Helmholtz-Gemeinschaft

12. Juni 2009 Helmholtz-Geschäftsstelle

"Das Gesundheitsforschungsprogramm der Helmholtz-Zentren". Ein Vortrag des Präsidenten der Helmholtz-Gmeinschaft am Fakultätentag am ordentlichen Medizinischen Fakultätentag in Leipzig 12.6.2009.

Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Mlynek: "Das Gesundheitsforschungsprogramm der Helmholtz-Zentren"

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Einleitung           

Wir stehen in der Gesundheitsforschung vor immensen Herausforderungen. Eine immer weiter steigende Lebenserwartung und stetig zurückgehende Geburtenraten gehen einher mit einer Zunahme chronischer Alterserkrankungen, wie degenerative Erkrankungen des Nervensystems und des Skeletts, Krebs, Herz-Kreislauf und Stoffwechselerkrankungen, Lungenerkrankungen sowie chronische entzündliche Erkrankungen. Ein veränderter Lebenswandel, gekennzeichnet durch Überernährung und mangelnde Bewegung hat darüber hinaus besonders in den westlichen Ländern zu einem starken Anstieg von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes geführt. Durch die weltweite Mobilität schließlich wird die Ausbreitung von Infektionskrankheiten entscheidend begünstigt.

In folgenden mochte ich Ihnen darlegen, was sich die Helmholtz-Gemeinschaft  überlegt, wie sie mit diesen großen Herausforderungen umgeht und ihnen Teil zu signifikanten Fortschritten beitragen kann? Ich möchte ihnen zunächst einen Überblick über den Forschungsbereich Gesundheit geben und ihnen einen Eindruck vermitteln, wie gut unsere Zentren bezüglich der wichtigsten Volkskrankheiten aufgestellt sind. Etwas genauer möchte ich diejenigen Schwerpunkte darlegen, die wir mittelfristig als ganz besonders wichtige Ziele ansehen: die schnellere Umsetzung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung (Stichwort: Translationale Forschung) und die Stärkung der Präventiven Medizin (Stichwort: Helmholtz Kohorte). Auf beiden Feldern ist die Zusammenarbeit vor allem mit universitären Partnern unerläßlich. Zum Schluß lassen sie mich einige Eckpunkte zusammenfassen, die wir in der Helmholtz-Gemeinschaft für wesentlich erachten, und die wir als Impulse für eine zukünftige Gesundheitsforschung in unserem Land verstanden wissen möchten. Mittel- und langfristig streben wir dabei eine signifikante Ausweitung unserer Zusammenarbeiten mit universitären und anderen außer-universitären Partnern zu Nationale Netzwerken auf dem Gebiet der wichtigsten Volkskrankheiten an.  

Helmholtz allgemein und der Forschungsbereich Gesundheit

Helmholtz stellt die Dachorganisation von 16 Nationalen Großforschungseinrichtungen dar, mit 28.000 Mitarbeitern und einem Gesamtbudget von 2,7 Milliarden Euro pro Jahr, davon sind 1,9 Milliarden Grundfinanzierung des Bundes und der Länder im Verhältnis 90/10, etwa 800 Millionen jährlich werben wir als Drittmittel ein, davon etwa 100 Millionen von der Industrie.

Helmholtz verfolgt vor allem drei Ziele:

  1. Strategische Forschung als nationale Aufgabe:
    Dies bedeutet, wir betreiben für die Gesellschaft wichtige Forschungsthemen mit langem Atem (mittel und langfristig) wobei wir uns auf die ausgesuchten wichtigen Bereiche fokussieren:
    - Energie
    - Erde und Umwelt

    - Schlüsseltechnolgien

    - Struktur der Materie
    - Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr
    - Gesundheit.
  2. große Infrastrukturen und Gerätschaften
    Beispiele sind die Lichtquellen Petra III, FLASH und XFEL sowie in der Kernphysik die Beschleunigeranlage FAIR Facility for Antiproton and Ion Research; Großgeräte also, die über eine Milliarde Euro kosten.
  3. Transfer in Industrie und Gesellschaft.
    Das betrifft natürlich Patente und Lizenzen, die u.a. helfen, Spin-off Companies zu gründen. Aber es gibt auch den Aspekt des Transfers in die Gesellschaft, wie zum Beispiel die Entwicklung des Tsunami-Frühwarnsystems.

