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Aus der Forschung

Auch der Nutria gehört in Europa zu den Aliens. Er wurde als Pelzlieferant aus Südamerika eingeführt.  Foto: A. Künzelmann/UFZ

Auch der Nutria gehört in Europa zu den "Aliens". Er wurde als Pelzlieferant aus Südamerika eingeführt. Foto: A. Künzelmann/UFZ

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Liste der gebietsfremden Arten Europas umfassend aktualisiert

Vom Schutz der Ökosysteme profitiert die ganze Gesellschaft

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Alien als Kostenfaktor

Sie sieht ganz harmlos aus, doch ihre Blüten haben es in sich: Die Pollen der Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) lösen Allergien aus und verlängern die Beschwerdesaison bei Pollenallergikern. Anfallende Therapiekosten oder krankheitsbedingte Fehlzeiten müssen vom Gesundheitssystem getragen werden. Eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung - UFZ und des AllergieZENTRUMs der Ludwig-Maximilians-Universität München schätzt erstmalig deutschlandweit diese Kosten auf etwa 200 Mio. bis über 1 Mrd. Euro pro Jahr – je nach Szenario.

Die Ambrosie stammt ursprünglich aus Nordamerika und wird daher zu den gebietsfremden Arten gezählt - im Englischen auch kurz „Aliens“ genannt.
Seit die Menschen reisen, nehmen sie Tiere und Pflanzen bewusst oder unbewusst mit sich. Aber erst in den letzten Jahrzehnten werden die damit verbundenen Probleme wie Krankheitsausbreitung, Schäden für die Landwirtschaft und natürliche Ökosysteme sowie die Kosten für Gegenmaßnahmen wissenschaftlich untersucht. Je globaler die Weltwirtschaft wird und umso mehr Waren über große Entfernungen transportiert werden, desto häufiger sind auch gebietsfremde Arten darunter. Obwohl viele Arten harmlos sind, können selbst kleine Pflanzen oder Tiere großen Schaden anrichten. Beispielsweise breitet sich die Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopicta), die im Gegensatz zu den einheimischen Mückenarten auch gefährliche Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen kann, seit den 1990er Jahren in Europa langsam nordwärts aus. Wissen über solche Arten wird also dringend gebraucht.

Im EU-Projekt DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe) haben über 100 europäische Wissenschaftler eine Art Inventarliste erstellt. Nun gibt es nach drei Jahren eine umfassende Aktualisierung. „So konnten in den letzten Monaten sowohl detaillierte Informationen zu 1.000 neuen Arten als auch Aktualisierungen zu schon existierenden Datensätzen in die Datenbank eingearbeitet werden“, erklärt Dr. Marten Winter vom UFZ. Die Datenbank enthält jetzt insgesamt 12.177 Arten. „Das DAISIE-Datenbank-Portal ist zu einer der wichtigsten Informationsquellen über gebietsfremde Arten für Wissenschaftler, Naturschützer, Politiker, aber auch für Interessierte nicht nur in Europa geworden“, betont Dr. Ingolf Kühn, ebenfalls vom UFZ.

Invasive Arten sind einer von mehreren Faktoren, die Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen können. Intakte Ökosysteme erbringen Nutzen in Milliardenhöhe. Dennoch werden diese in den Politikprozessen bisher oft nicht angemessen berücksichtigt. Darauf haben sieben europäische Umweltforschungszentren, die sich im Verbund PEER (Partnership for European Environmental Research) zusammengeschlossen haben, kürzlich auf einem internationalen Expertenforum in Brüssel hingewiesen, in dem die Helmholtz-Gemeinschaft über das UFZ vertreten ist. Letztlich gilt auch für die Natur im Ganzen: Rechtzeitige Vorsorge kann gigantische Kosten für die Nachsorge vermeiden helfen.

Tilo Arnhold

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