selbstgespräch. Denn eines ist klar: Die großen Fragen von Morgen formulieren wir nicht allein. Als größte deutsche Forschungsorganisation mit dem Auftrag der Zukunftsvorsorge  stehen wir in der Verantwortung, unsere Kraft auf Herausforderungen zu richten, die unsere Gesellschaft als Ganzes betreffen. Die Bedürfnisse der Gesellschaft in den Blick zu nehmen ist eine Aufgabe der Politik. Die Politik ist deshalb unser wichtigster Gesprächspartner, wenn es um die zukünftige strategische Ausrichtung unserer Forschung geht. Das steht nicht im Widerspruch zur Autonomie der Wissenschaft. Bei der Suche nach wissenschaftlicher Wahrheit gibt es keine Kompromisse – und diese Position ist auch nicht verhandelbar. Ob die sich aus dem Erkenntnisgewinn ergebenden Technologien aus der Sicht unserer Gesellschaft notwendig und akzeptiert sind, ist eine völlig andere Frage und ganz sicher keine, die allein die Wissenschaft beantworten kann.  Deshalb brauchen wir einen Dialog darüber, auf welche Themen wir uns als nationale Forschungsorganisation im Interesse der Allgemeinheit konzentrieren sollten. Wir können nicht allein über die gesellschaftliche Relevanz unserer Forschung urteilen, genauso wenig wie die Politik die wissenschaftliche Relevanz unseres Tuns bewerten kann.

Wir müssen also gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die großen Fragen identifizieren, die wir erforschen wollen. Und wir suchen auch die Antworten nicht allein, sondern gemeinsam mit unseren Partnern im Wissenschaftssystem.

Es gibt eine Weisheit, die lautet: Wenn Du schnell gehen willst, geh allein. Willst Du aber weit gehen, geh zusammen mit anderen. Wir wählen bewusst den zweiten Weg, denn das entspricht unserer Mission.

Unsere wichtigsten Partner sind dabei die Universitäten.

Die weitreichendste Symbiose zwischen einem Helmholtz-Zentrum und einer Universität wird ab dem ersten Oktober als eigene Rechtsperson Realität, und zwar in Gestalt des Karlsruher Instituts für Technologie, das über insgesamt 8 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein Budget von rund 700 Mio. Euro jährlich verfügen wird. Aber auch das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen setzt neue Maßstäbe in der Zusammenarbeit mit den Hochschulen: In Ergänzung zum Bonner Zentrum widmen sich sechs universitäre Partnerstandorte Spezialthemen wie den Grundlagen der Alzheimer-Krankheit in München, der Neuromodulation in Magdeburg oder auch der Pflegeforschung  in Witten-Herdecke.

Wir wollen auch zu anderen Themen nationale Konsortien zusammenführen, die die besten deutschen Forschungsinstitutionen auf einem Gebiet vereinen. Dabei sehen wir die Helmholtz-Gemeinschaft in einer besonderen Verantwortung in den Bereichen, die zentral für unsere Mission sind.

Aus unserer Sicht gilt das etwa im Gesundheitsbereich für große Forschungsinfrastrukturen wie die Kohorte und für die häufigsten Volkskrankheiten. Denn das sind Herausforderungen, für die wir im Dienst der nationalen Zukunftsvorsorge zuständig sind. Ich weiß, dass diese Rolle der Helmholtz-Gemeinschaft noch nicht überall Akzeptanz findet. Dieser Diskussion wollen wir uns stellen und Skeptiker zu Partnern machen.

 

Zählen sollten dabei nur die besten Argumente im Dienst an der Sache, und das heißt: im Dienst einer bestmöglich integrierten Forschungslandschaft mit sachgerecht verteilten Verantwortlichkeiten für Funktionen und Themen, in fairer Partnerschaft und auf gleicher Augenhöhe. Wir wollen dabei auch unsererseits konsequent sein und in Bereichen, die außerhalb unserer Schwerpunkte liegen, unsere Rolle als Teamspieler sehen. Nur mit dieser Haltung können wir gemeinsam Forschung betreiben, die die Zukunft unseres Landes und unserer Gesellschaft sichert.

Denn das ist es doch, was wir alle wollen, und wofür die Helmholtz-Gemeinschaft und ihre Partner stehen. Forschung zur Mehrung von Erkenntnis und Nutzen ist es, wofür auch Nobelpreise verliehen werden wie hier im Bild an den Helmholtz-Forscher Harald zur Hausen im letzten Jahr. Unser Wissen erweitern, unsere Lebensgrundlagen sichern; kurz: große Fragen stellen und beantworten, das ist unsere Mission, das ist Helmholtz!

Kontakt

Abteilung Kommunikation und Medien

Helmholtz-Gemeinschaft

Geschäftsstelle Berlin
Anna-Louisa-Karsch-Straße 2
10178 Berlin

Telefon: +49 30 206329-57
Fax: +49 30 206329-60
presse (at) helmholtz.de


12.06.2013