Schwerionentherapie, die wesentlich auf Ergebnissen der Forschung der Gesellschaft für Schwerionentherapie in Darmstadt beruht. Kohlenstoffionen sind sehr gut geeignet, um Gewebe an ganz definierten Stellen in der Tiefe zu „bestrahlen“ bzw. zu zerstören. Dies ist besonders nützlich im Zusammenhang mit der Therapie von Gehirntumoren, worüber nun intensiv und erfolgreich in Zusammenarbeit mit dem DKFZ und der Universitätsklinik Heidelberg therapeutische Methoden mit dieser Technologie entwickelt werden. Das Ganze stellt ein schönes Beispiel dafür dar, wie die verschiedenen Forschungsbereiche der Helmholtz-Gemeinschaft zusammenwirken können. Es zeigt das besondere Potential der Helmholtz-Gemeinschaft für die Bearbeitung von Systemlösungen und unter Einbeziehung von Großgeräten.

Lassen Sie mich nun zum Gesundheitsprogramm kommen.

Das Helmholtz-Gesundheitsprogramm

Die Gesundheitsprogramm der Helmholtz-Gemeinschaft hat ein Gesamtbudget von etwa 500 Mio Euro pro Jahr, 380 Mio Euro davon sind grundfinanziert mit 90% Anteil des Bundes und 10% der Sitzländer der Zentren. E sind vor allem 4 Zentren, die sich praktisch ausschließlich mit Gesundheit beschäftigen: HMGU, HZI, DKFZ, und MDC, einen wesentlichen Beitrag leistet außerdem das FZJ. Künftig wird das gerade neu gegründete Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, DZNE,  hinzu kommen. Die Arbeit im Gesundheitsbereich konzentriert sich auf die großen Volkskrankheiten, wobei jedes der Gesundheitszentren die Koordination eines der Krankheitsprogramme übernimmt. Dia 6 Dies sind das DKFZ für die Krebserkrankungen, das MDC für die Herz-Kreislauf und metabolischen Erkrankungen sowie der Regenerativen Medizin und aktiven Biomaterialien, das FZJ für die Erkrankungen des Nervensystems, das HZI für Infektionskrankheiten und das HMGU für Umweltbedingte Erkrankungen und die systemische Analyse von Krankheiten. Das von Herrn Lange bereits vorgestellte DZNE schließlich wird sich in Zukunft auf die neurodegenerativen Erkrankungen fokussieren. Bis auf die Neurodegenerativen Erkrankungen wurden alle Programme vor kurzem einer strategischen Begutachtung durch hochkarätige internationale Gutachter unterzogen und wir können mit dem Ergebnis hochzufrieden sein. So wird uns auf mehreren Gebieten der Gesundheitsforschung auch international eine führende Rolle zugeschrieben, so in der:

  • Krebsforschung: z.B. der Rolle der Papillomviren bei der Entstehung des Cervix-Carcinoms, der Entwicklung eines prophylaktischen Impfstoffs (Gardasil), was, wie sie alle wissen, zur Verleihung des Nobelpreis für Medizin für Prof. Harald zur Hausen im letzten Jahr geführt hat. Dia 8 Auch auf anderen Gebieten ist es gelungen, neuartige und gezielt wirkende Therapeutika zu entwickeln, so das Epothilon gegen Tumorerkrankungen, sowie, vor kurzem zugelassene Removab, wirksam gegen malignen Aszites, ursprünglich vom HMGU entwickelt und inzwischen vermarktet von Fresenius.
  • Führend sind wir auch auf dem Gebiet der Schwerionentherapie, die wesentlich auf Ergebnissen der Forschung der Gesellschaft für Schwerionentherapie in Darmstadt beruht. Kohlenstoffionen sind sehr gut geeignet, um Gewebe an ganz definierten Stellen in der Tiefe zu „bestrahlen“ bzw. zu zerstören. In der medizinischen Bildgebung sind mehrere unserer Einrichtungen, vor allem das FZJ sind an gemeinsamen Entwicklungen neuer Geräte zusammen mit industriellen Partnern (Siemens) beteiligt, untersuchen neue Einsatzmöglichkeiten und bringen diese Methoden, zusammen mit Partnern aus der universitären Medizin, in die klinische Anwendung. Ein Beispiel ist die MRI-Technologie, wo vor kurzem ein 9,6 T Gerät in Betrieb genommen werden konnte. Derzeit wird intensiv an einem kombinierten MRI-PET-System gearbeitet, welches völlig neue Möglichkeiten der Bildgebung eröffnen wird.
  • Auch im Medizintechnischen Bereich können wir international einiges vorweisen. An der Entwicklung eines implantierbaren Hirnschrittmachers zur gezielten bedarfsgerechten Stimulation bei Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen waren Wissenschaftler des FZJ zusammen mit universitären Partnern maßgeblich beteiligt. Weiterhin wurde ein Herzschrittmacher gegen bestimmte Formen erblicher Herzmuskeldystrophien entwickelt. Im Bereich der Regenerativen Medizin und aktiven Biomaterialien können wir völlig neue Entwicklungen, z.B. auf dem Gebiet von Nahtmaterialien und Gefäßprotesen vorweisen.

