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Horizon 2020 – Eine aktuelle Einschätzung
In den nächsten Monaten werden die Weichen für das nächste EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“ (2014‐2020) gestellt. Nach dem Vorschlag der Europäischen Kommission vom 30.11.2011 läuft derzeit das Gesetzgebungsverfahren.
Konkreten Verbesserungsbedarf jetzt einbringen
Die Helmholtz‐Gemeinschaft kann den Vorschlag der Kommission für Horizon 2020 durchaus begrüßen. Das vorgeschlagene Budget ist mit rund 80 Mrd. Euro deutlich höher als noch im 7. Rahmenprogramm (damals ca. 50 Mrd. Euro), Kürzungen sind aber wahrscheinlich. Positiv ist ohne Zweifel, dass sich der aktuelle Vorschlag um einfachere Abrechnungsregeln für die Fördergelder bemüht. Auch die Ausrichtung auf die Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen ist eine gute Entwicklung für Helmholtz.
Forschungsinfrastrukturen brauchen mehr als drei Prozent
Doch natürlich gibt es auch Verbesserungsbedarf. An erster Stelle: die Budgetverteilung. Der Vorschlag der Kommission sieht für Forschungsinfrastrukturen (FI) lediglich drei Prozent des Gesamtbudgets vor, also exakt den gleichen prozentualen Anteil wie in FP7. Gleichzeitig sind aber ambitionierte Ziele hinzugekommen: Im Europäischen Forschungsraum soll der grenzüberschreitende Zugang zu den nationalen FI sichergestellt werden und 60 Prozent der ESFRI-Projekte sollen bis 2015 umgesetzt werden. Diesen Zielen wird das vorgeschlagene Budget nicht gerecht.
Kleine Verbundprojekte berücksichtigen
Daneben ist eine Gefahr, dass die Anzahl der kleinen Verbundprojekte zurückgehen könnte und an ihrer Stelle große Konstrukte wie JTIs, KIC, FET-Flagships etc aufgebaut werden, die jeweils noch eigene Verwaltungen aufbauen. Hier drängt Helmholtz darauf, die flexiblen Verbundprojekte als Hauptinstrument beizubehalten.
Administrative Kosten müssen getragen werden
Besonders umstritten sind in Brüssel zurzeit die Förderquoten. Die Kommission möchte hier radikal vereinfachen und Forschungsprojekte mit bis zu 100 Prozent der direkten Kosten sowie einer Pauschale von 20 Prozent für die indirekten Kosten fördern (100+20 (Demonstrationsprojekte 70+20). Spürbar würde dies in der geringeren Förderung der Koordinationstätigkeit (bislang 100 Prozent der Vollkosten), und für Zentren mit höheren Overheads auch in der sonstigen Förderung. Die strikte Trennung von Forschungsprojekten und Demonstrationsprojekten ist dabei in sich ebenfalls sehr fragwürdig. Sehr bedenklich ist daneben, dass die Förderquote jeweils erst im Arbeitsprogramm festgeschrieben werden soll.
Bis Mitte des Jahres 2013 gibt es Gestaltungsmöglichkeiten. Dann soll der Entwurf passgenau zum Ende der irischen Ratspräsidentschaft verabschiedet werden. Das Brüsseler Büro wird die Diskussionen begleiten und sich in den nächsten Monaten dafür einsetzen, dass die Bedürfnisse der Helmholtz- Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler bestmöglich aufgegriffen werden.
Horizon 2020 - Zahlen und Fakten zum 8. EU-Forschungsrahmenprogramm:
Ziel: Förderung von Forschung und Innovation
Übergeordnete Themen: Excellent Science, Industrial Leadership, Societal Challenges
Budget: rund 80 Milliarden Euro (geplant)
Programm-Laufzeit: 2014-2020
Verabschiedung: Mitte 2013 (geplant)
Erste Calls: Dezember 2013 (geplant)
Weitere Informationen: http://ec.europa.eu/research/horizon2020


