Aus der Forschung

Mit intensiverer Landnutzung verschwinden die Insekten und damit auch Produkte, die von Bestäubung abhängig sind wie Kaffee, Kakao oder Erdbeeren. Bild: Franziska Roeder
Land ist eine limitierte Ressource
Immer mehr Menschen wollen immer intensiver die Ressource Land nutzen. Dies führt nicht nur zu Konflikten, sondern verändert auch die Oberfläche unserer Erde in vielschichtiger Art und Weise: Heute leben bereits mehr als 50 Prozent der Bevölkerung in urbanen Regionen, die Landwirtschaft ist zunehmend industrialisiert und nur ein kleiner Teil (ca. 10-11 Prozent) der Erdoberfläche sind ausgewiesene Schutzgebiete.
Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ in Leipzig untersuchen wir Konzepte für eine nachhaltige Nutzung der limitierten Ressource Land. Der IPCC1-Bericht weist darauf hin, dass 20 bis 30 Prozent der Treibhausgasemissionen durch intensivere Nutzung in der Landwirtschaft aber auch Siedlungs-und Verkehrsflächen bedingt sind. Dies befördert die Bodendegradation und -versiegelung, zerschneidet Landschaften und führt zum Verlust von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen. Im Förderprogramm „Nachhaltiges Landmanagement“ (gefördert durch das BMBF2 mit rund 115 Mio. Euro von 2010 bis 2016) sollen nun in regionalen Studien wissensbasierte Empfehlungen zur Nutzung von Land erarbeitet werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Förderprogramm durch das am UFZ angesiedelte Projekt GLUES3. Als Teil des Förderprogramms hat GLUES zum Ziel, die unterschiedlichen Projekte im Förderprogramm durch Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen und die benannten regionalen Bezüge in einen globalen Kontext zu setzen. Dabei haben wir die Ziele im Blick, die auch auf der bevorstehenden Rio +20 Konferenz als Leitplanken der Entwicklung dienen: die Armut zu verringern und den Schutz der Umwelt sicherzustellen bei stetig wachsender Erdbevölkerung.
Beispiel Ökosystemdienstleistung: Bestäubung von Anbaufrüchten
Viele Nutzpflanzen werden durch Insekten wie Honig- und Wildbienen, Schmetterlingen oder Hummeln bestäubt. Wird die Landnutzung intensiviert, indem zum Beispiel auf Äckern mehr Pestizide gespritzt, mehr Dünger ausgebracht und wertvolle Landschaftsstrukturelemente wie Hecken und Baumreihen in Ackerland umgewandelt werden, verschwinden die Insekten. Anhand von 60 Anbaufrüchten wie Kakao, Kaffee, Äpfel oder Sojabohnen haben wir mit Kollegen der TU Dresden und der Uni Freiburg diesen Zusammenhang näher untersucht. Das Ergebnis: Der Wert der ökologischen Dienstleistung durch Bestäubung ist stetig gewachsen, von rund 200 Mrd. im Jahr 1993 auf rund 350 Mrd. US-Dollar im Jahr 2009 (vgl. Lautenbach et al. 2012). Beispielsweise ist in Staaten wie etwa China, Indien, USA, Brasilien und Japan der Nutzen durch die bestäubungsabhängigen Produkte besonders hoch Die Preise für bestäubungsabhängige Produkte wie Kakao, Kaffee oder auch Früchte und Beeren werden demnach stärker ansteigen als für bestäubungsunabhängige wie etwa Reis, Getreide oder Mais. In Zukunft könnten wir daher vielleicht noch satt werden, aber uns vitaminreiche Früchte oder einen anregenden Espresso immer weniger leisten.
(Publikation: Sven Lautenbach et al. (2012): Spatial and temporal trends of global pollination benefit. PLoS ONE)
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[1] Intergovernmental Panel on Climate Change
[2] Bundesministerium für Bildung und Forschung
[3] Global Assessment of Land Use Dynamics, Greenhouse Gas Emissions and Ecosystem Services