Dies nur als Ausschnitt einiger der Highlights aus der letzten Zeit.

Translationale Gesundheitsforschung   

Grundsätzlich werden die Gesundheitszentren weiterhin auf drei Dinge besonderen Wert :legen: Die Grundlagenforschung, in die sehr stark investiert wird, die Analyse komplexer Systeme und der Modellierung im Rahmen der Systembiologie, und, besonders wichtig, die Translationale Forschung. Ich möchte unterstreichen, daß wir es für absolut notwendig erachten, auf dem Gebiet der Translation zu wesentlichen Fortschritten zu kommen, was uns gerade in letzter Zeit auch gelungen ist.

So wurde in Heidelberg, in enger Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik, das sog. Nationale Zentrum für Tumorerkrankungen (NCT) gegründet, das neben engen Kooperationen in direktem Umfeld der klinischen Praxis auch essentielle Plattformen zur Verfügung stellt, wie z.B. eine Zentrale für klinische Studien, ein Tumorregister, Tumorbanken und Gewebebanken etc. In Berlin betreiben MDC und Charite als gemeinsame translationale Einrichtung das Experimental and Clinical Research Centre (ECRC). Gruppen von Charite und MDC können sich hier in einem wettbewerblichen Verfahren um Projektförderung und Räume bewerben. Die Projekte betreffen vor allem die Gebiete Herz-Kreislauf-, Krebs und und neurologische Erkrankungen. In Hannover wurde, in enger Zusammenarbeit zwischen dem HZI und der MHH das Translationszentrum TwinCore  gegründet, wo Grundlagenforschung zur Infektionsbiologie des Helmholtz-Zentrums in Braunschweig mit der Expertise der MHH in der klinischen Infektionsforschung kombiniert wird. Themen sind u.a. Infektion und Krebs, Methoden der. Zell- und Gentherapie, experimentelle Virologie und Infektionsforschung. Schließlich wird in München  derzeit das „Comprehensive Pneumology Centre“ (CPC) aufgebaut, ein Kooperationsprojekt zwischen HMGU, der LMU und der Asklepios Lungenfachklinik in Gauting, welches zu einem Lungenzentrum der europäischen Spitzenklasse führen soll. Diese Erkrankungen sind gesundheitspolitisch von enormer Bedeutung, denn die Zahl der Lungenerkrankungen nimmt ständig zu und bereits heute zählen sie weltweit zu den häufigsten Krankheits- und Todesursachen.

In all diesen Zentren wird versucht, durch die direkte Zusammenarbeit von Klinikern und Grundlagenforschern in effektiver Weise neue Wege im diagnostischen wie therapeutischen Bereich zu gehen bzw. diese Strategien rasch in die klinische Anwendung zu bekommen. Darüber hinaus finden in all diesen Translationszentren zusätzliche spezielle Ausbildungsprogramme für Mediziner statt,  um diesen Zweig der medizinischen Forschung nachhaltig zu festigen.

Neben der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Translationsforschung gibt es natürlich eine größere Anzahl weiterer Kooperationen zwischen Helmholtz und universitären Partnern auch auf anderen Gebieten. Ich nenne hier  z.B. der Zusammenschluß des DKFZ mit einem starken universitären Institut in Heidellberg, dem ZMBH, wo gemeinsame Projekte aus der Zellbiologie bearbeitet, Professuren gemeinsam berufen, Nachwuchsförderung und Ausbildung gemeinsam betrieben werden. Auch im Rahmen von Allianzen, die aus dem Impuls- und Vernetzungsfond des Helmholtz-Präsidenten sowie verschiedenen Helmholtzzentren finanziert werden, und an denen auch zahlreiche universitäre Partner teilnehmen, seien hier erwähnt. Weiter seien erwähnt die enge Kooperationen des FZJ mit der Universität Aachen im Rahmen von JARA-.Brain bzw. das KIT, bei dem Universität und ein Helmholtz-Institut zu einer neuen Konstruktion, dem Karlsruher Institut für Technologie, verschmelzen.

