Aus der Forschung

Ein Seeelefant mit Satellitensender auf dem Kopf. Mit Hilfe der Messdaten fanden Forscher vom AWI heraus, dass die Ozeanerwärmung Seeelefanten bei der Jagd tiefer tauchen lässt. Der Sender funkt bis zu einem Jahr lang, spätestens mit dem nächsten Haarwechsel aber fällt das Gerät wieder ab. Foto: Joachim Plötz, Alfred-Wegener-Institut
Weitere Informationen:
Norddeutschland:
Sturmfluten: Nur jeder Zweite fühlt sich bedroht - Sensibilität für Klimawandel nimmt ab
Klimawandel und Küstenschutz im Internet
Mitteleuropa:
Klimawandel – Der Golfstrom wärmt sich rascher auf
Antarktis
Die Ozeanerwärmung lässt Seeelefanten bei der Jagd tiefer tauchen
Klimawandel konkret - Ergebnisse aus der Helmholtz-Forschung
In den letzten Wochen veröffentlichten Helmholtz-Zentren neue Ergebnisse aus der Klimaforschung, die hier kurz vorgestellt werden: von konkreten Prognosen für Norddeutschlands Küsten bis zu Beobachtungen im Ozean zwischen Südafrika und der Antarktis, wo Seeelefanten offenbar immer tiefere Tauchgänge unternehmen müssen, um ausreichend Nahrung zu finden.
So zeigt eine Umfrage des Helmholtz-Zentrums Geesthacht unter Hamburger Bürgern, dass der globale Klimawandel schon wenige Jahre nach der Sturmflut 2007 wieder aus dem Bewusstsein rückt. Nur noch die Hälfte der Befragten fühlt sich persönlich durch Sturmfluten und Überschwemmungen gefährdet, obwohl diese durch den Klimawandel deutlich heftiger ausfallen könnten. So zeigen Analysen, dass in Zukunft die Küstenschutzgebiete in Norddeutschland um etwa 10 Prozent ausgeweitet werden müssten, um die Bevölkerung wirksam vor Sturmfluten zu schützen. Das Norddeutsche Klimabüro am HZG hat eine Webseite entwickelt, die über das Zusammenspiel von Sturmfluten, Klimawandel und Küstenschutzbedarf informiert und konkret auch zu jeder Adresse eine Einschätzung der Gefährdung angibt.
Kältere Winter durch schrumpfende Meereisbedeckung
Der Klimawandel führt auch zu unerwarteten Effekten. So könnten die Winter in Mitteleuropa in Zukunft deutlich kälter werden, gerade weil durch den Klimawandel die sommerliche Meereisbedeckung in der Arktis kontinuierlich schrumpft. Dadurch wird im Herbst und Winter die Luft über dem arktischen Ozean stärker als in früheren Jahren erwärmt. „Diese erhöhten Temperaturen sind in den arktischen Gebieten nachweisbar“, berichtet Ralf Jaiser von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts. Und dies wirkt sich auf Zirkulations- und Luftdruckmuster aus, so dass kalte arktische Luft bis nach Europa vordringen kann.
Golfstrom hat sich rasch erwärmt
Auch der Golfstrom hat sich m Lauf des letzten Jahrhunderts verändert, wie nun ein internationales Team festgestellt hat. Aus Beobachtungsdaten und Modellsimulationen kamen sie zu dem Ergebnis, dass sich Stromsysteme wie der Golfstrom zwei- bis dreimal so rasch erwärmt haben als der Rest des Ozeans. „Wir haben insgesamt acht verschiedene globale Beobachtungsdatensätze der Temperatur angeschaut sowie Meeresströmungen mit Hilfe eines hochauflösenden Ozeanmodells unter Nutzung von Beobachtungsdaten simuliert“, erläutert Prof. Dr. Martin Visbeck, Co-Autor der Studie vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR). Um diese Vorgänge zu verstehen und klimabedingte Trends von natürlichen Schwankungen zu trennen, werden nun weitere Modellsimulationen und vor allem Langzeitbeobachtungen in den westlichen Randstromsystemen benötigt. „Der Patient Ozean braucht eine Art Langzeit-EKG, denn mit sporadischen Messungen werden wir die Ursache nur sehr schwer finden. Solche Erwärmungstrends haben auch noch andere Langzeitfolgen, wie zum Beispiel eine reduzierte Aufnahme von Kohlendioxid, die wiederum die Klimaerwärmung weiter verstärkt. Hier müssen wir aufpassen, um schwerwiegende Langzeitfolgen zu vermeiden“, resümiert Visbeck.
Seeelefanten tauchen tiefer
Die globale Erwärmung wirkt sich auf Seeelefanten aus, die im südlichen Ozean auf Inseln zwischen Südafrika und der Antarktis leben. Durch die Erwärmung des Ozeans scheinen Kalmare und Fische in größere Tiefen abgewandert zu sein, denn die Seeelefanten tauchen bei ihren Beutezügen immer tiefer. Dies konnten AWI-Experten zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus Südafrika beobachten. Sie wollen ihre Vermtungen nun mithilfe eines neuen Sensors überprüfen, der die Nahrungsaufnahme der Tiere unter Wasser registriert.


