Aus der Forschung

Mit einer Kürzung der EU-Forschungsgelder hätten kleinere Verbundprojekte – zum Beispiel zum Thema Klimawandel – im Vergleich zu Großprojekten geringere Chancen, eine EU-Förderung zu bekommen. Bild: UFZ/André Künzelmann
Helmholtz international - Nov. 2012
Das Helmholtz-Büro Brüssel berichtet über mögliche Kürzungen der EU-Forschungsförderung sowie über das einjährige Jubiläum der "Science Europe", einer Organisation, die die Forschung in Europa vertritt. Peking meldet verstärkte Kooperationen europäischer und chinesischer Universitäten. Auch Vertreter der Röntgenlaserquelle European XFEL am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY suchen die Partnerschaft mit China.
Nachrichten aus dem Büro in Brüssel
Kürzungen für die EU-Forschungsförderung?
Momentan befinden sich die Verhandlungen rund um das EU-Budget für die Jahre 2014 bis 2020 in einer entscheidenden Phase: Am 22. November kommen die EU-Staats- und Regierungschefs zusammen – u. a. ist über die Höhe des EU-Haushalts sowie eventuell auch über seine Verteilung zu entscheiden. Vermutlich wird auf Initiative derjenigen EU-Mitgliedstaaten, die Nettozahler sind, der EU-Haushalt gekürzt. Dies könnte sich auch negativ auf den Forschungsetat auswirken.
Aus mehreren Gründen drohen hier Kürzungen. Zunächst müsste übergreifend in allen Haushaltsbereichen gespart werden. Traditionell haben einige Haushaltsposten allerdings eine stärkere politische Lobby und sind somit weniger gefährdet. Dies hätte überproportionale Kürzungen in den anderen Bereichen zur Folge. Das nächste Forschungsrahmenprogramm „Horizont 2020“, das ab 2014 läuft, ist zudem im zurzeit debattierten „Multiannual Financial Framework“ nicht separat ausgewiesen und könnte deswegen noch einmal weniger „ Bestandsschutz“ haben als andere Programme.
Als problematisch erachten Brüsseler Forschungsvertreterinnen und -vertreter außerdem, dass die Kommission das Budget von „Horizont 2020“ in Höhe von 80 Mrd. Euro lange als Steigerung gegenüber dem 7. Forschungsrahmenprogramm (FRP) dargestellt hat. In absoluten Zahlen ist tatsächlich mehr Geld für das neue FRP vorgesehen – jedoch sollen mit diesem Geld auch Bereiche finanziert werden, die zurzeit noch anderweitig abgedeckt werden, so zum Beispiel das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT). Auch bei ITER und GMES steht noch nicht fest, ob sie nicht doch unter das Horizont 2020-Budget gestellt werden. Wird nun im vorgeschlagenen Forschungsbudget gekürzt, würde dies also nicht „weniger Zuwachs als erhofft“ bedeuten, sondern „weniger Forschungsförderung als bisher“. In Kombination mit der Tendenz zur Förderung größerer Programm-Strukturen könnten Kürzungen innerhalb „Horizont 2020“ zu Lasten der kleineren koordinierten EU-Projekte gehen.
Vor kurzem hatten 42 Nobelpreislaureatinnen und -laureaten sowie fünf Trägerinnen und Träger der Fields-Medaille einen offenen Brief publiziert, um auf die Gefahr von möglichen Kürzungen des zukünftigen Forschungsbudgets bei „Horizont 2020“ aufmerksam zu machen. Eine entsprechende Petition unterzeichneten bereits mehr als 120.000 Menschen, darunter auch viele Mitglieder der Helmholtz-Gemeinschaft.
Kontakt: Susan Kentner, susan.kentner(at)helmholtz.de
Ein Jahr Science Europe – was bedeutet das für die Wissenschaft?
Vertretung der Forschung in Europa
Science Europe ist eine noch junge Organisation, die im Oktober 2011 gegründet wurde. Sie soll auf europäischer Ebene als Stimme der Wissenschaft auftreten, das heißt die Forschung „in Brüssel“ beziehungsweise bei den Europäischen Institutionen vertreten. Derzeit hat Science Europe 50 Mitglieder, mehrheitlich Förderorganisationen. Es sind jedoch auch Forschungsorganisationen vertreten - die Helmholtz-Gemeinschaft ist ebenso Mitglied von Science Europe wie die Leibniz-Gemeinschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft. Die Mitglieder haben als Mission von Science Europe definiert: „shaping the future of research“.
Was bedeutet das für einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler?
