Hermann

Aus der Forschung

Christian Klassert

Christian Klassert

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Zur Person:

Christian Klassert am UFZ

ISEE-Konferenz 2012:

www.isee2012.org


POLICYMix-Projekt:

POLICYMix-Projekt am UFZ

policymix.nina.no

 
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Rio+20: Interview mit Christian Klassert vom UFZ

Christian Klassert ist Doktorand im Department Bioenergie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung - UFZ und war beim Nachhaltigkeitsgipfel in Rio de Janeiro vor Ort.

Welches Thema auf dem Gipfel hat Sie besonders interessiert?

Christian Klassert: Bei Rio+20 hat mich insbesondere interessiert, wie die internationale Gemeinschaft auf die Herausforderungen reagiert, die aus der steigenden Nachfrage nach landwirtschaftlichen Gütern resultieren. Der Nahrungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung, der zunehmende Fleischkonsum in Schwellenländern und die steigende Nachfrage nach Bioenergie stellen konfligierende Ansprüche an unsere Landnutzungssysteme. Sie alle stehen außerdem im Konflikt mit der Erhaltung bestehender Ökosysteme. In diesem Zusammenhang beschäftige ich mich speziell mit der Modellierung von transregionalen Auswirkungen der Bioenergieförderung. Nach Rio hat mich in erster Linie ein Vortrag bei der diesjährigen Konferenz der International Society for Ecological Economics (ISEE) geführt.

Side Event zu Wasser-, Energie- und Ernährungssicherheit

Nachdem das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ kurz vor meinem Reiseantritt für die Teilnahme an Rio+20 akkreditiert wurde, ergab sich für mich die Gelegenheit die Entwicklungen auf dem Gipfel selbst für einen Tag mit zu verfolgen. Besonders spannend war dort ein Side Event, das von Umweltminister Peter Altmaier und Entwicklungsminister Dirk Niebel eröffnet wurde und das anschließend in eine Paneldiskussion mündete. Dieses Side Event behandelte die Botschaften der sogenannten Bonn2011 Conference, die in Vorbereitung auf Rio+20 den Nexus zwischen Wasser-, Energie- und Ernährungssicherheit thematisiert hatte. Dabei spielten natürlich auch die Herausforderungen an die Landwirtschaft eine große Rolle.

Welche Fortschritte konnten Sie in den Bereichen, die Sie besonders interessierten, beobachten?

Christian Klassert: Schon am Tag vor dem Gipfel hatten wir gehört, dass von Brasilien ein ziemlich unambitionierter Entwurf für die Abschlusserklärung vorgelegt und dieser von den Teilnehmern der Vorverhandlungen akzeptiert worden war. Daher waren meine Erwartungen an den Gipfel von Beginn an ziemlich gedämpft. In der daraus hervorgegangenen Abschlusserklärung wird zwar den Themen „Food security and nutrition and sustainable agriculture“ ein eigener Abschnitt gewidmet. Aus der Erklärung resultieren allerdings keine neuen Verpflichtungen für die beteiligten Unterzeichnerstaaten.

"Sustainable Development Goals" erst 2015

Das einzige wirklich greifbare Ergebnis ist der Vorsatz, bis 2015 sogenannte „Sustainable Development Goals“ zu formulieren. Diese sind allerdings bisher so wenig festgelegt, dass unklar ist, ob sie einen Beitrag zur Lösung bestehender und zukünftiger Landnutzungskonflikte leisten können werden. Im oben bereits erwähnten Side Event vertrat Umweltminister Altmaier diesbezüglich die Ansicht, dass es wichtig gewesen sei zu verhindern, dass gar keine Einigung auf eine gemeinsame Erklärung zustande kommt. Ob der gefundene Kompromiss aber tatsächlich ein positives Signal aussenden kann, muss sich erst noch zeigen.

Konnten Sie sich zu Ihren Fachthemen einbringen?

Christian Klassert: Abgesehen von dem etwas enttäuschenden Ergebnis hatte der Gipfel den positiven Effekt, viele Wissenschaftler mit Interesse an den verhandelten Themen in Rio zusammen zu bringen. Das führte nicht nur bei Rio+20 selbst, sondern auch auf der ISEE Konferenz zu vielen spannenden Diskussionen.

POLICYMix-Projekt auf ISEE-Konferenz vorgestellt

Während der ISEE Konferenz hatte ich die Gelegenheit einen Artikel vorzustellen, den Stefan Möckel vom Department Umwelt- und Planungsrecht des UFZ und ich für das EU-FP7-Projekt POLICYMix verfasst haben. Das POLICYMix-Projekt erforscht die Einsatzmöglichkeiten ökonomischer Politikinstrumente für den Biodiversitätsschutz. Ich hoffe, dass die Erkenntnisse aus solchen Projekten in Diskussionen über die effektivsten Umweltschutzmaßnahmen auf der europäischen Ebene einfließen können, und dort vielleicht eher Ergebnisse erzielt werden können als auf der globalen Ebene.

Positive Entwicklungen in Europa könnten zudem Prozesse in anderen Ländern anstoßen. Meiner Einschätzung nach gibt es eine zunehmende Bereitschaft, bei Instrumenten der Umweltpolitik auch auf erfolgreiche Modelle aus anderen Ländern zu schauen. Dies zeigte sich auch am regen Interesse außereuropäischer Wissenschaftler an unserem relativ europaspezifischen Artikel.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Franziska Roeder.

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