Helmholtz-Kohorte

Neben der Translationalen Forschung stellt die Stärkung der Epidemiologie, der Präventiven Medizin und der individuellen Risikoerfassung ein weiteres sehr wichtiges Ziel für die Gesundheitsforschung von Helmholtz dar.

Ich möchte Ihnen dazu ein Großprojekt vorstellen, das wir derzeit zusammen mit universitären Partnern und der Leibnitz-Gesellschaft planen, die sog. Helmholtz-Kohorte. Es handelt sich dabei um eine große, prospektive Populationsstudie, in die 200.000 Teilnehmer mit einbezogen werden sollen.

Hintergrund dieses Großprojekts ist, daß wir als Strategie für eine verbesserte zukünftige Gesundheitsversorgung im wesentlichen zwei große Herausforderungen identifizieren können:

  • wir benötigen für praktisch alle häufigen Volkskrankheiten neue und bessere Therapien, die speziell auf das Individuum zugeschnitten sind.
  • Darüber hinaus gibt es noch eine zweite sehr wichtige Aufgabe, die darauf zurück geht, daß praktisch alle chronischen Volkskrankheiten erst festgestellt werden, wenn es für eine Heilung schon zu spät ist. Wenn jemand vergeßlich wird, ist die Alzheimersche Krankheit bereits so fortgeschritten, Neuronales Gewebe bereits so irreversibel zerstört, daß selbst die beste Therapie diese Menschen nicht mehr heilen kann. Ähnliches gilt für viele Krebserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparats.

Wir möchten in Zukunft weit besser als bisher Risiken für Erkrankungen erkennen können bzw. den Ausbruch vieler Krankheiten in einem möglichst frühen Stadium erkennen können. In Stadien, in dem noch wenig irreversible Schäden aufgetreten sind und Therapien weit wirksamer einzusetzen sind. Sozusagen „Health Management“ betreiben statt „Disease Management“, weil wir möglichst noch vor Eintritt von Symptomen tätig werden möchten. Das bietet die Chance, frühzeitig präventive Maßnamen einzuleiten bzw. die Erkrankung abzumildern oder aufzuhalten.Wie wollen wir das angehen?

Um mehr über Frühstadien oder Risikofaktoren zu erfahren, muß man gesunde Menschen systematisch erfassen und über einen längeren Zeitraum begleiten. Wir haben uns entschlossen, für eine solche prospektive Studie in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten eine Kohorte mit 200.000 Teilnehmern in einem Alter von 40-60 Jahren aufzubauen. Diese werden über 20 Jahre oder sogar länger konsequent verfolgt und begleitet. Die Teilnehmer werden zunehmend Krankheiten entwickeln, und man kann dann, wenn die Krankheit zum Ausbruch kommt, auf die ursprünglichen Informationen z.B. über Lebensweise, Umwelt, genetische Komponenten usw. der Betroffenen zurückgreifen bzw. Schlüsse daraus ziehen, ob, wann und wie man Erkrankungen frühestens erkennen kann, bzw. ob Risikofaktoren bestehen, die mit dem Verlauf und der Schwere der Erkrankung assoziiert sind.

Wir planen, dieses Projekt durch eine geeignete Anschubfinanzierung anzustoßen. Das Projekt paßt zur Mission der Helmholtz-Gemeinschaft was die Größe, Komplexität und Langfristigkeit betrifft. Was die Kosten betrifft, rechnen wir grob mit 200 Millionen Euro für die nächsten 10-15 Jahre. Das bedeutet, daß sich sowohl der Bund wie auch die Länder an der Förderung beteiligen müssen.  Das Projekt wurde vor einem Jahr im Laufe unsrer Helmholtz-Begutachtungen im Gesundheitsbereich durch ein internationales Gremium evaluiert und es wurde vorgeschlagen, zunächst eine gründliche Planungsphase von etwa 18 Monaten zusammen mit den universitären Partnern zu fördern. Der Senat der Helmholtz-Gemeinschaft hat diesem zugestimmt, und eine Anschubfinanzierung von 20 Millionen Euro bewilligt. Mittlerweile gab es zahlreiche Treffen auf Arbeitsebene und das Projekt ist insgesamt auf einem guten Weg.

