Internationales
Nachrichten aus dem Büro Brüssel
Thema Rohstoffe beim „Runden Tisch“ und beim Forschungsfrühstück in Brüssel
Das Helmholtz Büro Brüssel veranstaltete am 19. März einen Round Table zum Thema „Effective Resource Technologies – The European Way“, um einen Beitrag zu den Rohstoff-Diskussionen auf europäischer Ebene zu leisten. Rund 150 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Industrie tauschten sich über Möglichkeiten der Forschung aus. Denn Rohstoffe wie Kupfer, Gallium und Seltene Erden sind unverzichtbar – etwa für Photovoltaik-Anlagen und Elektroautos oder in Informationstechnologien. Die europäischen Quellen sind jedoch begrenzt, Importe können Handelshemmnissen unterliegen. Um Engpässe zu vermeiden, sind Substitution, Recycling und die Nutzung moderner und effizienter Abbautechnologien vielversprechende Strategien. Innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft befassen sich u. a. das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) mit dem Helmholtz-Institut Freiberg (HIF) für Ressourcentechnologie sowie das GEOMAR mit diesem Themenkomplex.
In Vertretung des Freistaates Bayern bei der Europäischen Union eröffnete der Bayerische Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch, den Abend. Wegen geringer Rohstoffvorkommen setze Bayern auf exzellente Forschung sowie Technologieentwicklung ebenso wie eine starke internationale Vernetzung. Professor Jürgen Mlynek erklärte, dass Helmholtz mit seinen Forschungsschwerpunkten ein Vorreiter sei. Neben nationalen Forschungsprogrammen seien aber auch gemeinsame und koordinierte EU-Ansätze unverzichtbar, um eine Strategie für ganz Europa zu entwickeln.
Als Vertreter der EU-Kommission hoben Gwenole Cozigou (Generaldirektion Unternehmen und Industrie) und Dr. Rudolf Strohmeier (Generaldirektion Forschung und Innovation) hervor, dass die EU-Kommission in diesem Bereich bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen hat. Recycling sei dabei ein wesentlicher Schlüssel. Strohmeier griff auch die Budgetverteilung im nächsten Forschungsrahmenprogramm auf. Professor Roland Sauerbrey, Direktor des HZDR, verdeutlichte in seinem Impulsvortrag, dass derzeitige Abbautechnologien ineffizient seien und die europäische Bergbauindustrie damit erhebliche Wettbewerbsnachteile hätte. Gleichzeitig erklärte er aktuelle Forschungsansätze des HZDR, in denen zum Beispiel Bakterien und Proteine Seltene Erden von anderen Metallen trennen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion erörterten Patrice Christmann PhD, Professor Jens Gutzmer (HIF), Dr. Marion Jegen-Kulcsar (GEOMAR), Henry Kara, Wilfried Kraus und Professor Mlynek Chancen und Risiken des marinen Bergbaus, das Problem mangelnder Akzeptanz für Bergbau bei gleichzeitig starker Nachfrage nach Rohstoffen, die ökonomischen und ökologischen Konsequenzen veralteter Abbau-Technologien und die Notwendigkeit europäischer Forschungsansätze. Dadurch konnten die Diskutanten ihre Anliegen direkt an die EU-Kommission weitergeben. So brauche es nicht nur Fördergelder und eine verantwortungsvolle Abschätzung der europäischen Rohstoffvorkommen (unter Tage sowie auf dem Meeresgrund) sondern auch die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Das Thema stand auch am Folgetag beim ersten Brüsseler Forschungsfrühstück im Fokus, das nach bewährtem Berliner Modell der Helmholtz-Gemeinschaft stattfand. Elf Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus Deutschland, Dänemark und Tschechien nutzten die Gelegenheit, die Helmholtz-Experten des Vorabends zu fragen und um Einschätzungen zu bitten. Das Europäische Parlament berät sich derzeit zum Vorschlag der EU-Kommission zum nächsten Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“. Daher ergänzte dieses Informationsangebot sehr gut die Ausschussarbeit der EP-Mitglieder.
Fazit: Ein gelungener Auftakt – Fortsetzung von beiden Seiten erwünscht.


