Aus der Forschung

Gantry-Bestrahlungsplatz: Der Patient liegt auf einem Bestrahlungstisch, der von einem computergesteuerten Roboter exakt eingestellt wird. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
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670 Tonnen gegen Krebs
Sie ist 25 Meter lang, 13 Meter breit und drei Stockwerke hoch – die neue Ionenstrahlführung (Gantry) des Universitätsklinikums Heidelberg am Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT). Weltweit einzigartig ist die von der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung entwickelte Kombination von Protonen- und Schwerionenstrahlung – und darüber hinaus auch die größte drehbare Teilchenstrahlführung der Welt. Sie macht erstmals vergleichende Studien möglich, die zeigen werden, welche Strahlentherapie für welche Tumorerkrankung am besten geeignet ist.
Mit ihren 670 Tonnen ist die riesige Stahlkonstruktion zwar ein Koloss, dafür aber sehr beweglich – in der Bekämpfung von Tumoren also ein echtes Schwergewicht. Die Gantry lässt sich um 360 Grad drehen und steuert ihren Strahl auf einen Millimeter genau. Dabei können die Ionen bis zu drei Viertel der Lichtgeschwindigkeit erreichen und dringen bis zu 30 Zentimeter tief in das Gewebe der Patienten ein. Besonders in der Behandlung von Tumoren, bei denen die herkömmliche Therapie nicht anspricht, werden künftig klinische Studien an der neuen Gantry durchgeführt. Sie sollen zeigen, welche Art der Bestrahlung erfolgreicher in der Behandlung der jeweiligen Tumorerkrankung ist - die Bestrahlung mit Protonen oder mit Schwerionen wie Kohlenstoff-, Helium- oder Sauerstoff-Ionen. Bereits jetzt behandelt das HIT insgesamt 750 Patienten pro Jahr, 70 Prozent davon im Rahmen klinischer Studien.
Die Entwicklung der Gantry begann 1998 mit dem ersten Prototyp und umfasste zahlreiche, auch von der Helmholtz-Gemeinschaft geförderte Studien. Nun, nach der Einstellung von 70 Mio. Parameterkombinationen, geht die Gantry endlich in Betrieb. Ziel ist es, den Krebspatienten eine interdisziplinäre, auf sie zugeschnittene Behandlung zukommen zu lassen und so die optimale Therapie für jeden Einzelnen zu finden.
Dieser Ansatz ist auch Teil des Konzepts des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT), einer gemeinsamen Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Universitätsklinikums Heidelberg. Am NCT erhalten Patienten auf kürzestem Wege eine Diagnose ihrer Erkrankung, eine zeitnahe Therapieempfehlung sowie eine Behandlung nach den neuesten und innovativsten Standards – eine Option ist hier die Ionenstrahltherapie. Und auch die Nachsorge und psychosoziale Betreuung gehören zum Behandlungspaket. Gerade die Kombination der Grundlagenforschung des DKFZ mit der klinischen Forschung und Patientenbetreuung des Universitätsklinikums treibt die Entwicklung neuer Krebstherapien zügig voran. Die Inbetriebnahme der neuen Gantry eröffnet nun viele weitere Möglichkeiten auf dem Weg zur individuellen Tumortherapie.