Mittel-und langfristige Perspektiven und Planungen im Verbund mit anderen Forschungsinstitutionen

Die Gesundheitsforschungsinitiative

Wie ich anfangs erwähnte, stehen wir bereits seit einem Jahr in einem intensiven Diskussionsprozess um die zukünftige Aufstellung und Weiterentwicklung der Gesundheitsforschung in Deutschland und unseren Aufgaben dabei. Resultat dieses Strategieprozesses ist das Konzept einer Gesundheitsforschungsinitiative der Helmholtz-Gemeinschaft, die im wesentlichen von 4 Säulen getragen wird:

  1. Der bereits dargestellte Ausbau der translationalen Forschungsplattformen an den Zentren
  2. Der Aufbau der Helmholtz-Kohorte, beides gemeinsam mit universitären Partnern
  3. Start einer gemeinsamen Ausbildungsinitiative.
  4. So bietet die Helmholtz-Gemeinschaft ein attraktives Umfeld für den wissenschaftlichen Nachwuchs mit Zugang zu modernsten Technologien und einer Fülle von Ausbildungsangeboten, wie Graduiertenschulen mit der Option zu Tenure Track Verfahren.
  5. Die Gründung nationaler Konsortien oder Netzwerke auf den wichtigsten Erkrankungsgebieten.

Lassen sie mich zum Schluß etwas genauer auf die mittelfristig angestrebten nationalen Konsortien eingehen. Wie ich ihnen dargelegt habe, richtet sich die Helmholtz-Gesundheitsforschung entlang der wichtigsten Volkskrankheiten aus und unsere Zentren sehen sich hier insgesamt hervorragend aufgestellt, um bei der Bearbeitung der häufigsten chronischen Erkrankungen auch die Rolle eines Nationalen Impulsgebers zu übernehmen zu können, so etwa bei den neurodegenerativen Erkrankungen. Ziel ist es, die vorhandene Expertise in unserem Land durch den Aufbau von Konsortien und Netzwerken auf den wichtigsten Krankheitsgebieten zu bündeln und in einer effektiven translationalen Wertschöpfungskette zusammen zu fassen, so wie dies etwa beim DZNE der Fall ist. Nach diesem Modell eines nationalen Verbundes, inzwischen auch schon häufiger das „Schavan-Modell“ genannt, soll es gelingen, im Verbund mit weiteren Partnern ausreichend kritische Masse in hoch-relevanten Bereichen der Gesundheitsforschung herzustellen. In diesem Netzwerk arbeitet ein großes Helmholtz-Kernzentrum mit breiter Thematik im Verbund mit spezialisierten Partnereinrichtungen, die als Außenstellen z.B. an universitären Standorten aufgebaut werden. Das fördert die Zusammenarbeit mit Universitäten, Universitätskliniken und anderen Forschungseinrichtungen. Eine wichtige Folge davon ist auch: die Vorteile und Möglichkeiten einer institutionellen Förderung können durch diese Zusammenarbeit indirekt auch von den Universitäten genutzt werden. So können z.B. gemeinsame Forschungsarbeiten längerfristiger und nachhaltiger geplant werden.

Wir möchten dieses Modell fortentwickeln und auf andere geeignete Indikationsgebiete übertragen. Als Beispiele möchte ich nennen:

  • Für die Krebsforschung das geplante Nationale Konsortium für Translationale Onkologie, mit dem DKFZ als Kernzentrum und ausgewählten Partnern an Uniersitätskliniken. Dieses Modell ist vor einigen Tagen der Öffentlichkeit von Frau Schavan vorgestellt worden.
  • Für die Infektionsforschung das Twincore mit strategischen Partnern aus universitärer und außeruniversitärer Forschung
  • Für Diabetes und die Lungenerkrankungen das HMGU (CPC) und nationalen Partnern, wie vor allem der Leibnitz-Gesellschaft. Hier ist der Aufbau einer Föderation Deutscher Diabetes-Forschungszentren bereits weit fortgeschritten.
  • Für Herz-Kreislauf und Stoffwechselerkrankungen, wobei sich MDC, Charite und nationale Partner aus der universitären und außeruniversitären Forschung verbünden. So plant das MDC die Gründung eines Nationalen Netzwerks für kardiovaskuläre Erkrankungen (NNKE). Als zentrale Einrichtung dafür soll auf dem Campus Berlin-Buch das Nationale Institut für kardiovaskuläre Erkrankungen (NIKE) als eine Einrichtung des MDC und der Charite als wesentlichem klinischen Partner gegründet werden.

