Aus der Forschung

Das Indikatorsystem SPEAR verknüpft die Struktur der Lebensgemeinschaft mit der Schadstoffbelastung. Bild: Tobias Hametner
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Der Ökologe PD Dr. Matthias Liess leitet am UFZ das Department System-Ökotoxikologie. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Bewertung und Vorhersage der Wirkung natürlicher und anthropogener Stressoren in aquatischen Ökosystemen vom mitteleuropäischen Bach bis hin zu Küstengewässern der Antarktis. Liess ist Experte der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).
Mehr Pestizide trotz Gentechnik?
Bei der Anwendung und Bewertung von Pestiziden werden derzeit einige Aspekte kontrovers diskutiert: der Nutzen gentechnisch veränderter Kulturpflanzen sowie die Vorhersagequalität behördlicher Risikobewertung zum Schutz der Umwelt.
Der Einsatz von gentechnisch entwickelten Kulturpflanzen, die gegen Unkrautvernichter (Herbizide) resistent sind, ermöglicht zweifelsohne die effektive Bekämpfung von Unkräutern – allerdings – und das zeigt eine Studie der amerikanischen Umweltbehörde EPA – immer verbunden mit dem Einsatz hoher Herbizid-Dosen. Dabei steigt der Herbizid-Einsatz nicht nur kurzfristig beim Anbau resistenter Kulturpflanzen. Studien zeigen, dass aufgrund sich entwickelnder Resistenzen bei Unkräutern auch langfristig große Herbizid-Mengen eingesetzt werden müssen. Bei gentechnisch veränderten Pflanzen, die selbst Insektizide zur Abwehr schädlicher Insekten produzieren, ist es ähnlich: Die Insekten entwickeln Resistenzen gegen die Insektizide. Der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen widerspricht den anerkannten Regeln des Resistenz-Managements.
Behörden versuchen mit einfachen, meist naturfernen Testsystemen die Wirkung von Pestiziden im Freiland vorherzusagen. Dies ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet und wird derzeit zum Beispiel bei der Bedeutung bestimmter Insektizide für die teilweise hohe Sterberate bei Bienen deutlich: Bereits niedrige Konzentrationen verringern das Hervorbringen von Königinnen oder die Fähigkeit, den Bienenstock wiederzufinden. Offensichtlich sind die zulassungsrelevanten Tests nicht in der Lage, diese Wirkungen vorherzusagen. Gleiches gilt für die Wirkung von Pestiziden auf Lebensgemeinschaften in Gewässern.
Die Helmholtz-Gemeinschaft erarbeitet verbesserte Bewertungs- und Prognoseverfahren für Pestizide. Beispielsweise wurde am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ das Indikatorsystem SPEAR entwickelt, das die Struktur der Lebensgemeinschaft mit der Schadstoffbelastung verknüpft. Darüber hinaus beraten UFZ-Wissenschaftler europäische Institutionen, wie etwa die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).