Das Ziel von Science Europe ist es, zur weiteren Etablierung des Europäischen Forschungsraums (ERA) beizutragen. Science Europe betreibt daher wissenschaftsbasierte Politikberatung und bearbeitet Themen wie:
- Forschermobilität und -karrieren
- Verbesserte Koordinierung der nationalen Forschungsfördersysteme u. a. durch verbesserte, harmonisierte Förderbedingungen, Wissenstransfer und Stärkung der europäischen Forschungsinfrastrukturen
- Verstärkte Beteiligung von Frauen in der Forschung
- Modernisierung der Universitäten
- Öffnung der EU zur internationalen Zusammenarbeit
Dieses Themenportfolio zeigt, dass die Arbeit von Science Europe sich in Zukunft sehr konkret auf die Rahmenbedingungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auswirken kann. Im Juli 2012 war Science Europe eine von fünf „stakeholder organisations“, die bei der feierlichen Veröffentlichung der Mitteilung der Europäischen Kommission zum ERA eingeladen waren, und unterzeichnete ein gemeinsam ausgehandeltes Statement mit der Kommission zur Verwirklichung des ERA. Dies zeigt, dass die Kommission sehr an diesem neuen Gesprächspartner interessiert ist und dass es wichtig ist, die Interessen der Helmholtz-Gemeinschaft in dieser neuen Organisation zu vertreten und in den ersten Jahren solide Prozesse zur Abstimmung von Stellungnahmen zu entwickeln.
Laut Science Europe-Präsident Professor Paul Boyle, UK, sollten die Schwerpunkte von Science Europe die „European Grant Union“, also erleichterte Kooperationen für Wissenschaftler über Grenzen hinweg, und Open Access sein. Dies betonte er anlässlich der Unterzeichnung des ERA-Statements. Boyle erklärte weiter zu den Prioritäten von Science Europe: “In all cases, members have individual and collective experience that will be built on in taking the roadmap forward.”
Weitere Informationen: www.scienceeurope.org
Hintergrund und aktueller Stand:
Science Europe ging aus EUROHORCS (Heads of European Research Councils – aufgelöst im Oktober 2011) und der European Science Foundation (ESF – soll bis Ende 2014 aufgelöst werden) hervor. Von Science Europe werden viele Diskussionsforen und Arbeitsgruppen aus der ESF sowie den EUROHORCs übernommen, in denen sich wiederum die Mitgliedsorganisationen engagieren. Das Helmholtz-Büro Brüssel ist an einigen dieser Aktivitäten beteiligt, zum Beispiel am Member Organisations‘ Forum on Research Infrastructures, MERIL (Mapping of European Research Infrastructure Landscape) und der Arbeitsgruppe zu „Horizont 2020“. Science Europe sieht seine Aufgabe aber nicht auf europäische Themen beschränkt, sondern ist auch im Global Research Council aktiv.
Nachrichten aus dem Büro in Peking
Stärkere Kooperation europäischer und chinesischer Universitäten
Vertreter führender naturwissenschaftlicher und technischer Universitäten aus Europa und China trafen sich zum „3rd Sino-EU Workshop on Engineering Education“ in der nordchinesischen Stadt Harbin. Die Mitglieder von CLUSTER (Consortium Linking Universities of Science and Technology for Education and Research), einer Vereinigung von zwölf naturwissenschaftlich-technischen Universitäten Europas, verabschiedeten die Kooperationsvereinbarung „Harbin Roadmap“. „Die Harbin Roadmap formuliert konkrete Schritte zur Kooperation. So sollen ab 2013 mehrere „Sino-EU Doctoral Schools“ ins Leben gerufen werden, beispielsweise mit dem Schwerpunkt auf Sustainability Engineering”, sagt Prof. Dr. Jürgen Becker vom Karlsruher Institut für Technologie und Generalsekretär von CLUSTER. Diese internationalen Graduiertenschulen werden jeweils 10 bis 15 Promotionsprojekte umfassen, an denen je zwei bis vier SE3PUniversitäten aus Europa und China beteiligt sind.
Auf Partnersuche in China
Prof. Dr. Thomas E. Cowan vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und Prof. Dr. Thomas Kühl von der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH haben im Oktober auf einer internationalen Konferenz in Peking die Beteiligung an der Röntgenlaserquelle European XFEL am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY beworben. Cowan ist Sprecher und Koordinator des Projektes „Helmholtz Beamline at the European XFEL“, an dem bislang 400 Wissenschaftler aus 70 Institutionen weltweit involviert sind, darunter auch aus vier Institutionen in Peking. Kühl arbeitet bereits mit zwei chinesischen Forschungsgruppen im Bereich der Entwicklung von Hochleistungslasern zusammen. Beide Helmholtz-Wissenschaftler begrüßten die umfangreichen Investitionen Chinas in den Ausbau von Forschungsinfrastrukturen und in die Rückgewinnung führender Wissenschaftler.