 

Soweit zu den Eckpunkten der Gesundheitsforschungsinitiative der Helmholtz-Gemeinschaft, die, das sollte hier noch erwähnt werden, federführend von Professor Otmar Wiestler, dem Koordinator dieses Bereichs, vorangetrieben wird.

Es soll hier nicht verschwiegen werden, daß dies vor allem auch wegen unseres föderalen Systems kein leichtes Unterfangen ist. Natürlich unterscheiden sich die universitären und außeruniversitären Forschungsinstitutionen in vielfacher Hinsicht, z.B. was die Finanzierung betrifft, was das Aufgabenspektrum, die jeweiligen Forschungsstrategien und vieles mehr betrifft. Es herrschen verschiedene Denkkulturen, die Forschungsstrategien und Portfolios sind ebenfalls verschieden. Ich möchte nicht verschweigen, daß wir hier nach meinen Erfahrungen noch eher am Anfang eines Entwicklungsprozesses stehen. Uns begegnet bei Helmholtz zum Beispiel häufig die Meinung, wir wollten die finanziell nicht so ausgestatteten, gleichwohl sehr kompetenten universitären Partner quasi „schlucken“. Es sind auch andere Befürchtungen da, so zum Beispiel, daß die genannten großen Nationalen Konsortien dazu führen könnten, zu tief in die Forschungsstrategien der einzelnen Partner einzugreifen. Ich halte diese Ängste für irrational und möchte dafür plädieren, offen für neue Formen zu sein. Es ist meine tiefe Überzeugung, daß wir uns eine Kultur der Zusammenarbeit in solchen Verbünden aneignen können. Dazu gehört allerdings, daß wir Grundsätze, Regeln und Standards entwickeln sollten, nach denen wir in solchen Verbünden zusammenarbeiten wollen. Das betrifft die Auswahl der Themen, die in der Regel etwas Neues adressieren, einen Mehrwert anstreben sollten, wie er von den einzelnen Partnern allein nicht erreicht werden kann. Das betrifft die Auswahl oder die Zugangsbedingungen der Partner, hier muß die Qualität oder die Erfahrung an oberster Stelle stehen, die Auswahl sollte sicherlich mit Hilfe externer Expertise erfolgen. Das betrifft  die Zusammensetzung der Arbeitsgremien, Einrichtung von wissenschaftlichen Beiräten und vieles mehr.

Neben diesen Aufgaben, die wohl vor allem durch die eingebundenen Wissenschaftler zu lösen sind, kommen auch auf die Politiker und Ministerialen wichtige Aufgaben zu. Neben dem Bund sind natürlich immer auch die Länder beteiligt, nicht nur, wenn es um die Finanzierung geht, sondern auch bei personalrechtlichen Themen. Schließlich wird es sehr wichtig sein, institutionell geförderte Projekte durch eine geeignete Projektförderung zu flankieren bzw. zu ergänzen. Dies wird gerade im Bereich der Nachwuchsbildung eine wichtige Rolle spielen müssen.

Zusammenfassung

Lassen Sie mich kurz die wichtigsten Punkte nochmals zusammenfassen:

  1. Das Gesundheitsprogramm der Helmholtz-Gemeinschaft orientiert sich entlang der wichtigsten Volkskrankheiten, und konnte sich in einigen Fällen hervorragend international positionieren.
  2. Wichtigste mittelfristigen Ziele sind:

    a) die Einrichtung translationaler Zentren mit den entsprechenden Plattformen, um eine raschere Umsetzung interessanter Ergebnisse aus unserer Grundlagenforschung in die klinische Anwendung zu erreichen.

    b) der Aufbau einer großen prospektiven Kohorte, um die präventive Medizin in Deutschland signifikant zu stärken.

  3. Diese Ziele sowie die konsequente Fortentwicklung der Ausbildungsmöglichkeiten des wissenschaftlichen Nachwuchs und schließlich die längerfristig angestrebte Bildung Nationaler Konsortien (Modell DZNE) zur Bearbeitung aller wichtigen Krankheiten sind Bestandteil unserer gesundheitspolitischen Initiative. Diese baut strikt auf die Zusammenarbeit mit universitären und anderen außer-universitären Partnern.
  4. Für die Zusammenarbeit in Nationalen Verbünden sollten von Seiten der  Wissenschaftler Grundsätze, Regeln und Standards erarbeitet werden, um eine Zusammenarbeit auf hohem qualitativen Niveau zu ermöglichen. Von Seiten der Forschungspolitik sollte versucht werden, institutionelle Förderung stärker als bisher mit Projektförderung zu verknüpfen.


Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

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12.06.2013