Aus der Forschung

Luftaufnahme des Wissenschaftsdorfes Ny-Ålesund an der Westküste Spitzbergens. Foto: Joe Haschek, AWI
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Jubiläum im hohen Norden
Partystimmung am nördlichsten Forschungsstandort der Welt: Die Arktisstation AWIPEV auf Spitzbergen feierte am 26. April 2013 das zehnjährige Jubiläum der deutsch-französischen Kooperation zwischen dem Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und dem Institut Polaire Paul Emile Victor (IPEV). Zur Krönung der Feierlichkeiten erhielt AWIPEV als weltweit erste Station das GRUAN-Qualitätssiegel für ihre standardisierten Atmosphärenmessungen.
Im Jahr 2003 als Signal für eine gemeinsame europäische Polarforschung gegründet, steht AWIPEV neben der Meeresbiologie vor allem für eine genaue Untersuchung der Atmosphäre und des Klimas. Zum Beispiel lassen die Forscher Radiosonden an Forschungsballons bis in Höhen von 30 Kilometern steigen. Dabei messen die Sonden Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit im Sekundentakt und funken die Daten an die Bodenstation. So entstehen genaue Höhenprofile dieser Messwerte, die über Jahre hinweg immer auf die gleiche Weise ermittelt werden. Aus diesen Daten können die Wissenschaftler langfristige Klimatrends ablesen und mit den Berechnungen von Computermodellen vergleichen. Entscheidend für das Erstellen globaler Klimamodelle ist jedoch, dass die erhobenen Daten aller Messstationen vergleichbar sind. Das internationale Klimareferenznetzwerk GRUAN hat dafür einen Anforderungskatalog entwickelt, der die Standards für solche Messungen vorgibt. Als erste meteorologische Einrichtung weltweit hat AWIPEV nun das Qualitätssiegel von GRUAN erhalten: Sie ist die erste Station, die all diese Standards bei ihren Messungen umsetzt.
Die bis zu 150 deutschen und französischen Wissenschaftler, die jährlich an der AWIPEV-Station arbeiten, verteilen sich bislang auf sechs Forschungs- und Wohngebäude im Forschungsdorf Ny-Ålesund. Gemeinsam mit der Bremer „School of Architecture“ entstehen zurzeit Pläne für einen zentralen Neubau. Die Zusammenarbeit im deutsch-französischen Kollegium ist aber trotz der weit verteilten Arbeitsplätze bereits hervorragend: „Der beste Beleg dafür ist unser gemeinsames Überwinterungsteam, das wir seit fünf Jahren zusammenstellen und gemeinsam ausbilden. Vor Ort stellt sich dann gar nicht mehr die Frage, wer aus Deutschland kommt und wer aus Frankreich“, sagt AWI-Stationskoordinator Roland Neuber.


